mini|Pfäffikersee, Kempten bei Wetzikon und der Bachtel mini|Blick übers Tösstal (vorne) nach Süden zu den Alpen; links vom Triebwerk liegt Bauma, links unten Oberhofen bei Turbenthal mini|Bei Turbenthal im Tösstal mini|Stadtzentrum von Uster Das Zürcher Oberland (zürichdeutsch Züri Oberland) ist die grösstenteils hügelige, teilweise ländliche, teilweise stark urbanisierte Landschaft im Osten des Kantons Zürich. Dies umfasst unter anderem die Städte Uster und Wetzikon, den Pfäffikersee und das von der Töss gezeichnete Tössbergland mit den voralpinen Hügeln Bachtel, Schnebelhorn und vielen weiteren landschaftlichen wie auch kulturellen Charakteristika.

Geographie mini|S-Bahn in der Moorlandschaft zwischen Bubikon und Wetzikon Das Zürcher Oberland umfasst den Bezirk Hinwil und Randgemeinden der Bezirke Pfäffikon, Uster und Winterthur.

Rund um Greifen- und Pfäffikersee, auf der Schwelle zwischen dem Jonatal am Rand des St. Galler Seebezirks und dem Glatt- und Kempttal finden sich flache und hügelige Gebiete, oft auch von Moor- und Drumlinlandschaften,Baudirektion Kanton Zürich: Verordnung zum Schutz der Drumlinlandschaft Zürcher Oberland. Abgerufen am 4. November 2015. die seit 1977 zum Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung gehören und seit 1998 kantonal-rechtlichen Schutz geniessen. Die Drumlins charakterisieren die Gegend; die Südost-Nordwest-Ausrichtung ihrer Längsachsen gibt die Flussrichtung des Würm-kaltzeitlichen Rhein-Linthgletschers an, der vor 115'000–10'000 Jahren die Gegend prägte. Es ist in der Beurteilung der Wissenschaftler die hervorstechendste Drumlinlandschaft der Schweiz, mit 150 Landschafts-Signaturen in intramoräner, letzteiszeitlich überformter Zungenbeckenlandschaft, vergleichbar mit Vereisungsgebieten in Schottland, Skandinavien und Nordamerika.

Weiter östlich erheben sich dann die Berge des Oberlandes mit dem Bachtel (1115 m ü. M.) in der Allmenkette (Berge links der Töss, vom Bachtel bis Kyburg) und dem Schnebelhorn (1291 m ü. M.) und Hörnli (1133 m ü. M.) in der östlichen Hörnlikette (Berge rechts der Töss, vom Tweralpspitz bis Eschenberg bei Winterthur) auf der Grenze zum Kanton Thurgau und Kanton St. Gallen, (Dreiländerstein) am Nordabhang des Hörnli. Von diesen Ausflugspunkten – bei Wanderern und Bikern sehr beliebt – bieten sich weite Rundblicke von den Alpen über den Zürichsee und das Zürcher Unterland bis zum Schwarzwald und gegen Bodensee und Säntis.

Der geologische Untergrund des Seen- und Moorgebiets wie des Tössberglands ist ein «Kind der Alpen». Bei ihrer Faltung transportierten die Alpenflüsse Sand und Geröll in das Molassebecken am Nordrand, die zu Sandstein und dem Konglomerat Nagelfluh erhärteten. Bei der Verwitterung formte sie sich zu den charakteristischen Felspfeilern und -köpfen, die in den Tobeln und Gipfeln des Zürcher Oberlandes «Gubel» heissen. Wo im Winter Wasserfälle über sie stürzen, formen sie bei Frost fantastische Eis-Szenarien (Wissengubel bei Gibswil-Ried, Fischenthal), Greiselgubel mit Greiselgiessen von höchster Fallhöhe.

Zum Zürcher Oberland zählen die folgenden Gemeinden: Gemeinde Bezirk Region Einwohner() Bäretswil Hinwil Bachtel Bauma Pfäffikon Tösstal Bubikon Hinwil Lützelsee/Egelsee Dürnten Hinwil Bachtel Fehraltorf Pfäffikon Pfäffikersee Fischenthal Hinwil Tösstal Gossau Hinwil Greifensee Grüningen Hinwil Lützelsee/Egelsee Hinwil Hinwil Bachtel Hittnau Pfäffikon Pfäffikersee Mönchaltorf Uster Greifensee Pfäffikon Pfäffikon Pfäffikersee Russikon Pfäffikon Kempttal Rüti Hinwil Bachtel Schlatt Winterthur Tössbergland Seegräben Hinwil Pfäffikersee Turbenthal Winterthur Tösstal Uster Uster Greifensee Wald Hinwil Bachtel Weisslingen Pfäffikon Tösstal Wetzikon Hinwil Pfäffikersee Wila Pfäffikon Tösstal Wildberg Pfäffikon Tösstal Zell Winterthur Tösstal

Daneben sind auch die folgenden Gemeinden Mitglieder der Organisation Standortförderung Zürioberland: + Ausserhalb Kerngebiet Gemeinde Bezirk Region Einwohner Bichelsee-Balterswil (TG) Münchwilen Hinterthurgau Elgg (ZH) Winterthur Eulachtal Eschenbach (SG) See-Gaster Zürichsee Fischingen (TG) Münchwilen Hinterthurgau

Sehenswürdigkeiten An Sehenswürdigkeiten gibt es die Dampfbahn Zürcher Oberland von Bauma nach Hinwil, das Schloss Kyburg, das Ritterhaus Bubikon, das Sauriermuseum Aathal und den IndustriepfadVEHI: Industriepfad Zürcher Oberland. Abgerufen am 10. November 2014. von Uster nach Bauma. Dieser zeugt von einer industriellen Entwicklung, die im Verlauf des 19. Jahrhunderts massgeblich durch die Initiative von Adolf Guyer-Zeller (1839–1899) bestimmt wurde. Die Tösstalbahn wurde im Bestreben, das Dorf Bauma zu einem Welthandelszentrum zu machen, gebaut. Noch heute zeugen die Gleise von Hinwil nach Bauma, die im Sommer an Wochenenden noch in Betrieb sind, von dem regen Interesse dieses Mannes, der es nicht unterliess, weitere Projekte wie die Uerikon-Bauma-Bahn und in späteren Jahren (1893) auch ein Grossprojekt wie die Jungfraubahn zu realisieren.

Das Oberland war Anfang des letzten Jahrhunderts das Ausflugsziel der Stadtzürcher, die an schönen Wintertagen scharenweise mit der Uerikon-Bauma-Bahn nach Bäretswil fuhren, um ins Skigebiet von Wappenswil zu gelangen. Die Bedeutung dieses nahen Erholungsgebietes ging infolge der grösseren Mobilität beinahe verloren, hätten sich mit Langlauf und Schneeschuhwandern nicht neue Möglichkeiten aufgetan. Die Höhen des Tössberglands sind bekannt und beliebt als Wander- und Skigebiet in der montanen Region des Kantons Zürich. Ein zu grosses Ausflügleraufkommen machte sie wie eine intensivere, moderne Bewirtschaftung zur gefährdeten Zone: Ihre landschaftlich reizvollen und botanisch reichhaltigen Bergweiden und -wälder fernab grösserer Siedlungen würden zerstört. Ruhe und Abgeschiedenheit sind Qualitäten, die auf Zürcher Gebiet grossflächig nur noch auf der Hörnlikette zwischen dem Quellgebiet der Töss und dem Schauenberg und der Allmenkette zwischen Bachtel und Kyburg zu finden sind. Hier bündeln weder Bergbahnen noch andere touristische Masseneinrichtungen die Ausflüglerströme. Einzige Ausnahme ist auf der St. Galler Seite Atzmännig.

Für den Wintersport bestehen kleinere Skilift- und Loipenanlagen. Etwa die Panoramaloipe Gibswil oder die Bäretswiler Loipe Wappenswil-Bettswil-Rüeggental. Nach wie vor in Betrieb sind die Skilifte Bäretswil, Ghöch, Steg, Fischenthal, Wald-Farner und Goldingen-Atzmännig. Überdies bietet sich die Region dank der S-Bahn Zürich als ruhiger Wohnort für Personen an, die in Zürich arbeiten. Uster ist mit der Bahn keine Viertelstunde von Zürich entfernt. Heute wird das Naherholungsgebiet des Zürcher Oberlandes von Städtern der nahen Agglomerationen wie von Einheimischen gleichermassen geschätzt. Mit der Auszeichnung des dritten Platzes im Ranking des BAK Basel 2017 positioniert sich das Zürcher Oberland unter den Top-Ausflugsdestinationen der Schweiz. Für die Vermarktung der Region ist die Standortförderung Zürioberland zuständig.Standorförderung Zürioberland. Abgerufen am 24. Juli 2024.

Geschichte

Zeugen aus Ur- und Frühgeschichte mini|Kastell Irgenhausen Das Zürcher Oberland weist Spuren einer sehr frühen Besiedelung auf. So finden sich an verschiedenen Stellen Grabhügel aus dem Neolithikum. Abgerufen am 25. Januar 2015. An den Ufern des Pfäffikersees und des Greifensees wurden Überreste von Pfahlbausiedlungen verschiedenen Alters gefunden. Der von Jakob Messikommer entdeckte Siedlungsplatz Wetzikon-Robenhausen wurde 2011 als Bestandteil der Seeufersiedlungen des Alpenraumes in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.

Dass das Zürcher Oberland auch zu römischer Zeit besiedelt war, beweist das Kastell Irgenhausen an der römischen Verbindungsachse Kempraten (Centum Prata)–Oberwinterthur (Vitudurum) auf dem Gemeindegebiet von Pfäffikon oder Gutshöfe in Wetzikon. und Seegräben.Bernhard Nievergelt und Hansruedi Wildermuth (Hrsg.): Eine Landschaft und ihr Leben : das Zürcher Oberland : vom Tierhag zum Volkiland. vdf, Hochschulverlag an der ETH, Zürich 2001, ISBN 3-7281-2689-6, S. 69–70. Ebenso zeugen die Funde von zwei Münz-Horten auf Pulten bei Bäretswil mit Prägungen römischer Kaiser in Kupfer- und Silbermünzen von der Anwesenheit der Römer.

Mittelalterliche Bauwerke mini|Ritterhaus Bubikon

Es gibt im Zürcher Oberland zahlreiche Burgen aus dem Mittelalter, von denen heute nur noch Ruinen bestehen. Es sind dies unter anderen die Ruine Alt-Landenberg in Bauma oder Breitlandenberg in Turbenthal. Bis heute erhalten haben sich zwei imposante Schloss-Bauten: das Schloss Greifensee und das Schloss Kyburg.

Teilweise erhaltene mittelalterliche Kleinstädtchen sind die Siedlungskerne von Grüningen und Greifensee.

Zum vorreformatorischen sakralen Kulturerbe gehören in der Region gut ein Dutzend Kirchen, so zum Beispiel die Kirche Dürnten mit einer geschnitzten HolzdeckeZeugen des ländlichen Selbstbewusstseins NZZ vom 5. Januar 2010. Abgerufen am 25. Januar 2015. oder die Lazariterkirche Gfenn bei Dübendorf. Besonders zu erwähnen gilt es das Ritterhaus Bubikon, eine gut erhaltene ehemalige Kommende des Johanniterordens in der Gemeinde Bubikon und der Jakobsweg von Konstanz nach Einsiedeln, der durch das Zürcher Oberland führt.

Baukunst des Barock und Klassizismus mini|Innenraum der Spätrokoko-Querkirche von Franz Schmid in Hinwil, erbaut 1786

In der Frühen Neuzeit war das Gebiet grösstenteils ländlich geprägt und unter Zürcher Herrschaft. Daher finden sich relativ wenige repräsentative Kunstdenkmäler aus dieser Zeit. Eine Ausnahme bildet der Ausbau des ehemaligen Klosters Rüti zum stattlichen Amtssitz 1707–1710 durch Baumeister Matthias Vogel. Doch erst mit der Blüte der Heimindustrie ab Ende 18. Jahrhundert und der Textilfabriken ab dem frühen 19. Jahrhundert entstanden repräsentative Bauten in grösserem Umfang. So sind beispielsweise die Ortskerne von Uster und Wald stark von dieser Zeit des Aufschwungs geprägt.

Diese Zeit, die so genannte Sattelzeit, brachte auch die Hochblüte der Sakralarchitektur. Beginnend mit der Spätrokoko-Kirche Hinwil von 1786 und gipfelnd 1824 in der klassizistischen Kirche Uster, entwickelte sich das Zürcher Oberland zu einem Schwerpunktgebiet des Querkirchenbaus. Dieser typisch protestantische Kirchentypus ist in sechs Gemeinden vertreten.Michael D. Schmid: Quergebaut. Reformierte Querkirchen im Kanton Zürich, Wädenswil 2018, ISBN 978-3-85928-200-1.

Volkskunde und Brauchtum Die Inschriften an den Vordachpfetten der Häuser der bäuerlichen Oberschicht zeigen die Emanzipation dieser Kreise von der Vorherrschaft der Stadt Zürich im Ancien Régime. Die ersten Inschriften erscheinen Mitte des 17. Jahrhunderts mit dem Aufkommen der Aufklärung. Bezeichnenderweise bricht diese Tradition mit dem Ustertag 1830 (Gleichberechtigung von Stadt und Landschaft) schlagartig ab.