mini|hochkant=2.0|Der Nosseni-Altar (2010) Der Nosseni-Altar ist ein Renaissance-Altar des Schweizer Bildhauers Giovanni Maria Nosseni (1544–1620) aus dem Jahr 1606 und gilt als dessen bedeutendstes Werk.Markus Hunecke: Die Sophienkirche im Wandel der Geschichte. benno, Leipzig 1999, S. 106. Er war der Hauptaltar der Dresdner Sophienkirche und wurde wie die Kirche während der Bombardierung der Stadt im Februar 1945 schwer beschädigt. Nach seiner Rekonstruktion in den 1990er-Jahren steht der Nosseni-Altar seit 2002 in der Loschwitzer Kirche.
Der Altar, an dem verschiedene Dresdner Bildhauer beteiligt waren, gilt als Hauptwerk des Manierismus aus der Zeit des Kurfürstentums Sachsen um 1600 und weist neben dem Einfluss italienischer Künstler auch Aspekte heimischer Kunsttraditionen auf, die dem „nordischen Geschmack“ angepasst waren. Der Nosseni-Altar steht seit 1979 unter Denkmalschutz.
Geschichte Stiftung der Sophie von Brandenburg mini|hochkant|Kurfürstin Sophie von Brandenburg stiftete den Altar mini|Der Nosseni-Altar hinten links in der Sophienkirche, 1910 Der Nosseni-Altar geht auf eine Stiftung Sophies von Brandenburg aus dem Jahr 1606 zurück. Als Witwe des sächsischen Kurfürsten Christian I. hatte sie nach seinem frühen Tod 1591 in Sachsen erfolgreich das Luthertum gegen die calvinistischen Bestrebungen Nikolaus Krells durchsetzen können. Von 1599 bis 1602 erfolgte auf ihre Veranlassung der Umbau der nahe dem Dresdner Schloss gelegenen Kirche des Franziskanerklosters zur protestantischen Kirche, die nach der Fertigstellung 1602 unter dem Patronat Sophies von Brandenburg den Namen Sophienkirche erhielt.
Für die neue Sophienkirche stiftete Sophie von Brandenburg 1606 den Altar, der bis 1607 unter Giovanni Maria Nosseni in ihrem nördlichen Chor errichtet wurde. An der Ausführung beteiligte Bildhauer waren vermutlich die Brüder Sebastian Walther und Christoph Walther IV (um 1572–1626), Cousins zweiten Grades des Bildhauers Hans Walther. Für den Altar, der 3500 Gulden gekostet hatte, wurden dabei verschiedene Steinmaterialien verwendet, die aus von Nosseni erschlossenen und verwalteten Steinbrüchen stammten.Dies betraf den „roten Marmor für die Säulen, schwarzen Marmor für die Rücklagen, dunkelgrünen Zöblitzer Serpentin für die Säulenbasen, dazu hellen Alabaster“ für Reliefs und Ornamente. Vgl. Walter Hentschel: Nosseni und die dritte Walther-Generation. In: Walter Hentschel: Dresdner Bildhauer des 16. und 17. Jahrhunderts. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1966, S. 67–88, hier S. 69. Ungewöhnlicherweise fehlen am Altar Hinweise auf die Stifterin, wie ein Bildnis oder das Wappen. Daher wird die Stiftung heute als eine Art „Dankes- und Glaubenszeugnis“ Sophies von Brandenburg angesehen.Heinrich Magirius: Der Nosseni-Altar aus der Sophienkirche in Dresden. Verlag der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, Leipzig 2004, S. 16.
Zerstörung 1945
Teile des Altars der Sophienkirche waren bereits vor den Luftangriffen auf Dresden am 13. Februar 1945 vor möglichen Zerstörungen geschützt worden. So wurde das Beweinungsrelief, die Figuren des Auferstandenen, des Todes und des Teufels, sowie einige Engel und Putten abgenommen und eingelagert, das Predella-Relief vermauert.Eberhard Münzner (Denkmalschutzamt Dresden): Archäologische Rekonstruktion des Nossenialtars. in: Dresden. Denkmalschutz und Denkmalpflege. Herausgegeben vom Amt für Denkmalschutz Dresden zusammen mit dem Gehrig-Verlag Merseburg. Merseburg 2002, S. 24 f. Die Bombenangriffe führten zu schweren Beschädigungen am Altar. Noch vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden erste figürliche Teile des Altars geborgen. Weitere Figuren, so die fünf des Hauptgeschosses, konnten vor dem Einsturz des Kirchengewölbes der Dresdner Sophienkirche im Februar 1946 aus dem Schuttberg gerettet werden.Heinrich Magirius: Der Nosseni-Altar aus der Sophienkirche in Dresden. Verlag der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, Leipzig 2004, S. 3. Der Altaraufbau selbst blieb in der Kirchruine. Das Predellarelief mit einer Darstellung des Abendmahls blieb eingemauert, um es vor mutwilliger Zerstörung zu schützen. Noch im Dezember 1945 war ein Aufmaß angefertigt worden, das später zu einer wichtigen Grundlage für die Rekonstruktion wurde. In den folgenden Jahren wurden zahlreiche der kleinen Engelsköpfe am Altaraufbau abgebrochen und gestohlen.
Die geborgenen Figuren des Nosseni-Altars wurden teilweise in Räumen des Dresdner Schlosses und der Kreuzkirche eingelagert. Andere Teile und weitere Objekte der Sophienkirche gelangten in verschiedene Kirchen in Dresden, so die Kreuzigungsgruppe in den Gemeinderaum der Trinitatiskirche und das Abendmahlsrelief in die Thomaskirche.
Im Jahr 1963 wurde die Sophienkirche abgetragen. Denkmalschützer zerlegten den Nosseni-Altar in seine Einzelteile und deponierten sie im Keller des Ständehauses, wobei die Aufbewahrung nicht sachgerecht erfolgte und es zu weiteren Beschädigungen und Verlusten kam. Der Plan, den Altar in der Matthäuskirche in der Dresdner Friedrichstadt zu errichten, scheiterte an der mangelnden Höhe des Kirchenraumes. Im Jahr 1979 wurden die erhaltenen figürlichen Teile des Nosseni-Altars in die zentrale Denkmalliste der DDR aufgenommen.Denkmal: Loschwitzer Kirche, Kirchhof, Nosseni-Altar; Datum nach Heinrich Magirius: Der Nosseni-Altar aus der Sophienkirche in Dresden. Verlag der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, Leipzig 2004, S. 6f.
Restaurierung und Rekonstruktion 1998 bis 2002 mini|hochkant|Der Nosseni-Altar im Februar 2011 Am 1. April 1993 stellte die Loschwitzer Kirchgemeinde beim Landeskirchenamt den Antrag, den Nosseni-Altar in die Loschwitzer Kirche zu übernehmen. Diese 1705–1708 von Johann Christian Fehre und George Bähr errichtete Barockkirche war nach ihrer fast vollständigen Zerstörung bei der Bombardierung Dresdens 1945 von 1991 bis 1994 wiederaufgebaut worden, wobei der barocke Kanzelaltar nicht rekonstruierbar war. Da die räumlichen Voraussetzungen für eine Aufstellung des Nosseni-Altars gegeben waren, begannen 1996 Vorüberlegungen zu seiner Rekonstruktion und Restaurierung des Altars. Der aus Alabaster, Marmor und Sandstein bestehende Altar lagerte zu dieser Zeit mit mehr als 350 Einzelteilen an verschiedenen Orten Dresdens.Annette Dubbers (Hrsg.): Loschwitz. Eigenverlag, Dresden 2003, S. 18. Erklärtes Ziel war, alle erhaltenen Teile in den restaurierten Altar einzufügen. Als mögliche Vorgehensweisen wurden unter anderem eine Anastilosis und eine Integration „alter“ Bestandteile in einen modernen Altarbau diskutiert.Heinrich Magirius: Der Nosseni-Altar aus der Sophienkirche in Dresden. Verlag der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, Leipzig 2004, S. 7–8.
Nach der Entscheidung für eine weitgehend originalgetreue Rekonstruktion unter Verwendung aller ca. 350 erhaltenen figürlichen Teile und Fragmente begannen 1998 die Arbeiten. Statische Probleme machten eine Verstärkung des Altaraufbaus mit einem Stahlgerüst im Inneren notwendig, bevor Ornamente und Figuren angebracht werden konnten. Die Bildhauerwerkstatt Christian Schulze und die Kunstformerei Manfred Zehrfeld ergänzten fehlende Teile des Altars in originalgetreuer Form. Die Rekonstruktion bildhauerischer Details aus verschiedenfarbigem Marmor und grünem Serpentin konnte jedoch vielfach „nicht materialgerecht vorgenommen [werden und] erfolgte in Stuckmarmor, der in Farbe und Struktur den eingefügten Originalteilen so angeglichen wurde, dass das ästhetische Erscheinungsbild des Altars wieder erlebbar ist und nur bei näherer Betrachtung sich die Unterschiede von Originalstück und Ergänzung erschließen“.Heinrich Magirius in: Otto-R. Wenzel: Die Loschwitzer Kirche – Bau, Zerstörung und Wiederaufbau. In: Ev.-Luth.-Kirchgemeinde Dresden-Loschwitz (Hrsg.): 300 Jahre Kirchgemeinde Dresden-Loschwitz. Festschrift. Ev.-Luth. Kirchgemeinde Dresden-Loschwitz, Dresden 2004, S. 39–40. Bei materialgerechten Ergänzungen wäre zudem ein Verlust an Originalmaterial unvermeidlich gewesen, da zum Anschluss an die rekonstruierten Teile ungleichmäßige Bruchstellen hätten abgearbeitet werden müssen. Beschädigte Figuren und Kapitelle, die ursprünglich aus Alabaster aus dem Südharz gefertigt waren, wurden durch getönten weißen Alabaster aus Italien ergänzt, sodass auch dort die Unterschiede zwischen den erhaltenen und den neu gefertigten Teilen sichtbar blieben.
Am 6. Oktober 2002 wurde der rund elf Meter hohe Nosseni-Altar in der Loschwitzer Kirche feierlich geweiht.
Beschreibung Der Renaissance-Altar hat einen dreistaffeligen Aufbau, bestehend aus Unter-, Mittel- und Oberteil. Ein derartiger Aufbau bildete das Hauptthema der kursächsischen Bildhauer um 1600.Fritz Löffler: Das alte Dresden – Geschichte seiner Bauten. Seemann, Leipzig 1981, S. 36.
Unterer Altaraufbau mini|Der untere Altaraufbau des Nosseni-Altars.
Der untere Aufbau mit vier Postamenten über dem Altartisch ist mit Bibelstellen in goldenen Lettern auf schwarzem Marmor versehen. Auf dem äußeren linken Postament ist zu lesen: Matth. 26. „Christ spricht: Nemet, esset, das ist meinn Leib, der für Euch gegebenn wirdt. Des thut zu meinem Gedechtnis.“ Während auf dem inneren linken Postament folgender Bibelspruch zitiert wird: Matth. 26. „Trincket alle daraus, das ist mein Blut des neuen Testaments welches vergossen wird zur Vergebung der Sündenn“, zeigt das innere rechte Postament den Bibelspruch: Cor. 11. „Der Mensch prüfe sich selbs und also esse er von diesem Brot und trinck von diesem Kelch.“ Das äußere rechte Postament zitiert den Spruch: Cor. 11. „Welcher unwürdig isset und tricket der isset und trincket ihm selbst das Gerichtte.“
Zwischen den inneren Postamenten befindet sich als Predella ein Alabaster-Relief, das die Abendmahl-Szene zeigt: „Johannes neigt sich vor Christus, während die Apostel im Gespräch lebhaft bewegt erscheinen. Die malerisch gehaltene Perspective mahnt an Arbeiten des Giovanni da Bologna“, so die Einschätzung des Kunsthistorikers Cornelius Gurlitt.Cornelius Gurlitt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Band 21: Stadt Dresden, Teil 1. In Commission bei C. C. Meinhold & Söhne, Dresden 1900, S. 94. Heinrich Magirius deutete den zweiten Jünger von links am Abendmahlstisch als den Theologen Polykarp Leyser sowie die Weinkannen tragenden Männer am linken Rand als die Bildhauer Walther.Heinrich Magirius: Der Nosseni-Altar aus der Sophienkirche in Dresden. Verlag der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, Leipzig 2004, S. 17.
Mittlerer Altaraufbau mini|Mittelteil des Altars Der mittlere Teil des Altars ist durch vier korinthische Säulen mit verkröpftem Gebälk geprägt, die auf den Postamenten des unteren Aufbaus stehen.Cornelius Gurlitt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Band 21: Stadt Dresden, Teil 1. In Commission bei C. C. Meinhold & Söhne, Dresden 1900, S. 93. Zwischen den inneren Säulen im Mittelfeld des Altars ist im Hauptgeschoss in einem einschneidenden Bogen die Kreuzigungsszene dargestellt, deren obere Rundung sich bis in die Frieszone erstreckt. Unter dem Kreuz mit der Christusfigur steht rechts eine 85 ZentimeterCornelius Gurlitt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Band 21: Stadt Dresden, Teil 1. In Commission bei C. C. Meinhold & Söhne, Dresden 1900, S. 95. hohe Statue des Johannes und links eine gleich hohe der Maria.
Über den Figuren befinden sich Bibelsprüche in Goldlettern. Über der Marienfigur steht: 1. Cor. 2. „Ich hielt mich nicht dafür das ich etwas wüsste unter euch ohn allein Jesum Christum den gekreutzigten“, während über der Johannesfigur folgender Bibelspruch zu lesen ist: Galat. 6 „Es sey ferne von mir rhuemen dann alleinne von dem Creutze unsers Herrn Jhesu Christi.“