mini|Menschenauflauf an der Wall Street im Oktober 1907
Die Panik von 1907 (engl.: Panic of 1907, auch als 1907 Bankers’ Panic bekannt) war eine Finanzkrise in den USA im Jahr 1907. Die Kurse an der New York Stock Exchange fielen dabei um fast die Hälfte von ihrem Höchststand 1906. Dies löste eine Panik aus, da sich das Land ohnehin in einer Rezession befand, und führte zu zahlreichen Bank Runs. Die Krise breitete sich schnell über das ganze Land aus und hatte den Bankrott zahlreicher kleinerer Banken und Unternehmen zur Folge. Verursacht wurden die Bank Runs durch die geringe Liquidität einer ganzen Reihe von New Yorker Banken und den Vertrauensverlust auf Seiten der Sparer. Einige Anhänger der Österreichischen Schule vertreten auch die Ansicht, die Krise sei auf die vom Finanzministerium in den beiden vorigen Jahren ausgelöste Inflation zurückzuführen.
Ursachen und Verlauf Die Finanzkrise wurde im Oktober 1907 durch den gescheiterten Versuch ausgelöst, die Aktien der United Copper Company zu cornern. Die Banken, die diesen Versuch durch die Vergabe von Krediten finanziert und zugleich einen großen Teil ihrer Reserven zu hohen Zinsen bei Banken von J. P. Morgan angelegt hatten, sahen sich nun einem Ansturm von Sparern gegenüber, die ihre Einlagen massenweise abzogen. Der Ansturm weitete sich auf nahestehende Banken aus. Die Banken von J. P. Morgan, der bis 22. August durch geschickte Zinspolitik und Handel mit Staatspapieren zudem fast vier Fünftel des gesamten US-Bargelds in seinen Besitz gebracht hatte, weigerten sich nun, vor Ende der Panik die Einlagen an andere Banken auszuzahlen. Dies führte am 21. Oktober zum Zusammenbruch der Knickerbocker Trust Company, der drittgrößten Treuhandgesellschaft New Yorks. Deren Zahlungsunfähigkeit wiederum alarmierte Regionalbanken, die ihre Reserven aus J. P. Morgans New Yorker Banken abzuziehen versuchten, was diese ebenfalls verweigerten; und zahlreiche Menschen im ganzen Land begannen bei ihren jeweiligen Regionalbanken ihre Guthaben abzuheben. Zu dieser Zeit gab es in den Vereinigten Staaten noch keine Zentralbank, die dem Markt weitere Liquidität hätte zuführen können, sodass die Panik ohne das Eingreifen des Bankiers Morgan selbst möglicherweise noch wesentlich größere Ausmaße angenommen hätte. Um den Markt zu stützen, brachte Morgan große Summen seines eigenen Vermögens ein und überzeugte andere New Yorker Bankiers, es ihm gleichzutun.
Die scheinbar bereits abgewendete Krise verschärfte sich Anfang November noch einmal, als ein großes New Yorker Brokerhaus massiv Kredite aufnehmen musste. Als Sicherheiten nutzte es Aktien der Tennessee Coal, Iron and Railroad Company (TC&I) und brachte damit den Börsenkurs des Unternehmens unter Druck. Morgan überzeugte den für seinen Kampf gegen Trusts bekannten US-Präsidenten Theodore Roosevelt vom Ernst der Lage und bekam die Genehmigung, die TC&I mit seiner US Steel Corporation in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zu übernehmen.
Im US-Senat setzte der Finanzexperte Nelson W. Aldrich eine Kommission namens „National Monetary Commission“ ein, um die Entstehung der Krise zu untersuchen und Verbesserungsvorschläge für das Finanzsystem zu machen. Dies führte schließlich zur Gründung der privatwirtschaftlichen US-Notenbank Federal Reserve im Jahr 1913.
Wahrnehmung in den Medien
Interessant bei der Panik von 1907 ist gerade auch die zeitgenössische Wahrnehmung von Krise und Kritik in den Zeitungen Europas und der USA. Im Vergleich mit der Finanzkrise 2007 lassen sich so bereits Konfliktlinien zwischen „Alter“ und „Neuer“ Welt erkennen, die bis heute relevant sind. So schreibt die New York Times nicht ohne Selbstkritik:
Die Times aus London schlägt in eine heute ebenfalls vertraute Bresche, wenn sie die Umgehung von Regulierung kritisiert, die bereits durch eine einfache Umbenennung der Akteure, in diesem Fall „Trusts“ an Stelle von „Bank“, möglich ist:
Aus deutschen Pressestimmen lassen sich wiederum eher Ressentiments über die USA herauslesen, die nur wenige Jahre später im Ersten Weltkrieg zu ihrer vollen Entfaltung kommen sollten. Möglicherweise ist es auch die deutsche Herkunft der letztlich die Krise auslösenden Akteure, welche diese lieber als Opfer erscheinen lässt.
Literatur Adolf Hasenkamp: Die wirtschaftliche Krisis des Jahres 1907 in den Vereinigten Staaten von Amerika. Jena 1908
Abgerufen am 24. August 2009.
Einzelnachweise
Weblinks
Die Schreckensjahre der amerikanischen Börse 1906/1907 auf boerse.de
Kategorie:Geschichte der Vereinigten Staaten (1865–1918) Kategorie:Wirtschaftsgeschichte der Vereinigten Staaten Kategorie:Ereignis 1907 Kategorie:Börsenkrach