mini|rechts|Friedrich Jenner um 1884 als CorpsstudentEin weiteres Fotoporträt Jenners aus der Zeit um 1910 abgebildet bei Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten. Vom 14. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5 (Digitalisat auf d-nb.info, abgerufen am 21. Mai 2023), S. 343.

Friedrich Jenner (* 10. Juli 1863 in SolingenMärz 1928. Senator Friedrich Jenner verstorben. In: Göttinger Monatsblätter (Beilage im Göttinger Tageblatt), 5. Jahrgang, Ausgabe 49, März 1978, S. 15.; † 22. März 1928 in Göttingen) war ein deutscher Architekt, Baubeamter und Senator in Göttingen.

Leben Friedrich Jenner studierte von 1881 bis 1885 Architektur an der Technischen Hochschule (Berlin-)CharlottenburgJan Volker Wilhelm: Das Baugeschäft und die Stadt. Stadtplanung, Grundstücksgeschäfte und Bautätigkeit in Göttingen 1861–1924 (= Studien zur Geschichte der Stadt Göttingen. Bd. 24). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, S. 74. und war dort Schüler von Josef Stübben.Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten. Vom 14. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5, S. 342. Zu Beginn des Studiums trat er der freien Verbindung Cheruscia, dem späteren WSC-Corps Guestphalia Berlin, bei, zum Wintersemester 1883 auch dem Corps Saxonia-Berlin, in dem er zusammen mit den späteren Architekten Arthur Kickton und Robert Leibnitz aktiv war.Carl Weigandt: Geschichte des Corps Saxonia-Berlin zu Aachen 1867–1967. Aachen 1968.

Nach dem Studium war er viele Jahre u. a. in Hamburg, Berlin und Lüneburg als Bauleiter in öffentlichen Bauverwaltungen tätig, wobei er sich besonders auf den Bau von Krankenhäusern spezialisierte. 1898/1899 arbeitete er in der Bauverwaltung des Montanunternehmens Krupp in Essen.

Am 4. Dezember 1900 wurde Jenner – als Nachfolger von Heinrich Gerber – zum Stadtbaumeister der Stadt Göttingen ernannt und trat die Stelle im April 1901 an.Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten. Vom 14. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5 (Digitalisat auf univerlag.uni-goettingen.de, abgerufen am 14. Mai 2023), S. 569. Am 23. Januar 1907 wurde er zum Stadtbaurat ernannt, ebenfalls als Gerbers Nachfolger. In seine Amtszeit fallen neben Schulbauten vor allem die Errichtung des Stadthauses (Gotmarstraße 8, heute Stadtbibliothek Göttingen). Jenner widmete sich in seiner Amtszeit auch der Denkmalpflege und der Neuordnung des Feuerwehrwesens.

Bereits 1908 endete sein Dienst als Stadtbaurat, als er zum hauptamtlich besoldeten Senator gewählt wurde und die Verantwortung für Finanz- und Steuerangelegenheiten übernahm; mit Beginn des Ersten Weltkriegs kam als weitere Zuständigkeit die Polizeidirektion hinzu.

Jenners Nachfolger als Stadtbaurat wurde Otto Frey. Friedrich Jenner starb am 22. März 1928, als er jenseits der Altersgrenze immer noch in den städtischen Kollegien wirkte; die Beisetzung fand drei Tage später „unter außerordentlich starker Beteiligung der Bevölkerung“Göttinger Chronik 1928. In: Neues Göttinger Jahrbuch, Bd. 1, 1928, S. 92. statt.

Jenner war Mitglied im Niedersächsischen Verein für Luftschiffahrt mit Sitz in Göttingen.Jahrbuch des Deutschen Luftschiffer-Verbandes 1911, Berlin 1911, S. 99. (Vorschau über Google-Bücher)

Ehrungen 1910 wurde Jenner der Rote Adlerorden verliehen.Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten. Vom 14. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5, S. 343. Auf Magistratsbeschluss wurde ihm ein Ehrenbegräbnis gewährt. Nach Friedrich Jenner ist in Göttingen seit 1929 die Jennerstraße (seit 1965 Friedrich-Jenner-Straße) benannt.Gerd Tamke, Rainer Driever: Göttinger Straßennamen (= Veröffentlichung des Stadtarchivs Göttingen, 2). 3. neu überarbeitete, wesentlich erweiterte Auflage, Göttingen 2012. – Digitalisat (PDF, 2,9 MB) auf stadtarchiv.goettingen.de, abgerufen am 16. Oktober 2025 (ohne Seitenzählung, PDF-Seite 85 f.).

Bauten (Auswahl) 1896–1898: Heil- und Pflegeanstalt Uchtspringe (als Bauleiter der Provinzial-Bauverwaltung) 1899–1901: Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg (als Bauleiter der Provinzial-Bauverwaltung) 1901–1902: Stadthaus in der Gotmarstraße 8, Göttingen 1902–1903: Bismarckstein in Göttingen 1903–1906: Stadtbad Stumpfebiel in Göttingen 1905–1906: Auguste-Viktoria-Warteschule in der Gartenstraße, Göttingen (erster Kindergarten der Stadt)

Schriften (Auswahl) Die indirekte künstliche Beleuchtung des Isolierzimmers. In: Monatsschrift für Psychiatrie und Neurologie. Bd. 3 (1898), Nr. 3, S. 248–252. Das Isolierzimmer-Fenster. In: Monatsschrift für Psychiatrie und Neurologie. Bd. 5 (1899), Nr. 5, S. 215–224. Kaiser-Wilhelm-Krankenhaus in Tangermünde. In: Zeitschrift für Architektur und Ingenieurwesen, Jg. 47 (= NF, Jg. 6), 1901, S. 282–286. Die Abwasser-Reinigungsanlage in Göttingen. In: Zeitschrift für Architektur und Ingenieurwesen, Jg. 51, 1905, S. 125–132. Das Stadtbadehaus zu Göttingen. In: Zeitschrift für Architektur und Ingenieurwesen, Jg. 52, 1906, S. 257–282. Die Auguste-Viktoria-Warteschule in Göttingen. In: Zeitschrift für Architektur und Ingenieurwesen, Jg. 53, 1907, S. 353–358.

Archivalien

Personalakte im Stadtarchiv Göttingen (Signatur: AHR, I A 7 Nr. 41, Anstellung des commissarischen Landesbaumeisters Friedrich Jenner als Stadtbaumeister der Stadt Göttingen 1.4.1901. Am 19. Juni 1908 zum besoldeten Senator gewählt)

Literatur (chronologisch) März 1928. Senator Friedrich Jenner verstorben. In: Göttinger Monatsblätter (Beilage im Göttinger Tageblatt), 5. Jahrgang, Ausgabe 49, März 1978, S. 15. Jan Volker Wilhelm: Das Baugeschäft und die Stadt. Stadtplanung, Grundstücksgeschäfte und Bautätigkeit in Göttingen 1861–1924 (= Studien zur Geschichte der Stadt Göttingen. Bd. 24). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 978-3-525-85425-9, S. 74 (Biographie), S. 421 (Schriftenverzeichnis). Thomas Appel: Göttinger Künstlerlexikon. Maler – Grafiker – Bildhauer – Architekten. Vom 14. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2022, ISBN 978-3-86395-504-5 (Digitalisat auf d-nb.info, abgerufen am 27. Juni 2022), S. 342–343 (S. 343: Werkverzeichnis.)

Einzelnachweise

Kategorie:Beamter (Deutschland) Kategorie:Architekt (Deutschland) Kategorie:Architekt (Niedersachsen) Kategorie:Angehöriger des Fünferbundes Kategorie:Corpsstudent (19. Jahrhundert) Kategorie:Person (Göttingen) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1863 Kategorie:Gestorben 1928 Kategorie:Mann