mini|300px|Karte der germanischen Stämme um 50 n. Chr. (ohne Skandinavien) Die Mattiaker (lateinisch: Mattiaci, griechisch: οι Ματτιακοί) waren wahrscheinlich ein germanischer Teilstamm der Chatten,; ; Harald von Petrikovits ebd. S. 379. der in der Umgebung von Wiesbaden (Aquae Mattiacorum), im Taunus und in der Wetterau saß. Für eine Abstammung würde neben der örtlichen Nähe und der Ähnlichkeit des Namens zu Mattium, dem Hauptort der Chatten, auch die Nennung direkt nach den Batavern bei Tacitus sprechen, für die er ebenfalls eine Abstammung von den Chatten beschreibt.
Die Mattiaker brauchten keinerlei Abgaben zu entrichten, leisteten aber den Römern Hilfe im Kampf, womit sie ein Vorposten der römischen Herrschaft an der Grenze zu Germanien waren. Tacitus schreibt in seiner Germania im Kapitel 29 über die Mattiaker:
Die Mattiaker haben sich im Verlauf des 1. Jahrhunderts n. Chr. zunehmend von den Chatten emanzipiert und meist, etwa mit Ausnahme des Bataveraufstands, eine romfreundliche Politik betrieben. Nicht zuletzt wird die Lage ihres Siedlungsgebiets gegenüber dem Doppellegionslager Mogontiacum/Mainz sie zu einem solchen Verhalten gezwungen haben. Die Römer betrachteten den Stamm und sein Gebiet als Einflussbereich, was durch die Anlage der Kastelle Wiesbaden, Mainz-Kastel (Castellum Mattiacorum) und Hofheim noch unter den iulisch-claudischen Kaisern gut belegt ist. Wiederum Tacitus erwähnt in den Annales die Anlage von Minen auf der Suche nach Silber im Gebiet der Mattiaker im Jahre 47 n. Chr. durch den Legaten Curtius Rufus.Tacitus, Annales 11,20. Doch brachte das Unternehmen den Soldaten nur Mühe und geringen Ertrag und wurde bald wieder aufgegeben, dem Curtius Rufus wurden allerdings durch Kaiser Claudius die Triumphinsignien zuerkannt.
Mit den Chattenkriegen Kaiser Domitians und der Errichtung des Limes wurde der Stamm endgültig Teil des Imperiums. Das Gebiet wurde zur zivilen Verwaltung der Civitas Mattiacorum. Nach einem in Mainz-Kastel gefundenen Meilenstein. ist dies vor dem Jahr 122 n. Chr., wahrscheinlich noch in trajanischer Zeit, anzusetzen, da die Civitas möglicherweise auch dessen Namen trug.Wird nach der Lesung einer Inschrift aus Mainz C(ivitas) U(lpia) M(attiacorum) vermutet ().
Neben den zahlreichen Funden der römischen Kaiserzeit aus der Umgebung von Wiesbaden bestätigen die inschriftlichen Belege den Bericht des Tacitus sowie die Romanisierung der Mattiaker. Mehrere Inschriften aus der römischen Provinz Moesia inferior (Niedermösien) nennen eine cohors II Mattiacorum.Unter anderem ; ; sowie mehrere Militärdiplome. Sie ist dort zudem durch Ziegelstempel im Kastell Dinogetia nachgewiesen. Inschriftlich belegt ist aus Moesia Inferior noch eine cohors III Mattiacorum (AE 1916, 00065), von der sonst keine schriftlichen Zeugnisse vorliegen. Auch nach dem Untergang des Limes, als sich alamannische Germanen im ehemaligen Gebiet der Mattiaker niederließen, scheint ihr Name nicht ganz verschwunden. Die spätantike Notitia dignitatum nennt Mattiaci iuniores in GallienNot. dign. occ. V 61 = 209. und Mattiaci seniores in ItalienNot. dign. occ. V 164 = VII 15. als Teil des spätantiken römischen Heeres.
Literatur
Wolfgang Will: Römische 'Klientel-Randstaaten' am Rhein? In: Bonner Jahrbücher. Band 187, 1987, S. 1–61, hier S. 55–60 (Digitalisat). Dietwulf Baatz in: Dietwulf Baatz, Fritz-Rudolf Herrmann (Hrsg.): Die Römer in Hessen. 2. Auflage, Theiss, Stuttgart 1989, S. 58, 65, 67 und 76.
Einzelnachweise
Kategorie:Germanischer Stamm Kategorie:Geschichte Wiesbadens Kategorie:Hessische Geschichte Kategorie:Geschichte (Rhein-Main) Kategorie:Chatten