mini|245px|Hogenbergplan von 1598.Erkennbar der Wallgraben mit den fünf Stadttoren; von links: Stephani-, Dove-, Ansgarii-, Herden- und Ostertor;rechts führt der Altenwall zu Weser. mini|245px|Murtfeldtplan von 1796Zick-Zack der Befestigung Die Straße Am Wall ist eine historische Wohn- und Geschäftshausstraße in Bremen.

Sie ist einseitig bebaut und führt vornehmlich in West-Ost-Richtung um die Altstadt an dem Park der Bremer Wallanlagen entlang, aus dem sich auch der Name der Straße ergibt. Zum Wallring gehört im Osten auch die Straße Altenwall.

Die Querstraßen wurden benannt als Daniel-von-Büren-Straße nach dem Ratsherrn und Bürgermeister von 1486 bis 1541, Doventorstraße nach dem tauben (dove) Tor, das damals keinen direkten Anschluss an die Hauptwege hatte, Bürgermeister-Smidt-Straße nach Senator und Bürgermeister Johann Smidt, das Herdentor nach dem Tor, durch welches die Viehherden getrieben wurden, Sögestraße (Soghestrate), durch welche die Söge=Sauen getrieben wurden, Ostertorstraße als östliches Tor und Ostertorsteinweg sowie vom Altenwall die Tiefer (Tivera= Fährplatz) und der Osterdeich am östlichen Deich sowie seit um 2006 die Eduard-Schopf-Allee nach dem Kaufmann Eduard Schopf, die die Altstadt mit der Überseestadt verbindet.

Geschichte Von der Stadtmauer zum Wall Die Bremer Altstadt mit ihrem birnenförmigen Umriss war auf der Landseite im Mittelalter von der Bremer Stadtmauer umschlossen, die im 17. Jahrhundert zur Befestigungsanlage umgebaut wurde. Im 18. Jahrhundert war der militärische Wert der Befestigungsanlagen um die Altstadt sehr gering geworden. 1802 wurde beschlossen die Brustwehren abzubauen und die Wälle zu einem Englischen Landschaftsgarten umzugestalten. Die Arbeiten wurden um 1811 fertiggestellt. Zwischen Wallanlage und Altstadt entstand die Straße Am Wall und die kurze Straße Altenwall.

Die von der Straße Am Wall tangierenden Straßen verweisen noch auf die zumeist seit 1804 nicht mehr vorhandenen Stadttore Stephanitor von 1284, Doventor von 1367, Abbentor von 1324, Herdentor von 1229, Bischofstor von 1274 mit der Bischofsnadel als „Acus episcopi“ (ein enger Durchgang) und dem Ostertor von 1238.Karolin Bubke: Die Bremer Stadtmauer. Staatsarchiv Bremen, Bremen 2007, ISBN 978-3-925729-48-5.

Erste Bauordnung mini|Das Erste Stadttheater 1822 Am Wall beim Ostertor mini|Am Wall im Bereich Bischofsnadel-Bastion im 19. Jh. Eine Bauordnung vom 24. Juni 1804 besagte: „Baureglement für die Wälle der Altstadt. Ein Hochedler Hochweiser Rath hält es anietzt, wo die Neigung, sich in solcher Gegend anzubauen, immer mehr zuzunehmen scheint, den Zeitumständen angemessen, folgendes über diesen Gegenstand festzusetzen: 1. Niemand ist berechtigt, auf dem Wallgrund der Altstadt ein neues Gebäude zu errichten ohne vorgängige Genehmigung der Herren Wallherren. 2. Als Baulinie für die auf den Altstadtwällen aufzuführenden Häusern wird für die Zukunft diejenige Linie angenommen, welche die unmittelbar am Fahrwege stehenden Häuser, Planken und Gartenbefriedigungen bilden. 3. Jedes künftige am Walle anzuführende Privatgebäude muß bis an besagte Baulinie vortreten. 4. In jedem Gebäude auf dem Walle dürfen a) die Eingangstreppen nicht außerhalb der Mauer des Hauses über die Baulinie hinausgelegt werden, b) die Haus- und Gartentüren wie auch die Fenster nach dem Walle nicht über die Baulinie hinausschlagen, c) keine über solche Linie aufschlagenden Fensterladen oder Klappen, d) keine mehr als sechs Zoll über die Baulinie vorspringende Verzierungen, e) keine Pfähle vor das Haus über die Baulinie hinausgesetzt, g) Abtritte nicht nach der Wallseite angelegt und h) das Regen- und Spülwasser von und aus jedem Gebäude nicht auf den Wall abgeleitet oder daselbst ausgegossen, sondern hinter den Wall abgeführt werden.“Rudolf Stein: Das Bürgerhaus in Bremen. Wasmuth-Verlag, Tübingen 1970, S. 111.

Auf der Altstadtseite entstand nun an Stelle der Stadtmauer eine lange Reihe von 234 teils sehr ansehnlichen Bürgerhäusern; unterschiedlich zwar, aber geprägt durch den Stil der Zeit mit einer vornehmen Harmonie. Die zunächst nach den Wallbereichen unterschiedliche Hausnummerierung wurde 1864 vereinheitlicht, beginnend vom Stephaniviertel gab es 206 Hausnummern. Die Hausnummern von 207 bis 212 wurden später an Gebäude in den Wallanlagen auf der gegenüber liegenden Straßenseite vergeben.

Die früheren Häuser am Wall waren um die 10 bis 14 Meter breit. Sie hatten zumeist ein Walmdach. Die geputzten Fassaden entsprachen dem Still des Klassizismus, waren teils spätklassizistisch und teils im Stil des Historismus gestaltet.

Die Häuser und Anlagen An der Straße stehen zumeist drei- bis fünfgeschossige Gebäude. Die mit (D) gekennzeichneten Häuser stehen unter Denkmalschutz, siehe auch Liste der Kulturdenkmäler in Bremen-Mitte.

Am Wall, Nr. 1 bis 44 Diese Häuser standen westlich vom DoventorAm Wall im Adressbuch 1940 in einem Bereich, der nach 1945 nicht wieder aufgebaut wurde. Die Straße Am Wall gibt es hier nicht mehr.

Am Wall 34A war um 1822/23 der Wohnsitz von Johann Daniel Noltenius (1799–1852), Advokat, Bremer Senator (1809–1839) und Bremer Bürgermeister (1839–1852).

Am Wall, Nr. 45 bis 99 Vor Nr. 45 und der Doventorstraße stand das um 1307 bzw. 1367 errichtete Doventor, das entstand, als das Stephaniviertel in die Befestigungsanlagen einbezogen wurde. Der Giebelabriss erfolgte 1547. Danach zierte eine Windmühle den Torturm. Das Tor wurde 1802/04 abgebrochen und es erfolgte der Bau zweier Wachhäuser für Wache und Akzise-Meister, die beide 1944 zerstört wurden. Am Wall 45 bis 94 wurden in den 1960er Jahren sehr beliebige, bedeutungslose drei- bis viergeschossige Wohn- und Geschäftshäuser gebaut. Am Wall 64E war um 1841 der Wohnsitz von Carl Friedrich Gottfried Mohr (1803–1888), Advokat, Bremer Senator (1839–1883) und Bremer Bürgermeister (1857–1861, 1864–1867, 1870–1873). Am Wall 73 war bis in den 1960er Jahren Sitz der Bremer Toto und Lotto Zentrale, die Tresorräume sind bis heute erhalten. Die Räumlichkeiten wurden bis 2008 vom Tabakgroßhändler Heinz Giesecke genutzt, anschließend von dem Spirituosen-Versandhandel Conalco. Am Wall 74A war von 1849 bis 1875 Sitz der Kunsthandlung August Wilhelm Wedekind. Am Wall 83A war der Wohnsitz von August Ferdinand Arnold Iken (1793–1853), Jurist, Bremer Syndicus (1828–1849) und Richter. Am Wall 94 war der Wohnsitz von Arnold Gerhard Deneken (1759–1836), Advokat und Bremer Senator (1785–1836). Zwischen Nr. 94 und Nr. 95 stand das 1324 errichtete Abbentor („portam Abonis“). Die Turmbauten wurden 1547 abgerissen. Am Wall 96: 4- und 7-geschossiges Wohn- und Geschäftshaus, Eckgebäude von 2021 mit 85 Appartements und Durchgang zum tieferen Schwanengatt nach Plänen von Westpfahl Architekten (Bremen); das vorhandene zweigeschossige Gebäude wurde ersetzt.Tag der Architektur 2022, Objekt 13. Am Wall 98 war der Wohnsitz von Johann Georg Iken (1786–1850), Jurist, Bremer Senator (1824–1849) und Richter. Am Wall 96–98 steht das Kurt-Gross-Haus aus den 1950er Jahren (heute AXA-Versicherung, die auch Am Wall 99/100 residiert).

Am Wall, Nr. 100 bis 149 Am Wall 103 (bis 111) wurde 1958 nach Plänen von Martin Zill und Eberhard Kaiser das fünf- und siebengeschossige Bürohaus der AOK errichtet.

Am Wall 104/106 war ab 1817 der Wohnsitz von Johann Eberhard Pavenstedt (1777–1860), Advokat und Bremer Senator (1816–1849). Zwischen Nr. 110 und 111 stand das 1299 errichtete Ansgariitor („portam sancti Anscharii“). Der Torabriss erfolgte um 1802/04 und der Turmabriss 1831. Heute führt hier die belebte Bürgermeister-Smidt-Straße Straßenbahn und Autoverkehr durch. Am Wall 111 stand ab 1822 bis 1879 nach Plänen von Stadtbaumeister Johann Georg Poppe klassizistischer ein dreigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus mit fünf Fensterachsen und mit Walmdach für den Weinhändler Liborius Schütte. mini|140px|Am Wall 113, 1944 zerstört Am Wall 113 wurde 1823 nach Plänen von Jacob Ephraim Polzin ein dreigeschossiges Wohnhaus mit drei Fensterachsen für den Kaufmann Konsul Stephan Lürmann gebaut, mit einem eindrucksvollen Portaleingang. Hier wohnte sein Enkel Stephan von Gröning. 1944 wurde das Haus zerstört. Hier steht nun ein sechsgeschossiges Bürohaus der swb AG aus den 1960er Jahren. Am Wall 116/119 Merkur-Haus Am Wall 121–125 steht aus den 1980er Jahren ein sehr manieriertes Geschäftshaus der Basler-Versicherung mit einer Passage zur Ansgaritorwallstraße. Hier standen früher in den Wallanlagen das Gießhaus und das Reiterhaus (siehe Bremer Wallanlagen) Am Wall 128–134 steht seit 1956 das von Friedrich Kraemer und Ernst Sieverts (Braunschweig) entworfene fünf- bis sechsgeschossige Versicherungshaus Am Wall 128/134 für die Vereinigte Leben. Das moderne Gebäude aus Beton und Glas und mit seinen freistehenden Tragwerkspfeilern ist ein Kontrast zu seinen flächigen Nachbarhäusern. Hier führt eine Treppe zur Ansgaritorswallstraße und zur Knochenhauerstraße. Es residiert heute die DAK und die Signal-Iduna-Versicherung. mini|140px|Glasdachpassage

Am Wall 135 residiert seit den 1960er Jahren der CDU-Landesverband Bremen. Glasdach: Im zentralen Bereich der Straße, beidseitig vom Herdentor, wurde in Bauabschnitten vor und nach 2000 eine gläserne Überdachung des Bürgersteiges errichtet. Sie beginnt bei Am Wall 135 und endet bei Am Wall 198. Am Wall 137–139 steht seit 2003 ein modernes Geschäftshaus mit der Kleinen Wallpassage zur Herdentorwallstraße; Architekturbüro Gert Schulze. Am Wall 140 beherbergt die Herold-Versicherung. Hier führt die kleine Herold-Passage zur Knochenhauerstraße. Zwischen Nr. 144 und Nr. 142 stand das 1229 errichtete Herdentor („portam gregum“), als Weg der Viehherden von der Sögestraße zur Bürgerweide. Der Turmabriss erfolgte 1802/04 und 1826.

mini|140px|Allianz-Haus Am Wall 144/146 und Sögestraße 59/61 ist das Allianz-Haus Bremen an der westlichen Ecke am Herdentor. Nach einer ersten Bebauung im 18. Jahrhundert folgte 1880 ein dreigeschossiger Neubau nach den Plänen von Heinrich Müller im Stil der historisierenden Gründerzeit. Hier residierte die Freimaurerloge Friedrich Wilhelm, die von den Nationalsozialisten um 1933 aufgelöst wurde. Von 1906 bis 1944 war hier auch das Büro der Architektengemeinschaft Carl Eeg und Eduard Runge. Das Haus wurde um 1944 kriegszerstört. Es folgte von 1950 bis 1951 nach Plänen von Heinz Logemann ein sechsgeschossiger Neubau im Stil der sachlichen Nachkriegsarchitektur. Die Decke der Arkaden zur Westseite ziert eine Fresko mit Kranichen von Felix Uhlig. Heute hat hier die Allianz Versicherung immer noch ihre Filialdirektion Bremen und die swb AG (Stadtwerke Bremen) das Kundencenter. Im Erdgeschoss befindet sich das energiecafé.

mini|140px|Am Wall 148: Geschäftshaus Walter Am Wall 148 befindet sich seit 1915 das viergeschossige Wohn- und Geschäftshaus Walter (D) vom Baumeister Joseph Ostwald, auf einem schmalen, tiefen Grundstück zwischen der Straße Am Wall und der tiefer gelegenen Herdentorswallstraße 26. Die Fassade, mit ihren vier bzw. fünf sichtbaren Stützen, ist, typisch für die Zeit, vertikal gestaltet.

Am Wall, Nr. 150 bis 199 mini|140px|Am Wall 175–177 mini|140px|Am Wall 201: Polizeihaus

Am Wall 151/152 befand sich von 1820 bis 1944 das auch von Polzin gestaltete dreigeschossige Wohn- und Geschäftshaus für den Kaufmann Carl Gotthelf Porthusen mit fünf Fensterachsen, mit dem übliche Walmdach, einem betonten Sockel und mittleren Eingang in einer halbrunden Nische. Heute befindet sich hier das Textilhaus Hespen am Wall. Am Wall 155–156 war von 1877 bis 1925 Sitz der Firma W.A. Fritze und W. Fritze. Das heutige Gebäude wurde nach Plänen von Friedrich Schumacher 1950/51 als Securitas-Haus für die Securitas Versicherung errichtet.