Das Bernabéu (auch Bernabéu-Stadion), ehemals Nuevo Estadio Chamartín (1947–1955) und Estadio Santiago Bernabéu (1955–2025), ist ein Fußballstadion mit schließbarem Dach im Stadtbezirk Chamartín der spanischen Hauptstadt Madrid. Es ist im Eigentum des Fußballvereins Real Madrid und nach dem langjährigen Präsidenten Santiago Bernabéu (1895–1978) benannt. Die Spielstätte wurde von 1944 bis 1947 erbaut und liegt im Stadtzentrum. Es fasst 83.186 Zuschauer. Seit dem 14. November 2007 gehört das Bernabéu zur Kategorie 4, der höchsten Stadion-Klasse gemäß der Einstufung der UEFA.

Geschichte Anfänge Santiago Bernabéu, der mit 14 Jahren bei Real Madrid das Fußballspielen anfing, später erster Sekretär, Trainer und von 1943 bis 1978 Präsident war, träumte davon, Real Madrid zum besten Verein in Europa und der Welt zu machen. Das neue Stadion sollte dahingehend den ersten Schritt markieren. Zu jener Zeit, in der die einzigen Einnahmen der Vereine die Ticketverkäufe waren, kam er auf die Idee, dass man mit dem größten Stadion die höchsten Einnahmen und somit den größten und besten Verein der Welt haben würde. Nachdem 1944 genügend Spenden der Real-Anhänger eingeholt worden waren, begann der Bau am 27. Oktober des Jahres in Chamartín de la Rosa, einer Gemeinde nördlich der spanischen Hauptstadt die erst am 5. Juni 1948 als Stadtbezirk Chamartín Madrid eingegliedert werden sollte. Das damals noch weit abseits des Stadtgebietes gelegene Bauareal lag unmittelbar neben den Grundstücken der damaligen Wettkampfstätte des Vereins, dem Estadio de Chamartín, mit dem es sich teilweise überschnitt.

Das Stadion wurde Ende des Zweiten Weltkrieges gebaut und am 14. Dezember 1947 als Nuevo Estadio Chamartín mit 75.000 Plätzen in einem Freundschaftsspiel zwischen der Heimmannschaft und Belenenses Lissabon offiziell eröffnet. Die Begegnung endete mit 3:1 für Real Madrid und der erste Torschütze im neuen Stadion war Sabino Barinaga. Seither wurde es mehrmals erweitert oder umgebaut. Bereits 1953, nur sechs Jahre nach der Eröffnung, begannen die Bauarbeiten eines dritten Ranges auf der Osttribüne. Am 19. Juni 1954 waren diese beendet und die Kapazität der Spielstätte erhöhte sich auf 125.000 Plätzen. Die ausgebaute und durch zwei Türme begrenzte Tribüne sollte über mehrere Jahre das Erscheinungsbild des Santiago Bernabéu prägen. Am 14. Januar 1955 stimmte die Mitgliederversammlung des Klubs für die Umbenennung des Stadions zu Ehren des damaligen Vereinspräsidenten Santiago Bernabéu, nach dessen Vision die Spielstätte gebaut worden war.

Am 18. Mai 1957 weihte Real Madrid in einem Spiel gegen Sport Recife die Flutlichtanlage des Stadions ein. Es war die erste dauerhafte Beleuchtungsanlage eines Fußballstadions in Spanien, seither waren auch Nachtspiele möglich. Am 1. Mai 1964 veranstaltete die Diktatur von Francisco Franco hier eine Feier zum 25. Jahrestag seines Sieges im Bürgerkrieg mit 200.000 Zuschauern, die der Historiker Till Kössler als „Einheitsshow“ bezeichnet. Eine weitere technische Neuerung stellte die Installation einer elektronischen Anzeigetafel zum 25. Jubiläum des Stadions am 14. Dezember 1972 dar. Auch in diesem Fall war Real Madrid Pionier im spanischen Fußball.

Renovierung für die WM 1982 Die nächste umfassende Renovierung des Estadio Bernabéu wurde zur Fußball-Weltmeisterschaft 1982 in Angriff genommen. Hierbei wurden auf der Haupt- und Gegentribüne die Stehplätze in Sitzplätze umgewandelt, dadurch verringerte sich die Kapazität auf rund 90.000 Plätze. Außerdem wurden die West- sowie die beiden Tortribünen überdacht, zwei elektronische Anzeigetafeln in die neue Dachkonstruktion eingebaut, die Außenfassade des Stadions sowie Presseeinrichtungen, Umkleidekabinen, die Stadionzugänge und diverse andere Inneneinrichtungen renoviert. Die Architekten des Umbaus waren Luis und Rafael Alemany Indarte, die Söhne von Luis Alemany Soler, einem der Architekten des Stadions, sowie Manuel Salinas. Die Kosten für den Umbau beliefen sich auf 704 Millionen Peseten, von denen der Klub selbst 530 Millionen trug.

Erweiterung 1992–1994 Am 7. Februar 1992 startete die bis zu diesem Zeitpunkt wohl größte Renovierung und Erweiterung der Spielstätte. Das Stadion wurde auf 106.500 Plätze ausgebaut und hierfür das bereits vorhandene Dach von 22 auf 45 Meter angehoben und angepasst, um einem dritten Zuschauerrang, der sich über die West- sowie die beiden Tortribünen erstreckte, Platz zu machen. Zudem wurde wegen der geringeren Sonneneinwirkung eine Rasenheizung installiert. Die vom Architekten Antonio Lamela geführte Renovierung endete am 7. Mai 1994, kostete den Verein insgesamt über fünf Milliarden Peseten und prägte das Erscheinungsbild des Stadions.

Durch die neuen UEFA-Bestimmungen wurden im Jahr 1998 alle noch verbliebenen Stehplätze in Sitzplätze umgewandelt. Dies führte zu einer Kapazitätsabnahme auf 74.300 Plätze.

Renovierung 2001–2006 Mit der Amtsübernahme des Unternehmers und Präsidenten Florentino Pérez im Jahr 2000 begann ein weiteres großes Ausbau- und Renovierungsprojekt. Die Osttribüne wurde ausgebaut und überdacht; diese im Jahr 2004 fertiggestellte Renovierung erhöhte die Zuschauerkapazität auf 80.354 Plätze. Verantwortlich für das Projekt war wie schon 1992 das Architektenbüro Estudio Lamela. Außerdem wurden neue Umkleidekabinen, VIP-Logen, Ehrentribünen und Presseräume gebaut sowie das gesamte Audiosystem und die Großbildschirme ausgewechselt. Zur Verbesserung des Zuschauerkomforts wurden Panoramaaufzüge und Fahrtreppen installiert, auf den Tribünen sorgen Heizstrahler für angenehme Temperaturen. 2006 eröffnete der Verein zudem ein an das Stadion angebautes Multifunktionsgebäude mit Presseräumen, Büros, TV-Sets sowie einem 1.500 m² großen Adidas-Fanshop. Neben diversen kleineren Gastronomieeinrichtungen verfügte das Stadion auch über vier Restaurants, das Realcafé Bernabéu, das Puerta 57, das Zen Market und das Asador de la Esquina. Zwischen 2000 und 2006 hat der Verein insgesamt 129 Millionen Euro in die Renovierung und den Ausbau des Stadions investiert.

Am 22. Mai 2010 war das Santiago Bernabéu Austragungsort des Champions-League-Finales, welches Inter Mailand mit 2:0 gegen den FC Bayern München gewann. Im Sommer des Jahres 2011 fand die bisher letzte Erweiterung des Stadions statt; durch einen geringfügigen Ausbau des zweiten Ranges auf der Ostseite des Stadions erhöhte sich die Zuschauerkapazität, VIP-Logen nicht mitgerechnet, auf 81.044 Plätze.

Umbau seit 2019 mini|Manuela Carmena und Florentino Pérez während der Vorstellung des Umbauprojekts (April 2019). Im September 2011 gab eine Delegiertenversammlung grünes Licht für einen Umbau, wonach das Stadion komplett umgestaltet werden soll. Am 15. November 2012 stimmten die Stadt Madrid und die Regionalregierung den Bauarbeiten am Stadion zu. Ein Teil des Übereinkommens zwischen dem Verein und der Stadtverwaltung war auch ein Immobilientausch, bei dem Real Madrid ein Grundstück auf der Westseite des Stadions, auf dem Paseo de la Castellana, erhalten sollte und im Gegenzug vereinseigene Gründe auf der Ostseite der Spielstätte sowie weitere Gelände im Stadtbezirk Carabanchel abgeben sollte. Auf der neu gewonnenen Baufläche wollte der Klub ursprünglich ein Einkaufszentrum sowie ein Hotel errichten. Am 11. Februar 2015 wurde jedoch bekannt, dass der Bebauungsplan vom Obersten Gerichtshof in Madrid für illegal erklärt und das Bauvorhaben damit vorerst gestoppt wurde. Demnach können Eingriffe in einem Stadtteil nicht durch ökologische Ausgleichsmaßnahmen in einem anderen Stadtteil kompensiert werden.

Nach erneuten Verhandlungen zwischen dem Klub und der Stadtregierung, kam es am 11. Oktober 2016 schließlich zu einer Übereinkunft. Die ursprünglich geplante Ausweitung des Stadions auf der Westseite ist nun nicht mehr Teil des Projekts. Den Zuschlag für die Renovierung bekam ein Entwurf des deutschen Architektenbüros Gerkan, Marg und Partner in Zusammenarbeit mit den spanischen L35 Arquitectos und Ribas & Ribas Arquitectos.

mini|Neue Dachkonstruktion während der Umbauphase im Mai 2022 mini|Bauarbeiten am verschließbaren Dach im März 2023 mini|Ostfassade während der Bauarbeiten im April 2023 Im Juni 2019 begannen schließlich die von FCC geleiteten Umbauarbeiten des Santiago Bernabéu. Im Zuge der COVID-19-Pandemie kam es zu einer Unterbrechung der nationalen und internationalen Fußballwettbewerbe. Die spanische Meisterschaft 2019/20 wurde im März 2020, nach 27 von 38 Spieltagen, unterbrochen und erst im Juni wieder aufgenommen. Da die restlichen Spiele ohne Zuschauer ausgetragen werden mussten, entschloss sich Real Madrid dazu, die übrigen Begegnungen der Saison im Estadio Alfredo Di Stéfano zu bestreiten, um die Umbauarbeiten im Estadio Santiago Bernabéu, die während der Pandemie mehrere Wochen lang unterbrochen werden mussten, zügig voranzutreiben. Durch diese Lösung musste bei den Bauarbeiten keine Rücksicht auf den Spielbetrieb mehr genommen werden. Auch in der Saison 2020/21 bestritt die Profimannschaft ihre Heimspiele wegen der Corona-Pandemie vor Geisterkulisse im Estadio Alfredo Di Stéfano. Am 12. September 2021 kehrte der Club zur Ligapartie am 4. Spieltag gegen Celta Vigo in das Bernabéu zurück. Die Bereiche auf den Tribünen, auf denen noch gearbeitet wurde, wurden bei den Spielen mit Planen überdeckt. Es war nach 559 Tagen die erste Begegnung seit dem 1. März 2020 im Clásico gegen den FC Barcelona (2:0). Spanien war zu diesem Zeitpunkt eine Stadionauslastung von 40 Prozent erlaubt; dies hätte für die Rückkehr maximal 32.000 Zuschauer gereicht. Den 5:2-Sieg, nach 1:2-Rückstand zur Pause, gegen Celta Vigo sahen vor Ort 19.874 Zuschauer. Die auf 525 Mio. Euro angesetzten Baukosten haben sich auf mindestens knapp 1.170 Mio. Euro erhöht, nicht zuletzt, da im ursprünglichen Projekt nicht vorgesehene Umbauten umgesetzt werden, wie etwa ein ausfahrbares Rasen-System und zwei zusätzliche Tiefgaragen. Auch die hohe Inflationsrate ab 2022 führte nach Angaben des Klubs zu erhöhten Baukosten. Der größte Teil des Umbaus konnte bis zum Saisonbeginn 2023/24 abgeschlossen werden, ohne dabei den Spielbetrieb zu stören, weitere Arbeiten, insbesondere in den Innenräumen des Stadions, sollen bis Sommer 2026 weitergeführt werden. Im November 2025 wurde das Stadion in „Bernabéu“ umbenannt.

Überdachung und Außenfassade Das umgebaute Stadion verfügt über eine neue Außenfassade aus Stahllamellen, die von Acerinox produziert wurden. Die mehr als 9000 t schwere Stahlkonstruktion, die das neue verschließbare Dach sowie die Fassade trägt, wurde von den Unternehmen Horta Coslada und Inbersa Estructuras Metálicas in Zusammenarbeit mit FCC gebaut. Das Skywalk, eine Freiluftpromenade, die das gesamte Stadion umrundet, sowie Aussichtsplattformen und Gastronomieeinrichtungen wurden ebenfalls in die neue Außenkonstruktion integriert. Auf der Ostseite wurde das Stadion um ein zugebautes elfstöckiges Gebäude sowie um eine neue Tribüne mit einem Fassungsvermögen von 3000 Zuschauern ausgeweitet. Im neuen Gebäude befindet sich nun unter anderem eine vom Madrider Brauunternehmen Mahou betriebene Mikrobrauerei mit angeschlossenem Lokal sowie ein offizieller Fanshop mit einer Verkaufsfläche von über 700 m². Am 2. September 2023 spielte Real Madrid bei der ersten Heimbegegnung der Saison 2023/24 gegen den FC Getafe mit geschlossenem Dach. Dies war zugleich eine Premiere im spanischen Fußball, noch nie war eine Ligabegegnung in einem geschlossenen Stadion ausgetragen worden. Der Vorgang des Schließens oder Öffnens dauert etwa 15 Minuten.

Einziehbarer Rasen (Hypogäum)