mini|Die Wiedner Hauptstraße in Richtung Norden mini|Historische Straßentafel Wiedner Hauptstraße Die Wiedner Hauptstraße liegt im 4. Wiener Gemeindebezirk, der Wieden, und im 5. Bezirk, Margareten. Sie wurde 1862 nach dem einstigen Wiener Vorort Wieden benannt und war vorher als Alte Wieden Hauptstraße, Matzleinsdorfer Hauptstraße und Matzleinsdorfer Straße bekannt. Sie ist ein bedeutender historischer Verkehrsweg Alt-Wiens.
Lage und Charakteristik Die Wiedner Hauptstraße ist Teil der historischen Verkehrsachse Kärntner Straße – Wiedner Hauptstraße – Triester Straße, die seit der Römerzeit von Wien in den Süden führte. Sie beginnt in Verlängerung der Kärntner Straße beim Karlsplatz und verläuft in südwestlicher Richtung, unterschiedlich breit und unregelmäßig, bis zur Reinprechtsdorfer Straße beim Matzleinsdorfer Platz, wo sie sich dann in der Triester Straße fortsetzt. Der nicht geradlinige Verlauf, bei dem sich Abzweigungen häufig zu kleinen Plätzen erweitern, ist typisch für sie. Teilweise wird die Wiedner Hauptstraße von Alleebäumen gesäumt. Sie wird, je weiter stadtauswärts man kommt, desto breiter und vom Autoverkehr stärker frequentiert.
Auf dem Großteil der Wiedner Hauptstraße verkehren die Straßenbahnlinien 1 und 62 sowie die Badner Lokalbahn. Im Bereich der Bezirksgrenze 4. / 5. Bezirk verschwinden die Straßenbahngleise im Untergrund und werden bis zum Matzleinsdorfer Platz als U-Straßenbahn geführt.
Der historische Straßenzug bildete das Zentrum des Vorortes Wieden und verlief bis zum Vorort Matzleinsdorf. Bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Verkehrsweg nur im heutigen 4. Bezirk von Häusern gesäumt, während die Route im heutigen 5. Bezirk durch freies Gelände führte. Die Verbauung war ursprünglich einheitlich durch spätjosephinische und biedermeierliche Häuser geprägt. Ende des 19. Jahrhunderts mussten diese hauptsächlich am Beginn der Wiedner Hauptstraße großen historistischen Bauten weichen sowie einzelnen Neubauten aus dem 20. Jahrhundert. Nur im mittleren Bereich der Wiedner Hauptstraße ist noch ein Ensemble von Bauten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhalten. Im 5. Bezirk begann die Verbauung erst um 1900, sodass sich hier neben gründerzeitlichen und Jugendstilbauten auch Gemeindebauten finden. Die Bedeutung der Häuser der Wiedner Hauptstraße im 5. Bezirk fällt gegenüber denen im 4. Bezirk stark ab.
Bedeutende Bauwerke Im Bereich des heutigen Karlsplatzes fließt der Wienfluss unterirdisch. Bis um 1900 war sein Flussbett aber offen, sodass er mit einer ursprünglich hölzernen, später steinernen Brücke seit dem Mittelalter überquert wurde. Von 1854 bis 1897 führte hier die Elisabethbrücke von der Kärntner Straße über den Wienfluss zur Wiedner Hauptstraße. Danach wurde die Wien eingewölbt und die Brücke überflüssig. Wo früher die Brücke stand, befindet sich heute der Beginn der Wiedner Hauptstraße zwischen Resselpark und Rosa-Mayreder-Park.
Nr. 6–10: Technische Universität mini|Nr. 6: Bibliothek der Technischen Universität Hier befindet sich das neue Institutsgebäude der Technischen Universität und deren Bibliothek. Es wurde bis 1988 von den Architekturbüros Dahinden, Gieselmann, Marchart und Moebius & Partner errichtet. Der Bibliotheksbau besitzt eine große, markante Eulenfigur von Bruno Weber als Blickfang an der Gebäudeecke zum Karlsplatz.
An dieser Stelle befand sich ein großer Komplex von zusammenhängenden Wohnhäusern bis zum Wienfluss, der als Freihaus auf der Wieden bekannt war. Nach Anfängen im 17. Jahrhundert und den Zerstörungen während der Zweiten Türkenbelagerung Wiens 1683 wurden die Gebäude ab 1684 errichtet und mehrfach erweitert und ausgebaut, sodass es sich im 18. Jahrhundert um das größte Privatmiethaus Wiens mit an die 1000 Bewohnern handelte. Der Baukomplex enthielt auch eine Rosalienkapelle und das sogenannte Freihaustheater, an dem 1791 Mozarts Oper Die Zauberflöte uraufgeführt wurde, ab 1850 auch gewerbliche Betriebe und Gassenlokale. Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts kam es immer wieder zu Abbruchplänen und fortschreitender Verwahrlosung der Gebäude. Seit 1913 wurde tatsächlich demoliert, aber immer nur teilweise, sodass Bereiche des Freihauses bis 1970 erhalten blieben. 1968 wurde der Bereich an der Wiedner Hauptstraße abgerissen.
Vor dem Freihaus an der Wiedner Hauptstraße befand sich seit dem 18. Jahrhundert der Wiener Naschmarkt, der erst nur aus einigen Bratelbratern und Knödelhütten bestand. Nach dem Ausbau und der Renovierung des Freihaues 1786–1790 wurde 1793 angeordnet, dass alles Obst und Gemüse, das nicht über die Donau, sondern mit Wagen nach Wien gebracht wurde, hier zum Verkauf gelangen musste. Daher waren die Marktstände hier sehr begehrt und vererbten sich oft über Generationen weiter. Nach der Einwölbung des Wienflusses wurde der Naschmarkt von der Wiedner Hauptstraße auf das neu gewonnene Areal über der Wien verlegt, wo er sich noch heute befindet.
Nr. 7: Hotel Goldenes Lamm mini|Nr. 7: Ehemaliges Hotel Goldenes Lamm Das ehemalige Hotel Goldenes Lamm wurde 1760 nach dem großen Brand auf der Wieden errichtet und 1823 durch den Architekten Josef Klee aufgestockt. Es ist ein spätbarockes Vorstadthaus mit einer frühhistoristischen Fassade aus der Zeit um 1855. Am Gebäude befindet sich eine Gedenktafel für den tschechischen Komponisten Antonín Dvořák, der hier öfters wohnte. Bedeutend war das Hotel vor allem durch den vor dem Haus befindlichen Stellwagenstandplatz, von dem Stellwägen nach Hainburg an der Donau, Pottendorf, Traiskirchen, Mödling und Brunn am Gebirge abgingen. Heute befindet sich im Hotel das Institut für Stochastik und Wirtschaftsmathematik der TU Wien.
Nr. 9: Hotel Zur Stadt Ödenburg Der ehemalige Gasthof Zur roten Ente, später Zur Stadt Ödenburg (ungarisch Sopron) wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut. Er besitzt einen langgezogenen Hoftrakt mit Pawlatschen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Durch den Erfolg des Goldenen Lamms angeregt, richtete man ebenfalls einen Stellwagenverkehr ein, der von hier nach Rodaun, aber auch bis in die ungarischen Städte Güns und Steinamanger führte.
Nr. 12: Hotel Stadt Triest Am Rilkeplatz befindet sich das Hotel Triest, das ursprünglich Schwarzer Bär und Goldener Bär hieß. 1995 wurde es in ein Luxushotel umgestaltet und als Das Triest neu eröffnet. Auch von diesem alten Gasthof gingen einst wichtige Stellwagenlinien nach Laxenburg oder Traiskirchen ab.
In dieser Gegend stand der historische Laßlaturm. Es war ein hoher Quaderbau mit vier spitzen Ecktürmchen, der als Bollwerk die äußere Grenze der Vorstadt Wieden bezeichnete. 1452 erhielt er seinen Namen nach König Ladislaus Postumus, der durch den im Bau befindlichen Turm hindurch in die Stadt einzog. Der 1461 vollendete Laßlaturm erlitt bei der Ersten Türkenbelagerung Wiens 1529 schwere Beschädigungen und wurde daraufhin abgebrochen.
Nr. 14: späthistoristisches Zinshaus mini|Dekor am Haus Wiedner Hauptstraße 14 Das Gebäude wurde 1898 nach Plänen des Architekten Ludwig Baumann errichtet. Der reiche secessionistische Dekor mit Puttenreliefs stammt von Matscheko und Schrödl. Im Haus befindet sich eine traditionsreiche Apotheke, die bereits 1708 gegründet wurde und die älteste Apotheke auf der Wieden ist. Ein modernes Mosaik mit dem Symbol der Heiligen Dreifaltigkeit ziert die Fassade.
Nr. 15–17: Habig-Hof 1896/1897 wurden vom Architekten Heinrich Adam mehrere ältere Gebäude zu einem monumentalen palaisartigen Doppelmiethaus zusammengefasst und im späthistoristischen Stil neu fassadiert. Das Gebäude erhielt nach dem Besitzer, der Hutfabrik P. & C. Habig, den Namen Habig-Hof. Das ehemalige Verkaufslokal der Firma ist erhalten und besitzt noch das historische Geschäftsportal und die Einrichtung. Dahinter befindet sich ein Rücktrakt mit barockisierendem Dekor und einem Madonnenrelief. Auf dem Areal der Hutfabrik Habig befindet sich der 1995 errichtete Ausstellungsbau der Generali Foundation.
Im Haus wohnte lange Jahre der Volksschauspieler Fritz Imhoff, an den eine Gedenktafel erinnert.
Nr. 18–20: späthistoristisches Eckhaus Das Haus wurde 1894 nach Plänen von Carl Holzmann erbaut und besitzt reichen barockisierenden Dekor und eine markante Eckkuppel.
Nr. 19: Zum rothen Rössel Das Haus Zum rothen Rössel an der Abzweigung der Favoritenstraße und an der dortigen platzartigen Erweiterung wurde 1838 von Franz Xaver Lössl erbaut. Das frühhistoristische Zinshaus war ursprünglich eine Pensionsgesellschaft der bildenden Künstler.
Paulanerkirche mini|Paulanerkirche Die katholische Pfarrkirche zu den Heiligen Schutzengeln ist allgemein als Paulanerkirche bekannt. Sie wurde zur Bekämpfung der Reformation im Zuge der von Kardinal Melchior Khlesl eingeleiteten Klosteroffensive erstmals in den Jahren 1627–1655 vom Orden der Paulaner errichtet, die 1624 von den Niederlanden nach Wien berufen worden waren. Der Standort befindet sich an einer alten, historischen Weggabelung (Wiedner Hauptstraße/Favoritenstraße). Nachdem die Kirche während der Zweiten Türkenbelagerung 1683 zerstört worden war, wurde sie bis 1686 wieder neu aufgebaut. Der Turm folgte erst 1717. Die anschließenden Klostergebäude wurden bis auf Reste (der heutige Pfarrhof) 1797/1798 abgetragen, nachdem der Paulanerorden 1783 aufgehoben worden war.
Die Paulanerkirche besitzt eine schlichte frühbarocke Fassade nach italienischem Vorbild, die nach Norden, also Richtung Stadtzentrum, ausgerichtet ist. Der basilikale Innenraum ist mit bedeutenden Kunstwerken ausgestattet. Das Bild der Schutzengel am Hochaltar stammt von Josef von Hempel (1844), an den Seitenaltären befinden sich eine Immaculata von Leopold Kupelwieser (1844), eine Kreuzaufrichtung von Johann Michael Rottmayr (um 1700), Die Wunder des heiligen Franz de Paula von Ignaz Bendl (um 1700) und mehrere anonyme Werke aus dem 18. Jahrhundert. In der Kirche wird auch ein Gemälde von Paul Troger verwahrt, das den Heiligen Andreas darstellt.
Auf dem kleinen Platz vor der Kirche stand ursprünglich der Schutzengelbrunnen, der 1963 auf den nahe gelegenen Rilkeplatz transferiert wurde, wo er den im Zweiten Weltkrieg zerstörten Rainerbrunnen ersetzte.
Nr. 23–25: Rainer-Hof Das ehemalige Hotel Carlton wurde 1911/1912 nach Plänen von Rudolf Erdös erbaut. Später wurde daraus das Hotel Rainerhof, dann das Hotel Papageno. Das Eckgebäude besitzt secessionistische Formen mit Rokokoelementen.
Nr. 27–29: Hotel Erzherzog Rainer mini|Wiedner Hauptstraße 27–29, Hotel „Erzherzog Rainer“ Das ehemalige Hotel Mozarthof, seit 1913 Hotel Erzherzog Rainer, wurde 1912 ursprünglich als Wohn- und Bürohaus errichtet und bildet mit dem benachbarten Rainer-Hof eine architektonische Einheit. Im Vorgängerbau auf Nr. 27 starb der Wiedner Kommunalpolitiker und Wohltäter Josef Treitl.
Nr. 30: Zum Erzherzog Karl Das Bürgerhaus wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut. Charakteristisch ist sein Eckerker mit Zwiebelhelm.
Nr. 32: Blutspendezentrale des Roten Kreuzes mini|Nr. 32: Wohnhaus von Christoph Willibald Gluck Das zweistöckige Bürgerhaus Zum silbernen Löwen stammt ebenfalls aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Es besitzt eine schlichte, aber gut proportionierte Fassade. Hier wohnte seit 1752 der bedeutende Komponist Christoph Willibald Gluck. Er war seit 1784 auch Besitzer des Hauses und starb hier am 15. November 1787. Eine Gedenktafel wurde in den 1830er Jahren vom damaligen Hausbesitzer Franz Freiherr von Werner gestiftet, die denkmalgeschützt ist. Heute befindet sich in dem Gebäude die Blutspendezentrale des Roten Kreuzes.
Nr. 34: Zu den drei Rösseln Das Bürgerhaus wurde Ende des 18. Jahrhunderts errichtet und besitzt alte Bausubstanz. Es hieß ursprünglich Gnadengreißlerhaus, weil hier ein Greißler war, der sein Gewerbe gnadenhalber ausüben durfte. Heute befindet sich darin die Firma Alois Frimmel, auch Wiener Knopfkönig genannt.
Nr. 36 und Vicki-Baum-Platz