mini|hochkant|St.-Wolfgangs-Kirche (Museumsgebäude)

Das Schifffahrts- und Schiffbaumuseum Wörth am Main dokumentiert die historische Entwicklung der Binnenschifffahrt und des Schiffbaus am Main. Zahlreiche Exponate sind eng verknüpft mit der Schifferstadt Wörth am Main.

Auf drei Ebenen werden anhand von Modellen und Geräten, Dokumenten und Bildern die relevanten Entwicklungen erklärt – ausgehend vom Holzschiffbau und den ersten Holzbooten über die Zeit der Industrialisierung und der Dampfschiffe bis hin zur modernen Binnenschifffahrt. Diese Entwicklung steht in einem engen Zusammenhang mit dem Ausbau des Mains als Verkehrsweg. Schautafeln zeigen die technische Seite dieser Veränderungen, behandeln aber auch die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im 19. Jahrhundert. Auf der obersten Ebene geht das Museum auf das Schifferleben ein: den Alltag und das Leben auf dem Schiff sowie die Veränderung des Arbeitsplatzes durch Technik und wirtschaftlichen Strukturwandel.

Das Museum ist im Kirchenschiff der ehemaligen St.-Wolfgangs-Kirche untergebracht, die zu diesem Zweck denkmalgerecht umgestaltet wurde. Zusätzlich zur Hauptausstellung mit Thema Schifffahrt und Schiffbau gibt es weitere Nebenausstellungen zu den Themen Mainfischerei, Nagelschmiede und „Die Römer in Wörth“. mini|hochkant|Museumseingang

Schifffahrt und Schiffbau in Wörth mini|Schiffbauplatz Schellenberger in Wörth am Main kurz vor 1900 mini|Holzumschlag am Wörther Mainufer (um 1900)

Die ältesten Aufzeichnungen im Stadtarchiv, welche die Ausübung des Schifferberufes in Wörth nachweisen, reichen auf das Jahr 1513 zurück.Internetseite der Stadt Wörth am Main: Der Main – prägend für Wörth, abgerufen am 2. Juni 2011 Wörth entwickelte sich immer mehr zu einem regional bedeutenden Zwischenhandelsplatz speziell für den Holzumschlag. Dieses ist sicherlich mit eine Konsequenz der strategischen Lage der Stadt zwischen den waldreichen Regionen von Spessart und Odenwald. Viele Schiffer waren zu dieser Zeit zugleich auch Holzhändler.

Auch für den Holzschiffbau war eine günstige Ausgangssituation geschaffen, denn Baumaterial und Handel lagen vor Ort. Der Schiffbau ist seit 1652 auf verschiedenen Plätzen urkundlich nachgewiesen, teilweise wird von drei Werften berichtet. Gebaut wurden hölzerne Mainschiffe, Schelchen und kleinere Nachen. Diese Tradition fand erst im Jahr 1918 ein Ende, nachdem die letzte verbliebene Schiffswerft aus Platzgründen auf die gegenüberliegende Mainseite nach Erlenbach am Main wechselte. Hier werden noch heute große Transportschiffe für die europäischen Wasserstraßen gebaut.

Vom Mittelalter bis zum Jahr 1963 gab es verschiedene Mainfähren in Wörth. Der Ort blieb bis heute die Heimat von 16 Binnenschiffern.

Geschichte des Museums Architektur des Museumsgebäudes mini|links|Luftbild 2008 mini|Innenansicht der ehemaligen Kirche St. Wolfgang in Wörth am Main (um 1880). Der Hochaltar und die Kanzel befinden sich heute in der Kirche St. Michael in Kützberg. mini|Innenansicht nach dem Umbau zum Museum

Zur ältesten Bausubstanz der heutigen St.-Wolfgangs-Kirche gehören die drei unteren Turmgeschosse. Das unterste Geschoss stammt aus dem späten Mittelalter und war ursprünglich Teil der städtischen Befestigung. Der Turm wurde 1631 durch Aufsetzen des heutigen spitzen Helms erhöht. Diese Jahreszahl ist im Spitzbogen des obersten Turmfensters zu finden. Zu dieser Zeit waren der Glockenturm und das Kirchenschiff noch voneinander getrennt.Werner Trost: Wörth am Main, Chronik einer fränkischen Kleinstadt (Band 2), Herausgeber: Bürgerverein e. V. Wörth, Druckerei Klein + Hiese GmbH Klingenberg (1991), Seite 466–485 (Die St.-Wolfgangs-Kirche)

Nach dem Dreißigjährigen Krieg erfolgte die notdürftige Renovierung des Innenbereichs und 1685 die Erhöhung des Langhauses. Das Kirchenschiff wurde jedoch schon 1729 wieder abgerissen, so dass von der ursprünglichen St.-Wolfgangs-Kirche nur noch der Turm übrig blieb. Zwischen 1729 und 1748 wurde das Langhaus im barocken Stil neu aufgebaut. Das Langhaus bestand nach diesem Aufbau aus vier Fensterachsen ohne Chorausscheidung. Die Bauausführung erfolgte durch den Maurer- und Steinhauermeister Nikolaus Mangein aus Wörth (Grundsteinlegung am 17. Juli 1729). Nach dem Umbau gab es einen Streit zwischen dem Aschaffenburger Stift und der Stadt Wörth bzgl. der Übernahme der Kosten für den Chorausbau. Dieser ging über mehrere Instanzen, bis im Oktober 1748 die oberste kirchliche Instanz, das Gericht beim Päpstlichen Stuhl in Rom (Rota) zugunsten von Wörth entschied.

Die katastrophalen Hochwasser zu Ende des 19. Jahrhunderts und die zunehmende Bevölkerungszahl führten zur Gründung eines neuen Stadtteils auf hochwasserfreiem Gebiet. Damit einhergehend entstand eine neue Kirche, die St.-Nikolaus-Kirche, was dazu führte, dass die alte St.-Wolfgangs-Kirche ihre Funktion als Stadtkirche verlor. Am 28. September 1903 kam es zur Profanierung der St.-Wolfgangs-Kirche von der Diözese Würzburg. Die Innenausstattung wurde größtenteils verkauft; der Hochaltar und die Kanzel gelangten nach Kützberg in die Kirche St. Michael, einer der beiden Seitenaltäre befindet sich heute in Sailauf. Die Stadt benutzte das ehemalige Gotteshaus daraufhin zunächst als Lagerraum für Armenholz, danach als Ersatzturnhalle und schließlich als Abstellplatz.

Der Rat der Stadt Wörth beschloss 1985 die Sanierung und den Umbau der ehemaligen St.-Wolfgangs-Kirche zu einem Museum und kaufte diese mit Vertrag vom 19. Dezember 1985 der katholischen Kirchenstiftung St. Nikolaus ab. Nach den Plänen des Architekturbüros Klaus und Verena Trojan (Darmstadt) erfolgten 1986–1991 die Sanierung und der Umbau der Hallenkirche zu einem Museum der Mainschifffahrt. Auf der Internetseite des Bundes Deutscher Architekten heißt es dazu: Die eingestellte Stahlkonstruktion ist sensibel gestaltet und hält respektvollen Abstand zur historischen Substanz. Durch die Konzentration der Ausstellung auf der umlaufenden Galerie kann der in seinem ursprünglichen Charakter erhaltene Raum auch für andere kulturelle Aktivitäten genutzt werden. Kleine Eingriffe in der Fassade weisen von außen auf die neue Nutzung hin. Für die denkmalgerechte Umgestaltung wurde der Stadt Wörth 1991 der Landespreis des Bundes Deutscher Architekten verliehen.

Entwicklung des Museums Nach der Gründung des Vereins zur Förderung des Schifffahrts- und Schiffbaumuseums e. V. im Jahr 1980 entstand die erste Konzepterstellung für ein Museum und der Verein trug anschließend eine umfangreiche Sammlung von Zeitdokumenten und Quellen zusammen. Parallel zu den Bauarbeiten an der ehemaligen Kirche fand 1989 die wissenschaftliche Inventarisierung der Sammlung statt. Gleich danach erfolgte die Einrichtung des Museums, bestehend aus Zeitdokumenten und aus in Handarbeit erstellten detailgetreuen Schiffsmodellen. Am 27. Juli 1991 wurde das Museum unter der Trägerschaft der Stadt Wörth im Rahmen der 700-Jahr-Feier der Stadt eröffnet.

mini|Dieselmotorschlepper PAX Die Sammlung ist seitdem ständig gewachsen. Auch heute noch kommt jedes Jahr mindestens ein weiteres Modell zur Sammlung hinzu. Das Museum hat die Schiffsmodelle zum Teil auch für Sonderausstellungen an andere Museen oder Städte ausgeliehen. Im Jahr 2004 wurde im Bürgerhaus, einem nahe gelegenen um 1600 erbauten Fachwerkhaus, eine Dauerausstellung über die Römerzeit in Wörth eingerichtet. Im Jahr 2005 restaurierten Mitglieder des Vereins den ausgedienten und lange Zeit auf dem Main eingesetzten Dieselmotorschlepper PAX und stellten diesen am nördlichen Ortseingang zur Besichtigung auf. Im Jahr 2009 wurde der Medienraum (ehemalige Sakristei der Kirche) neu eingerichtet und ein originalgetreuer Fahrstand eines Binnenschiffes auf der zweiten Empore aufgebaut.Verein zur Förderung des Schifffahrts- und Schiffbaumuseums Wörth am Main, Mainschifffahrts-Nachrichten Nr. 24 vom Dezember 2008

Das Schifffahrts- und Schiffbaumuseum Wörth ist aufgrund seiner Bedeutung Teil der Route der Industriekultur Rhein-Main Bayerischer Untermain.Werner Kraus, Schauplätze der Industriekultur in Bayern, Verlag Schnell & Steiner GmbH, April 2006, ISBN 3-7954-1790-2, Seite 311 Die Internetseite Maritime-Museum zeichnete es in der Kategorie Binnenschifffahrt mit zwei von vier Sternen aus, was einer Sammlung mittleren Umfangs entspricht.

Ausstellungen Hauptausstellung Mainschifffahrt und Schiffbau Die Hauptausstellung ist immer samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet und zeigt die wesentliche Entwicklungsgeschichte zum Thema Schifffahrt und Schiffbautechnologie am Main. Der Exponatbestand umfasst diverse Schiffsmodelle, Schiffsteile und Zubehör, Werkzeuge, Geräte, Bildzeugnisse und schriftliche Quellen wie Patente, Dienstbücher, Atteste, Schiffbaupläne usw. Die Ausstellung erstreckt sich über drei Ebenen.

Im Erdgeschoss sind die Themenbereiche Schiffbau, der Main als Schifffahrtsstraße, politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu finden. Die Ausstellung auf der ersten Empore befasst sich mit den verschiedenen Arten von Schiffen und deren Entwicklung, wie der Dampfschifffahrt, der Schleppschifffahrt, der Motorschifffahrt und der Wörther Fähre. Die Ausstellung auf der zweiten Empore widmet sich dem Schifferleben.Maintouren auf dem Main: Route 3 Wertheim – Niedernberg, Beschreibung Wörth am Main

Holzschiffbau und Holzschifffahrt mini|Die Arbeitsgeräte des Holzschiffbauers mini|Marktschiff

Die Tafeln auf der einen Seite des Erdgeschosses des Museums zeigen und beschreiben den Holzschiffbaueralltag um 1900, die Entstehung eines Holzschiffes, den Werkstoff Holz, die Arbeitsgeräte eines Schiffbauers und die Schiffsformen im Maingebiet.

So wird berichtet, dass der Holzschiffbau früher auf die Zeit vom Frühjahr (nach dem letzten Hochwasser) bis zum späten Herbst beschränkt war. Normalerweise wurde immer ein Schiff pro Saison gebaut. Im Winter nutzten viele Schiffbauer die Wachstumspause der Bäume um als Holzfäller Bretter und Balken für die nächste Saison zu gewinnen, andere brachen für die Brauereien Eis. Die Schiffe wurden ohne Plan- oder Zeichnungsvorlagen gebaut. Allein das Gedächtnis und die Erfahrung halfen dem Schiffbauer beim Bau.Heidemarie Kirchner, Schiffahrts- und Schiffbaumuseum Wörth a. Main, veröffentlicht von Weltkunst, 1994, ISBN 978-3-921669-12-9 (110 Seiten)

Der Schiffbau um 1900 erforderte harte körperliche Handarbeit, die ohne Maschinen erledigt wurde. Verschiedene Arbeitsgeräte zur Herstellung der Schiffe sind als Nachbauten im Museum ausgestellt. Daneben wird aber auch die Bedeutung des Holzes erklärt. Die gewachsene Form der Bäume wurde möglichst optimal ausgenutzt. Lange gerade Bäume ergaben Masten, während krumme Hölzer die Grundlage für gebogene Schiffsteile wie Spanten darstellten. Für den Innenausbau wurden, um Gewicht zu sparen, leichte Hölzer bevorzugt.

Die Schiffe auf dem Main hatten aufgrund der vielen Untiefen des Flusses nur einen geringen Tiefgang von weniger als 1,20 Meter. Je nach Größe wurden verschiedene Arten von Schiffen unterschieden. Sie sind als Modelle im Museum ausgestellt sind. Das Mainschiff wurde als Segelboot gebaut und konnte bis zu 200 Tonnen Nutzlast befördern. Die Schelchen waren kleiner und hatten einen offenen Laderaum. Noch kleinere Holzbote wurden Nachen genannt und dienten hauptsächlich dem Personentransport oder als Fischerboot. Als Ankernachen begleiteten sie große Mainschiffe.

Der Main als Schifffahrtsstraße und politische Grenze