Twike (Eigenschreibweise „TWIKE“), mit Sitz in Rosenthal, ist ein deutscher Hersteller von Leichtelektromobilen. Hauptprodukt des Unternehmens ist ein gleichnamiges dreirädriges Fahrzeug der EU-Fahrzeugklasse L5e für zwei Personen. Es war nach dem CityEL eines der meistverkauften Elektroautos in Europa und wurde in Bezug auf die Zulassungszahlen erst 2013 von Renault Zoe überholt.

Geschichte The Innovative Vehicle Design Competition Das Ur-Twike geht auf einen Entwurf von Schweizer Lehrlingen und Studenten zurück. Es wurde 1986 für einen Wettbewerb ("Innovative Vehicle Design Competition" IVDC) der EXPO in Vancouver entwickelt und war ein reines Velomobil ohne Motorunterstützung. Dieses Fahrzeug gewann gegen alle konkurrierenden Entwürfe mit Verbrennungsmotor den "Functionality Award" für die beste ergonomische Gestaltung.https://www.twikeklub.ch//archiv/Geschichte.htm

Twike 2 mit Elektromotor Inspiriert vom Erfolg des Twike trieben drei Menschen aus der Gruppe der Konstrukteurinnen und Konstrukteure die Entwicklung voran. Um in alltagstaugliche Konkurrenz zu anderen Automobilen treten zu können, wurde ein Prototyp mit elektrischer Unterstützung entwickelt, der 1991 als Twike II auf der HEUREKA-Ausstellung in Zürich der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. 1992 gründete sich die Twike AG, mit Sitz im Schweizer Gelterkinden, um den Prototyp zur Serienreife zu bringen.

Serienproduktion ab 1995 1992 begann die Twike AG mit der Suche nach Kapital und Kunden. Die Produktion des Twike III begann 1995 mit einer Kleinserie von 200 Exemplaren, von denen die ersten 10 als Vorserienmodell deklariert wurden. Die übrigen 190 Fahrzeuge wurden im Laufe des ersten Jahres hauptsächlich an Kunden in der Schweiz und in Deutschland verkauft. 1997 erhielt die S-LEM AG (Travers, Schweiz) die Lizenz für die Endmontage. 1999 fusionierte die Twike AG mit der S-LEM AG zur SwissLEM AG mit Sitz in Hochdorf, Schweiz.The TWIKE: World's only human-electric hybrid car, ZDNet, seen March 8, 2024

FINE Mobile ab 1998 1998 wurde die FINE Mobile GmbH („Forum für intelligente und nachhaltige Elektromobile“) zunächst mit Sitz in Augsburg gegründet, um Generalimporteur für Deutschland zu werdenhttps://www.twikeklub.ch//archiv/a1998/news1998.htm. Im selben Jahr startete die FINE Mobile auch die deutsche Produktionslinie. Die aus der Schweiz importierten Karosserien wurden im hessischen Rosenthal endmontiert. Grund dafür war die deutsche Zulassungsvorschrift, die eine Verbundglasfrontscheibe fordert, während die Schweizer Modelle lediglich mit Plexiglas ausgestattet sein dürfen. Später wurde der Unternehmenssitz ebenfalls nach Rosenthal verlegt.

Twike.Me & Twike.You Bald machte sich die SwissLEM AG Gedanken über die Erweiterung ihrer Produktpalette. Geplant war ein Fahrzeug ohne Tretpedale, mit ähnlicher Reichweite, aber mehr Leistung, Platz und Gewicht im Vergleich zum Twike 3.https://www.twikeklub.ch/big/2001/SwissLEM_Nov2001/SL20011123_02428_f.jpg Für das Design wurde Sbarro verpflichtet, ein erster Prototyp im Jahr 2000 auf dem Genfer Automobilsalon präsentiert.http://sbarro.phcalvet.fr/voitures/TwikeMe/Twike.html Als Energiequelle war eine Zebra-Batterie vorgesehen. Während dieses Fahrzeug als Twike.Me entwickelt und zur Serienreife gebracht werden sollte, wurden am Twike 3 bereits ab Sommer 2001 Designelemente übernommen und das Fahrzeug zum Twike.You umbenannt. Wegen der folgenden Geschäftsturbulenzen und wegen Zulassungsmodalitäten wurden in Deutschland Fahrzeuge mit der überarbeiteten Optik allerdings erst 2004 und gegen Aufpreis als „Redesign“ verkauft.

Konkurs und Umzug nach Deutschland Als die SwissLEM im Sommer 2002 in Konkurs ging, übernahm FINE Mobile die Produktions- und Markenrechte am Twike.https://ds1.dreifels.ch//twikeklub/images/2_Pressemitteilung_27062002.pdfhttps://www.twikeklub.ch//index.asp?PA=page.asp?DH=801 Seitdem ist die Fine Mobile GmbH aus Rosenthal Rechteinhaber und weltweit einziger Produzent des Twike. Die Entwicklung des Twike.Me wurde eingestellt.

Weiterentwicklung Seit der Übernahme der Produktion durch die FINE Mobile GmbH wurden zahlreiche Verbesserungen an der Technik und dem Aussehen des Twike durchgeführt. Ein leiseres Getriebe, ein neuer Motor, „Breitreifen“ und nicht zuletzt die Umstellung auf Lithium-Ionen-Zellen konnten das Twike evolutionär modernisieren. Trotz enthusiastischer Fanbasis blieb das Twike 3 allerdings ein Nischenprodukt. 2009 entstand mit dem TW4XP („Twike for XPrice“, später „Twike 4“) ein Versuchsträger, um die Idee eines „human powered hybrid“ mit Elektroantrieb von Grund auf neu zu denken.https://ds1.dreifels.ch//twikeklub/index.asp?PA=page.asp?DH=801 Auf dessen Basis entwickelt die Firma seit 2015 das Twike 5 zur Serienreife.

Von der Twike AG zur Twike GmbH Anfang 2020 benannte sich die FINE Mobile GmbH in TWIKE GmbH um.

Fahrzeuge Twike 1 Das erste Twike ist ein vollverkleidetes Tandem Trike, ein zweisitziges Velomobil, bei dem beide Passagiere nebeneinander sitzend ohne Motorunterstützung für Vortrieb sorgen. Entwickelt wurde das Fahrzeug von einer Gruppe von Personen mit "vielfältigem beruflichen Hintergrund" (z. B. Studenten von Hochschulen, aber auch Lehrlinge aus Basel, Chur, Winterthur, Gelterkinden und Zürich) unter dem Arbeitstitel "Project 50/50": Es sollte mit einem Gewicht von 50 kg von 2 Personen auf eine Geschwindigkeit von 50 km/h beschleunigt werden können. Struktur und Hülle des fertigen Fahrzeugs bestanden aus faserverstärktem Kunststoff.Geschichte des Twike laut HerstellerWie entstand das TWIKE, Twike Klub, aufgerufen am 7. Juli 2024 (German)Weitere Fotos vom Ur-Twike mitsamt seiner Erfinder, ETH-Bibliothek, 19. Juni 2023, abgerufen am 20. Oktober 2024

Twike 2 1991 wurde das Twike 2 vorgestellt. Es verfügte über einen Riemenpedalantrieb ohne Schaltgetriebe und einen Gleichstrommotor, der mit NiCd-Batterien betrieben wurde. In Zusammenarbeit mit der Alusuisse-Lonza Holding entstand eine mit Kunststoff überzogene Rahmenstruktur aus Aluminium. Ein zweiter Prototyp mit Wechselstrommotor und verbessertem Fahrwerk erreichte schließlich 75 km/h Spitze und eine Reichweite von bis zu 100 km.https://www.twikeklub.ch//archiv/Geschichte.htm Auf Wettbewerben wie unter anderem der Alpinen Solarmobil-Europameisterschaft konnte das Konzept sein Potential unter Beweis stellen. Allerdings war das Twike 2 genau wie das Ur-Twike nicht zum Verkauf vorgesehen.

Twike 3

Das Twike 3 wird seit seiner Veröffentlichung 1995 bis heute nahezu unverändert gebaut. Nur kleine Modifikationen an Karosserie, Innenraum und Akkus wurden seitdem vorgenommen. Seit Baubeginn wurden weit mehr als 1000 Fahrzeuge in Handarbeit gefertigt. Konstruktion Bei Twike handelt es sich um ein Fahrzeug, das zwischen einem Velomobil und einem Automobil zu verorten ist. Das Chassis besteht aus Aluminium, die Karosserie ist eine Kombination aus Aluminium und Kunststoff. Es kann entweder rein elektrisch oder zusätzlich (aber nicht alleine) mit Pedalkraft betrieben werden. Zwischen den Jahren 2001 und 2015 wurde neben dem Twike mit Pedalen ("Active") auch eine Version ohne angeboten ("Easy").

Die Dreiradkonstruktion entspricht der Grundform eines „Deltas“ mit einem (lenkbaren) Vorderrad und einer Hinterachse mit zwei Rädern und ist für die Beförderung von zwei Personen plus Fracht ausgelegt. Sowohl Motor als auch Akkumulatoren, das Gepäckabteil sowie ein Großteil des Gewichts der zu transportierenden Personen belasten die Hinterachse. Dadurch wird eine günstige Kippstabilität erreicht. Die Haube dient als zusätzlicher Überrollbügel und trägt die Verbundglasscheibe (zulassungspflichtig in Deutschland) oder eine leichtere Plexiglasscheibe und das abnehmbare Cabrio- bzw. Targaverdeck.

Bedienung und Ausstattung Gelenkt wird das Twike mit einem Joystick (Hebel) zwischen den Sitzen. Zwei zweistufige Tasten am Joystick dienen der Beschleunigung und der Verzögerung durch Rekuperation. Die Fußbremse sorgt für zusätzliche Verzögerung und wird über die Tretpedale ("Twike Active") oder ein separates Bremspedal ("Twike Easy") betätigt. Eine in der Mitte der Kabine angebrachte Schalttafel enthält die Bedienelemente für die Scheinwerfer, Nebelrückleuchte, Warnblinker, Frontscheibenheizungsgebläse, Ein- und Ausschalter sowie den Bordcomputer. Links vom Fahrer ist die Handbremse mit weiteren Bedienelementen: Fernlicht, Scheibenwischer und Hupe.Elektroauto Twike im Test Zum Einsteigen wird die Haube aufgeklappt, unterstützt durch eine Gasfeder. Eine separate Heckklappe zum Kofferraum fehlt genauso, wie eine Innenraumheizung.

Antrieb Für den Vortrieb hat das Twike einen Drehstrom-Elektromotor mit einer Nennleistung von 3 kW und einer (über den Bordcomputer einstellbaren) Spitzenleistung von 7–9 kW. Die beiden Hinterräder werden über ein Differentialgetriebe von einem Motor direkt angetrieben. Damit erreicht das Automobil eine Geschwindigkeit von 85 km/h in der Ebene. Der Pedalantrieb ist (im "Twike Active") für Fahrer und Beifahrer vorhanden. Er kann unabhängig voneinander betätigt werden, ist für den Vortrieb allerdings nicht notwendig. Eine Beschleunigung aus dem Stand ist mittels Muskelkraft nicht vorgesehen und auch in der Ebene nur mit intensiver Anstrengung zu bewältigen. Mittels 5-Gang-Nabenschaltung (Sachs Pentasport) kann die Tretfrequenz an die Geschwindigkeit angepasst werden.

Energieversorgung Die Akku-Technologie hat seit Erscheinen des Twikes erhebliche Fortschritte gemacht. Das Twike verwendete zunächst NiCd-Batterien, später Li-Mn, LiFePO4 und LiIon.Batteriedaten Twike, Dreifels.ch, abgerufen am 13. Juli 2024Newsarchive, Twike Klub, abgerufen am 13. Juli 2024 Die Einführung der Li-Ionen-Akkus im Modelljahr 2008 führte zu deutlich größerer Reichweite und besserer Zyklenfestigkeit. Das Twike war damit das erste Serienfahrzeug weltweit, das Li-Ionen-Akkus verwendete.Twike, das erste Serienfahrzeug mit Lithium-Batterien, Zeitpunkt.ch, 28. Mai 2008 Das Twike 3 wird heute mit Lithium-Ionen-Batterien in vier Leistungsklassen produziert. Die kleinste liefert 7 kWh mit einer Reichweite von 160 km und die größte 18 kWh mit einer Reichweite von bis zu 400 km. Der Akku kann an einer herkömmlichen Haushaltssteckdose, aber auch an einer öffentlichen Ladestation geladen werden. Die Energie wird zudem während der Fahrt durch regeneratives Bremsen zurückgewonnen, und das elektrische System wird durch das Pedalsystem entlastet, das seine Leistung direkt auf den Antriebsstrang überträgt. Beide Systeme arbeiten parallel und nicht in Reihe.

Verbrauch und Reichweite Das Gewicht des Twike beträgt 240–350 Kilogramm. Die Reichweite beträgt – je nach Akku und Fahrweise – zwischen 40 und 500 km bei einem Verbrauch von rund 4 bis 8 kWh/100 km. Dies entspricht 14,4–28,8 Megajoule/100 km. Der deutlich geringere Energieverbrauch im Vergleich zum Verbrennungsmotor ist dem viel höheren Wirkungsgrad des Elektroantriebs, der aerodynamisch günstigen Formgebung mit geringer Querschnittsfläche sowie der Leichtbauweise (Aluminium, Kunststoff) zu verdanken. Auch die mäßige Höchstgeschwindigkeit sowie die Bremsenergierückgewinnung wirken sich günstig auf den Verbrauch aus. 2020 führte die amerikanische Umweltbehörde EPA einen Verbrauchsvergleich verschiedener in den USA zugelassener Elektrofahrzeuge durch. Dabei wurde das Tesla Modell 3 Long Range AWD, Modelljahrgang 2021, mit einem Verbrauch von 25 kWh / 100 Meilen (entspricht 15,5 kWh / 100 km) auf den ersten Platz der Tabelle gesetzt. Die 25 Jahre alte Technik des Twike 3 unterbietet diesen Wert um mindestens die Hälfte.2021 Electric Vehicles, Fueleconomy, abgerufen im Februar 2024 Galerie Twike 3

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