Dmitri Anatoljewitsch Kusnezow (, engl. Transkription Kuznetsov oder Kouznetsov; * 1955)Gian Marco Rinaldi: Dossier Kouznetsov. 1a parte: Lo scienziato immaginario. Zuerst in: Scienza & Paranormale 43 (2002), S. 20–64 (italienisch). Rinaldi lag ein von Kusnezow übermittelter selbstverfasster Lebenslauf vor. ist ein russischer Biologe und Biochemiker. Von 1989 bis 2000 war er als Kreationist und anschließend als Sindonologe öffentlich tätig. Ihm wurden zwischen 1994 und 2002 mehrfach Fälschungen von Forschungsergebnissen und frei erfundene Belege in seinen wissenschaftlichen Veröffentlichungen nachgewiesen. Auch die Darstellungen seiner eigenen wissenschaftlichen Tätigkeiten und Aktivitäten erwiesen sich als manipuliert.

Studium und Tätigkeit bis 1989 Laut Eigendarstellung studierte Kusnezow zunächst Medizin an der Setschenow-Universität Moskau (ММА) (), an der er 1978 zum Doktor der Medizin promoviert wurde. 1981 folgte ein wissenschaftliches Forschungsdoktorat (Ph.D.) an der Moskauer Lomonossow-Universität sowie 1989 der Erwerb des Titels „Doktor der Wissenschaften“ in Molekularbiologie am „Institut für Ernährungsforschung“ () der sowjetischen „Akademie der Medizinischen Wissenschaften“.Dr. Dmitri A. Kuznetsov (M.D., Ph.D., D.Sc.), Moscow, USSR (Curriculum Vitae Kusnezows von 1990), Text auf der Skeptic Tank-Website. auf der Website des RSMU 2012 (russisch). Die von Kusnezow erworbenen sowjetischen Doktorgrade waren nach russischer Terminologie der eines „Kandidaten der Wissenschaften“ (Aspirantur) und der eines „Doktors der Wissenschaften“. In Deutschland wird der wissenschaftliche Grad „Kandidat Nauk“ dem deutschen Doktorgrad gleichgesetzt, der wissenschaftliche Grad „Doktor Nauk“ entspricht der deutschen Habilitation.Gemeinsame Erklärung zur gegenseitigen akademischen Anerkennung von Studienzeiten und Abschlüssen im Hochschulbereich sowie von Urkunden über russische wissenschaftliche Grade und deutsche akademische Qualifikationen zwischen HRK/KMK und dem Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung der Russischen Föderation 1999 auf der Website der Deutschen Hochschulrektorenkonferenz (PDF).

1983 erhielt Kusnezow den Preis des Leninschen Komsomol (), der jährlich an zwei Nachwuchswissenschaftler vergeben wurde. Später wurde diese Auszeichnung in Presseveröffentlichungen mitunter verkürzt als „Leninpreis“, die renommierteste wissenschaftliche Auszeichnung der UdSSR, wiedergegeben.Gian Marco Rinaldi: Dossier Kouznetsov. 2a parte: L'uomo che salvò la Sindone. Zuerst in: Scienza & Paranormale 43 (2002), S. 20–64 (italienisch). 1986 wurde er laut eigener Vita vom Ministerrat der UdSSR für seine biochemische Arbeit ausgezeichnet. Ein valider Beleg für diesen Preis ist bislang nicht auffindbar. Ende der 1980er-Jahre war er Beiratsmitglied des „International Journal of Neuroscience“ sowie nach eigenen Angaben Mitglied des Redaktionsausschusses zweier Fachzeitschriften namens „Journal of Applied Biochemistry and Biophysics“ und „Ecology Research“. Die beiden letztgenannten Zeitschriften erwiesen sich später als nicht existent.Ken Smith: Creationist's Chicanery Exposed. In: The Skeptic 15:1 (1995), S. 17–19, 30 (PDF).Steve Roberts: The Strange Mind of Dr Kuznetsov. In: The Skeptic 15:3 (1995), S. 33f. (PDF).

1979 begann Kusnezow mit wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Seine Aufsätze weisen ihn bis 1989 als Mitarbeiter des „Labors für Toxikologie“ der Moskauer „Städtischen Anstalt für Hygiene und Epidemiologie“ aus.Laboratory of Toxicology, Moscow City Station for Sanitation and Epidemiology, Grafskij Pereulok 4/9, Moscow 129301, USSR; beispielsweise in: DA Kuznetsov, TM Sibileva, NIO Musaje: Epygid. A new soviet antioxidant promoted the selective inhibition of membrane-dependent protein synthesis in the brain. In: Toxicology and Applied Pharmacology 85:3 (1986), S. 342–345 (doi:10.1016/0041-008X(86)90341-8); D. A. Kuznetsov: Lithium salts adopted for psychopharmacological use as the modulators of protein synthesis in the brain: analytical review. In: The International journal of neuroscience. Band 45, Nummer 1–2, März 1989, S. 1–6, PMID 2654043 (Review).Gian Marco Rinaldi: Dossier Kouznetsov. 2a parte: I risultati e i documenti di una clamorosa indagine. Zuerst in: Scienza & Paranormale 43 (2002), S. 20–64 (italienisch).

Kreationistische Forschungen mini|Die Entstehung der Arten laut der Junge-Erde-Theorie Nach eigener Aussage kam Kusnezow 1983 durch ein Buch von Henry M. Morris erstmals in Berührung mit dem Kreationismus und wurde Verfechter der Junge-Erde-Theorie, die von Morris und der Creation Research Society vertretenen wird.Carl Wieland: Interview with Dr Dmitri Kouznetsov. In: Creation 14:1 (1991), S. 34–37. Diese Organisation wird allgemein als nichtwissenschaftliche Missionsorganisation betrachtet, deren „Forschungen“ von den etablierten Wissenschaften in der Regel als wissenschaftlich unseriös eingeordnet werden. Zwei Jahre später wurde er Anhänger einer in der Sowjetunion missionierenden amerikanischen baptistischen Täuferbewegung.

1989 veröffentlichte Kusnezow in einer seriösen Fachzeitschrift einen Artikel über In-vitro-Studien an Wühlmäusen,DA Kuznetsov: In vitro studies of interactions between frequent and unique mRNAs and cytoplasmic factors from brain tissue of several species of wild timber voles of northern Eurasia, Clethrionomys glareolus, Clethrionomys frater and Clethrionomys gapperi. A new criticism to a modern molecular-genetic concept of biological evolution. In: International Journal of Neuroscience 49:1-2 (1989), S. 43–59, PMID 2691420; leicht abgewandelt als: DA Kuznetsov: Aneurochemical creationist concept based on in vitro studies of brain mRNAS of three lumber vole species: Clethrionomys glareolus, C. frater, and C. gapperi. In: Creation Research Society Quarterly 27 (1991), S. 128–135. in dem er molekulare Forschungsdaten dazu benutzte, um gegen die Evolutionstheorie zu argumentieren. Der Aufsatz behandelte die Wechselwirkungen zwischen Boten-RNA (mRNA) und Zytoplasma. Kusnezow hatte laut diesem Aufsatz mRNA von drei Wühlmausarten isoliert, um damit Protein zu erzeugen (Proteinbiosynthese). Überraschend war das Ergebnis, dass jede Wühlmausart über ein Ribonukleotid verfügte, welches die Produktion des Proteins der anderen Arten blockierte, nicht aber die der eigenen mRNA. Bei weiter entfernten Spezies wie Kaninchen sowie dem Menschen trat dieser Blockierungseffekt nicht ein. Kusnezow zog daraus den Schluss, bei diesem Ribonukleotid handele es sich um einen „antievolutionären Faktor“, der der Unveränderlichkeit der jeweiligen Spezies diene. Er wertete seine Ergebnisse als „eine neue Kritik am modernen molekular-genetischen Konzept der biologischen Evolution“ und als Bestätigung „des allgemeinen kreationistischen Konzepts“ der Entwicklung der verschiedenen Lebensformen.

Die in dieser Veröffentlichung vertretene These verschaffte Kusnezow einen eindrucksvollen Start in der kreationistischen Szene. Anfang 1990 traf er sich mit Mitarbeitern des „Institute of Creation Research“ (ICR) im kalifornischen Santee und vereinbarte eine Zusammenarbeit. In den folgenden Jahren schmückte sich die „Creation Science Foundation“ öffentlich mit dem von ihnen als „Top-Wissenschaftler“ und „wahren Weltklasse-Forscher“ bezeichneten Kusnezow, der erklärte, Anhänger der Evolutionstheorie würden Daten zur Stützung ihrer Theorie „subjektiv“ auswählen. Verschiedene kreationistische Organisationen finanzierten die von Kritikern als „Freizeit-Forschungen“ bezeichneten antievolutionären Untersuchungen des „kreationistischen Superstars“.Ronald L. Numbers: The creationists. From scientific creationism to intelligent design. (Expanded Ed.) Cambridge MA: Harvard University Press 2006, S. 413f.

1990 wurde Kusnezow Präsident der „Moscow Creation Science Fellowship, Inc.“ Er reiste durch die Vereinigten Staaten, hielt Vorträge über biologische Beweise für den Kreationismus und veröffentlichte mehrere Arbeiten in kreationistischen Zeitschriften.z. B. DA Kouznetsov, AA Ivanov: Does the Neo-Darwinian Principle of Homology Work at the Genome Level? In: Creation Research Society Quarterly 28:1 (1991), S. 33–35 (); DA Kouznetsov: Modern concepts of Species. Do We Come Back to Fixism? In: Creation Ex Nihilo Technical Journal 5:2 (1991), S. 123–129. Mit dem Kreationisten Lionel DahmerPh.D., analytischer Chemiker und Vater von Jeffrey Lionel Dahmer, s. Lionel Dahmer: Mein Sohn ist ein Mörder. Geschichte eines Vaters. Frankfurt a. M.: Fischer Tb 1995. sowie seinem Freund und Mitarbeiter Andrei A. Iwanow (engl. Ivanov) veröffentlichte er eine Untersuchung zur Altersbestimmung von Saurierknochen, die laut den Autoren ein Alter von zwanzig- bis dreißigtausend Jahren ergeben haben soll.L Dahmer, D Kouznetsov et al.: Report on Chemical Analysis and Further Dating of Dinosaur Bones and Dinosaur Petroglyphs. In: Proceedings of the Second International Conference on Creationism. Pittsburgh PA 1990, Vol. 2, S. 371–374. Auch dieses dem allgemeinen Forschungsstand widersprechende Ergebnis stieß auf wohlwollende Aufnahme durch die Kreationisten.Dmitri Kouznetsov: Novedades científicas procedentes de la ex-Unión Soviética. SEDIN-Website 1997 (spanisch); zuerst als Creation science: rising rapidly in renovated Russia. In: Creation 13:3 (1991), S. 18–20.Intro to Munro. In: ASA/CSCA Newsletter 36:4 (1994), S. 1.

1991 organisierte die „Creation Science Foundation“ für Kusnezow eine Vortragstournee durch Australien. 1992 und 1994 organisierte er internationale kreationistische Symposien in Moskau. 1992 veröffentlichte er in Moskau die Streitschrift „Was Ihr Lehrbuch verschwiegen hat. Wahrheit und Fiktion in der Theorie der Evolution“,Д.А. Кузнецов: О чем умолчал ваш учебник: Правда и вымысел в теории эволюции. Москва 1992 (russisch) 1993 einen Sammelband unter dem Titel „Die wissenschaftliche Stiftung für die Idee der Schöpfung“, der Aufsätze russischer Wissenschaftler mit antievolutionistischer Tendenz enthielt.s. Friends of Russian Jewry (Hg.): Fifth Catalogue of Resources for Russian Jewish Evangelism. Springfield VA 1997, S. 19 (PDF). Außerdem schrieb er in der Monatsschrift „The Protestant“ eine Kolumne unter dem Titel „Wissenschaft ohne Atheismus“.

Vorwürfe wissenschaftlicher Fälschung