Der Heppinger Brunnen sind zwei Quellen bzw. Brunnen für Mineral- und Heilwasser in Heppingen, einem Stadtteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler in Rheinland-Pfalz. Die zulässige Höchstmenge für die Förderung des Quellwassers aus den beiden Quellen am historischen Heppinger Brunnen liegt bei 15,3 Millionen Liter pro Jahr. Das Heppinger Heilwasser ist ein Produkt der Apollinaris GmbH. Der Brunnen steht nach der im Jahr 1565 erstmals bekannten Erwähnung seiner Heilquellen in der wissenschaftlichen LiteraturJohann Winter (auch G. von Andernach): commentarius de balneis & aquis medicatis, in tres Dialogos distinctus. 1565, S. 139. in einer über viereinhalb Jahrhunderte andauernden und ununterbrochenen Nutzung.

mini|Das große Brunnenhaus, eines von zwei Brunnenhäusern mini|Der Berg Landskrone am Ahrtal mit dem Heppinger Brunnenhaus am Fuß des Berges

Lage Der Quellstandort Heppingen liegt in Heppingen am Fuße des Berges Landskrone (Ahr) im Ahrtal bei Bad Neuenahr, 20 km südlich von Bonn. Der Bevölkerung der angrenzenden Gemeinden steht das Quellwasser des Heppinger Brunnens seit Jahrhunderten kostenlos zur Verfügung. Seit 1929 ist der Bereich um die Brunnen als Heilquellenschutzgebiet ausgewiesen. Die Quellen sind bekannt durch die öffentliche Mineralwasserentnahmestelle und die seit 1850 weitgehend unverändert gebliebenen beiden Brunnenhäuser als Kulturdenkmale.

Nachweis der Quellen ab 1565 mini|Ansicht des Heppinger Brunnens, Zeichnung Roidkin 1715 Die Quellen am Fuße des Berges Landskron in Heppingen wurden in der Renaissance 1565 durch das Buch „commentarius de balneis et aquis medicatis“ von Johann Winter von Andernach (auch Guinterius von Andernach genannt), Professor der Medizin in Straßburg und Paris, sowie durch die Erwähnung 1581 durch Jacob Theodorus Tabernaemontanus, Professor für Botanik und Medizin, in seiner Schrift „Neuw Wasserschatz“ überörtlich bekannt.Jacob Theodor (Jacob Theodorus Tabernaemontanus): Neuw Wasserschatz. Frankfurt 1593, Kap. LXII und LXIII Aufgrund des Berichtes in der Landskronischen Chronik von 1598, dass römische Münzen in dem Brunnen am Fuße der Landskrone gefunden wurden, spricht vieles dafür, dass die Mineral- und Heilquellen in Heppingen bereits in der Römerzeit genutzt wurden.Walther Ottendorf-Simrock: Heilquellen und Mineralbrunnen im Kreis Ahrweiler. In: Heimatchroniken des Kreises Ahrweiler. Archiv für Deutsche Heimatpflege, Köln 1968, S. 261–283, hier S. 262–263.

Die von Renier Roidkin 1715 erstellte Zeichnung vom Brunnen am Fuße der Landskrone zeigt bereits eine Brunnenanlage, bestehend aus zwei Brunnen in barocker Fassung, links einem Wachhaus und rechts einem Brunnenhaus.Walther Ottendorf-Simrock: Heilquellen und Mineralbrunnen im Kreis Ahrweiler. In: Heimatchroniken des Kreises Ahrweiler. Archiv für Deutsche Heimatpflege, Köln 1968, S. 261–283, hier S. 263–264.Wilhelm Knippler: 1000 Jahre Heppingen, historischer Überblick. Arbeitskreis Tausendjahrfeier Heppingen, Verlag Warlich, Ahrweiler 1965, S. 102.

Verpachtungen des Brunnens 1747 bis 1828 mini|hochkant|Mineralwasserkrüge vom Heppinger Brunnen ab ca. 1820 Die erste urkundlich nachgewiesene Verpachtung des Heppinger Brunnens durch kurfürstliche Verordnung datiert aus dem Jahr 1747. Die Pacht betrug jährlich drei Goldgulden und erfolgte unter der Auflage, Brunnen und Brunnenhaus in ordentlichem Zustand zu halten.Rechnung des Rentmeisters Karl Kaspar Dahmen 1747, Blatt 49, Landeshauptarchiv Koblenz, zitiert nach Hans Frick: Quellen zur Geschichte von Bad Neuenahr (Wadenheim/Beul/Hemmessen) der Grafschaft Neuenahr und der Geschlechter Ahr, Neuenahr und Saffenberg. Selbstverlag der Gemeinde Bad Neuenahr 1933, hier S. 510.

Im Jahr 1767 erfolgte eine Neuverpachtung des Brunnens. Im Rahmen der französischen Besatzung ab 1794 wurde nach der Zerschlagung der landesherrlichen Bindungen der kurfürstliche Besitz im Gebiet um die Quellen der Zivilgemeinde übereignet und von der Gemeinde genutzt. Das Wasser der beiden Quellen des Heppinger Brunnens wurde bereits 1799 nach „Holland, Achen und Lüttich“ versendet.Landesarchiv Koblenz: Bestand 441, Nr. 13138. S. 4 ff.

1821 wurde der inzwischen unter der Verwaltung der Königlichen Preußischen Regierung zu Koblenz stehende Heppinger Brunnen neu verpachtet.Ingeborg Schild: Gutachten über das große Heppinger Brunnenhaus. 15. Dezember 1983, S. 4.

Das Wasser des Heppinger Brunnens wurde, wie das Wasser anderer Brunnenbetriebe dieser Zeit, in handgeformte, aus Ton gebrannte Wasserkrüge abgefüllt, verkorkt, versiegelt und versendet. Auf dem Tonkrug war das Siegel des jeweiligen Brunnens als Herkunftsnachweis eingestanzt.Bernd Brinkmann: Steinzeugflaschen für den Versand Rheinischer Mineralbrunnen. In: Landschaftsverband Rheinland/Rheinisches Museumsamt: Wasserlust. Mineralquellen und Heilbäder im Rheinland. Rheinland-Verlag, Köln 1991, S. 82–103, hier S. 86.

Siegel des Heppinger Brunnens ab 1821 mini|links|hochkant|Siegelzeichen Heppinger Brunnen von 1828Pächter: Friedrich Faulenbach mini|hochkant|Siegelzeichen Heppinger MW mit Krug mini|hochkant|Siegelzeichen Heppinger Brunnen von 1828Pächter: Dhal Junior Die Krüge des Heppinger Brunnens trugen das runde Siegel „Heppinger M.W.“ für Heppinger Mineralwasser mit dem Siegelzeichen eines Ankers und Dreiecks als stilisiertem Segel. Das Siegelzeichen des Brunnens zeigte, dass es sich bei dem Heppinger Brunnen um einen Versandbrunnen handelte, dessen Produkte bereits auf dem Wasserweg überregional versendet wurden (vgl. Abbildungen).

Im Jahr 1828 wurde die Verpachtung der unteren Quelle des Heppinger Brunnens durch die Königliche Preußische Regierung neu ausgeschrieben und an die Kaufleute Elias Dhal Junior aus Koblenz und Friedrich Faulenbach aus Köln neu verpachtet. Die „obere“ Quelle verblieb der Gemeinde zur freien Nutzung, sie war ein öffentlicher Brunnen.

Beide Pächter verwendeten das vorgenannte Siegelzeichen des Heppinger Brunnens mit Anker und einem Dreieck als stilisiertem Segel, nur ergänzt mit einem Querstrich. Sie verkauften das Heppinger Mineralwasser ab 1828 auf getrennte Rechnung mit dem jeweils eigenem Namenszusatz auf dem Krug (vgl. Abbildungen).

Die Verpachtung des Brunnens durch die Königliche Preußische Regierung zu Koblenz aus dem Jahr 1828 war mit der Auflage verbunden, die aus Stein bestehende Einfassung der unteren Quelle des Heppinger Brunnens zu erneuern und ein neues Brunnenhaus zu bauen. Auch für den Verkauf des Brunnenwassers waren genaue Vorschriften einzuhalten: Die Krüge mussten zum Füllen das Siegel „Heppinger Mineralwasser“ tragen, jeweils ganz unter den Wasserspiegel des Brunnens getaucht werden und waren danach zu „verstopfen“ und zu „verpichten“. Jeder Krug hatte eine aufgebrannte Aufschrift zu tragen und 100 Krüge durften nicht mehr als 5 Taler kosten.Landesarchiv Koblenz: Bestand 441, Nr. 13139. 1831 war die Auflage der Königlichen Regierung erfüllt, der alte Heppinger Brunnen war neu gefasst und das Brunnenhaus neu gebaut.Ingeborg Schild: Gutachten über das große Heppinger Brunnenhaus. 15. Dezember 1983, S. 6.

Zweiter Brunnenbetrieb ab 1832 Ab 1832 wurde bei dem Heppinger Brunnen auf der anderen Seite der Straße in nur ca. 20 Meter Entfernung in Richtung des Berges Landskron durch den Apotheker Johann Wilhelm Hoevel in einem von der Gemeinde gekauften Weinberg eine neue Quelle erbohrt. Der Bonner Chemiker und Geologe Professor Karl Gustav Bischof wirkte bei der Erschließung dieser Quelle mit, die bis 1832 eine rechteckige Fassung aus Basaltstein erhielt.Walter Ottendorff Simrock: Heilquellen und Mineralbrunnen im Kreis Ahrweiler. In: Heimatchroniken des Kreises Ahrweiler, Band 35 der Reihe Heimatchroniken der Städte und Kreise des Bundesgebietes, 1. Auflage. Köln 1968, S. 261–283, hier S. 269.

Ab 1832 entstand am Heppinger Brunnen genau über der rechteckig in Basaltstein gefassten Quelle ein neues, für diese Zeit und diese Region ungewöhnlich großes, Brunnenhaus in klassizistischen Stil.Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Die Kunstdenkmäler des Kreises Ahrweiler. Verlag von L. Schwann, Düsseldorf 1938, 17. Band, 1. Abteilung, S. 301.

mini|links|Stich der Heppinger Brunnenhäuser um 1840 mini|Lageplan alter Heppinger und neuer Heppinger-Landskroner Brunnen datiert 1832 mini|Siegel Landskroner Mineralwasser, Siegelzeichen Krone

Der neue Brunnen in Heppingen mit dem großen Brunnenhaus erhielt 1838 von der Königlichen Preußischen Regierung zu Koblenz die Konzession für den Betrieb eines Mineralbrunnens. Bei der Konzessionsvergabe entschied sich die Königliche Preußische Regierung für den Namen „Landskroner Brunnen“. Der Vorschlag der Betreiber „Neuer Heppinger Brunnen“ wurde nicht angenommen.Ingeborg Schild: Gutachten über das große Heppinger Brunnenhaus. 15. Dezember 1983, S. 7–8.

Die Mineralwasserkrüge des neuen Brunnenbetriebes in Heppingen trugen daher die Aufschrift „Landskron M-W“, mit einer Krone als Siegelzeichen. Die Abkürzung „M-W“ stand für Mineralwasser (vgl. Abbildung: Landskroner Mineralwasser, Siegelzeichen Krone)

Ab 1838 gab es am Heppinger Brunnen zwei staatlich konzessionierte Mineralwasserbetriebe „Heppinger-Mineralwasser“ und „Landskron-Mineralwasser“. Im Juli 1839 wurde das neue große Brunnenhaus vom Königlichen Bauinspektor Johann Claudius von Lassaulx wegen eines Bergrutsches begutachtet. Zur Verstärkung des sechs Meter hohen Gewölbes über der Quelle wurden aus Ziegel gemauerte Gurtbögen vorgeschrieben (vgl. Abbildung rechter Gewölbeflügel großes Brunnenhaus).Ingeborg Schild: Gutachten über das große Heppinger Brunnenhaus. 15. Dezember 1983, S. 7. Das kleinere staatlich verpachtete Brunnenhaus wurde ab 1848 nach einer Auflage der Königlichen Preußischen Regierung umgebaut und an den klassizistischen Baustil des großen Brunnenhauses angepasst.Ingeborg Schild: Gutachten über das große Heppinger Brunnenhaus. 15. Dezember 1983, S. 9. Ab 1852 bildeten die Heppinger Brunnenhäuser im klassizistischen Stil eine das Ortsbild prägende Einheit.Ingeborg Schild: Gutachten über das große Heppinger Brunnenhaus. 15. Dezember 1983, S. 11.

Das Mineral- und Heilwasser des alten Heppinger Brunnens „Heppinger“ wurde 1852 bereits auch von Apotheken in Luxemburg geführt.Luxemburger Wort (internationale deutschsprachige Tageszeitung) vom 23. Mai 1852: Sauberes Trinkwasser für die Stadt Luxemburg. Das Landskroner Mineralwasser, der neue Heppinger Brunnen, hatte einen vorwiegend regionalen Markt, wurde aber auch bis an den Mecklenburger Hof versendet.

Die Mineralwasserkrüge wurden als 1-Liter- und 0,5-Liter-Krüge verkauft. Das Angebot des Landskroner Brunnens umfasste neue Krüge und günstigere alte wiederbefüllte Krüge. Die Krüge wurden jeweils versiegelt und unversiegelt angeboten. Die unversiegelten Krüge waren günstiger. Bei einer weiteren Transportstrecke, für die Belieferung von Apotheken, Hotels, Adels- und wohlhabende Bürgerhäuser wurden nur neue versiegelte Krüge verkauft. Das vorwiegend in Tonkrügen abgefüllte Mineralwasser war ein Luxusartikel. Für den Preis eines 1-Liter-Mineralwasserkruges musste ein Arbeiter ca. zwei Stunden arbeiten.Bernd Brinkmann: Steinzeugflaschen für den Versand Rheinischer Mineralbrunnen. In: Landschaftsverband Rheinland/Rheinisches Museumsamt: Wasserlust. Mineralquellen und Heilbäder im Rheinland. Rheinland-Verlag, Köln 1991, S. 82–103, hier S. 89. Die Nachfrage nach Mineralwasser stieg dennoch stetig an und es wurden immer weitere Mineralwasservorkommen in der Umgebung des Heppinger Brunnens erschlossen. So wurde 1852 die nahe Quelle des Apollinaris-Brunnens erbohrt und 1853 der 10 Kilometer entfernte Sinziger-Brunnen in Sinzig am Rhein.

1852 Konkurrenz durch Apollinaris