mini|The Rolling Stones, eine der ersten großen Rockbands
Rockmusik, kurz auch Rock, dient als Oberbegriff für Musikrichtungen, die sich seit Ende der 1960er Jahre aus der Vermischung des Rock ’n’ Roll der späten 1950er- und frühen 1960er-Jahre mit anderen Musikstilen wie z. B. Beatmusik und Blues entwickelt haben.
Geschichte Viele Genres innerhalb der Rockmusik werden mit einzelnen Jugendkulturen identifiziert. Rockstars, die zuerst von Elvis Presley, später von den Bands The Beatles, The Rolling Stones und in der Folge von immer neuen Protagonisten und Gruppen personifiziert wurden, lösten den Hollywood-Star als Identifikationsfigur ab.
Mit dem Plattencover in der Hand, gekleidet wie der Star und umgeben von den Postern mit den berühmten Posen, Show- oder Tanzdarbietungen wurde Rockkultur auf eine neue Art im Jugendzimmer präsent.
1950er Jahre mini|Die Rock-’n’-Roll-Band Bill Haley & His Comets Die Rockmusik geht auf den Rock ’n’ Roll zurück, der seinerseits aus der Verbindung von Country-Musik und Rhythm and Blues entstand. Bill Haleys Schallplatte Rock Around the Clock vom 12. April 1954 verhalf dem Rock ’n’ Roll international zum Durchbruch. Bekannteste Vertreter des Rock ’n’ Roll in den 1950er Jahren waren Elvis Presley, Jerry Lee Lewis, Little Richard und Buddy Holly. In dieser Zeit etablierte vor allem Chuck Berry die Gitarre als neues Lead-Instrument.
Die neue Musikrichtung erforderte elektrische Verstärkung; Leo Fender brachte mit der Telecaster 1950 eine massive Solidbody-E-Gitarre auf den Markt, die das Feedback verminderte, das bei Gitarren mit Vollresonanzkörper oft auftrat. 1951 setzte er mit dem ersten E-Bass (Fender-Bass) einen weiteren Maßstab. Gibson zog 1952 mit den Les-Paul- und 1961 mit den einfacheren SG-Modellen nach.
Jim Marshall sorgte ab 1962 mit seinen in England produzierten Verstärkern und Boxen für die nötige Lautstärke.
1960er Jahre mini|Die Beatband The Beatles mini|Der Rockgitarrist Jimi Hendrix
Der Rock ’n’ Roll wurde in den 1960er Jahren in England stilistisch verändert. Die Beatband The Beatles und die stark vom Blues beeinflusste Band The Rolling Stones gelten als wichtige Wegbereiter und Vorläufer der Rockmusik. Hier ging die erste Genre-Aufsplitterung vonstatten, die später charakteristisch für die Rockszene wurde: Auf der einen Seite standen die Beatles mit ihrer Beatmusik, die eher melodische Songs spielten, und auf der anderen Seite die Rolling Stones, die durch einen eher rauen Sound auffielen. Die Zeitschrift Rolling Stone bezeichnet den Titel (I Can’t Get No) Satisfaction der Rolling Stones als die eigentliche Geburtsstunde des Rock. Gemeinsam mit den Kinks lösten diese Bands in den USA die so genannte British Invasion aus.
Eine große Rolle in der Londoner Bluesszene spielten außerdem die Yardbirds, die erst Eric Clapton als Leadgitarristen verpflichteten, der dann von Jeff Beck und Jimmy Page ersetzt wurde. John Mayall and the Bluesbreakers hatten eine ähnliche Rolle. Während John Mayall von Alexis Korner, der als Ziehvater der Rolling Stones gilt und als Urzelle der britischen Bluesbewegung, zur Gründung der Band inspiriert wurde, nahm 1967 an der Leadgitarre der spätere Stones-Gitarrist Mick Taylor den Platz von Peter Green ein, als dieser Fleetwood Mac gründete. Davor hatte Clapton diesen Job gemacht, bevor er mit Cream die erste Supergroup ins Leben rief.
Durch das Auftreten von Bands wie The Who oder The Jimi Hendrix Experience begann Mitte der 1960er Jahre eine Phase der technisch anspruchsvolleren Themen in der Rockmusik Einzug zu halten. Cream etablierte in dieser Zeit unter anderem ausgedehnte Rock-Improvisationen und beeinflusste zeitweilig viele Rockbands, u. a. Led Zeppelin, Deep Purple und die Jeff Beck Group.
Mit den Konzeptalben Tommy von The Who, Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band von den Beatles, Pet Sounds von den Beach Boys und Disreali Gears von Cream überflügelte die Langspielplatte, die nun vom Coverdesign über die dramaturgische Songreihenfolge bis zum Erzählen einer komplexen Geschichte als Gesamtwerk betrachtet wurde, die Single in ihrer Bedeutung. Ein Höhepunkt dieser Entwicklung lässt sich in den Alben von Led Zeppelin erkennen, die sich weigerten, Singles auszukoppeln oder sehr unkommerzielle Stücke wie Whole Lotta Love auswählten oder ein Album veröffentlichten, auf dem weder der Bandname noch ein Albumtitel zu lesen waren. Bei Sgt. Pepper und Pet Sounds loteten die Beatles und die Beach Boys die Möglichkeiten des Studios aus und nahmen Tierstimmen und Alltagsgeräusche auf.
Parallel zur Emanzipation der Langspielplatte von der Single entwickelte sich ab Mitte der 60er-Jahre auch eine völlig neuartige Behandlung der Plattenhüllen, die es so noch in keinem Musikgenre gegeben hat. Bei Blue Note Records hatten die Grafiker Paul Bacon und Julian Alberts zwar für den Jazz schon Pionierarbeit geleistet, doch nun entstand geradezu eine eigene Kunstform, die keinerlei Beschränkungen duldete und für die sich insbesondere Klaus Voormann und Peter Blake für die Beatles, Storm Thorgerson für Pink Floyd, AC/DC und Led Zeppelin sowie Doug Johnson für Tina Turner oder Judas Priest verdient machten. In diesem Zusammenhang wurde es ebenfalls üblich, für jede Band ein eigenes Bandlogo zu entwerfen. Hier erlangte Gerard Huerta mit seiner ikonischen Marke für AC/DC Berühmtheit, er gestaltete aber auch Schriftzüge für Boston und Blue Oyster Cult.
Elementarer Bestandteil der Rockmusik der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre war die Psychedelic- und West-Coast-Szene. In San Francisco wurden Bands wie Quicksilver Messenger Service, Jefferson Airplane und Grateful Dead bekannt. In ausufernden Improvisationen auf happeningartigen Konzerten zelebrierten sie vor Zuschauern ihre Stücke in Überlänge, für deren Genuss der Konsum von Drogen eine wichtige Rolle spielte. Versprechen und Hybris dieser Ära blitzten in den zwei großen Festivals des Jahres 1969 auf. Während in Woodstock die Utopie einer neuen Gesellschaft gefeiert wurde, fiel dieser Traum nach dem Tod von Meredith Hunter während des Auftritts der Rolling Stones beim Altamont Free Concert wieder in sich zusammen.
Wie beinahe alle neuen Musikrichtungen war auch die Rockmusik in ihrer Anfangszeit stark umstritten. Das Auftreten der Protagonisten mit langem Haar und obszöner, lauter Musik galt als skandalös. Einzelne Vertreter des Establishments versuchten, die Szene in eine satanistische Ecke zu drängen. Doch gerade diese Ablehnung trug wesentlich dazu bei, der Rockszene den Status des Rebellischen und Revolutionären zu geben, den sie bis in die 1970er Jahre behielt und der seinen Höhepunkt in der Friedensbewegung gegen den Vietnamkrieg fand.
Rockmusik und Hippie-Szene sind hier fest miteinander verbunden. Eine große Rolle spielte die Folk-orientierte Rockmusik, wie sie z. B. von Bob Dylan, Crosby, Stills & Nash (& Young) und Creedence Clearwater Revival gespielt wurde und die mit dem politischen Protest Song identifiziert werden kann. Eine gute Darstellung der damaligen Verhältnisse findet sich im Musical Hair, das vom Widerstand junger Amerikaner aus dem Umfeld der Hippie-Szene gegen den Vietnamkrieg handelt.
Die Zahl der erfolgreichen Rockmusiker stieg Ende der 1960er Jahre rasant an. Dies führte zwangsläufig zu einer immer stärkeren Aufsplitterung der Szene in eine Vielzahl von Untergenres, eine Entwicklung, die dazu führte, dass bald jede Band mit einem individuellen Klangbild sofort ein eigenes Genre für sich beanspruchte. Dieser Vorgang wurde von der Musikindustrie gefördert, die aus marketingtechnischen Gründen daran Interesse hatte. Abseits der Hippie-Szene entwickelten sich aus der ebenfalls in diesem Jahrzehnt aufblühenden Experimentalmusik, wie beispielsweise den Klangexperimenten der Gruppe The Velvet Underground, bereits die ersten Punkbands, die heute meist dem Genre Protopunk zugeordnet werden.
1970er Jahre Als Weiterentwicklung der sexuellen Befreiung der späten Sechziger ist der Glamrock zu verstehen, eine Mischung aus Hardrock und Popmusik, der sich durch eine futuristische, androgyne Ästhetik ausdrückte. Besonders populär waren britische Bands wie The Sweet, Slade oder T. Rex, und auch David Bowie und Queen hatten hier ihre Wurzeln. Parallel hatte der Hard Rock, aus dem sich später Metal entwickelte, eine Hochphase. Wegbereiter hier waren vor allem Deep Purple und Led Zeppelin.
Eine weitere Hauptrichtung der frühen 1970er Jahre war ein künstlerischer Ansatz, der sich aus dem Psychedelic Rock entwickelte, aber auch Elemente aus klassischer Musik, neuer Musik, Jazz oder Folk aufgriff und sich in den Genres Artrock und Progressive Rock manifestierte. Wichtige Vertreter waren Pink Floyd, Genesis, Yes, Emerson, Lake and Palmer und Jethro Tull.
Bis in die Mitte der Siebziger etablierte und kommerzialisierte sich das Genre weiter und wurde zum „Stadionrock“, eine Entwicklung, die unter anderem von den Eagles und Led Zeppelin revolutioniert und perfektioniert wurde. Ausgedehnte Tourneen, die große Stadien quer über den ganzen Erdball füllten, endlose Armeen von Stagehands, Toningenieuren und Roadies, ausgefeilte Lightshows, enorme Mengen an Trockeneis, Lasern, Monitorboxen und Verstärkern, die mit Sattelschleppern transportiert wurden, prägten nun das Bild.mini|Die Punk-Band Sex Pistols
Als Antwort auf diese Entwicklung hin zum Bombast, aber auch als Gegenbewegung zur aufstrebenden Diskomusik und zu dem als friedfertig betrachteten Hippietum entstand im weiteren Verlauf des Jahrzehnts die rebellischere Subkultur des Punk. Vorläufer der Punkbewegung, die noch stark in der klassischen Rockmusik verwurzelt sind, lassen sich bei AC/DC und Motörhead erkennen, die eine Rückkehr und Entschlackung zum einfachen, schnell, pur und schnörkellos gespielten Rock einleiteten. Wichtige Vertreter des Punk waren die Sex Pistols, The Clash und die Ramones. Auch hier waren Elemente anderer Musikrichtungen Grundlage für ein neues Genre, den New Wave. Typisch für die Musik dieser Zeit war die Fusion aus Reggae und Punk, zu hören in der Musik von The Police, Joe Jackson, Elvis Costello oder Fischer-Z. Aber auch Vertreter der Black Music wie Michael Jackson gingen Verbindungen mit Rockmusik ein.
Die fortschreitende Digitalisierung in der Musikproduktion und ein immer stärker werdender Perfektionismus machten die Entstehung von Musikrichtungen jenseits des Rock möglich. Bereits die Avantgardisten des Krautrock wie zum Beispiel Can oder vor allem Kraftwerk hatten ihren Anteil an dieser Entwicklung, indem sie mit ihrer experimentellen Musik den Grundstein für elektronische Popmusik legten.
1980er Jahre mini|Die Hard-Rock-Band Led Zeppelin
In den 1980ern machten sogenannte Pop-Metal-Bands von sich reden, wie beispielsweise Bon Jovi, Winger und Europe. Diese Gruppen konnten in diesen Jahren große Erfolge verbuchen.
Nach dem Abebben der kreativen Hochphase des Punks entstand, teilweise auch aus Abgrenzung zu selbigem, zunächst der Post-Punk, der Gruppen wie Joy Division und The Cure hervorbrachte, und eng damit verbunden der sogenannte New Wave. Stilistisch ging es hier nach der Opulenz der 1970er oftmals in eine kühlere, reduziertere Richtung. Dunkle, monotone Gesangsstimmen kamen in Mode. Auch wurde zunehmend mit synthetischen Klangerzeugern gearbeitet, was einen Grundstein für die Entwicklung des Synthpop und der gesamten elektronischen Tanzmusik legte.
mini|Die Alternative-Rock-Band R.E.M.