mini|Ansicht von Backnang aus Andreas Kiesers Forstlagerkarte (1686): In der Mitte das Rathaus, links davon auf dem Burgberg befindet sich das herzogliche Schloss und die Stiftskirche. Links unten die Sulzbacher Brücke mit der Totenkirche. Rechts die Aspacher Brücke mit der Aspacher Vorstadt. mini|Blick auf die Stadt von Westen Backnang (im lokalen Schwäbisch Baggana) ist eine Mittelstadt in Baden-Württemberg, rund 30 km nordöstlich der Landeshauptstadt Stuttgart. Sie gehört zur Region Stuttgart und zur europäischen Metropolregion Stuttgart. Sie ist die viertgrößte Stadt des Rems-Murr-Kreises und ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden. Bis 1973 war sie Sitz des im Zuge der Kreisreform aufgelösten gleichnamigen Landkreises.

Die Einwohnerzahl von Backnang überschritt 1953 die Marke von 20.000, sodass die Stadt mit Inkrafttreten der baden-württembergischen Gemeindeordnung am 1. April 1956 den Status einer Großen Kreisstadt erhielt. Mit den Gemeinden Allmersbach im Tal, Althütte, Aspach, Auenwald, Burgstetten, Kirchberg an der Murr, Oppenweiler und Weissach im Tal ist die Stadt Backnang eine vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.

Geographie Geographische Lage Backnang hat Anteil an den Naturräumen Schwäbisch-Fränkische Waldberge und Neckarbecken.Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009. Es liegt am östlichen Rand des Neckarbeckens in der Backnanger Bucht, die von der Murr durchflossen wird. Diese durchquert von Nordosten kommend das Stadtgebiet, wendet sich flussabwärts nach Südwesten, durchfließt in mehreren Windungen die Kernstadt und verlässt das Stadtgebiet im Südwesten. Die Altstadt Backnangs liegt südlich in einem der Murr-Bögen. Im Osten des Stadtgebiets mündet die Weißach in die Murr.

Nachbargemeinden An Backnang grenzen im Nordosten Oppenweiler und Sulzbach an der Murr, im Osten Auenwald und Weissach im Tal, im Südosten Allmersbach im Tal, im Süden Winnenden und Leutenbach, im Südwesten Burgstetten, im Westen Kirchberg an der Murr und im Nordwesten Aspach (alle Rems-Murr-Kreis).

Stadtgliederung Backnang besteht aus der Kernstadt, der 1941 eingegliederten Gemeinde Steinbach im Nordosten und den vier im Rahmen der Gebietsreform der 1970er Jahre eingegliederten Gemeinden Strümpfelbach im Norden sowie Heiningen, Maubach und Waldrems im Süden. Diese fünf eingegliederten Gemeinden bilden Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenen Ortschaftsräten. Für die Teilorte ohne Ortschaftsverfassung – Germannsweiler, Mittelschöntal, Unterschöntal, Oberschöntal, Sachsenweiler, Stiftsgrundhof und Ungeheuerhof – werden vom Gemeinderat Teilortsanwälte bestellt.

mini|380px|alternativtext=Grafik mit den Stadtteilen und Grenzen der Ortschaften Backnangs|Stadtteile von Backnang Auf dem Gebiet der Stadt Backnang liegen 21 separat gelegene Wohnplätze mit eigenem Namen:

Zu Backnang gehören die Stadt Backnang, die Siedlung Sachsenweiler, die Weiler Germannsweiler, Mittelschöntal, Oberschöntal, Seehof, Stiftsgrundhof, Ungeheuerhof, Unterschöntal, die Höfe Rötleshof und Staigacker und der Wohnplatz Neuschöntal. Zu Steinbach gehören das Dorf Steinbach sowie das Wohngebiet Marienheim. Zu Heiningen gehört alleine das Dorf Heiningen. Zu Maubach gehören das Dorf Maubach und der Wohnplatz Schulhaus (Alte Schule). Zu Strümpfelbach gehören das Dorf Strümpfelbach sowie das Schloss und der Wohnplatz Katharinenhof. Zu Waldrems gehören das Dorf Waldrems, der Weiler Horbach und der Wohnplatz Ebni.

Wüstungen Auf dem Gebiet der Kernstadt lag auf der Höhe über dem rechten Murr-Ufer die abgegangene Ortschaft Hagenbach, zu der auch eine Burg gehört haben soll, von der heute allerdings keine Reste mehr vorhanden sind. Die Flur Hagenbach ist heute modern bebaut. Eine weitere Befestigung, die Schöntaler Burg, befand sich südwestlich von Oberschöntal auf einem Bergsporn über der Murr. Von dieser Burg sind noch geringe Spuren als Bodendenkmal vorhanden. Die Flurnamen Bürgle bei Heiningen und Bürglesäcker bei Maubach erinnern an weitere ehemalige Befestigungen. 1593 erscheint auf einer Karte von Georg Gadner eine Siedlung mit dem Namen Thos (Taus) bei der Mündung der Weissach in die Murr. Matzenhart beim heutigen Seehof wurde im 14. Jahrhundert erwähnt. Zwischen Backnang und Strümpfelbach lag das 1375 genannte Kuhnweiler. Etzlinsweiler wurde 1501 letztmals erwähnt; seine genaue Lage ist unbekannt sowie der Standort des 1503 letztmals erwähnten Lippenhofs.Lutz Reichardt: Ortsnamenbuch des Rems-Murr-Kreises. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1992, S. 211. Die Fluren „Hausklinge“ westlich von Waldrems und „Weiler“ südlich von Steinbach lassen weitere Wüstungen vermuten. Im „Käppelesgrund“ bei Germannsweiler stand eine Kapelle.

Aufgegangene Siedlungen Um 1870 in Backnang aufgegangen ist der Wohnplatz Walke sowie die Untere Mühle. Nach 1936 ist der Wohnplatz Spinnerei in Steinbach aufgegangen.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 498–502.

Wohngegenden In der Kernstadt werden zum Teil weitere Wohngebiete mit eigenem Namen unterschieden, deren Bezeichnungen sich im Laufe der Geschichte aufgrund der Bebauung ergeben haben und die meist nicht genau abgrenzbar sind. Hierzu gehören beispielsweise die Siedlung Plattenwald, die Robert-Kaess-Siedlung und die Plaisir-Siedlung.

Raumplanung Backnang ist ein Mittelzentrum in der Region Stuttgart, deren Oberzentrum die Stadt Stuttgart ist.

Zum Mittelbereich Backnang gehören außerdem die Stadt Murrhardt sowie folgende Gemeinden im nördlichen Teil des Rems-Murr-Kreises: Allmersbach im Tal, Althütte, Aspach, Auenwald, Burgstetten, Großerlach, Kirchberg an der Murr, Oppenweiler, Spiegelberg, Sulzbach an der Murr und Weissach im Tal.

Backnang ist Mitgliedsgemeinde des Wasserverbands Murrtal. Ihm obliegt der Hochwasserschutz. In: murrhardt.de.

Flächenaufteilung Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Backnang.

Natur

Geschichte Frühe Geschichte und erste Besiedlung Auf der Gemarkung von Backnang wurden Siedlungs- und Grabstellen aus der Jungsteinzeit und der Hallstattzeit gefunden.

Zur Zeit der Römer lag das Gebiet um Backnang ab der Vorverlagerung des Limes im Jahr 155 n. Chr. in der römischen Provinz Obergermanien. Auf Backnanger Gemarkung befanden sich römische Straßen, Siedlungen und Gräberfelder, die jedoch nur wenig erforscht sind. Die römische Militärstraße, welche das Kastell Benningen einst mit dem Kastell Murrhardt verband, verlief nördlich des Katharinenhofs. Auf der Markung von Steinbach (Gewann Heidenfeld) wurden im 19. Jahrhundert Reste einer Villa rustica gefunden. Allerdings gingen die Fundstücke im Zweiten Weltkrieg verloren. Ein römisches Gräberfeld wurde im Bereich der ehemaligen Spinnerei Adolff entdeckt. Es wurden auch schon römische Münzen auf dem heutigen Stadtgebiet gefunden. Mit dem Limesfall dürfte die romanische Bevölkerung das Gebiet verlassen haben.

Die heutige Besiedlung geht wohl auf die Alamannen zurück, die um 260 n. Chr. die Römer zwischen Rhein und Donau zurückdrängten. Die älteste Siedlungsgründung war vermutlich der heutige Ortsteil Heiningen, von wo aus die gesamte Backnanger Bucht erschlossen wurde. Um 500 gelangte die Backnanger Bucht in den Herrschaftsbereich der Franken, die ihr Territorium durch systematische Besiedlung (Fränkische Landnahme) sicherten. Nach 600 entstand an der heutigen Sulzbacher Brücke eine Burg zum Schutz des für historische Fernwege wichtigen Übergangs über die Murr. Auf diese Burg geht der heutige Ort Backnang zurück, in dem um 890 eine erste romanische Kirche erbaut wurde.

Erste Erwähnung 1067 und Gründung des Augustiner-Chorherrenstifts 1116 Erstmals erwähnt wurde der Ortsname als Baccananc in einer Urkunde aus dem Jahr 1067. In dem in Augsburg ausgestellten Schriftstück in lateinischer Sprache ist von einem Hesso de Baccananc und seinem gleichnamigen Sohn (et filius eius Hesso) die Rede. Die Herkunft des Ortsnamens ist umstritten. Der Name könnte ‚Wang des Bacco‘ bedeuten. Allerdings ist eine Person mit dem Namen Bacco nicht nachweisbar. Die alten Namensformen schlagen sich in der Bezeichnung der Bewohner für ihre Stadt als Baggana bis in die heutigen Tage nieder. Damals befand sich Backnang im Besitz der Hessonen. Das Geschlecht stammte aus dem Sülchgau und kam wahrscheinlich durch Heirat in den Besitz Backnangs. Die Hessonen zählten zum unmittelbaren Umkreis des Kaisers und zum vornehmsten Hochadel im damaligen Deutschland. Die Hessonen bauten die Burg Backnang zu ihrem Machtzentrum aus. Wie die Urkunde von 1067 beweist, nannten sich die Hessonen im 11. Jahrhundert von Backnang. Durch Heirat der Hessonen-Tochter Judith von Backnang mit Markgraf Hermann II. gelangte Backnang vermutlich um 1070 an die Markgrafen von Baden. Die Hessonen siedelten nach der Burg Wolfsölden um. Die Badener bauten Backnang systematisch zu ihrem Hauptort aus. Markgraf Hermann und seine Frau gründeten in Backnang ein Augustiner-Chorherrenstift, welches 1116 päpstlich bestätigt und privilegiert wurde. Die ersten Bewohner des Stifts waren Augustiner-Mönche vom Stift Marbach im Elsass. Hermanns Sohn Hermann III. von Baden baute die Anlage weiter aus und errichtete, nachdem die alte Kirche dem Stift vorbehalten war, die Sankt Michaelskirche als neue Kirche für den Ort. Das Stift wurde für fünf Generationen zur Grablege der Markgrafen von Baden.

Stadtrecht im 13. Jahrhundert Der Ort wurde vermutlich um 1220 durch die Markgrafen von Baden zur Stadt ausgebaut. Eine fragmentarisch erhaltene Urkunde von 1230 lässt Rückschlüsse auf ein damals bereits bestehendes Stadtrecht zu. 1235 geriet die Stadt in die Auseinandersetzungen zwischen dem deutschen König Heinrich (VII.) und seinem Vater Kaiser Friedrich II.; sie wurde durch Heinrich von Neuffen, Herr der Burg Altwinnenden, zerstört. Beim anschließenden Wiederaufbau wurde die Stadt ummauert, so dass die Stadterhebung später irrtümlicherweise auf diesen Bau der Stadtmauer im Jahr 1237 datiert wurde und Backnang im Jahr 1987 ein 750-jähriges Stadtjubiläum beging. Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung als Stadt stammt aus dem Jahr 1245. Aus dieser Urkunde geht außerdem hervor, dass damals neben den beiden Kirchen St. Pankratius und St. Michael auch drei Mühlen, ein Hospital und ein Berg genannter Hof (wohl heutiger Bereich des Amtsgerichts) vorhanden waren.

Backnang unter den Württembergern (ab 1300) Um 1300 wurde Backnang durch die Heirat von Irmengard, der Tochter des Markgrafen Rudolfs I. von Baden, mit dem Grafen Eberhard dem Erlauchten von Württemberg als Mitgift württembergisch. Im Reichskrieg Kaiser Heinrichs VII. gegen Eberhard 1311/12 ergab sich die Stadt am 28. August 1312 dem Reich, kam jedoch 1316 an Württemberg zurück. Noch im 14. Jahrhundert wurde Backnang Sitz einer württembergischen Vogtei.

1477 wurde das Regularkanonikerstift in ein freiweltliches Stift umgewandelt. Ab 1500 lag die Stadt im Schwäbischen Reichskreis. Im Bauernkrieg 1525 wurde die Stadt gestürmt und das Augustiner-Chorherrenstift geplündert.

Reformation und Gegenreformation