mini|Landwehrstraße 6, Hof, 1889

Die Landwehrstraße (vor 1720–1826 Judengasse) war eine Straße in der Königsstadt in Berlin-Mitte bis etwa 1972.

Straßenverlauf mini|Verlauf der Landwehrstraße (vormals Judengasse) 1831 Die Straße verlief auf etwa 300 Meter Länge von der den Georgenkirchhof und die umliegenden Hospitäler begrenzenden Kleinen Kirchgasse, späteren Katharinenstraße, in Ostnordost-Richtung fast parallel zur Landsberger Straße bis zur Gollnowstraße und querte dabei die Lietzmann-, spätere Gerlachstraße. Diese Plätze und Straßen wurden in den 1960/1970er Jahren ebenfalls aufgehoben. Nach heutiger Bebauung ginge der Straßenverlauf etwa von der Karl-Marx-Allee Ecke Otto-Braun-Straße bis zur Mollstraße in Höhe der Weinstraße.

Geschichte Die Straße wurde erstmals 1720 in einem Kaufvertrag erwähnt.Horst Fritzsche (Hrsg.), Die aktuellen und historischen Straßen und Plätze in Berlin-Mitte, 2002, S. 174 1723 wurde sie in einer Karte als Judenstrasse bezeichnet, ab 1737 als Judengasse.Plan von Dusableau von 1723 (unten links, die Karte ist gedreht von Süd nach Nord) Die Herkunft dieses Straßennamens ist unbekannt. Möglich wäre eine jüdische Siedlung im 16. Jahrhundert oder ab 1763 nach deren Wiederzulassung in der Mark Brandenburg, für die es aber fast keine weiteren Hinweise gibt.Hans Jahn: Bilder aus der Berliner Feldmark. In: Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins. Heft 58. Mittler, Berlin 1940, S. 66 f. Im 16. Jahrhundert gab es nordwestlich der Judengasse (zwischen Gollnow- und Lietzmannstraße) Gräber, deren Hintergründe unbekannt sind. Diese könnten ein Friedhof zu einer jüdischen Siedlung oder zumindest zu einem Lazarett Judenlazarett (Heqdesh) während einer Pestepidemie gewesen sein.Julius Beer: Altberlinisches in der Königstadt. In: Vossische Zeitung, Nr. 173, 1865, deutete diese als einen möglichen jüdischen Friedhof, in „Die Gegenwart“ Berliner Wochenschrift für jüdische Angelegenheiten, Nr. 18/1867, S. 142, wies er auf die Möglichkeit eines Judenlazaretts hin; was aber beides von Historikern mangels eindeutiger Belege nicht bestätigt wurdeHans Jahn: Bilder aus der Berliner Feldmark. In: Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins, Heft 58. Mittler, Berlin 1940, S. 62 ff.

Im 18. Jahrhundert wurde die Straße auf der westlichen Seite bebaut, 1799 wohnten dort unter anderem zwei Wollfabrikanten und einige Handwerker., erstes Berliner Adressbuch, siehe auch weitere Jahrgänge Friedrich Nicolai: Beschreibung der königlichen Residenzstädte…, S. 28 ff., ohne weitere Erklärungen zur Judengasse 1826 wurde sie in Landwehrstraße umbenannt. In den folgenden Jahrzehnten wohnten dort vor allem Handwerker, Arbeiter und weitere ärmere Bewohner.

mini|In Bildmitte rechts: Häuser der Landwehrstraße vor dem Abriss 1965 1945 wurde die Landwehrstraße bei den Straßenkämpfen um Berlin schwer beschädigt. In den 1950er und 1960er Jahren wurden die meisten Gebäude beseitigt und an deren Stelle Neubauten im Wohngebiet Mollstraße/Berolinastraße gesetzt. Zwischen 1967 und 1974 wurde der Straßenname aufgehoben.

Bewohner In der Landwehrstraße standen Wohn- und Geschäftshäuser, in denen vor allem Arbeiter und andere Geringverdiener wohnten, es gab auch Geschäfte, Handwerker und weitere kleinere Gewerbetreibende., auch andere Jahre

1913 wurde an der östlich parallel verlaufenden Landsberger Straße ein Geschäftshauskomplex errichtet, dessen Rückseite an der Landwehrstraße verlief. in dem sich seit 1923 das erste Ambulatorium der Stadt befand. Dieses ist als denkmalgeschützte Haus der Gesundheit erhalten.

Direkt hinter der Ecke befand sich der Lietzmannstraße seit 1931 ein Jüdisches Altersheim, das bis etwa 1942 bestand und zuletzt als Sammellager für jüdische Berliner in verschiedene Vernichtungslager diente.Nicola Galliner u. a.: Wegweiser durch das jüdische Berlin. Nicolai, Berlin 1987, S. 267

Weblinks Landwehrstraße In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins – zur „Namenserläuterung“ siehe die Ausführungen oben in diesem Artikel

Literatur Horst Fritzsche et al. (Hrsg.): Die aktuellen und historischen Namen der Straßen und Plätze in Berlin Mitte. Edition Luisenstadt, Berlin 2002. S. 174

Einzelnachweise

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