Die Rudelsburg ist eine Höhenburg oberhalb von Saaleck im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt. Sie liegt etwa 85 Meter über dem Südufer der Saale auf einem felsigen Bergrücken aus Muschelkalk. Die Burg wurde wohl von den Bischöfen von Naumburg im Hochmittelalter zur Sicherung der Handelswege wie der Via Regia mit der Saalebrücke in Bad Kösen angelegt. Bei der ersten Erwähnung 1171 war sie im Besitz von Naumburger Ministerialen. 1238 wurde sie an die Markgrafen von Meißen verlehnt und als Befestigungsbau urkundlich genehmigt. Die Burg befand sich im Spannungsfeld der Interessen der Naumburger Bischöfe und der Markgrafen von Meißen aus dem Haus Wettin. 1348 erfolgte die Zerstörung und Schleifung der Vorburg durch die Stadt Naumburg.Als „Rudelsburg“ waren noch zwei weitere abgegangene Burgen benannt, von denen nichts mehr erhalten ist: In Crimmitschau-Russdorf, Sachsen oberhalb vom Am Lindenberg 1 (Dehio2, Barbara Bechter, Wiebke Fastenrath u. a., Sachsen II: Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, München 1998) und in 83259 Schleching, Chiemgau (Dehio2, Werner A. Widmann, Der Chiemgau. Land der Berge und Seen zwischen Inn und Salzach. August Sieghardts Heimat- und Reisetagebuch vollständig neu verfasst, illustriert und herausgegeben von Werner A. Widmann, Regensburg 1977).
Zeitweise diente die Burg verschiedenen Adelsfamilien als Wohnsitz, bis sie im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde und daraufhin verfiel. Als „schönste aller Saaleburgen“ wurde die Ruine der Rudelsburg schon früh im 19. Jahrhundert im Zuge der Burgenromantik und des Wandertourismus als Ausflugsziel entdeckt. Als alljährlicher Treffpunkt der Kösener Corpsstudenten erreichte die Rudelsburg ab 1855 überregionale Bekanntheit. Bis heute stellt sie ein beliebtes Ausflugsziel dar. Sie liegt auf der Südroute der Straße der Romanik.
Baubeschreibung mini|Bergfried der Rudelsburg mini|Lageplan (um 1910) mini|Verteidigungsanlagen der Rudelsburg: Ecktürme (a, b, c), Zwinger (zz), Torgebäude (t), Halsgraben (D), Reste der Vorburg (V) mini|Bauaufnahme der Rudelsburg von 1879 Die Rudelsburg liegt auf einem Westsüdwest-Ostnordost-ausgerichteten Höhenrücken, der steil zur Saale und etwas weniger steil zu den übrigen Seiten abfällt. Sie besteht aus einer kleinen Kernburg am westlichen Ende einer großen, sich über die gesamte Hochfläche erstreckenden und etwas höher gelegenen Vorburg. Besonders die Vorburg wurde im 18. Jahrhundert als Steinbruch genutzt und ist heute kaum mehr als solche zu erkennen. Allerdings sind Reste der Ringmauern der Vorburg im Süden und Osten erhalten bzw. wurden diese wiederholt bei Bauarbeiten angeschnitten. Weitere Mauerzüge in der Vorburg sind nur durch Grabungen des 19. Jahrhunderts bekannt. In der mit einer Größe von ca. 22.000 m² außergewöhnlich großen Vorburg lagen die Wohnsitze der Burgmannen (castrenses), aber auch verschiedene Produktionseinrichtungen.
Die Kernburg, die durch einen tiefen Halsgraben von der Vorburg getrennt ist, bildet ein unregelmäßiges Viereck von etwa 40 × 24 Meter um einen kleinen Innenhof. Der rund 20 Meter hohe romanische Bergfried im Südosten ist älter als die südliche Ringmauer. Er hat einen annähernd quadratischen Grundriss (7,60 × 8,20 Meter) und ist mit einem steinernen pyramidenförmigen Turmhelm bekrönt, der der Burg ihr charakteristisches Aussehen verleiht. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde auf einem runden Burgturm eine Windmühle errichtet, die auf vielen Darstellungen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zu sehen ist. Die Mühle wurde 1864 durch einen Brand zerstört. Im Untergeschoss des Bergfrieds befindet sich ein erst in jüngerer Zeit angelegtes Verlies.
Mit der südlichen Ringmauer baueinheitlich ist der im Westen gelegene querrechteckige Palas, der nach der Bauzier an den Kapitellen um 1200 entstand. Aufgrund der Lage auf einem steilen Felsen über der Saale bot die Westseite potenziellen Angreifern am wenigsten Angriffsfläche. Noch in romanischer Zeit erfolgten der Bau des Palasobergeschosses und die Aufstockung der nördlichen Ringmauer. Diese ist – im Gegensatz zu den meisten anderen europäischen Höhenburgen – nicht bis an den steil abfallenden Felsrand herangebaut worden; vermutlich um bei einem eventuellen Abbrechen der aus brüchigem Kalkstein bestehenden Felskante ein Einstürzen der Ringmauer zu verhindern.
Der im Osten vorgelagerte Zwinger dürfte ebenfalls noch in romanischer Zeit entstanden sein.Der Zwinger der Rudelsburg, der sich zwischen Kernburg und Vorburg befindet, war offensichtlich bereits von Anfang an beim Bau der Burg mit angelegt und gilt in der Literatur als Beleg dafür, dass die Idee des Zwingers nicht erst durch die Kreuzzüge nach Europa gelangt ist. Die vermutlich erst im mittleren 15. Jahrhundert in größerem Abstand um die Burg angelegten Mauern bildeten mit den als Rondelle ausgeführten Ecktürmen Bastionen und einen umlaufenden Zwinger.
Ur- und frühgeschichtliche Höhensiedlung Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurden auf der Hochfläche bei Bauarbeiten, unsystematischen Ausgrabungen oder als Lesefunde zahlreiche archäologische Funde geborgen, die heute überwiegend im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle und der ur- und frühgeschichtlichen Sammlung der Universität Jena aufbewahrt werden. Dabei handelt es sich größtenteils um Keramikbruchstücke, aber auch eine Gewandnadel vom Trothaer Typ, die zeigen, dass das Gelände bereits in der späten Bronze- und Eisenzeit intensiv besiedelt und wahrscheinlich bereits befestigt war.Martin Claus: Die Thüringische Kultur der älteren Eisenzeit. Grab-, Hort- und Einzelfunde (Irmin 2/3), Diederichs-Verlag, Jena 1942, S. 149; Klaus Simon: Höhensiedlungen der Urnenfelder- und Hallstattzeit in Thüringen. In: Alt-Thüringen 20, 1984, , S. 23–80. Die in den 1980er und 1990er Jahren neu hinzugekommenen Lesefunde deuteten darauf hin, dass auf dem Gelände der Rudelsburg bereits eine frühbronzezeitliche Höhensiedlung bestand, die der Aunjetitzer Kultur zuzurechnen ist.Klaus Simon und Manfred Böhme: Älterbronzezeitliche Neufunde von der Rudelsburg bei Bad Kösen. In: Ausgrabungen und Funde 35, 1990, , S. 174–179; Klaus Simon: Ur- und frühgeschichtliche Höhensiedlungen auf der Rudelsburg bei Bad Kösen. In: Jahresschrift für mitteldeutsche Vorgeschichte. 74, 1991, , S. 59–130. Da der Sporn, auf dem der Hauptbereich der aunjetitzzeitlichen Siedlung vermutet wird, von der Rudelsburg besetzt ist, wurden in den Jahren 2005 bis 2006 archäologische Grabungen im Vorburggelände und am Hang im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsprojektes „Der Aufbruch zu neuen Horizonten. Die Funde von Nebra, Sachsen-Anhalt, und ihre Bedeutung für die Bronzezeit Europas“ durch den Bereich für Ur- und Frühgeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena durchgeführt. Unter den stellenweise bis zu 3,50 Meter mächtigen mittelalterlichen Kulturschichten ließen sich in den anstehenden Löß eingetiefte vorgeschichtliche Befunde dokumentieren, so dass die vollständige Zerstörung der frühbronzezeitlichen Siedlungsreste auszuschließen ist. Jedoch weisen Funde von vorgeschichtlichem Keramikmaterial in den mittelalterlichen Schichten auf eine erhebliche Störung der vorgeschichtlichen und damit auch der aunjetitzzeitlichen Horizonte hin. Lediglich am Hang wurde eine Kulturschicht angetroffen, aus der ein Keramikbruchstück der Aunjetitzer Kultur, ein Knochen und etwas Holzkohle geborgen werden konnte. Der Befund endete jedoch unmittelbar hinter dem Grabungsprofil, so dass nur über die Radiokarbondatierung von Knochen und Holzkohle die archäologisch-typologische Datierung abgesichert werden könnte. Die zahlreichen vorgeschichtlichen Befunde stammen wie der größte Teil der verlagerten Funde aus der Spätbronze- und Eisenzeit.Die Bearbeitung der vorgeschichtlichen Funde und Befunde erfolgt derzeit durch Christiane Schmidt im Rahmen ihrer Dissertationsschrift „Die prähistorische Besiedlung der Rudelsburg und die bronzezeitliche Besiedlung im Mittelelbe-Saale-Gebiet unter besonderer Berücksichtigung der Höhensiedlungen“.
Geschichte Adelssitz im Mittelalter und in der frühen Neuzeit mini|Einzige bekannte Darstellung mit Resten der Vorburg (vor 1770)
Erst im Frühmittelalter wurde der Bergrücken erneut genutzt, wie einige Funde von in slawischer Herstellungstradition stehender Keramik der Leipziger Gruppe zeigen. Umfang, Intensität und Zeitdauer der Besiedlung, die nur allgemein in das 10. und 11. Jahrhundert zu setzen ist, kann jedoch nicht bestimmt werden. Die Rudelsburg dürfte jedoch zu den zahlreichen Burgwällen im Gebiet von Saale und Elbe gehört haben wie etwa dem einige Kilometer saaleaufwärts gelegenen Johannisberg bei Jena-Lobeda oder der Alte Gleisberg bei Bürgel. Für die von der heimatkundlichen Forschung am Ende des 19. Jahrhunderts aufgestellte und bis heute häufig fortgeschriebene Behauptung, die Rudelsburg sei im oder um das Jahr 1030 bzw. 1050 als Grenzbefestigung errichtet worden, gibt es dagegen keinerlei historischen Beleg.
In der Mitte des 12. Jahrhunderts ließen die Bischöfe von Naumburg auf dem westlichen Ende des Bergrückens eine Burg errichten und mit Ministerialen besetzen.
Im Jahr 1171 wurde erstmals ein Hugo de Ruthelebesburch urkundlich genannt, der (fälschlich in alten Quellen) dem Edelgeschlecht von Schönburg zugewiesen wird.UB Naumburg Nr. 279. Nach Otto Posse gehört der genannte Hugo von Rudelsburg jedoch zum niederadeligen bischöflich-naumburgischen Ministerialengeschlecht „von Schönburg und von Rudelsburg“, das auf der Schönburg bei Naumburg und auf der Rudelsburg saß. Nach Posse bestand keine Verwandtschaft zum thüringisch-sächsischen Edelgeschlecht „von Schönburg“ (beide Familien saßen zeitweise auf gleicher Burg Schönburg bei Naumburg). Aus dem Jahre 1388 überlieferte eine Urkunde aus Laucha an der Unstrut auf deren Siegel das Wappen des Ministerialengeschlechts „von Schönburg und von Rudelsburg“: ein Andreaskreuz im Schild. Die Literatur von Posse über die Frühgeschichte des Edelgeschlechts von Schönburg listet auch den Stammbaum der (nicht verwandten) Ministerialenfamilie auf, bis diese Ende des 14. Jahrhunderts offenbar in Thüringen erloschen sind. Außerdem wird bei Posse angedeutet, dass die niederadelige sächsische Uradels-Familie von Schönberg in Anspruch nimmt, auch von der Rudelsburg her zu sein. Quellen dafür scheint es aber keine zu geben. Die Schönberger könnten eventuell von der Rudelsburger Linie des Ministerialengeschlechts abstammen, da dieser Rudelsburger Zweig erst Ende des 14. Jahrhunderts erloschen war, der Schönburgische Zweig des Ministerialengeschlechts aber scheinbar schon eher.Otto Posse: Die Urahnen des Fürstlichen und Gräflichen Hauses Schönburg. Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch-Stiftung, Dresden 1914: Stammtafel des naumburgischen Ministerialengeschlechts der Schönburg und der Rudelsburg S. 24, deren Wappen Anhang 1/Bild 5 und S. 23 (keine Verwandtschaft mit dem Edelgeschlecht von Schönburg) und 25 (Info zum Wappen des Ministerialengeschlechts)
Mit dem Ausbau der Burg in ihrer heutigen Gestalt ist etwa in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts begonnen worden. Bereits am Ende des 12. Jahrhunderts war sie in ihren wesentlichen Teilen fertiggestellt. 1238 belehnte der Naumburger Bischof den Markgrafen von Meißen Heinrich den Erlauchten mit oppidum et castrum Ruthleibesberch, der die Herrschaftsausübung vor Ort weiterhin in die Hände von Ministerialen legte.Karl Richard Lepsius: Kleine Schriften. Beiträge zur thüringisch-sächsischen Geschichte und deutschen Kunst- und Alterthumskunde. Creutz (R. Kretschmann), Magdeburg 1854/55, S. 16 und Anm. 32.