mini|hochkant|Das Städel Museum am Museumsufer in Frankfurt am Main (2022) Das Städelsche Kunstinstitut und Städtische Galerie (Eigenbezeichnung: Städel Museum, umgangssprachlich auch: Städel) in Frankfurt am Main ist eines der bedeutendsten deutschen Kunstmuseen. Seine Sammlung umfasst rund 3.100 Gemälde vom Mittelalter über die Moderne bis zur Gegenwartskunst. Die Graphische Sammlung mit über 100.000 Zeichnungen und Druckgrafiken ist in einem Präsenzsaal zugänglich. Zum Bestand des Städel Museums gehören außerdem über 5.000 Fotografien, 660 SkulpturenWebseite des Museums | https://www.staedelmuseum.de/de/das-staedel-museum. und eine Präsenzbibliothek mit 115.000 Bänden.Eva Mongi-Vollmer: Meisterwerke im Städel Museum, Städel-Museum, Frankfurt am Main 2007, S. 8.
Die Stiftung erfolgte durch das Testament von Johann Friedrich Städel (1815). Die Sammlung erhielt 1833 ein erstes eigenes Ausstellungsgebäude. Der heutige Standort am Museumsufer wurde 1878 bezogen.Geschichte des Museums (staedelmuseum.de).
Geschichte Gründung Nach dem Tod des Frankfurter Bankiers und Gewürzhändlers Johann Friedrich Städel im Jahre 1816 wurde sein am 15. März 1815 verfasstes Testament eröffnet, in dem er das nach ihm benannte Kunstinstitut stiftete. Er vererbte sein Haus am Rossmarkt, die dort ausgestellte Kunstsammlung und sein Vermögen im Umfang von ca. 1,3 Millionen Gulden dem Institut. Dessen Auftrag war zum einen der Unterhalt einer öffentlichen Sammlung, zum anderen die Ausbildung von Künstlern in der angeschlossenen Kunsthochschule; diese wurde später von der Stadt Frankfurt übernommen. Im folgenden Jahr fochten entfernte Verwandte Johann Friedrich Städels das Testament an, was zu einem bis 1829 andauernden Prozess führte, der in der Folge die Arbeit des Instituts behinderte. Laut Testament sollten fünf Administratoren aus der Frankfurter Bürgerschaft die Leitung des Instituts übernehmen. Als erster Inspektor wurde 1817 Carl Friedrich Wendelstadt berufen. 1830 wurde Philipp Veit, ein Nazarener, Vorsteher der Malschule und Direktor der Galerie. Diese Position behielt Veit bis 1843. In dieser Zeit wurden Werke aus Städels Sammlung, die den qualitativen Ansprüchen des Museums nicht genügten, verkauft. Mit den Einnahmen wurde der Ankauf anderer Werke finanziert.Andreas Hansert: Geschichte des Städelschen Museums-Vereins Frankfurt am Main. Städelscher Museums-Verein, Frankfurt am Main 1994. S. 12.
Eigenes Museumsgebäude 1833 zog das Museum in ein umgebautes Gebäude an der Neuen Mainzer Straße um. Im Jahr 1840 kam es zu einem Wechsel in der Verwaltung des Museums, als Johann David Passavant neuer Inspektor wurde. Er war schon vorher für das Städelsche Kunstinstitut tätig gewesen und hatte unter anderem Ankäufe vermittelt. In die bis 1861 dauernde Amtszeit Passavants fielen bedeutende Erwerbungen für die Sammlung wie das Weibliche Idealbildnis von Sandro Botticelli oder Teile der Sammlung Wilhelms II. der Niederlande, die 1850 versteigert worden war. Unter der Leitung des 1861 eingesetzten Inspektors Gerhard Malß wurden das Kupferstichkabinett und die Galerie neu geordnet. 1870 wurden auf der Versteigerung der Sammlung Brentano-Birckenstock weitere bedeutende Werke für die Sammlung des Städelschen Kunstinstituts erworben.
Umzug an den Main mini|hochkant|Plan von 1894
Im Jahre 1878 zog das Städelsche Kunstinstitut erneut um, diesmal an den heute als Museumsufer bekannten Schaumainkai, wo ein neues Gebäude für das Museum errichtet worden war. 1885 wurde Georg Kohlbacher neuer Inspektor, der vier Jahre später von Henry Thode abgelöst wurde. Thodes Position war die neu geschaffene Direktion, welche an die Stelle des Inspektors trat. Sein Interesse galt vor allem der italienischen Malerei, die nun einen Schwerpunkt der Einkäufe bildete. Vom 1891 ernannten Direktor Heinrich Weizsäcker wurde der erste Gesamtkatalog der Sammlung des Städelschen Kunstinstituts angefertigt.
Um das Museum finanziell zu unterstützen, gründete Leopold Sonnemann, der Verleger der Frankfurter Zeitung, 1899 den Städelschen Museums-Verein, der inzwischen über 9.000 Mitglieder zählt. Nachdem 1904 Ludwig Justi Direktor des Museums geworden war, erwarb er mit einem Bild von Claude Monet ein impressionistisches Gemälde, ergänzte die Sammlung aber auch mit Bildern wie Die Blendung Simsons von Rembrandt van Rijn. Als Folge des ersten Frankfurter Bilderstreits wurde der 1906 neu berufene Direktor Georg Swarzenski 1907 erster gemeinsamer Leiter des Städelschen Kunstinstituts und der neu gegründeten Städtischen Galerie im Städel. Mit nun finanzieller Förderung der Stadt wurde in größerem Umfang Moderne Kunst angekauft. Swarzenski ergänzte die Sammlung bis zum Ersten Weltkrieg um die meisten französischen Impressionisten, die bis heute Bestandteil der Sammlung sind. Dazu kamen zeitgenössische Werke von Künstlern wie Franz Marc und Max Beckmann, der zugleich Lehrer an der Städelschule war. In der Folge wurde das Museumsgebäude erweitert, um mehr Ausstellungsfläche zur Verfügung zu haben.
Auf Grund eines Magistratsbeschlusses, den Swarzenski 1922 erwirkte, erhielt die Städtische Galerie im Städel bedeutende Leihgaben aus dem Historischen Museum Frankfurt, darunter das berühmte Paradiesgärtlein aus der Sammlung Prehn.Frank-Olaf Brauerhoch, Die Stadt und ihre (Kunst-) Museen, in: Rolf Lautrer (Hrsg.) Kunst in Frankfurt 1945 bis heute, S. 299 ff., Societätsverlag, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-7973-0581-8 1928 folgten Erwerbungen aus der Sammlung Hohenzollern-Sigmaringen, die zuvor in einer Ausstellung im Städel zu sehen gewesen waren. Im selben Jahr wurde Georg Swarzenski zudem zum Generaldirektor der Frankfurter Museen ernannt.
Zeit des Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg mini|hochkant|Bildnis des Dr. Gachet von Vincent van Gogh
1928 wurde Swarzenski auch zum Generaldirektor der Städtischen Museen berufen. Nach der Machtübernahme Adolf Hitlers im Januar 1933 begann der systematische Angriff auf die Sammlungen zeitgenössischer Kunst in Frankfurt. Swarzenski wurde als (städtischer) Generaldirektor im März durch den neuen Oberbürgermeister der Stadt Friedrich Krebs beurlaubt und schließlich in Oktober des gleichen Jahres auf Grundlage des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums aufgrund seiner jüdischen Herkunft endgültig in den Ruhestand versetzt. Seine Position wurde nicht neu besetzt. Swarzenski konnte jedoch bis zu seiner erzwungenen Pensionierung 1937 das Städelsche Kunstinstitut weiterhin leiten, da es sich um eine private Stiftung handelte, deren führendes Gremium, die „Städel-Administration“ ihn zunächst schützte. Alfred Wolters, seit 1928 Direktor der Städtischen Sammlung im Städel Museum, musste die Galerie nun unter veränderten Vorzeichen weiter führen. 1938 trat der neue Direktor des Städel Ernst Holzinger seinen Dienst an. Er wurde von Swarzenskis Sohn Hanns Swarzenski empfohlen.
Die Beschlagnahmeaktion „Entartete Kunst“ vollzog sich am Städel Museum in mehreren Etappen: Bereits 1936 wurden insgesamt sechs moderne Gemälde, darunter Werke von Beckmann und Kirchner, auf Veranlassung der Reichspropagandaministeriums als Leihgaben für eine Femeausstellung in München angefordert. Die Kunstwerke kehrten nie mehr ins Museum zurück. Im Juli 1937 erfolgte die erste offizielle Beschlagnahmewelle im Zuge derer fast 30 Kunstwerke aus städtischem Besitz aus der Sammlung abgezogen wurden. Im August 1937 erfolgte eine zweite, umfangreichere Aktion, der fast 50 Gemälde und an die 600 Arbeiten auf Papier zum Opfer fielen. In einer letzten Beschlagnahmewelle im Dezember 1937 wurden schließlich fünf weitere moderne Werke beansprucht. Betroffen waren ausschließlich Gemälde „ausländischer“ Künstler, darunter das Bildnis des Dr. Gachet von Vincent van Gogh. Auf Anweisung von Hermann Göring, der es in seine Verfügungsgewalt brachte, wurde es von seinem Händler Sepp Angerer im Ausland zur Beschaffung von Devisen veräußert.
Als die Beschlagnahmewellen vonstattengingen, war Swarzenski noch als Direktor des Städelschen Kunstinstituts im Amt und war Zeuge, wie die moderne Sammlung des Museums, die er über drei Jahrzehnte gemeinsam mit Alfred Wolters aufgebaut hatte, systematisch auseinandergerissen wurde. Swarzenski floh im Herbst 1938 mit seiner Familie in die USA.
In den Jahren der NS-Diktatur, insbesondere ab 1938, gingen zahlreiche Neuerwerbungen, vor allem „deutsche“ Kunst, in die Sammlung des Museums ein, die Holzinger, der Leiter der Städel Stiftung, gemeinsam mit seinem Kollegen Wolters, dem Leiter der städtischen Sammlung, koordinierte. So erwarb die Städtische Galerie im Jahr 1938 82 Gemälde aus der Sammlung Lulu Müller, die neben Werken anderer Künstler besonders Gemälde Victor Müllers umfasste. Im gleichen Jahr gelangte die Hans-Thoma-Sammlung von Sofie Bergman-Küchler in den Besitz der Stadt. Ab den späten 1930er Jahren wurde jährlich die Gauausstellung für bildende Künste gezeigt, Schwerpunkt waren Künstler aus dem Ballungsgebiet von Frankfurt mit überregionaler Bedeutung, darunter Joseph Kaspar Correggio, Reinhold Ewald, Peter Paul Etz, Ludwig Enders, Karl Friedrich Lippmann, Lino Salini und Albert Windisch. Die Auswahl der Werke war konservativ (und somit regimekonform).
Zahlreiche Kunstwerke, die das Museum während der NS-Zeit erwarb, stammten aus jüdischem Privatbesitz, darunter die Frankfurter Sammlungen Carl von Weinbergs und Maximilian von Goldschmidt-Rothschilds, die sich die Stadt 1938 aneignete. Sowohl Wolters als auch Holzinger waren zudem als Sachverständige für Kunstwerke aus jüdischem Besitz tätig: Ab 1939 wurde Wolters im Auftrag der Devisenstelle offizieller Sachverständiger für die Bestimmung national wertvollen Kulturguts. Holzinger fungierte im Auftrag der Reichskulturkammer als Sachverständiger für die „Sicherung und Verwertung von deutschem Kulturgut aus jüdischem Besitz.“ Als aktenkundig bekannt sind bisher mehr als 50 Fälle, für die er zwischen Sommer 1941 bis Ende 1943 für aus jüdischem Besitz beschlagnahmten Kunstwerke gutachterlich aktiv war. In diesen Zeitraum fallen auch Holzingers Auslandsreisen in das besetzte Frankreich, um dort Kunsteinkäufe zu tätigen. Die Städtische Galerie erwarb auf diesen „Dienstreisen“ 20 Gemälde und über 20 Skulpturen.
Die in den Jahren der NS-Diktatur erfolgten Erwerbungen wurden von den amerikanischen Kunstschutztruppen (Monuments Men) sichergestellt und an die Herkunftsländer zurückerstattet oder in den Central Collecting Point Wiesbaden zur Restitution von Raubkunst an die rechtmäßigen Eigentümer verbracht.Monica Kingreen: Wie sich Museen Kunst aus jüdischem Besitz aneigneten, Frankfurter Rundschau, 9. Mai 2000, abgerufen am 13. Juli 2015Uwe Fleckner, Max Hollein (Hrsg.): Museum im Widerspruch. Das Städel und der Nationalsozialismus (=Schriften der Forschungsstelle „Entartete Kunst“, Bd. 6), Walter de Gruyter, Berlin 2011, ISBN 978-3-05-004919-9
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Sammlung des Städel Museums ausgelagert, was sie vor Kriegsverlusten schützte. Die Kunstwerke wurden an verschiedenen Orten in und um Frankfurt deponiert. Das Gebäude, auf dessen Eckbauten Flaktürme errichtet worden waren, wurde jedoch bei den Luftangriffen auf Frankfurt am Main schwer beschädigt. Nach Ende der Nazi-Herrschaft 1945 blieben beide Direktoren im Amt, Wolters wurde 1948 pensioniert, Holzinger 1972. Nach einer 1946 erstellten Liste, gehörten von den 18 Mitarbeitern des Städelschen Kunstinstituts nur vier Hilfsarbeiter der NSDAP an. „Das Städel beschäftigte nach 1937 keine jüdischen Mitarbeiter mehr, war jedoch auch keine Hochburg der nationalsozialistischen Partei.“Uwe Fleckner, Max Hollein (Hrsg.): Museum im Widerspruch. Das Städel und der Nationalsozialismus Berlin 2011, S. 111
Nachkriegszeit