mini|hochkant|Gottlob von Nathusius, in den 1930er Jahren. mini|hochkant|Gottlob von Nathusius, hier 1936 im Landschaftspark Haldensleben/Hundisburg. Gottlob Karl Engelhard von Nathusius (* 25. Juli 1884 in Hundisburg; † 30. Märzbei Wolfgang Ollrog (Bearb.): Johann Christoph Gatterer, der Begründer der wissenschaftlichen Genealogie. In: Archiv für Sippenforschung und alle verwandten Gebiete mit Praktischer Forschungshilfe. 47. Jahrgang, Heft 81/82, Februar 1981, C. A. Starke Verlag, Limburg 1981, Nr. 3.4.1.5.1, S. 74 wird als Todestag der 31. März 1948 angegeben 1948 in Ermschwerd-Freudenthalgem. Nathusius (1840, 1861), I. Linie (Hundisburg), 1) Gottlob Karl Engelhard. In: Walter von Hueck et al.: Genealogisches Handbuch des Adels. Band 57 der Gesamtreihe, Adelige Häuser B, Band XI, C. A. Starke Verlag, Limburg a. d. Lahn 1974, S. 310.) war ein deutscher Schloss- und Rittergutsbesitzer sowie ein bekannter Tierzüchter im heutigen Sachsen-Anhalt. Außerdem war er ein bedeutender regionaler Ornithologe, Vogelsammler und -schützer. Seine teilweise durch Kriegseinwirkung zerstörte, umfangreiche Vogel-Sammlung befindet sich heute im Museum Heineanum in Halberstadt,gem. entsprechender Information auf der Website der Stadt Halberstadt nachdem sie mit anderen Sammlungsteilen aus dem Städtischen Heimatmuseum in Neuhaldensleben sowie des Museums für Naturkunde Magdeburg zusammengeführt wurde. Veröffentlichungen in ornithologischen Fachzeitschriften machten ihn in entsprechenden Kreisen auch überregional bekannt.Siehe Literatur: Gem. Reinhold Brennecke: Gottlob von Nathusius (1884–1948) als Ornithologe und Vogelsammler. S. 62.

Jugendjahre Gottlob von Nathusius war das älteste von drei Kindern des Joachim von Nathusius (1848–1915). Seine Mutter war Adelheid, geb. von Schenck (1863–1954), Tochter eines Rittergutsbesitzers und Fideikommissherrn in der benachbarten Ortschaft Flechtingen (Wasserschloss Flechtingen) sowie von Gütern in Böddensell, Dönstedt und weiteren Dörfern. Die Vorfahren der Familie Nathusius waren in der Ober- und Niederlausitz beheimatet. Der Großvater war Hermann Engelhard von Nathusius und der Urgroßvater Johann Gottlob Nathusius.

Nathusius wuchs mit seinem Bruder Hans-Joachim (1893–1945) und der Schwester Barbara (1895–1982) auf dem väterlichen Schloss Hundisburg auf. Dort erhielt er zunächst Privatunterricht bei dem Hundisburger Volksschullehrer und Kantor Wilhelm Laue (1863–1917), später besuchte er das Gymnasium in Haldensleben. Nach dem Abitur 1904 folgte die Militärausbildung in Stendal (1904/05) sowie eine einjährige landwirtschaftliche Ausbildung in Piesdorf, dem sich ein Studium der Landwirtschaftslehre an der Universität Halle (1905–1907) und an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin (1908) anschloss.

Vor Übernahme eines gepachteten Gutes in Emden (damals Kreis Neuhaldensleben) aus dem Besitz der Grafen Schulenburg im Jahre 1909, unternahm Nathusius noch eine mehrmonatige Reise durch die USA. Zum Ersten Weltkrieg wurde er am 23. September 1914 eingezogen und war bis zu seiner Entlassung (12. Oktober 1918) bei Kriegsende als Rittmeister an der Front in Nordfrankreich eingesetzt. mini|Die Hundisburg, Sachsen-Anhalts größtes Barockschloss, hier 2006 kurz vor Abschluss des Wiederaufbaus von Schloss und Park mini|Seitenansicht des Schlosses Hundisburg vom Dorf aus. Gut sichtbar die Wirtschaftsanlagen des „Oberhofes“

Wirken auf Schloss Hundisburg Nach dem Tode des Vaters erbte Nathusius am 8. Mai 1915 Schloss und Rittergut Hundisburg, das sich seit 1811 in Familienbesitz befand. Der vom Großvater erarbeitete Ruf Hundisburgs als Mustergut in Landwirtschaft und Tierzucht bestand noch immer. Bereits seit 1910 gehörte eine Besichtigung des Gutes zum Pflichtprogramm der Ausbildung an der Landwirtschaftlichen Schule in Neuhaldensleben.gem. Werner Vahldieck: Ein Bericht über die Bewirtschaftung des Rittergutes Hundisburg um 1910 – nach einem Protokoll über eine Besichtigung des Gutes durch Hörer der Lehranstalt für praktische Landwirte und Güterbeamte Neuhaldensleben am 29. November 1910, Haldensleben o. J. Auch unter Gottlob von Nathusius sollte der Wirtschaftsbetrieb in Hundisburg seinen guten Ruf in der Region erhalten.

Landwirt Der landwirtschaftliche Betrieb der Hundisburg (auf dem sogenannten „Oberhof“) bestand aus 3200 Morgen (etwa 800 Hektar)andere Quellen nennen (z. B. für das Jahr 1941) eine Betriebsgröße von nur 720 Hektar. Die Differenz mag darauf zurückzuführen sein, dass ein Teil des Landes verpachtet wurde, davon der überwiegende Anteil Acker, ansonsten Wiesen, Wald und Weiden bzw. Unland (z. B. Niederungsweiden). Es wurde Hackfrucht, Getreide, Erbsen (Viktoria), Ackerbohnen und Luzerne angebaut.gem. Werner Vahldieck: Ein Bericht über die Bewirtschaftung des Rittergutes Hundisburg um 1910 – nach einem Protokoll über eine Besichtigung des Gutes durch Hörer der Lehranstalt für praktische Landwirte und Güterbeamte Neuhaldensleben am 29. November 1910. Haldensleben o. J. Nach der Rückkehr aus dem Krieg widmete sich Nathusius erfolgreich den Vermehrungszuchten von Zuckerrüben und Kartoffeln sowie dem ertragssteigernden Zwischenfruchtanbau. Ab Übernahme des Gutes im Jahre 1915 bis 1928 konnte Nathusius so die Erträge von Getreide pro Hektar um rund 30 % und die von Kartoffeln um rund 14 % erhöhen.

Außerdem führte er den Obstanbau wieder ein. Ab 1933 wurden Obstplantagen angepflanzt (Birnenhochbüsche, halbstämmige Kirschen, Vier-Sorten-Apfelbäume sowie Apfel-Spindelbüsche), insgesamt ca. 7.000 Bäume. Die Obstplantage erzielte hervorragende Ergebnissegem. Wochenblatt (vormals: Neuhaldensleber Wochenblatt) vom 12. Oktober 1938., so dass die Universität Halle hier eine Forschungs-Außenstelle einrichtete. Auch noch nach der Enteignung 1945 erzielte die Hundisburger Obstproduktion „besondere Erfolge“.gem. Magdeburger Volksstimme vom 7. September 1949.

Daneben entwickelte oder erneuerte Nathusius landwirtschaftliche Nebenbetriebe. Neben einer eigenen Schmiede und einer Stellmacherei waren das eine Kartoffelspiritusbrennerei sowie eine Kartoffeltrocknungsanlage. Nathusius hielt Beteiligungen an der Zuckerfabrik in Nordgermersleben sowie an der Magdeburger Molkerei GmbH.Gem. Gottlob von Nathusius: Rittergut Hundisburg (eine betriebswirtschaftliche Aufstellung), Druck bei Stadt- und Landbote Neuhaldensleben. Hundisburg 1930, S. 2 f. mini|Anzeige für Merino-Schafe aus der Hundisburger Stammzucht, ca. 1925.

Tierzüchter Nathusius übernahm vom Vater die älteste Stammschäferei für Merinofleischschafe in Deutschland, die 1856 von seinem Großvater, Hermann von Nathusius (mit Unterstützung des Schafzüchters Rudolf Behmer) gegründet worden war. Bereits ab ca. 1900 wurden aus diesem Betriebszweig alle deutschen Hochzuchten mit Zuchtmaterial versehen. Auch hier konnte Nathusius den hohen Standard halten. Tiere seiner Zucht gewannen jedes Jahr eine große Anzahl von Tierzucht-Preisen (unter anderem die wichtigen Prämierungen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft)siehe Vermerk auf nebenstehender Anzeige: Die Herde errang auf den Ausstellungen der D.L.G. stets die höchsten Preise und Staatsauszeichnungen. Der Umsatz in den 1940er Jahren betrug rund 80 Böcke pro Jahr. Auch nach dem Krieg wurde die Merinozucht weitergeführt.so wurden nach dem Krieg 80 Zuchtböcke an das Volkseigene Tierzuchthauptgut der Unterabteilung Volkseigene Güter beim Rat des Bezirkes Halle (vormals Rittergut Storkau der Familie Thimey) geliefert, gem. Hartmut Boettcher: Edelschweinzucht in Storkau b. Weißenfels. (PDF; 167 kB)

Außerdem richtete Nathusius eine erfolgreiche Herdbuch-Rindviehzucht mit einem Bestand (1935) von 125 Kühen und 125 Stück Jungvieh ein. Diese Zucht bildete nach dem Zweiten Weltkrieg einen Schwerpunkt des enteigneten Betriebes.

Ehrenämter Nathusius’ Aktivitäten in Landwirtschaft und Tierzucht führten zu verschiedenen ehrenamtlichen Leitungspositionen. So war er bis 1933 Mitglied des Vorstandes der Landwirtschaftlichen Kammer Sachsen-Anhalts (Halle). Bis zur Flucht bei Kriegsende war er Vorsitzender der Molkerei Magdeburg, Vorsitzender des Schafzüchterverbandes Sachsen-Anhalt für Merinofleischschafe und Vorsitzender des Magdeburger Vereins für Landwirtschaft und landwirtschaftliches Maschinenwesen. Außerdem war Nathusius Rechtsritter des Johanniter-Ordens.

Karitatives Engagement Nathusius sah sich als Großgrundbesitzer auch dem Gemeinwohl verpflichtet. Vorbildlich war seine Fürsorge für seine landwirtschaftlichen Arbeiter: ab dem 65. Lebensjahr erhielt jeder von ihnen einen halben Morgen Kartoffelland, der vom Betrieb mitbearbeitet wurde. Pro Monat erhielten ehemalige Arbeiter außerdem einen halben Zentner Getreide, Wohnung und Gartenland (ca. ein viertel Morgen) kostenfrei. Holz wurde umsonst angefahren. Auch Witwen wurden versorgt.Gem. einer von Gottlob Karl von Nathusius selbsterstellten Schilderung des landwirtschaftlichen Betriebs Hundisburg, etwa 1941. Die von früheren Familienmitgliedern gegründeten Neinstedter Anstalten (hier vor allem die Zweigstelle Schloss Detzel) unterstützte er finanziell.Gem. Guido Heinrich: Nathusius, Gottlob Karl Engelhard von. In: Magdeburger Biographisches Lexikon. Siehe Literaturverzeichnis. 1925 gab Nathusius den zum Landschaftspark Althaldensleben-Hundisburg gehörenden „Waldsee“, einen vormaligen, mit Wasser gefüllten Steinbruch, als Badegewässer für die Öffentlichkeit frei. So entstand eine sehr beliebte „Volkserholungsstätte“.„... Durch die große Freundlichkeit und den aufopfernden Gemeinsinn des Besitzers, des Herrn Gottlob v. Nathusius ... wurde hier eine geradezu ideale Volkserholungsstätte geschaffen. .. Wohl wenige wissen, daß die Freigabe des Waldsees an das Volk ohnehin schon ein großes persönliches Opfer für den Besitzer bedeutet.“, gem. N.N. (Autor) im Wochenblatt (vormals: Neuhaldensleber Wochenblatt) vom 24. Juli 1925.

Vogelsammler und Ornithologe Bereits als Achtjähriger begann Nathusius, sich für Vögel zu interessieren. Zunächst legte er eine Federnsammlung an. Ab 1895 sammelte er dann ausgestopfte Vögel. 1903 hatte er bereits 27 Präparate zumeist seltener Vogelarten der Region, die etwa zur Hälfte in Schlüters naturwissenschaftlichem Institut in Halle gestopft worden waren. Später sollte auch das Zoologische Institut der Universität Halle Präparate für ihn anfertigen.Gem. Rechnung (Schreiadler, Pirol, Flussregenpfeifer) von: Zoologisches Institut Halle, Hugo Beil (Oberpräparator) vom 30. Juli 1943. Zum großen Teil waren diese Vögel von Nathusius selbst erlegt worden.gem. Wochenblatt (vormals Neuhaldenslebener Wochenblatt) vom 14. Januar 1899. In den Folgejahren sollte die Sammlung stetig wachsen, bis bei Kriegsende etliche Räume des Hundisburger Schlosses mit Ausstellungs-Vitrinen belegt waren. mini|Das Naturkundemuseum Heineanum in Halberstadt widmet sich besonders der Vogelkunde

Vogelkunde und Sammlung Die Sammlung von Gottlob von Nathusius war eine reine Lokalsammlung. Der Sammlungsraum beinhaltete die Kreise Neuhaldensleben, Wolmirstedt, Jerichow I und Gardelegen, sowie die Braunschweig’schen Amtsbezirke Helmstedt und Calvörde. Er umfasste damit eine Geländeausdehnung von etwa 55 km im Durchmesser.

Die Sammlung bestand bei Kriegsausbruch aus etwa 230 Vogelarten in 600 Exemplaren1936 waren es 225 Arten in 538 Exemplaren, gem. Artenverzeichnis der Vogelsammlung von Gottlob von Nathusius in Hundisburg, Kreis Neuhaldensleben. siehe Literaturverzeichnis, darunter auch einige Albinos und Kreuzungen. Bestandteil der Sammlung waren viele für die Region seltene Arten wie Ringdrossel, nordische Wasseramsel, Binsenrohrsänger, Seggenrohrsänger, Spatelraubmöwe, Odinshühnchen oder Rot- und weißsterniges Blaukehlchen.