mini|Flagge des Hawaii-Territoriums mini|Hawaii-Territorium
Das Hawaii-Territorium war ein historisches Hoheitsgebiet der Vereinigten Staaten, das vom 7. Juli 1898 bis zum 21. August 1959 bestand. Nach dieser Zeit wurde das Territorium als 50. Bundesstaat mit dem Namen Hawaii in die Union aufgenommen.
Der US-Kongress verabschiedete die Newlands Resolution, infolge deren das ehemalige Königreich und die spätere Republik Hawaiʻi durch die Vereinigten Staaten annektiert wurde. Die territoriale Geschichte von Hawaii schloss eine Zeitperiode zwischen 1941 und 1944 ein, in der die Inseln unter Kriegsrecht standen. Die Zivilregierung war aufgelöst und ein Militärgouverneur wurde ernannt.
Geschichte
Provisorische Regierung Beim Sturz der Königin Liliʻuokalani 1893 richtete das Committee of Safety unter der Führung von Lorrin A. Thurston die Provisorische Regierung von Hawaii ein, um die Inseln im Übergang bei der erwarteten Annexion durch die Vereinigten Staaten zu verwalten. Ferner nahm Thurston während der Monarchie aktiv Einfluss auf den US-Kongress, wobei Prinzessin Victoria Kaʻiulani diese in Washington, D.C. vertrat, argumentierend, dass der Sturz der Regierung ihrer Tante illegal war.
Das erste Annektierungverfahren begann, als US-Präsident Benjamin Harrison abtrat und Grover Cleveland sein Amt übernahm. Cleveland war ein Antiimperialist und sprach sich stark gegen die Annektierung aus. In diesem Zusammenhang beendete er die Erörterung des Annektierungsvertrages, begann eine Untersuchung und empfahl die Wiedereinsetzung von Liliʻuokalani. Weitere Untersuchungen durch den US-Kongress führten zum Morgan Report, der bewies, dass sich die US-Truppen völlig neutral verhielten und die Vereinigten Staaten von irgendeinem Vorwurf der Mitschuld am Sturz entlastete.
Die Provisorische Regierung berief einen Verfassungskonvent in Honolulu ein, um die Republik Hawaii zu gründen. Thurston wurde gedrängt, der erste Präsident der Nation zu werden, jedoch war er besorgt, dass seine Dreistigkeit der Annektierung schaden könnte. Der konservative frühere Richter am Obersten Gericht und Freund der Königin Liliʻuokalani, Sanford Dole, wurde schließlich zum ersten und einzigen Präsidenten der neuen Führung gewählt. mini|Karikatur der Vereinigten Staaten, ihrer Territorien und US-kontrollierter Gebiete als ein Klassenzimmer mit streitlustigen Philippinern, Hawaiiern, Puerto Ricanern und Kubanern
Politik des „Manifest Destiny“ Als die Amtszeit von US-Präsident Grover Cleveland im März 1897 endete, übernahm der frühere Bürgerkriegssoldat William McKinley das Amt. McKinley glaubte an die zunehmende Bedeutung der Vereinigten Staaten auf der internationalen Bühne und strebte eine Ausweitung der Doktrin des Manifest Destiny („offensichtliche Bestimmung“, nämlich zur US-Expansion in Richtung Pazifik) über die kontinentale US-Westküste hinaus an.
Unter McKinley führten die USA 1898 Krieg gegen Spanien, mit US-Interventionen in Kuba, den Philippinen und Puerto Rico. Besonders Hawaiis strategische Lage für die US-Kriegsführung auf den Philippinen machte es wichtiger für Amerikas Interessen.
Erst im April 1917 wehte über der Residenz von Königin Liliʻuokalani am Washington Place die US-Flagge. Sie ehrte damit die Hawaiier, die ihr Leben als amerikanische Soldaten im Ersten Weltkrieg verloren hatten. Es wurde auch als Zeichen gedeutet, dass sie schließlich den Sturz der Monarchie und die Annektierung von Hawaii durch die Vereinigten Staaten akzeptiert habe.
Newlands Resolution von 1898 mini|Sanford Dole bei seinem Amtseid als erster Territorialgouverneur auf den Stufen des ʻIolani-Palast während amerikanische Geschäftsmänner und Plantagenbesitzer den Sieg über die Monarchie loben Am 7. Juli 1898 unterzeichnete McKinley die Newlands Resolution, die nach dem Abgeordneten Francis G. Newlands benannt wurde, mit der die Vereinigten Staaten Hawaii offiziell annektierten. Eine feierliche Zeremonie wurde auf den Stufen des ʻIolani-Palasts abgehalten, wo die hawaiische Flagge eingezogen und die amerikanische Flagge gehisst wurde. Dole wurde zum ersten Territorialgouverneur von Hawaii ernannt.
Die Newlands Resolution enthielt den Übergang aller Souveränitätsrechte jeglicher Art in und über die hawaiischen Inseln und die von Hawaii abhängigen Gebiete mit Zustimmung der Regierung der Republik Hawaii. Gleichzeitig ging alles öffentliche und Regierungseigentum sowie der Landbesitz der Krone an die Vereinigten Staaten.
Durch die Newlands Resolution wurde eine fünfköpfige Kommission eingerichtet, die untersuchen sollte, welche Gesetze in Hawaii erforderlich waren. Die Kommission bestand aus Territorialgouverneur Dole (R-HI), den US-Senatoren Shelby Moore Cullom (R-IL) und John T. Morgan (R-AL), dem Kongressabgeordneten Robert R. Hitt (R-IL) und dem früheren Chief Justice Hawaiis und späteren Territorialgouverneur Walter F. Frear (R-TH). Der abschließende Kommissionsbericht wurde dem US-Kongress für eine Debatte vorgelegt, die über ein Jahr dauerte. Der US-Kongress erhob Einwände, da die Einrichtung einer gewählten Territorialregierung in Hawaii dazu führen könnte, dass ein Staat mit einer nicht-weißen Mehrheit aufgenommen würde.
Organic Act Der US-Kongress genehmigte schließlich Hawaii eine durch das Volk gewählte Regierung und McKinley unterzeichnete ein entsprechendes Gesetz, auch besser bekannt als der Hawaiian Organic Act von 1900.
Der Organic Act richtete das Amt des Territorialgouverneurs ein, einen Posten, der durch den amtierenden US-Präsidenten besetzt wurde, wobei dies gewöhnlich eine Person aus seiner eigenen politischen Partei war. Der Territorialgouverneur diente nach Belieben des US-Präsidenten und konnte jederzeit ersetzt werden.
Liste der Territorialgouverneure Name Amtszeit Partei Sanford Ballard Dole 1900–1903 Republikaner George Robert Carter 1903–1907 Republikaner Walter Francis Frear 1907–1913 Republikaner Lucius Eugene Pinkham 1913–1918 Demokrat Charles James McCarthy 1918–1921 Demokrat Wallace Rider Farrington 1921–1929 Republikaner Lawrence McCully Judd 1929–1934 Republikaner Joseph Boyd Poindexter 1934–1942 Demokrat Ingram Macklin Stainback 1942–1951 Demokrat Oren Ethelbirt Long 1951–1953 Demokrat Samuel Wilder King 1953–1957 Republikaner William Francis Quinn 1957–1959 Republikaner
Der Organic Act schuf eine territoriale Zweikammerlegislative, bestehend aus einem Repräsentantenhaus und einem Senat, wobei ihre Mitglieder vom Volke gewählt wurden und ein Supreme Court, das von einem Chief Justice geführt wurde.
Die Vertretung im US-Kongress war auf einen einzigen nicht stimmberechtigten Delegierten beschränkt.
Liste der Kongressabgeordneten Name Amtszeit Partei Lebensdaten Robert William Kalanihiapo Wilcox 1899–1903 Home Rule Party of Hawaii 15. Februar 1855 – 23. Oktober 1903 Jonah Kūhiō Kalanianaʻole 1903–1922 Republikaner 26. März 1871 – 7. Januar 1922 Henry Alexander Baldwin 1922–1923 Republikaner 12. Januar 1871 – 8. Oktober 1946 William Paul Jarrett 1923–1927 Demokrat 22. August 1877 – 10. November 1929 Victor Stewart Kaleoaloha Houston 1927–1933 Republikaner 22. Juli 1876 – 31. Juli 1959 Lincoln Loy McCandless 1933–1935 Demokrat 18. September 1859 – 5. Oktober 1940 Samuel Wilder King 1935–1943 Republikaner 17. Dezember 1886 – 24. März 1959 Joseph Rider Farrington 1943–1954 Republikaner 15. Oktober 1897 – 19. Juni 1954 Mary Elizabeth Pruett Farrington 1954–1957 Republikaner 30. Mai 1898 – 21. Juli 1984 John Anthony Burns 1957–1959 Demokrat 30. März 1909 – 5. April 1975
Tourismusbeginn Hawaiʻis Tourismusindustrie nahm 1882 ihren Anfang, als Segelschiffe der Matson Navigation Company, die von Captain William Matson gegründet wurde, zwischen San Francisco und Hawaiʻi damit begannen, Güter zu transportieren. Seine Transporte ermutigten ihn zum Erwerb von Passagierdampfschiffen, die Touristen für ihren Urlaub nach Hawaiʻi transportieren sollten.
Matsons Flotte schloss die S.S. Wilhelmina mit ein, die mit den besten Passagierschiffen auf den traditionellen Atlantikrouten wetteiferte. Mit dem Erfolg des Interesses an Urlaub in Hawaiʻi bei vermögenden amerikanischen Familien in den späten 1920er Jahren, erweiterte Matson seine Flotte um die S.S. Mariposa, S.S. Monterey und S.S. Lurline.
Die Matson Navigation Company eröffnete zwei Ferienhotels in Honolulu nahe der königlichen Außenanlagen. Das erste und für eine lange Zeit das einzige Hotel in Waikīkī war das Moana Hotel, welches 1901 eröffnet wurde. Als das erste Hotel in Waikīkī trug das Moana Hotel den Spitznamen „First Lady of Waikīkī“. Das Hotel gewann 1920 an internationaler Beachtung, als Edward, Prince of Wales und zukünftiger König Eduard VIII., dort als Gast logierte.
1927 nahm das Royal Hawaiian Hotel, inoffiziell auch „Pink Palace of the Pacific“ genannt, sein Geschäft auf. Es war die bevorzugte Residenz des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt in Hawaʻi während des Zweiten Weltkrieges.
Militärbasen Mit der Annektierung sahen die Vereinigten Staaten Hawaiʻi als ihren wichtigsten strategischen Militärposten. McKinley und sein Nachfolger Präsident Theodore Roosevelt erweiterten die Militärpräsenz in Hawaiʻi und errichteten mehrere zentrale Stützpunkte, von denen einige noch heute benutzt werden. Von 1906 an wurde die ganze Insel Oʻahu an der Küstenlinie mit dem Bau eines „Ring of Steel“ befestigt, dabei wurde eine Reihe von Geschützbatterien auf stählernen küstennahen Erdwällen aufgestellt. Eine von den wenigen erhaltenen Batterien, Battery Randolph, die 1911 fertiggestellt wurden, ist heute der Sitz des Hawaiʻi Army Museums.
Liste der militärischen Anlagen Camp McKinley (gegr. 1898) Fort Kamehameha (gegr. 1907) Pearl Harbor Naval Station (gegr. 1908) Fort Shafter (gegr. 1907) Fort Ruger (gegr. 1909) Schofield Barracks (gegr. 1909) Battery Closson (gegr. 1911) Battery Dudley (gegr. 1911) Battery Randolph (gegr. 1911) Fort DeRussy (gegr. 1915) Wheeler Army Airfield (gegr. 1922)
Industrieller Aufstieg und die Big Five Als ein Territorium der Vereinigten Staaten bekamen die Zuckerrohr-Plantagen eine neue Geldspritze. Durch die Befreiung der Zuckerrohrerzeuger von Zöllen hatten die Plantagenbesitzer mehr Geld für Ausrüstung, Land und Arbeiter zur Verfügung. Mehr Mittel hatten mehr Produktion zur Folge. Fünf Unternehmungen aus der Zeit des Königreichs wurden durch die Annektierung besonders begünstigt. Sie wurden über Nacht Mischkonzerne, die einen Wert von mehreren Millionen Dollar hatten: Castle & Cooke, Alexander & Baldwin, C. Brewer & Co., Amfac und Theo H. Davies & Co. Zusammen beherrschten die fünf Gesellschaften die hawaiische Wirtschaft als die Big Five.
Die Big Five wurden zusammen eine einzige beherrschende Macht in Hawaiʻi. Die Unternehmen konkurrierten nicht miteinander, sie arbeiteten eher zusammen, um die Preise ihrer Güter und Dienstleistungen hoch zu halten. Ihre Gewinne schossen in die Höhe. Bald saßen die Führungskräfte der Big Five in jedem anderen Vorstandsrat. Mit der wirtschaftlichen Macht kam auch die politische Macht über Hawaiʻi. In diesem Zusammenhang verwendeten sie illegale Methoden, um ihre politische Stellung zu wahren. Sie bedrohten oft die Arbeitskräfte, damit sie in ihrem Sinne abstimmten. Vergeltungsmaßnahmen waren an der Tagesordnung.
Während des territorialen Zeitraums wurde Hawaiʻi eine Oligarchie, die durch die Big Five bestimmt wurde. Sie achteten darauf, dass nur Weiße und Republikaner für ein Regierungsamt in Hawaiʻi antraten. Als Folge dessen war es während der Herrschaft der Big Five für Demokraten beinahe unmöglich, eine Wahl in Hawaiʻi zu gewinnen.
Ananas