Unter dem Markennamen Roundup wird seit 1974 in über 130 Ländern eine Serie von Breitbandherbiziden vertrieben, die in der Landwirtschaft Anwendung finden und auch von Hobbygärtnern verwendet werden. Breitbandherbizide wirken unspezifisch gegen viele Pflanzenarten.
Bis zum Jahr 2000 wurde Roundup durch den Erfinder und Patentinhaber Monsanto, welcher in einer Übernahme im Juni 2018 Teil des Konzerns Bayer AG wurde, hergestellt bzw. lizenziert. Im Privatverbraucherbereich wird Roundup in den USA und fast allen Ländern Europas exklusiv von The Scotts Miracle-Gro Company (deutsche Tochterfirma: Scotts Celaflor GmbH, Mainz) vermarktet.
Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) stufte im März 2017 den in den meisten Roundup-Produkten enthaltenen Stoff Glyphosat nicht als krebserregend ein.ECHA: Presseerklärung der ECHA vom 15. März 2017, abgerufen am 15. März 2017. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Unterorganisation der Weltgesundheitsorganisation (WHO), stufte Glyphosat im März 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ ein.WHO-Behörde stuft fünf Pestizide als unterschiedlich krebserregend ein, Ärzteblatt, 23. März 2015 Das ebenfalls bei der WHO angesiedelte Gremium „Joint Meeting on Pesticide Residues“ (JMPR) kommt laut Angabe des Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) so wie Bewertungsbehörden in der EU, in den USA und in Kanada zu dem Ergebnis, dass nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft bei bestimmungsgemäßer Anwendung von Glyphosat kein gesundheitliches Risiko für den Menschen zu erwarten sei.BfR: Fragen und Antworten zur gesundheitlichen Bewertung von Glyphosat. Aktualisierte FAQ des BfR vom 17. Juli 2015, abgerufen am 24. Juli 2015. https://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zur_gesundheitlichen_bewertung_von_glyphosat-127823.html. Dem schloss sich auch der Gemeinsame FAO/WHO-Sachverständigenausschuss für Pestizidrückstände (JMPR) an. Dessen Bewertungen zufolge seien die über die Nahrung aufgenommenen Rückstände von Glyphosat beim Menschen wahrscheinlich nicht genotoxisch und nicht kanzerogen.Report of the Joint Meeting of the FAO Panel of Experts on Pesticide Residues in Food and the Environment and the WHO Core Assessment Group on Pesticide Residues Rome, Italy, 20–29 September 2004Joint FAO/WHO Meeting on Pesticide Residues. Genf, 9.–13. Mai 2016. Summary Report. 16. Mai 2016.
Zusammensetzung Der Wirkstoff ist das für fast alle Pflanzenarten toxische Glyphosat. Es hemmt die pflanzliche 5-Enolpyrovylshikimat-3-phosphatsynthase (EPSP-Synthase) und somit die Synthese aromatischer Aminosäuren. Die einzelnen Roundup-Produkte unterscheiden sich in der Salzformulierung, dem Medium (Lösung in Wasser oder als Granulat) sowie der Glyphosatkonzentration. Beispiele für Salzformulierungen sind das Glyphosat-Ammonium-Salz und das Glyphosat-Isopropylammoniumsalz. Um eine bessere Haftung an den Pflanzen zu erreichen, werden Netzmittel verwendet. Meistens handelt es sich dabei um mehrfach ethoxyliertes Talgamin (engl.: polyethoxylated tallow amine, abgekürzt POEA; auch Tallowamin), das bei Roundup einen Anteil von bis zu 15 % ausmacht.
Auf dem Markt gibt es seit Dezember 2016 auch das Roundup-Produkt „Roundup AC“ ohne Glyphosat. Hier kommt der Wirkstoff Essigsäure zum Einsatz. Es ist nicht bekannt, ob weitere Hilfsstoffe verwendet werden.GartenGnom.net - Monsantos neues Roundup ohne Glyphosat ist Essig vom 10. Mai 2017
Verwendung in der Landwirtschaft Klassische Unkrautbekämpfung mini|Roundup-Einsatz auf einem Acker nördlich von Dresden mini|hochkant|Roundup-Einsatz als Alternative zum Freihalten der Baumscheibe von Bewuchs mit mechanischen oder thermischen Mitteln In der Landwirtschaft wird Roundup seit 1974Monsanto: Geschichte 1960–1975 verwendet, um Unkraut oder konkurrierende Pflanzen von Äckern vor Aussaat der Kulturpflanze (Vorauflaufherbizid) abzutöten.
Roundup wirkt ausschließlich über grüne Pflanzenteile und nicht über die Wurzel. Es ist somit möglich, in einem Arbeitsgang Unkraut zu bekämpfen und zusätzlich eine frische Saat („im Vorauflauf“) einzubringen. Deren Keimung und Wuchs werden nicht negativ beeinflusst. Auch im Weinbau wird Roundup verwendet, um den Unterstockbereich freizuhalten. Solange bei der Anwendung keine Blätter der Reben getroffen werden, schadet diese Anwendung den Reben nicht.
Verwendung mit gentechnisch veränderten Pflanzen
Parallel zu Roundup vertreiben Monsanto und andere Unternehmen gentechnisch verändertes Saatgut von Mais, Soja, Raps und Baumwolle, das eine Resistenz gegenüber der herbiziden Wirkung von Glyphosat aufweist.
Die Pflanzen-DNA wird durch das Bodenbakterium Agrobacterium tumefaciens als Genfähre so verändert, dass entweder die Erbinformation für eine Glyphosat-unempfindliche EPSP-Synthase aus Salmonellen übertragen oder nur der Aktivator bzw. der Promotor für das EPSP-Synthase-Gen durch einen sehr viel stärkeren ersetzt wird.Glyphosat. In: Lexikon der Biologie. Spektrum, Heidelberg 2006, S. v. Die Pflanze übersteht dadurch auch die Anwendung von Roundup.
Die Einführung von herbizidresistenten Pflanzen führte zu einer Ausweitung der pfluglosen Bewirtschaftung, wodurch Bodenerosion, Kraftstoffverbrauch und Treibhausgasemissionen zurückgegangen sein sollen. Für die Landwirte in Entwicklungsländern sollen sich tendenziell Ertrags- und Einkommenszuwächse, in Industrieländern vor allem Arbeitsersparnisse ergeben. Es wird zudem aus Indien von einer Abnahme der Pestizidvergiftungen unter Anwendern von gentechnisch veränderter Baumwolle berichtet.
Problem der Resistenzbildung mini|hochkant|Amaranthus palmeri; die Pflanze gehört zu den bekanntesten Superunkräutern und hat eine Glyphosatresistenz entwickelt
Laut der Organisation WeedScience gab es 2011 weltweit insgesamt 21 glyphosatresistente Unkräuter. Bei ALS-Inhibitoren (Acetolactat-Synthase, z. B. Chlorsulfuron), welche die Grundlage für andere chemische Unkrautbekämpfungsmittel bilden, sind es 113 beobachtete Resistenzen. (abgerufen am 24. Oktober 2011). Diese bei Glyphosat nach über 30 Jahren Gebrauch recht niedrige Rate könnte nach Meinung von Unkrautforschern der Iowa State University bei ausschließlichem Gebrauch von Roundup gefährdet sein, weshalb sie ein differenziertes Modell der Bekämpfung empfehlen, zum Beispiel Wechsel mit anderen Herbiziden. (PDF, englisch; 91 kB)
Vorschriften für Hobbygärtner In Deutschland dürfen Roundup-Produkte in Mengen ab einem Liter nur von Personen mit Sachkundenachweis angewendet werden. Einzelne Roundup-Produkte sind auch für den Haus- und Kleingartenbereich zugelassen, sofern sie nur in Kleinstgebinden abgegeben werden. Nach Abs. 2 PflSchG dürfen Pflanzenschutzmittel auf Freilandflächen nur angewandt werden, wenn diese landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt werden. Herbizide dürfen ebenfalls nicht in oder unmittelbar an oberirdischen Gewässern und Küstengewässern angewandt werden. Außerdem ist die Anwendung auf versiegelten Flächen, zu denen gepflasterte oder asphaltierte Wege und Terrassen zählen, nur mit Genehmigung der zuständigen Behörde zulässig. Bei Zuwiderhandlung sind Geldbußen bis zu 50.000 € vorgesehen.Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: (nach Roundup suchen)
In der Schweiz gibt es folgende Anwendungsverbote:Herbizidverbot auf Wegen und Plätzen ist bei Gartenbesitzern weitgehend unbekannt 3 m um Feldrandhecken 3 m um die Bestockung von Waldrändern 3 m bis 6 m um oberirdische Gewässer wie Teiche und Bäche in der Zone S1 von Grundwasserschutzgebieten auf Terrassen und Dächern an oder auf Wegen und Straßen an Böschungen und Grünstreifen
In Frankreich gilt seit Juni 2015 ein Verkaufsverbot durch Gartenzentren. Die damalige Umweltministerin Ségolène Royal verwies auf die Berufskrankheiten, die bei Landwirten und Weinbergarbeitern anerkannt sind.Ségolène Royal déclare la guerre au Roundup, le désherbant star de Monsanto, usinenouvelle.com, 15. Juni 2015
Nutzung von Roundup durch Städte und Gemeinden
Im Zuge der Diskussion um die gesundheitlichen Risiken von Glyphosat hat das Umweltministerium von Rheinland-Pfalz im Juli 2015 den Einsatz von glyphosathaltigen Herbiziden auf öffentlichen Flächen in Rheinland-Pfalz verboten.Rheinland-Pfalz verbietet Einsatz von Glyphosat Bericht vom 2. Juli 2015 auf der Homepage des SWR-Fernsehens, abgerufen am 19. Juni 2016 Auch in anderen Regionen Deutschlands wird versucht, den Einsatz von Roundup zu vermindern. Der zunehmende Verzicht auf Roundup im öffentlichen Bereich hat jedoch auf lokaler Ebene verstärkt zu Diskussionen geführt, welche Standards bei der Unkrautbekämpfung gelten sollen und welche alternativen Wege zur Unkrautbekämpfung gewählt werden. Während ein Teil der Kommunen sich teilweise frühzeitig auf einen Verzicht auf Roundup eingestellt hat und dabei zum Teil geringere Standards bei der Unkrautbekämpfung akzeptiert, berichten andere Kommunen über praktische Probleme mit Alternativen zum Roundup-Einsatz, insbesondere über Mehrkosten und vereinzelt auch über eine verstärkte Kritik an vermehrtem Unkraut auf öffentlichen Grünflächen.Grevenbroich: Noch kein Mittel gegen Unkraut auf Friedhöfen Bericht in der Neuß-Grevenbroicher Zeitung vom 17. Juni 2016 über Kritik an den Wirtschaftsbetrieben der Stadt Grevenbroich, dass nach dem Verzicht auf den Einsatz von Roundup das Unkraut auf den Friedhofswegen stark zugenommen hat, abgerufen am 17. Juni 2016Kein Roundup auf dem Friedhof Bericht der Tageszeitung Die Rheinpfalz vom 24. Mai 2016, abgerufen am 19. Juni 2016Glyphosat - lauert die Krebsgefahrt im Unkrautkiller ? Bericht der Rhein-Zeitung vom 13. November 2015, abgerufen am 19. Juni 2016
Die Bezirksregierung von Los Angeles hat im März 2019 mit sofortiger Wirkung ein Anwendungsverbot für alle ihre Behörden erlassen. Zuvor hatte bereits die Stadt Miami ein Verbot für öffentliche Anlagen in Kraft gesetzt.
Toxikologie Eine Reihe von Studien und Tierversuchen in den 1990er Jahren fand zunächst keine Hinweise auf eine karzinogene Wirkung von Glyphosat. Die Environmental Protection Agency stuft die Toxizität von Glyphosat als niedrig ein. Wenn Roundup gemäß der Gebrauchsanweisung verwendet werde, seien toxische Effekte unwahrscheinlich.Glyphosate (General Fact Sheet), National Pesticide Telecommunications Network, November 2000 Eine umfangreiche Risikobewertung im Jahre 2000 gab vor, dass „unter derzeitigen und zu erwartenden Gebrauchsbedingungen“ keine Gesundheitsrisiken durch Roundup oder einen der Inhaltsstoffe zu erwarten seien. Die Studie beeinflusste seit 2000 die regulatorische Entscheidungsfindung zu Glyphosat und Roundup maßgeblich. Gerichtliche Anhörungen offenbarten, dass Monsanto-Mitarbeiter zur Studie beitrugen ohne als Co-Autor zu erscheinen. Dies stellt die Integrität der Karzinogenitätsstudien völlig in Frage. Da der einzige noch lebende Autor, Gary M. Williams, Fragen zu Geldzahlungen von Monsanto für ihre Arbeit am Artikel nicht beantwortete, widerrief das Fachjournal am 5. Dezember 2025 die Studie.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung bewertete die Hauptaussagen (s. a. Séralini-Affäre) der am 19. September 2012 veröffentlichten Langzeitstudie “ von Gilles-Éric Séralini et al. als „unzureichend belegt“.Stellungnahme Nr. 037/2012 des BfR vom 28. September 2012 (PDF; 63 kB) Eine ebenso kritische Würdigung der Arbeit nahm im Juli 2015 IARC vor, die die Séralini-Arbeit in der Glyphosatmonographie als unzureichend für eine Auswertung einstufte („inadequate for evaluation“).IARC-Monographie zu Glyphosat, S. 35, rechte Spalte, Stand Juli 2017 Die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler verlieh hingegen zusammen mit der IALANA für die Studie Séralini 2015 den Whistleblower-Preis.Artikel auf heise.de: Whistleblower-Preis 2015: "Stich ins Wespennest" abgerufen am 5. März 2016 abgerufen am 5. März 2016