Strich drunter! (engl. Good-bye to All That) ist eine Autobiographie von Robert Graves.Goodbye to All That, erschienen bei Jonathan Cape, Second Impression, November 1929; Übersetzung aus dem Englischen und mit Vorwort von Gottfried Reinhold Treviranus, Berlin 1930. (Kindlers Neues Literaturlexikon, CD-ROM-Ausgabe 2000) Das 1929 zum ersten Mal veröffentlichte Werk, das den Alltag des Grabenkrieges im Ersten Weltkrieg darstellt, gilt als Meilenstein der englischen Anti-Kriegs-Memoiren. Der Titel drückt Graves' Ernüchterung über die Existenz traditioneller, stabiler Werte in der europäischen und englischen Gesellschaft aus. Graves verfasste das Werk im Alter von 33 Jahren, als er noch ein langes und ereignisreiches Leben vor sich hatte. Das Buch behandelt hauptsächlich seine Kindheit, Jugend und den Militärdienst.
Er widmet einen großen Teil des Buches seinen Erfahrungen im Ersten Weltkrieg, in dem er detailliert den Grabenkrieg und insbesondere den Unsinn der Schlacht von Loos beschreibt. Bei dieser Schlacht an der Westfront kam 1915 zum ersten Mal auf britischer Seite Giftgas zum Einsatz. Für viele Leser sind die Erzählungen aus zweiter Hand über die Ermordung deutscher Kriegsgefangener durch britische, kanadische und australische Truppen von Interesse. Obwohl er nicht selbst Zeuge solcher Vorfälle war und von keinen groß angelegen Massakern wusste, war ihm eine Reihe von Vorfällen bekannt, bei denen Gefangene einzeln oder in kleinen Gruppen getötet wurden. Er glaubte, dass viele Deutsche, die sich ergaben, nie in die Kriegsgefangenenlager kamen.
Graves war durch seine Kriegserfahrungen traumatisiert. Nachdem er verwundet worden war, musste er während einer Zugfahrt fünf Tage mit schmutzigen und nicht gewechselten Bandagen auskommen. Das Telefon im Graben verängstigte ihn so sehr, dass er sich dieser Technologie nie mehr anvertraute. Auch erlitt er einmal einen elektrischen Schock, weil die Leitung vom Blitz getroffen wurde. Nach seiner Rückkehr nach Hause wurde er nach eigener Aussage von Geistern und Alpträumen verfolgt. Seine Geliebte, die amerikanische Dichterin Laura Riding, preist er als „spirituelle und intellektuelle Geburtshelferin“ seines Werkes, welches ihn berühmt gemacht hat.Richard Perceval Graves, ‘Graves, Robert von Ranke (1895–1985)’, in: Oxford Dictionary of National Biography, Oxford University Press, September 2004; Online-Ausgabe, Oktober 2006.
Nach einer starken Überarbeitung veröffentlichte Graves das Buch 1957 erneut. Viele bedeutende Ereignisse und Personen wurden entfernt bzw. hinzugefügt. Eine von Birgit Otte durchgesehene und überarbeitete Übersetzung erschien 1990 im Rowohlt Verlag. Die erste deutsche Ausgabe war 1930 in der Übersetzung und mit einem Vorwort von G. R. Treviranus im Berliner Transmare Verlag erschienen.
Veröffentlichungsgeschichte Obwohl Good-Bye to All That bei seiner Erstveröffentlichung 1929 von der Kritik für seine schonungslose Abrechnung mit dem Grabenkrieg des Ersten Weltkrieges hoch gelobt wurde, überarbeitete Graves den Text 1957 komplett. Dabei entfernte er den rauen, bissigen Stil, der dem Original so viele Bewunderer eingebracht hatte. Graves lebte zu dieser Zeit nicht mehr mit Laura Riding zusammen, der die Ursprungsausgabe gewidmet und die von ihr beeinflusst worden war. Ihre Beziehung war gescheitert. Graves entfernte alle Bezüge auf Riding und bearbeitete den Text auch darüber hinaus. Er entfernte einen Großteil des Zusammenhangs, in dem das Original geschrieben worden war, darunter auch die Berichte über die mentalen Belastungen, unter denen er litt. Das Original wurde in der letzten Zeit mehrfach veröffentlicht, jedoch ist die überarbeitete Fassung derzeit populärer (Stand: August 2008).
Inhaltszusammenfassung Kapitel I–XIII Für Graves sind die Ziele seiner Autobiographie, geschrieben im Alter von 33 Jahren, einfach:
... an opportunity for a formal good-bye to you and to you and to you and to me and to all that; forgetfulness, because once all this has been settled in my mind and written down and published it need never be thought about again.
(dt.: ... eine Chance für ein förmliches Adieu an Dich und Dich und Dich und mich und an all dies; Vergesslichkeit, weil sich das alles einmal in meinem Verstand festgesetzt hat und, niedergeschrieben und veröffentlicht, nie mehr darüber nachgedacht werden muss.)
Graves gehörte durch seinen Großvater mütterlicherseits zur Familie von Ranke. Leopold von Ranke, sein Großonkel, war der erste moderne Historiker. Seine Mutter wurde mit 18 Jahren als Begleiterin einer alten Dame nach England geschickt, wo sie seinen Vater traf, einen Witwer mit fünf Kindern. Die Familie seines Vaters (Graves) stammte aus Irland, sein Großvater war Bischof der Church of Ireland in Limerick. Sein Vater, aufgewachsen am Familiensitz in Wimbledon, war Dichter und Schulinspektor für den Londoner Bezirk Southwark. Urlaub machte die Familie im Haus der Mutter in Harlech in North Wales, wo Graves damit anfing, seine Höhenangst zu überwinden.
Er wurde zur Charterhouse School in Godalming (Surrey) geschickt, wo er wegen seiner Eigenwilligkeit, seiner Liebe zur Literatur und seiner Eintragung auf der Schulliste als "R. von R. Graves" schikaniert wurde. Er schloss sich der Poetry Society an, doch die sieben Mitglieder starke Dichtergemeinschaft wurde wegen eines Skandals geschlossen. Auf Anraten eines Freundes begann er ein Boxtraining, um mit den Schikanierungen zurechtzukommen. Hier hatte er mehr Erfolg und gewann, gestärkt durch Kirschwhisky, zwei Schulpokale. Er entwickelte auch eine Freundschaft zu einem viel jüngeren Jungen, der in einem anderen Haus lebte und den er Dick nannte. Dank des vorherrschenden Privatschul-Ethos verursachte dies viele feindselige Kommentare und Zoten auf Graves' Kosten. Der Schuldirektor brachte zwar Bedenken vor, akzeptierte aber schlussendlich, dass die Beziehung harmlos war: 'ein seltenes Beispiel'. Sein Leben in Charterhouse wurde auch ein wenig erträglicher durch eine andere Freundschaft, nämlich die mit George Mallory, einem unkonventionellen Lehrmeister, mit dem er in Wales klettern ging. Nichtsdestotrotz wurde er während seines letzten Schuljahres zunehmend wütend und unzufrieden, schaffte es jedoch schließlich, die Schule in gutem Zustand und ohne Ausweisung zu verlassen. Graves war sich seiner Zukunft nicht sicher. Zwar hatte er ein Stipendium für das St. John’s College in Oxford, dies wollte er jedoch nicht aufnehmen. Er hatte "einen vagen Gedanken daran, zur See zu fliehen".
Als der Krieg erklärt wurde, war Graves in Harlech. Er schrieb sich ein und begründete dies wie folgt:
... I thought it might last just long enough to delay my going to Oxford in October which I dreaded ... I entirely believed that France and England had been drawn into the war which they had never contemplated ... I was outraged at the cynical violation of Belgian neutrality.
(dt.: ... Ich dachte, er könnte gerade lange genug dauern, um meinen Gang nach Oxford im Oktober, den ich fürchtete, zu verzögern ... Ich glaubte voll und ganz, dass Frankreich und England in einen Krieg gezogen worden waren, über den sie nie nachgedacht hatten ... Ich war schockiert von der zynischen Verletzung der Belgischen Neutralität.)
Im Regimentsdepot in Wrexham schrieb sich Graves als einfacher Soldat bei den Royal Welch Fusiliers ein. Ein Bekannter bewirkte jedoch, mit Verweis auf Graves (kurze) Mitgliedschaft in einer vormilitärischen Jugendorganisation, dass er stattdessen in die Offizierslaufbahn eintrat. Seinen ersten Dienst leistete er als Wache eines Internierungslagers mit 50 Spezialreservisten in Lancaster. 1915 wurde er nach Frankreich geschickt. Als einer von sechs Offizieren gehört er – sehr zu seinem anfänglichen Missfallen – dem Welsh-Regiment an, dessen Rekruten meist entweder überaltert oder zu jung waren. Graves beschreibt grafisch seine ersten Monate im Kriegsgraben bei Cambrin, wo er den Kontakt zu einschlagenden Granaten und Gewehrkugeln zu vermeiden suchte. Leichter wurde sein Leben dadurch, dass er einen zivilisierten Befehlshaber hatte, Captain Dunn, der seine Junior-Offiziere ins Vertrauen zog und eine gute Beziehung zu den Infanteristen von Welsh begründete.
Kapitel XIV–XX Im weiteren Verlauf des Sommers wurden neue Arten von Bomben und Mörsern sowie verbesserte Gasmasken eingeführt. Der Beschuss nahm zu. Graves beschreibt auch das ständig fortlaufende Eingraben von Briten und Deutschen im Bereich Cambrin-Cuinchy. Ende Juli erhielten er und ein weiterer Offizier den Befehl, sich in den Bereich bei Laventie zu begeben, um dort zum zweiten Bataillon der Royal Welch Fusiliers zu stoßen. Der Empfang durch den dortigen Adjutanten war recht unterkühlt, und beide erfuhren, dass Spezialreservisten von den regulären Offizieren nicht sehr geschätzt wurden. Von der Formlosigkeit, die sie im zweiten Welsh-Regiment kennengelernt hatten, war hier nichts zu spüren. Junioroffizieren unterhalb des Ranges eines Captains – Neulinge wurden als "Warzen" (warts) bezeichnet – war es nicht gestattet, in der Messe zu sprechen oder das Grammophon zu benutzen. Dennoch empfand Graves die Kriegsführung hier als hoch professionell. Als neuer Offizier musste er auch nachts patrouillieren – ein riskantes Unterfangen: Einem verwundeten und gefangenen Soldaten würde eine deutsche Patrouille ebenso den Hals aufschlitzen wie eine britische Patrouille einem Deutschen den Schädel einschlagen würde, um ihm seine Marke abzunehmen und so dem Geheimdienst zu helfen. Graves erwähnt, dass die Deutschen ihre Unteroffiziere (engl. non-commissioned officer, NCO) mit Patrouillen beauftragten: "Sie hielten nicht viel davon, wie es einer unserer Oberfeldwebel ausdrückte, sich einen Hund zu sparen und selbst zu bellen."
Als eine Offensive gegen La Bassée als Teil der Schlacht bei Loos geplant wurde, erhielt Graves Urlaub, was Offizieren alle sechs bis acht Monate gestattet war. Die 'allgemeine Gleichgültigkeit und Ignoranz gegenüber dem Krieg' in London überraschte ihn, und er entschied sich, den Rest seines Fronturlaubes beim Wandern in den Bergen um Harlech zu verbringen. Die Royal Welch entlasteten die Middlesex bei Cambrin und bekamen neue Zielvorgaben. Der Einsatz von Gas – damals als Helfershelfer (accessory) bezeichnet – wurde geplant. Der Angriff fand statt, wobei die Royal Welch die Middlesex unterstützten (mit denen sie wegen der gemeinsamen Abneigung gegen die Schotten ('Jocks') im Infanterieregiment Argyll and Sutherland Highlanders freundschaftlich verbunden waren), doch er endete in einer Katastrophe. Die Männer erhielten ihre normalen Rumrationen nicht, und das Gas breitete sich wegen fehlenden Windes in ihren eigenen Gräben aus. Die meisten Kompanien dieses Sturmangriffs blieben im Stacheldraht hängen, die Middlesex und die B- und C-Kompanien der Royal Welch ebenso wie die Argyll and Sutherland. Doch die Deutschen zeigten sich großherzig und ließen in dieser Nacht die Bergung der Verwundeten zu. Der Angriff wurde am nächsten Tag um 4 Uhr nachmittags fortgesetzt, um 9 Uhr abends jedoch abgebrochen. Nur zu dieser Zeit war Graves' Beziehung zu seinen Männern vergleichbar mit der zum Welsh-Regiment. Seinen Adjutanten z. B. nannte er Charley. Später jedoch setzte die Disziplin wieder ein.
Bei Annezin wurde dann eine Neustrukturierung eingeleitet. Graves bringt hier seine generelle Abneigung den Franzosen gegenüber zum Ausdruck: "Wir hielten sie für durch und durch andere Menschen, und es war schwierig, ihr Unglück nachzuempfinden." Die Bauern des Dorfes waren habgierig: Obwohl sie finanzielle Einquartierungsbeihilfen bekamen und von den Ausgaben der Soldaten profitierten – sie bekamen alle zehn Tage 4 Shilling – beobachtete Graves, wie ganze Fässer mit ohnehin schon gepanschtem Bier noch weiter verdünnt wurden.