mini|Hütte in Zlatá Studna, Postkarte von 1920 Zlatá Studna (deutsch Goldbrunn) war ein Ortsteil der tschechischen Gemeinde Horská Kvilda im Böhmerwald. Hier wurde bis ins 19. Jahrhundert Glas hergestellt, 1950 wurde der bereits verlassene Ort von der tschechoslowakischen Armee zerstört.
Geographie Der Ort lag auf 1114 m Höhe zwischen Horská Kvilda und Churáňov. Im Westen und Süden der ehemaligen Lage befinden sich Moorgebiete, im Nordwesten verläuft ein 1144 m hoher Höhenzug, jenseits davon liegt der Einödhof Ranklov. Die Fluren des Dorfes gehören heute zu Horská Kvilda, auf dem ehemaligen Dorfgebiet kreuzen sich mehrere Wanderwege durch den Nationalpark Šumava, zudem informiert eine Holztafel über die Geschichte des Ortes.Zlatá Studna auf zanikleobce.cz, abgerufen am 24. August 2009
mini|Andreas Hartauer wuchs in Zlatá Studna auf. Geschichte 1799 wurde an dieser Stelle von der Stadt Bergreichenstein eine Glashütte gegründet und verpachtet. Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts genossen Erzeugnisse aus Goldbrunn – in erster Linie Rosenkranzperlen und Hohlglas – einen guten Ruf und erhielten mehrere Auszeichnungen.
Im Jahre 1838 bestand die zu Reckerberg konskribierte Siedlung Goldbrunn aus sieben Häusern und der Glashütte. 1843 lebten in dem Dorf 134 Einwohner, auch gab es eine Dorfschule. Pfarrort war Außergefield.Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen, Bd. 8, Prachiner Kreis, 1840, S. 272 Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts blieb Goldbrunn zum Dominium Bergreichenstein untertänig.
Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften bildete Goldbrunn ab 1850 einen Ortsteil der Gemeinde Ziegenruck im Gerichtsbezirk Bergreichenstein. Ab 1868 gehörte das Dorf zum Bezirk Schüttenhofen. Von 1865 an wurde hier vorrangig Tafelglas produziert, 1880 wurde die Glashütte als eine der letzten im Böhmerwald stillgelegt. Mit dem Niedergang der Glashütte verließen auch die Bewohner den Ort, sodass Goldbrunn bereits im frühen 20. Jahrhundert verlassen war. Die verbliebenen Gebäude wurden 1950 von der Armee der Tschechoslowakei zerstört, um zu verhindern, dass sie von Grenzflüchtlingen als Versteck genutzt wurden. Lediglich der Schornstein der Glashütte und Teile des Gasthauses blieben erhalten.Böhmerwald Grenzenlos. Bayerischer Wald – Šumava – Mühlviertel. Starý most s.r.o., 2007 (2. Auflage). ISBN 3-937067-58-2, S. 176
Goldbrunner Glasfabrik Nach Josef Blau wurde um 1779 in den Bergreichensteiner Wäldern nordöstlich von Innergefild Glas geschmolzen, vermutlich in Ranklau.
Aus dem Pfarrgedenkbuch von Außergefild: „In diesem Jahr (1799) wurde die Glashütte in Goldbrunn des Herrn Josef Eisner errichtet und von mir (Kaplan Joseph Dont) geweiht…“Pfarrgedenkbuch Außergefild (1765–1945)
In den Jahren 1799–1801 erbaut der Vogelsanger Meister Josef Eisner hier eine Hütte. So konnte die Stadt das Holz dieser Waldung einer nutzbringenden Verwendung zuführen. Das Bauholz stellte man ihm kostenlos zur Verfügung, das Brennholz und der Fluss (Pottasche) wurde mit dem Magistrat abgerechnet, ebenso die Pacht. Die Siedlung bekam den schönen Namen Goldbrunn nach dem nahen Ursprung des Gefilderbaches (Hammerbach), an dem im 15. Jahrhundert und später Gold gewaschen wurde. Eisner arbeitete mit Josef Schmid, Sohn des Antigler Meisters Josef Schmid, zusammen, welcher auch Faktor (Schreiber) auf Eisners Voglsangerhütte war. Am 16. Januar 1819 wurde der Ranklsepp, mit bürgerlichem Namen, Josef Klostermann, als ältester Sohn des Mathias Klostermann (Reckerberg) und der Franziska, geb. Hofmann (Antigl) auf der Ranklau, nahe Goldbrunn geboren. Josef Eisner starb 1822. Goldbrunn muss wegen Auftragsmangel schließen. Josef Schmid übernahm 1824 mit Johann Lötz den Betrieb. Nun erlebte Goldbrunn einen wirtschaftlichen Aufschwung. Ein Quarzpocher und eine Schleifmühle entstanden. Josef Schmid heiratete 1831 Theresia, die Tochter des verstorbenen Josef Eisner von Vogelsang. Josef Schmid erwarb 1837 für 10.000 fl. den Glashüttenhof Nr. 1 in Mehlhüttl (Neue Stachauerhütte). Goldbrunn wurde von wechselnden Hüttenmeistern betrieben, so von Johann Eisner, Konrad, dann Viktor Bodenmüller, zuletzt Ignaz Rückl. 1841 übernahm Johann Lötz die Leitung der Voglsangerhütte, kaufte später Annathal und wurde schließlich Besitzer der Klostermühle. Josef Schmid ging nach Vogelsang. Ignaz Rückl ließ die Hütte eingehen, schließlich brannte sie um 1880 nieder. Doch wurde bis zu diesem Jahr Glas erzeugt.
Von den anderen genannten Eisnerschen Glashütten erlosch Vogelsang 1888, die Stachauer Hütte um 1900, Klostermühle und Annathal waren noch bis 1945 in deutscher Hand, als die Besitzer vom tschechoslowakischen Staat enteignet wurden.
Man erzeugte hier sowohl Patterln wie Hohl- und Tafelgläser (Fensterglas) aus reinstem Kreideglas. Das meiste Schleifglas kauften zuletzt die Schleifereien in Steinschönau in Nordböhmen. Je nach Auftrag stellte man auch Farbglas wie beige-, blau-, grün- und andersfarbiges Glas her, welches z. T. in die Türkei, aber auch nach Italien und Triest exportiert wurde.Wolfgang Luksch u. a.: "Tief im Böhmerwald" - Innergefilder Gemeindechronik, Eigenverlag (ohne Jahresangabe)
Ende der Siedlung Goldbrunn Im Jahre 1949 kam ein tschechischer Förster namens Robert Steun nach Goldbrunn, er bezog mit seiner Familie das noch intakte Forsthaus. Zu diesem Zeitpunkt lebten noch drei deutsche Familien am Ort, die als Waldarbeiter unentbehrlich waren und von der Aussiedlung der deutschen Bevölkerung zunächst verschont geblieben waren.
Im ehemaligen Gasthaus Nr. 11 wohnte die Familie des Franz Enzmann. Südlich davon, im ehemaligen „Herrenhaus“ der Glashütte Nr. 33 lebte die Familie des Josef Höfler, im Haus Nr. 30 die Familie des Josef Hirsch.
Die Siedlung hatte zwar keinen eigenen Brunnen, das Wasser wurde in einer höher gelegenen Zisterne gesammelt und über Rohre auf die einzelnen Gebäude verteilt. Der neue Förster sorgte auch für einen Stromgenerator und einen Telefonanschluss.
1949 wurden die zurückgebliebenen deutschen Familien vor die Wahl gestellt, entweder die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft oder die Ausreise nach Deutschland zu beantragen. Die Goldbrunner Familien entschieden sich für die Ausreise. Diese verzögerte sich z. T bis Anfang 1951. Ihre Häuser wurden zerstört.
1952 verließ schließlich auch die Familie des Försters den Ort. Das Försterhaus wurde in der Folge als Unterkunft für Waldarbeiter genutzt und blieb als einziges bis heute bestehen.Petr Kuncl: "Tam na Šumavě" Kronika šumavské obec Horska Kvilda – Tschechische Version von "Tief im Böhmerwald" 2014 S. 206ff
Persönlichkeiten Andreas Hartauer, Glasmacher und Verfasser des Böhmerwaldliedes
Weblinks Zlatá Studna auf www.zanikleobce.cz, umfangreiche Bildergalerie Informationen zum Förster und Buchautor Robert Steun (1904-1957)
Literatur
Petr Kuncl: "Tam na Šumavě" Kronika šumavské obec Horska Kvilda – Tschechische Version von "Tief im Böhmerwald" 2014 Wolfgang Luksch u. a.: "Tief im Böhmerwald" – Innergefilder Gemeindechronik, Eigenverlag (ohne Jahresangabe)
Einzelnachweise
Kategorie:Wüstung im Okres Klatovy Kategorie:Böhmerwald Kategorie:Horská Kvilda