Strinz-Trinitatis ist ein Markt im westhessischen Rheingau-Taunus-Kreis und seit 1972 Teil der Gemeinde Hünstetten.
Geographie Strinz-Trinitatis liegt im Taunus nördlich des Hauptkamms zwischen Limburg und der Landeshauptstadt Wiesbaden. Durch den Ort führt die Landesstraße 3275.
Im Ort befindet sich ein Naturschutzgebiet mit dem Namen Heckenberg.
Berge Basbacher Berg 360,6 m Heckenberg Kirchberg Klöseberg Rabenberg
Täler Basbachtal Fischbachtal
Geschichte
Frühgeschichte Schon vor der Ersterwähnung siedelten im heutigen Gemarkungsbereich von Strinz-Trinitatis Menschen. Im Wald Richtung Oberlibbach sieht man heute noch die Hünengräber, bzw. richtigerweise Hügelgräber, die Namensgeber für die heutige Großgemeinde Hünstetten, zu der Strinz-Trinitatis gehört.
Auch Flurnamen wie Mahell und Hermannsweg finden sich in Strinz-Trinitatis, wobei der Name „Mahell“ auf eine Thingstätte der Kelten zurückgehen soll. Der „Hermannsweg“ verläuft hier parallel zum Limes. Auf ihm zog vor vielen Jahrhunderten Armin der Cheruskerfürst nach den römischen Grenzlinien, um das unterjochte germanische Land den kriegskundigen Feinden wieder streitig zu machen.
Ersterwähnung Der Ortsbereich wurde schon im 9. Jahrhundert besiedelt. Welches die erste urkundliche Erwähnung nun wirklich war, ist nicht bekannt. In einer Quelle aus 1929 wird beschrieben, dass Strinz-Trinitatis zum ersten Mal urkundlich, um 770–780 bei der Gründung des Klosters Bleidenstadt, durch Karl den Großen erwähnt wurde. Erstmals urkundlich erwähnt sein soll Strinz-Trinitatis offiziell gemeinsam mit dem Nachbarort Strinz-Margarethä im Jahre 1184 in einer Urkunde, mit der Papst Lucius III. dem Kloster Bleidenstadt den Besitz beider Orte bestätigt.
Herkunft des Ortsnamens Strinz Der erste Teil des Ortsnamens geht vermutlich zurück auf das keltische Wort Stryntz = Ödland. Einer anderen Bedeutung wird der Name Strinz in Jakob Grimms deutschen Wörterbuch zugeführt, hier heißt es soviel wie "ein frei umherlaufendes Pferd".
Trinitatis Der zweite Namensteil ist kirchlichen Ursprungs und weist auf die heilige Dreifaltigkeit (Trinitatis) hin. Wo jetzt die Kirche steht, soll einst ein gelehrter Gottesmann namens Laurentius, ein Verfechter der Dreieinigkeitslehre Gottes, gelebt haben. „St. Laurentius defensor Trinitatis“ habe man ihn genannt, woraus sich der Ortsname kombinieren soll. Dem heiligen Laurentius war auch die spätere evangelische Kirche in Hennethal geweiht.
812 n. Chr. wird Strinzepha als Grenzbach des Klosters Bleidenstadt genannt. Im Jahre 1184 wurde der Ort Strentzge maiorem genannt. Später hieß er Strinziche, Grozen Strinzge, Obirn Strintzige, Groszen-Strynzen etc. bis es 1446 zu Strintzige in Heiligen Dreyfaltigkeit kam.
Kirchspiel Strinz-Trinitatis Vor 1332 wurde Strinz-Trinitatis zum Sitz eines eigenen Kirchspiels. Vermutlich schon Mitte des 15. Jahrhunderts, spätestens aber 1566 war die Lehnshoheit des Klosters Bleidenstadt allenfalls nur noch formaler Natur und beide Strinz-Orte gehörten zum nassau-walramschen Amt Idstein. 1705 verlor das Kloster Bleidenstadt auch das Kirchenpatronat an Nassau-Idstein. Für 1610 sind 40 Haushaltungen im Ort überliefert, für 1700 rund 80 Einwohner.
In dem Ort steht eine Wehrkirche, deren Kirchturm aus dem 12. Jahrhundert stammt und früher eine Eigenschaft als Wehrturm hatte.
Wüstungen im Gemarkungsgebiet Strinz-Trinitatis Als Wüstungen bezeichnet man untergegangene, verlassene Siedlungen/Dörfer, die heute nicht mehr existieren.
Breitenscheid Der Ort Breitenscheid befand sich zwischen Strinz-Trinitatis und Görsroth und gehörte zum Kirchspiel Strinz-Trinitatis. Zum letzten Mal erwähnt wird er 1598 durch den Strinzer Schultheißen Adam Meckel, jedoch bestand die Siedlung zu diesem Zeitpunkt vermutlich bereits nicht mehr.
Oberstrinz Oberstrinz ist eine nicht bestätigte Siedlung, die schon im frühen Mittelalter kein Bestand mehr gehabt haben kann und in der unteren Limbacher Eisersbach vermutet wird.Gemeindearchiv Hünstetten
Seelbach Die genaue Lage von Seelbach ist bis heute nicht geklärt, man vermutet es lag zwischen Panrod, Strinz und Ketternschwalbach. Erstmalig erwähnt wurde der Ort 879, wüst gefallen ist er vor 1570.
Steinbach Dieser Ort wird erstmals 1392 zusammen mit Hennethal erwähnt. In diesem Dokument ist beschrieben, dass beide Orte der Strinzer Kirche jeweils einen halben Malter Hafer pro Jahr schuldig sind. Nach 1566 wird der Ort nicht mehr genannt. Steinbach lag im Grenzbereich zwischen Strinz-Trinitatis, Hennethal und Panrod.
Marktrecht und Markttradition Nicht nur die erste Lateinschule im Herrschaftsgebiet Nassau-Idstein, sondern auch das Marktrecht erhält Strinz-Trinitatis als erstes im Einflussbereich der Abtei Bleidenstadt. Siehe Strinzer Markt.
Bergbau Am 7. Juli 1619 gründet der Strinzer Pfarrer Johannes Jäger sen. zusammen mit seinem Bruder Reimund Jäger, dem Amtsschreiber Kilian, Johannes F. Diefenbach und versch. Adligen eine Gewerkschaft, um Bleierz aus dem Kirchberg zu fördern. Die Gesamteinlage betrug 120 Gulden, am 3. April 1620 verrechnete jedoch jeder Gewerkschaftler 13 Gulden Verlust. Am 16. Mai 1694 entstand eine neue Bergbaugewerkschaft mit dem Namen „Haus Nassau“, die 1791 ihre Grube auf dem Marktplatz an die Herren Schmidt und Gerhardi zusammen mit dem Markt- und Zollhaus als Zechenhaus veräußern. Am 4. November 1794 wurde noch einmal ein neuer Schacht abgeteuft.
Im hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden gibt es außerdem Belege für eine Blei- und Kupferzeche Nr. 1777 namens Eduardsegen in Strinz-Trinitatis, für die Laufzeit der Jahre 1871 bis 1903.
Ebenso wird eine Dachschiefergrube Carl I. in Strinz für die Jahre 1872 bis 1880 genannt.
Die alten Bergbaustollen unter dem Kirchberg wurden zu Beginn des Zweiten Weltkrieges zu Luftschutzbunkern ausgebaut und sind heute nicht mehr zugänglich (zugeschüttet/überbaut/zugemauert).
Strinz-Trinitatis im Zweiten Weltkrieg Flugzeugabstürze Messerschmitt Bf 109-G Am Morgen des 12. Mai 1944 startete die 8. US-Luftflotte in Großbritannien mit drei Bomberdivisionen, bestehend aus viermotorigen B17-Flying Fortress und B24-Liberator Maschinen sowie einmotorigen Thunderbolt und Mustang Begleitflugzeugen ihren Angriff auf die Hydrierwerke in Leuna. Ziel der amerikanischen Luftstreitkräfte war die Treibstoffindustrie mit ihren Hydrierwerken in Tröglitz, Böhlau, Leuna/Merseburg, Pölitz und Brüx. Den 935 Bombern und unzähligen Begleitflugzeugen standen auf deutscher Seite zum ersten Mal alle Tagjagdverbände der Reichsluftverteidigung mit 470 Abfangjägern und Zerstörern entgegen.
Die Luftkämpfe spielten sich aber zum Großteil über Taunus und Wetterau ab, wobei Feldwebel Kastenhuber (* 19. Januar 1921) aus Ingolstadt vom Stab des JG 11 bei Strinz-Trinitatis eine Notlandung missglückte und in der Gemarkung „Vorm Buchholz“ mit seiner Messerschmitt Bf 109-G kopfüber aufschlug und dabei ums Leben kam.
Junkers Ju 88 G-1 In der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November 1944 flog die RAF mit 101 Lancaster-Bombern einen Angriff mit dem Hauptziel Köln und der synthetischen Ölraffinerie Welheim. In diesem Zusammenhang startete u. a. das deutsche NJG 7 zur Abwehr, wobei eine Ju 88 G-1 der Gruppe 4 jenes Geschwaders von einer Mosquito der 85. Squadron abgeschossen wurde und zwischen Strinz-Trinitatis und Panrod runterging. Keines der Besatzungsmitglieder überlebte.
Kampf um Strinz-Trinitatis Am 28. März 1945 gegen 11 Uhr verteidigten versprengte Landser und die 1. Batterie des Flakregiments 14 unter Anleitung der 6. SS Gebirgsdivision Nord den Ort gegen die über Hennethal vorrückenden US-Streitkräfte. Dafür war zwischen den beiden Orten der Fähnrich Karl Zettler mit einer Panzerfaust in Stellung gegangen, wurde jedoch von einem Spähtrupp-zu-Fuß erkannt und fiel. Nach der Überwindung des Vorpostens rückten die Amerikaner vor, bis die auf dem Marktplatz in Stellung gegangene Flak-Abwehrstellung die feindlichen Führungsfahrzeuge erfassen und unter Beschuss nehmen konnte. Als dann wurde ein 2 cm Flakgeschütz, das eigentlich auf dem höchsten Punkt zwischen Strinz und Panrod, der Atzelheck, aufgestellt war, zur Verteidigung des Ortes beigekarrt und auf dem Zimmerplatz in Stellung gebracht.
Die amerikanische Kolonne konnte ihren Weg nicht fortsetzen und ihr Befehlshaber war gezwungen auf in Holzhausen liegende Unterstützung zu warten, um den Ort beidseitig umgehen und in die Zange nehmen zu können. Der Plan ging auf, sodass noch am selben Tag die US-Artillerie nachrückte und mit zwei 155 mm Haubitzen „Long Toms“ zwischen Strinz und Limbach in Stellung ging. Die Amerikaner machten etwa 250 Gefangene und versenkten die Beutewaffen und Munition im alten Brandweiher und im Brunnen des Pfarrgartens.
Während des Vormarsches der Amerikaner und den Kampfhandlungen suchten die Strinzer Schutz in den Luftschutzbunkern. Darunter auch wenige dt. Soldaten, denen Gustav Scherer wohl noch anbot ihre Uniformen gegen Zivilkleidung zu wechseln, was sie jedoch ablehnten. Bis auf einen verließen alle Landser den Bunker und kamen ums Leben, lediglich der im Bunker verbliebene überlebte, wenn auch durch Prügel schwer verletzt.
Die beim Rückzug der Deutschen noch hinderliche Ausrüstung, darunter ein Tankwagen in der Pfarrscheune und ein mit Stiefeln beladener Wagen, der zunächst im Hof der Familie Kuhn unterstand, wurden unbrauchbar gemacht.
Kriegsschäden in Strinz-Trinitatis Der Kirchturm selbst wurde abgeschossen und stürzte, wie bereits erwähnt, auf die alte Schule. Unzählige weitere Häuser hatten von MG-Feuer durchlöcherte Wände und Decken, die stellenweise heute noch zu erkennen sind. Auch Blindgänger gab es zur Genüge.
Gebietsreform und ihre Folgen Bevor sich im Zuge der Gebietsreform in Hessen die damals noch eigenständigen Gemeinden Beuerbach, Kesselbach, Ketternschwalbach, Limbach, Strinz-Trinitatis und Wallbach zur neuen Großgemeinde Hünstetten zusammenschlossen, ernannte man in der letzten Sitzung der Gemeinde Strinz-Trinitatis am 30. Dezember 1971 den damaligen Landrat des Untertaunuskreises Herbert Günther zum Ehrenbürger von Strinz-Trinitatis. Im selben Zuge ernannte man Bürgermeister Ewald Müller zum Ehrenbürgermeister, während Karl Puff für seine 35-jährige Tätigkeit als Gemeindekassenverwalter ausgezeichnet wurde.
1974 folgte die Auflösung des Untertaunuskreises und die Zusammenlegung zum Rheingau-Taunus-Kreis.
Das Dorfgemeinschaftshaus wurde 2016 in Dr.-Herbert-Günther-Halle benannt. Seit Sommer 2017 heißt der Vorplatz „Lothar-Häring-Platz“.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Sehenswertes Ehem. Elementarschule Strinz-Trinitatis Die ehemalige Elementar-/ und spätere Volksschule Strinz-Trinitatis wurde 1562 (als erste im Einflussbereich von Nassau-Idstein) als Lateinschule gegründet. Die Schule und die dazugehörige Schulscheune stehen heute unter Denkmalschutz.
Ehem. Reichsarbeitsdienstlager d.w.J. Strinz-Trinitatis Das ehemalige Reichsarbeitsdienstlager der weiblichen Jugend war das erste seiner Art im Untertaunuskreis und ein Musterlager für den Bezirk Hessen. Die Grundsteinlegung fand am 1. Mai 1938 auf dem hiesigen Marktplatz statt. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.
Heidelandschaft und Naturschutzgebiet Heckenberg Der Heckenberg in Strinz-Trinitatis ist aufgrund seiner heideähnlichen Landschaft, die durch jahrhundertelange Bewirtschaftung und Beweidung erst entstehen konnte, zum Naturschutzgebiet erklärt worden und ist besonders im Spätsommer, wenn die Heide blüht, schön anzusehen. Jedoch wurde mit den am 28. Oktober 2025 begonnenen Arbeiten zur kompletten, festen Einzäunung des ca. 10 ha großen Naturschutzgebietes u. a. der Zugang und Wildwechsel erschwert.
Hügelgräber Die Hügelgräber befinden sich nicht unweit des Hermannsweges im Strinzer Wald, sind zurzeit aber weder durch Schilder noch anderweitig ausgewiesen.
Marktplatz mit Naturdenkmal Winterlinde