Reppner ist einer der insgesamt 31 Stadtteile der kreisfreien Stadt Salzgitter in Niedersachsen, gelegen in der Ortschaft Nordwest. Reppner gehörte bis zum 31. März 1942 zum Landkreis Wolfenbüttel und wurde durch einen Verwaltungsakt am 1. April 1942 ein Teil der Großstadt Watenstedt-Salzgitter. Am 23. Januar 1951 wurde diese amtlich in Salzgitter umbenannt.

Geschichte Ortsname Zum Ortsnamen, der erstmals im 12. Jahrhundert schriftlich als Ripenarth genannt wird, gibt es keine einheitliche Deutung. Eine VarianteWiswe, Flurnamen, S. 481 sieht den ersten Teil des Namens als einen Personennamen Hripo, der im Altsächsischen gebräuchlich war. Eine andere DeutungCasemir, Ortsnamen, S. 265–266 leitet dieses Bestimmungswort vom altnordischen ripr ab, womit der Hang eines Hügels bezeichnet wird. Dies trifft auf Reppner zu, das oberhalb der Fuhse gelegen ist. Das Grundwort arth steht in beiden Fällen für einen besiedelten Platz. Der Ortsname könnte so entweder als „Siedlung des Hripo“ oder als „Siedlung oberhalb des Flusses“ gedeutet werden.

Der Ortsname wird 1200 mit Repenarde angegeben, weitere Schreibweisen sind u. a. Repenerde (1310 und 1333), Repener (1372), Repner (1551). 1784 wird erstmals die heutige Schreibweise Reppner verwendet.

Vorrömische Eisenzeit An der Kreisstraße 7 nach Broistedt wurden im September 1994 während einer Notgrabung im Zusammenhang mit der Ferngasleitung Ahlten-Salzgitter eisenzeitliche Artefakte westlich der Straße entdeckt. Dabei ließ sich auch der ehemalige Laufhorizont der Siedlung als dunkle Verfärbung ausmachen, ebenso ließ sich ein Brennofen nachweisen. Die aus der nur angeschnittenen Siedlung geborgene Keramik (mehr als 18 kg) enthielt Quarz, Glimmer und Feldspatpartikel; diese Rohstoffe stammten aus der nächsten Umgebung. Nahezu vollständig konnte eine Schulterschüssel mit randständigem, schmalem Bandhenkel und brauner, gut geglätteter Oberfläche geborgen werden, dazu weitere Gefäße. Einige Gefäße, etwa Tassen, lassen sich mit Formen der Nienburger Gruppe in Verbindung bringen. Sie stammen aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. (Rasink).

Gründung und frühe Geschichte Die erste Erwähnung des Ortes findet sich in einer Urkunde des Bistums Minden, die zwischen 1140 und 1147 ausgestellt worden war. In dieser übertrug der Mindener Bischof Heinrich seinen Besitz in Reppner an das Mindener Martinistift. Bei diesem Hof handelte es sich um einen früheren Königshof, den Konrad II. (1024–1039) um 1030 dem Bischof von Minden geschenkt hatte. Bei diesem Hof handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Hofanlage Ass.Nr. 1, heute Lesser Straße 11 und im Besitz der Familie Lütgering.

Die Siedlung wurde zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert zum Schutz der Bewohner gegründet. Das lässt sich aus der Anordnung der anfangs acht Häuser schließen, die um einen Platz herum standen und so eine Art Wagenburg gegen feindliche Angriffe bildeten. Erst durch spätere Erweiterungen, insbesondere durch den Neuaufbau nach dem Brand von 1836, erhielt der Ort den Charakters eines Haufendorfes.Heinz Feldmann: Reppner, S. 45

Wüstung Nienstedt Etwa einen Kilometer westlich von Reppner lag zwischen Barbecke und Lesse der Ort Nienstedt (). Dieser war im Mittelalter Sitz des Gerichts (Goding). Der Ort wurde 1302 als „Nyenstede iuxta Lesse“ erwähnt. Der Name wird übereinstimmend als „neue Stätte, neuer Ort“ gedeutet.Casemir, Ortsnamen, S. 251 Zum Ort gehörten 25 Hofstellen, die Feldmark umfasste mehr als 500 Morgen Land. Als einziger Ort im weiten Umkreis besaß Nienstedt das Marktrecht, einmal im Jahr wurden hier der Johannis- und Martinimarkt abgehalten. Der Ort fiel Anfang des 16. Jahrhunderts aus unbekannten Gründen wüst. Das für Reppner zuständige Gericht war danach die Burg Lichtenberg, das Nienstedter Marktrecht wurde den Orten Nieder- und Oberfreden (ab 1857 zu Lichtenberg zusammengelegt) zugesprochen und das Land ging an die umliegenden Ortschaften Lesse, Barbecke und Reppner.Heinz Feldmann: Reppner, S. 248

Geschichte ab dem 17. Jahrhundert mini|Herrenhaus der Hofanlage Ass.Nr. 1, gebaut 1896/97 mini|hochkant|Herrenhaus der Hofanlage Ass.Nr. 9, gebaut 1904/05 Ein großer Teil des Grundbesitzes gehörte zu Beginn des 17. Jahrhunderts dem Domkapitel Hildesheim. Gemeinsam mit dem Stift St. Blasii, dem Stift Steterburg und der Kirche von Lebenstedt umfasste der geistliche Besitz 495 Morgen der insgesamt 1363,5 Morgen großen Feldmark. Den adeligen Familien aus der Region gehörten zusammen 580 Morgen, zu den Grundherren zählten hier die Herren von Salder, die Herren von Cramm und von Bortfeld aus Oelber am weißen Wege und die Herren von der Asseburg.

Nach den Ereignissen des Dreißigjährigen Krieges wurde 1686/87 eine erste Erfassung und Abschätzung der Feldmark durchgeführt. Eine genaue Vermessung wurde 1745 durch Herzog Karl I. angeordnet. Mit dieser sollten neben der Erfassung der bestehenden Verhältnisse auch eine neue Aufteilung der Äcker erreicht werden. Die erste Vermessung wurde 1752 durchgeführt, die festgestellten Unstimmigkeiten wurden 1779/80 in einer zweiten Vermessung geklärt. Über die Neuaufteilung des Landes wurde aber noch nicht entschieden, das geschah erst in der ab 1867 durchgeführten Verkoppelung (auch Separation oder Flurbereinigung genannt). In dieser wurde die über 600 Jahre beibehaltene Dreifelderwirtschaft aufgelöst, die bisher weit verstreut liegenden Ackerstücke zusammengelegt und unter Berücksichtigung von Größe und Bodenqualität neu aufgeteilt. Die Separation wurde im Januar 1868 abgeschlossen, die durchschnittliche Größe der Ackerstücke war hierdurch von 1½ auf 13 Morgen gestiegen, während die Anzahl der Einzelfelder von 654 auf 154 verringert wurde.

Der Verkopplung vorausgegangen war in den Jahren 1844 bis 1850 die Auflösung der Meier-Verhältnisse (Pachtverhältnisse) und die Ablösung des Zehnten. Damit wurden die Bauern nach über 1000 Jahren Eigentümer des von ihnen bewirtschaften Landes. Zur Entschädigung der bisherigen Eigner wurde das Zwanzigfache des bisherigen jährlichen Reinertrages festgelegt, beim Zehnten das 25fache und bei den Diensten das 15fache. Das benötigte Kapital konnten sich die Bauern beim 1765 von Herzog Karl I. gegründeten „Herzoglichen Leyhaus in Braunschweig“ zu günstigen Bedingungen borgen.

In Reppner befinden sich zwei sogenannte „Rübenburgen“. Die 1896/97 sehr aufwendig erbaute Rübenburg der Hofanlage Ass.Nr. 1, heute Lesser Straße 11, wurde am 10. April 1945 bei letzten Kämpfen des Zweiten Weltkriegs stark beschädigt. Erst nach dem Krieg wurde das Herrenhaus in vereinfachter Form wieder aufgebaut. Der zugehörige landwirtschaftliche Betrieb wird heutzutage von der Familie Lütgering bewirtschaftet.

Das Dorf hatte immer einen überwiegend landwirtschaftlichen Charakter. Etwa 85 % der Gesamtfläche von 447,2 ha werden landwirtschaftlich genutzt, 3,5 % sind Wald oder Gehölze und der Rest sind Siedlungs- und Verkehrsflächen. Seit dem 16. Jahrhundert wurden hier durchgängig 26 bis 28 Höfe mit 20 bis 180 Morgen Land nachgewiesen. Erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges nahm die Anzahl der Höfe ab, bedingt durch die Mechanisierung der Landwirtschaft und die Notwendigkeit, aus Rentabilitätsgründen immer größere Flächen bearbeiten zu müssen. Im Jahr 1990 wurden noch neun Höfe bewirtschaftet, 2015 waren es nur noch drei.Heinz Feldmann: Reppner, S. 436

Zugehörigkeit des Ortes Reppner lag im Mittelalter im Astfala-Gau (auch Hastfale, Astfalia oder Ostfala genannt), einem Teil der sächsischen Provinz Ostfalen. Seit der Zeit Heinrichs des Löwen gehörte die Region zum Herrschaftsbereich der Welfen, aus dem 1235 das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg und 1269 das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel hervorgegangen war, dem Reppner seit dieser Zeit angehörte. In der Napoleonischen Zeit des Königreichs Westphalen (1807 bis 1813) gehörte Reppner zum Kanton Lesse und damit zum Distrikt Braunschweig im Departement der Oker. Nach dem Wiener Kongress 1814/15 wurde das Herzogtum Braunschweig in den Grenzen des alten Fürstentums wiederhergestellt. Die ehemaligen Kantone Gebhardshagen, Salder und Lesse wurden zum Kreisgericht Salder (später Kreisamt Salder) zusammengefasst und dem Distrikt Wolfenbüttel zugeteilt, der 1832 zur Kreisdirektion Wolfenbüttel wurde.

Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde der Freistaat Braunschweig zum Nachfolger des Herzogtum Braunschweigs – ab 1933 als „Land Braunschweig“ – und Reppner wurde ein Teil des Kreises Wolfenbüttel. Seit dem 1. April 1942 gehört Reppner der neugegründeten Stadt Watenstedt-Salzgitter an – dem heutigen Salzgitter.

Wassermühlen von Reppner Etwa 500 m nordöstlich von Reppner lag die „Alte Mühle“ (), eine Wassermühle, die durch einen von der Fuhse abgeleiteten Mühlgraben angetrieben wurde. Bereits 1307 wurde die Mühle bei Reppner erwähnt, als diese dem Stift St. Blasii in Braunschweig übereignet wurde. Aus den Jahren von 1428 bis 1450 sind in den Unterlagen des Domstiftes auch die Einnahmen aufgeführt, die das Stift von der Mühle erhielt. Der Müller musste anfangs 30 Schillinge an das Stift abführen, ab 1447 nur noch die Hälfte.

Um 1800 hatte die Mühle drei oberschlächtig angetriebene Mahlgänge und einen Ölgang, außerdem wurde noch eine Sägemühle angetrieben. Später wurde der Antrieb auf zwei unterschlächtige Gänge umgestellt, seit 1900 wurde auch Strom erzeugt. Die Mühle wurde 1925 stillgelegt, das 1729 neu errichtete Mühlenhaus wurde 1953 abgerissen.

Eine zweite Wassermühle, genannt die „Neue Mühle“ (), wurde 1325 erwähnt, als diese an die Ritter von Salder verlehnt wurde. Die Mühle lag südlich von Reppner, etwa am Nordufer des heutigen Salzgittersees. Zum Betrieb dieser Mühle waren die Fuhse und deren Nebenfluss Flothe zu einem Teich angestaut worden. Die Mühle hatte 1802 einen ober- und zwei unterschlächtige Gänge, gemahlen wurde das Korn der Bauern aus Reppner und Lebenstedt. Seit der Separation 1859 gehört die Mühle zur Gemarkung von Lebenstedt. Der Betrieb dieser Mühle wurde 1946 eingestellt und ein Teil der Gebäude wurde abgebrochen.

Eine dritte Wassermühle lag am östlichen Ortsrand, direkt am Ufer der Fuhse (). Sie wurde 1489 erstmals erwähnt, als der Bischof von Hildesheim den Curd von Asseburg mit dieser Mühle belehnte. Diese Belehnung wurde um 1670 durch den Bischof erneuert. Im 18. Jahrhundert wurde der Antrieb dieser Ölmühle auf Göpel umgestellt, wohl, weil die Fuhse damals zu wenig Wasser führte. Die Mühle wurde um 1900 stillgelegt.Heinz Feldmann: Reppner, S. 344–346

Lager 24 Das „Todeslager 24“, etwa 1,5 km südlich von Reppner gelegen (), war 1939 von der Wohnungs-AG der Reichswerke Hermann Göring errichtet worden. Ursprünglich sollte es Arbeiter aufnehmen, die beim Bau des Stahlwerkes und in den Betrieben des Erzbergbaus eingesetzt wurden. Wegen der zu großen Entfernung zu den Einsatzorten wurde dieser Plan aber verworfen, ebenso wie eine später angedachte Nutzung als Polizeilager.

Im Oktober 1940 wurde das Lager für etwa 2000 Kriegsgefangene eingerichtet. Ab März 1942 wurde es als Durchgangslager für sowjetische Arbeiter genutzt, monatlich wurden jetzt 9.000–13.000 Menschen durch das Lager geschleust, wobei 3.000–4.000 Personen ständig im Lager lebten. 1943 wurde Lager 24 zum Abschiebelager umfunktioniert, erkrankte oder verletzte Gefangene sollten hier sterben oder auf den Rücktransport in die Konzentrationslager warten. Zwischen Juni 1941 und April 1945 starben im Lager mindestens 633 Menschen, die anfangs auf dem Reppnerschen Friedhof beigesetzt wurden, ab Juli 1943 auf dem Friedhof Jammertal.