mini|300px|Regierungsgebäude in Allenstein, 1908–1911 von Richard Saran Der Regierungsbezirk Allenstein war von 1905 bis 1945 ein Regierungsbezirk der preußischen Provinz Ostpreußen. Sein Gebiet gehört heute zur polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.
Geschichte mini|Verwaltungsgliederung Ostpreußens 1905 bis 1920: mini|Verwaltungsgliederung Ostpreußens 1878 bis 1905:
Bereits 1884 gab es anscheinend Pläne zur Bildung des Regierungsbezirks, nach denen er aus den Kreisen Oletzko, Lyck, Johannisburg, Angerburg, Lötzen, Sensburg, Ortelsburg, Neidenburg, Allenstein und Osterode gebildet werden solle. Der Regierungsbezirk Allenstein wurde schließlich am 1. November 1905 als dritter ostpreußischer Regierungsbezirk eingerichtet.Verordnung, betreffend die Bildung eines Regierungsbezirkes Allenstein in der Provinz Ostpreußen. Vom 14. Oktober 1905; Bekanntmachung, betreffend den Zeitpunkt, zu dem die Regierung in Allenstein ihre Tätigkeit zu eröffnen hat. Vom 21. Oktober 1905 (Gesetz-Samml. f. d. Kgl. Preuß. Staaten, Nr. 40/1905, S. 399–400) Digitalisat Ziel dieser Maßnahme war unter anderem die kulturelle und wirtschaftliche Förderung Masurens. Er wurde aus Teilen des Regierungsbezirks Gumbinnen und des Regierungsbezirks Königsberg gebildet. Mit Masuren, dem südlichen Ermland und dem Oberland (Ermland-Masuren) umfasste der Regierungsbezirk 1905 eine Fläche von 11.711 km². Der Sitz des Regierungspräsidenten befand sich in Allenstein.
Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Friedensvertrag von Versailles musste ein Teil des Kreises Neidenburg ohne Volksabstimmung an Polen abgetreten werden: Im Gebiet um Soldau lag die strategisch bedeutsame Bahnstrecke Warszawa–Gdańsk. Nach der Volksabstimmung am 11. Juli 1920 im Abstimmungsgebiet Allenstein wurden ferner die Grenzorte Groschlen, Klein Nappern und Klein Lobenstein im Kreis Osterode abgetreten. Die Fläche des Regierungsbezirks verringerte sich durch diese Gebietsverluste auf 11.520 km².
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet des Regierungsbezirks Allenstein unter polnische Verwaltung gestellt. Die deutsche Bevölkerung wurde anschließend auf der Grundlage der sogenannten Bierut-Dekrete weitgehend vertrieben.
Entwicklung der Einwohnerzahl 1925: 540.290, darunter rund 62.500 masurischsprachige rund 29.700 polnischsprachige Einwohner.Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich. Hg. vom Statistischen Reichsamt. Berlin 1928. S. 20.Etwa 7.000 Personen gaben an, nur Masurisch und 3.000 nur Polnisch zu sprechen. Regierungsbezirk AllensteinJahr 1910 1925 1933 1939 Einwohner518.682540.287552.541568.024
Verwaltungsstruktur Stadt- und Landkreise Reg.Bez.bis 1905 Stadt-/Landkreis Einwohner Fläche Bev.dichte KommunenStädte/Flecken/Gemeinden Königsberg Stadtkreis Allenstein 50.396 53,13 km² 856,6 Einw/km² 1/0/0 Königsberg Landkreis Allenstein 57.150 1302,58 km² 43,9 Einw/km² 1/0/130 Gumbinnen Kreis Johannisburg 53.089 1684,02 km² 31,5 Einw/km² 3/2/168 Gumbinnen Kreis Lötzen 50.012 897,38 km² 55,7 Einw/km² 2/1/87 Gumbinnen Kreis Lyck 56.417 1115,08 km² 50,6 Einw/km² 1/4/154 Königsberg Kreis Neidenburg 39.730 1146,11 km² 34,7 Einw/km² 1/2/110 Königsberg Kreis Ortelsburg 73.442 1702,84 km² 43,1 Einw/km² 3/5/156 Königsberg Kreis Osterode in Ostpreußen 81.513 1536,25 km² 53,1 Einw/km² 4/1/168 Königsberg Kreis Rößel 51.832 850,84 km² 60,9 Einw/km² 4/0/81 Gumbinnen Kreis Sensburg 54.443 1231,53 km² 44,2 Einw/km² 2/2/122 Gesamt 568.024 11519,76 km² 49,3 Einw/km² 22/17/1176Heimatatlas für die Provinz Ostpreußen. Verlagsgruppe Weltbild, Augsburg 2007, ISBN 978-3-8289-0832-1.
Regierungspräsidenten 1905–1907: Wilhelm von Hegel 1907–1908: Friedrich Karl Gramsch 1908–1917: Hans von Hellmann 1918–1924: Matthias von Oppens. Abstimmungsgebiet Allenstein 1924–1932: Max von Ruperti 1933–1945: Karl Schmidt
Sprache Für den Regierungsbezirk Allenstein stellte sich die sprachliche Situation nach der Volkszählung von 1910 in den einzelnen Kreisen folgendermaßen dar:
Volkszählung 1910BevölkerungDeutschMasurischPolnischZweisprachigRegierungsbezirk Allenstein 543.469 274.320 50,48% 175.016 32,20% 73.154 13,46% 19.532 3,59%Allenstein Stadt 33.077 29.344 88,71% 99 0,30% 2.249 6,80% 1.325 4,01%Allenstein Land 57.919 22.825 39,41% 520 0,90% 32.766 56,57% 1.782 3,08%Johannisburg 51.399 16.379 31,87% 29.141 56,70% 4.203 8,18% 1.620 3,15%Lötzen 41.209 26.352 63,95% 11.412 27,69% 1.595 3,87% 1.802 4,37%Lyck 55.579 27.138 48,83% 19.407 34,92% 6.348 11,42% 2.590 4,66%Neidenburg 59.416 20.871 35,13% 25.150 42,33% 10.462 17,61% 2.645 4,45%Ortelsburg 69.935 20.218 28,91% 43.513 62,22% 3.390 4,85% 2.463 3,52%Osterode 74.666 43.508 58,27% 26.695 35,75% 2.130 2,85% 2.279 3,05%Rössel 50.472 43.189 85,57% 48 0,10% 6.512 12,90% 1,42 % 1,42%Sensburg 50.097 24.496 48,90% 19.031 37,99% 3.499 6,98% 2.310 4,61%
Literatur Klaus von der Groeben: Das Land Ostpreußen. Selbsterhaltung, Selbstgestaltung, Selbstverwaltung 1750 bis 1945. (= Quellen zur Verwaltungsgeschichte. 7). Lorenz-von-Stein-Institut, Kiel 1993, . Rüdiger Döhler: Corpsstudenten in der Verwaltung Ostpreußens. In: Einst und Jetzt. Band 54, 2009, S. 240–246. Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1912, Heft I: Regierungsbezirk Allenstein.
Weblinks
Regierungspräsidenten Allenstein Kreisgemeinschaft Allenstein e. V.
Einzelnachweise
Kategorie:Politik (Ostpreußen) Allenstein Kategorie:Olsztyn Allenstein Kategorie:Aufgelöst 1945