mini|Diwan des Hafis, Miniaturmalerei, Persien, 1585 Die Geschichte der persischen Literatur, genannt auch iranische Literatur, lässt sich bis in das Altertum zurückverfolgen. Erste Beispiele einer persischen bzw. iranischen Dichtung, die bereits das Schema einer zur Tradition gewordenen Rhetorik aufweisen, befinden sich in den Gathas (Gesängen), den ältesten Teilen des Avesta, der Schrift der zoroastrischen Religion (siehe auch Zarathustra). Als Persische Dichtung wird hingegen die Gesamtheit der klassischen Dichtungskultur im Iranischen Hochland bezeichnet, die in der persischen Schriftsprache angefertigt wurde. Sie entstand hauptsächlich auf dem Gebiet der heutigen Staaten Iran, Afghanistan, Tadschikistan und Usbekistan. Zudem war die persische Sprache über eine sehr lange Zeitspanne hinweg die Kultur- und Amtssprache im Irak, in Pakistan und in Nordindien. Auch hier lebten einige der bekanntesten Dichter der persischen Sprache.

Im persischen Kultur- und Sprachgebiet wird die Dichtkunst hoch geschätzt, so dass der persische Kulturkreis eine ganze Anzahl berühmter und erfolgreicher Dichter hervorgebracht hat. Persische Dichter haben so auch über Jahrhunderte hinweg andere Kulturen und Sprachen beeinflusst, unter anderem den deutschen Dichter Goethe, dessen West-östlicher Divan auf der klassischen persischen Poesie basiert.

Dichter Berühmte Dichter des persischen Stils – Klassische Periode Rudaki (858–941), der erste Dichter und Vater der neupersischen Sprache. Geboren in einem Gebirgsdorf östlich von Samarqand, im heutigen Tadschikistan, war Rudaki der offizielle Dichter des samanidischen Emirs Nasr II. (914–943), der ihn, wie es heißt, mit Ehrungen überhäufte. Er verfasste eine berühmte Fabelsammlung indischen Ursprungs in Versform unter dem Namen Kalila und Dimna, die im Orient große Beliebtheit genoss und im 17. Jahrhundert als Hauptquelle für die Fabeln von La Fontaine diente. Von dem ihm zugesprochenen umfangreichen Werk blieb nur ein Teil erhalten. Er hinterließ Panegyriken, Trauerelegien, Liebeslyrik, bacchische Dichtung sowie erzählende und moralische Dichtung. Gegen Ende seines Lebens wurde er wohl wegen seiner religiösen Überzeugungen geblendet. Bu Schakor Balchi, Verfasser des Āfarīn-Nāme () (Lobesbrief), entstanden zwischen 954 und 958 n. Chr. Rābi’a bint Ka’b oder Zain al-'Arab, die erste Frau der persischen Dichtung. Daqīqī (930/40 – vor 980), war einer der begabtesten Dichter des 10. Jahrhunderts. Er wirkte als Panegyriker der Lokalfürsten Tschaghaniens (Transoxanien), südöstlich von Samarqand, außerdem bei dem samanidischen Emir Mansur I. (961–976) und dessen Sohn Nuh II. (976–997) – und kann als Meister dieses Genres betrachtet werden. Berühmtheit erlangte er jedoch als Vorgänger Ferdousis. Vor seinem frühzeitigen Tod – er wurde gemäß Ferdousi von einem seiner Sklaven ermordet – hatte er bereits das umfangreiche Prosamaterial des traditionellen Nationalepos in Verse gebracht, was zuvor von vier Gelehrten aus Tūs (Chorāsān) (in der Nähe des heutigen Maschhad) zusammengestellt worden war (961). Einige Tausend dieser Distichen wurden von Ferdousi in seinem Schāhnāme () übernommen. Obwohl häufig vermutet wurde, dass Daqīqī zoroastrischen Glaubens war, lassen Passagen hieraus (s. Safā, 1964) jedoch eher vermuten, dass es sich hier um die Sympathiebekundungen eines großen Literaturliebhabers sehr gemäßigten islamischen Glaubens handelte. Abū l-Qasem-e Ferdousī (* um 940–1020), geboren in dem Dorf Bāž (Tabaran, dem Gebiet von Tūs als Sohn einer Landadelsfamilie (Dehqan)), ist der Verfasser des persischen Nationalepos, des () Schāhnāme (Das persische Königsbuch). In mehr als 50.000 Distichen berichtet er von der Pracht des persischen Reichs vor der Invasion der Araber im 7. Jahrhundert. mini|Schāhnāme von Ferdousi Dieses Epos, das zu den besten seinesgleichen zählt, diente als Vorlage für weitere Epen persischer Sprache und wurde zunächst ins Arabische und Türkische, später in viele weitere Sprachen (meist in Ausschnitten) übersetzt. Schon seit Anbeginn seiner Jugend versifizierte Ferdousi einige hervorstechende Episoden der persischen Geschichte, doch erst gegen 980, als er von der Ermordung Daqīqīs erfuhr, nahm er das von ihm angefangene Projekt wieder auf. Gegen 994 hatte er bereits die von Abu Mansur 957 erstellte Fassung versifiziert, die als Quelle der arabischen Prosaübersetzung al-Bundārīs (13. Jahrhundert) diente. Danach nutzte er weitere Quellen zur Vervollständigung seines Werkes: unter anderem die Memoiren Zarirs sowie die Heldentaten Rostams und Alexanders des Großen. Gegen 1010 hatte er sein Werk abgeschlossen, das er sodann Mahmud von Ghazni widmete. Nachdem er sich jedoch mit diesem überworfen hatte, verließ Ferdousi Ghazni und ließ sich an verschiedenen Orten, unter anderem Herāt, Tus, Tabaristan und Chorāsān nieder. Die Größe Ferdousis liegt in der Gewissenhaftigkeit bei der Verwendung seiner Quellen, seiner Geschicklichkeit in der Naturdarstellung und der Darstellung der kriegerischen und heroischen Episoden sowie dem Einflechten moralischer Ermahnungen in diese Beschreibungen. Seine Klarheit und Einfachheit des Stils sowie des Vokabulars machten ihn zum Vorbild weiterer Dichter. Es bestehen zwei bedeutende Einführungen zum Schahname: eine des Timuridenfürsten Bai Songhor (15. Jahrhundert) sowie eine weitere, ältere, die zum Teil jene Abu Mansur al-Mommaris wiedergibt, die er 957 auf Bitten Abu Mansur Mohammad ebn Abd or-Razzaqs für eine Prosafassung erstellt hatte. Baba Taher (ca. 944–1019), einer der ersten bedeutenden Dichter des Sufismus, dessen Gedichte, instrumentell begleitet, häufig als Grundlage der klassischen persischen Musik dienen. Farruchi Sistani († 1037), allgemein hochgeschätzter Verfasser von Ghazalen und Panegyriken (Lobreden), Hofdichter der Ghaznawiden. Unsuri (988?–1040), Dichter der Ghaznawiden. Er verfasste zarte, anspruchsvolle und in der Wahl der Themen originelle Ghazale und Qassiden (Qasidas) (Oden und Panegyriken), die als Vorbild für viele seiner Nachfolger dienten. Er versifizierte außerdem einige alte Legenden, wie zum Beispiel Wameq und Asra und Rostam und Sohrāb (siehe auch Ferdousi (Der Tod des Sohrāb)). Manutschihri († 1040) Dichter am Hofe der Ziyariden und Ghaznawiden mit starkem Einfluss der arabischen Literatur, den er gekonnt beim Verfassen seiner Gedichte einbrachte. Er erweiterte die Facetten der bacchischen Gedichte. Gorgani († 1054), Dichter am Hofe der Seldschuken, war er der Verfasser eines der besten Epen in persischer Sprache, Wis und Rāmin, das als Vorbild für weitere Epen, wie beispielsweise Chosrau und Schirin von Nezami, diente und eine Verbindung zwischen dem vorislamischen und islamischen Iran herstellte. Asadi Tusi († 1072), geb. in Tus (bei Maschhad), fälschlicherweise als Meister Ferdousis bezeichnet, Autor von Debatten (Monāzer), des Buches Garschāsp (Garschāspnāme), dem besten Epos nach dem Schāhnāme Ferdousis – außerdem Verfasser von Panegyriken (Lobreden) und Verfasser eines der ältesten Wörterbücher in persischer Sprache, in dem er seltene Wörter und Wörter aus der persischen Dichtung sammelte (Loghat-e Fārs). Zunächst lebte er in Chorāsān (am Hofe der Ghaznawiden), später in Aserbaidschan bei den Fürsten der dortigen Region. In seinem Hauptwerk, dem Garchaspnāme, erzählt er von den fabulösen Errungenschaften Garchasps, des Ahnherrn Rostams. Nach einer Aufzählung der Ahnenfolge berichtet er detailliert von Garchasps Reisen und Aufenthalten in verschiedenen Ländern, seinen Kämpfen dort, seiner Unterredung mit Brahman sowie mit anderen Weisen – außerdem von den Sitten und Bräuchen der fremden Völker, die er aufgesucht hatte, in Verbindung mit Ermahnungen und Ratschlägen an den Leser. Seine Stärke liegt vor allem in den Beschreibungen, den Wortzusammenstellungen, seinem Satzbau und der Wahl ausdrucksstarker und subtiler Bilder. Fälschlicherweise wurde von einigen Orientalisten lange zwischen einem sogenannten Sohn und Vater unterschieden, was allerdings von Safā in seiner Geschichte der Literatur in Iran, II, S. 404ff widerlegt wurde. (Edition Garchaspnameh: Yaghmai (Teheran 1918), Übersetzung und Edition des 1. Drittels: Clément Huart (1926), der beiden weiteren Drittel von Henry Massé (1950)) Nāsir-i Chusrau (1003–1075), geboren in Gobadian (in der Region Balch). Nachdem er sich weitreichend gebildet hatte, machte er sich 1045 auf eine Pilgerfahrt zu den heiligen Städten des Islam. Danach hielt er sich für einige Zeit in Ägypten auf, wo er sich der Doktrin der Ismailiten anschloss, und wurde daraufhin vom Fatimidenkalifen nach Chorāsān delegiert. Beunruhigt durch die Orthodoxen der Region, zog er sich in den Kanton Badachschān zurück, wo er sich in Yomgan zur Ruhe setzte und die spirituelle Führung der Ismailiten übernahm. Gleichzeitig verfasste er seine theologischen und philosophischen Abhandlungen und erstellte außerdem eine umfangreiche Sammlung von Gedichten, was ihn zu einem der kraftvollsten Denker Irans machte. Seine Gedichte, geprägt durch den Einfluss seiner theologischen Bildung, sind voll von Sentenzen und Ermahnungen, die er, geprägt durch sein wissenschaftliches Denken, logisch anbringt. Gleichzeitig ist seine Dichtung voller verzierter und subtiler Erfindungen und seine poetische Sprache erinnert an jene der letzten Dichter aus der Zeit der Samaniden. In der Prosa war er einer der ersten, die philosophische oder wissenschaftliche Fragen in einer Sprache verfasste, die klar im Stil und bestimmt im Ton war. Sein Reisebericht Safarnāme, den er ebenfalls in Prosa verfasste, ist ebenfalls ein Modell des einfachen und genauen Stils, so wie () Roschnainame. ʿAbdallāh al-Ansārī (1006–1089), „Pir von Herāt“ (der Weise (Alte) von Herāt), bedeutender Sufidichter und Verfasser des Monādschātnāme (), des Buches der Psalmen. Irān Schāh (ca. † 1117), Zeitgenosse des Seldschukensultans Malik-Schah II., schrieb gegen 1106 ein Epos, in dem er von den „hohen Taten“ des Helden Bahman, des Sohns Esfandiārs, berichtet – eines der Hauptelemente des iranischen Nationalepos. (unter anderem Barzin und der Drache, der Kampf zw. Barzin und Bahman, Selbsterkenntnis) (siehe auch: Safā, Hamāse Sarā’i dar Irān (Geschichte des Heldenepos in Iran), 1945) Omar Chayyām (1048–1131 oder 1132), (Dichter, Philosoph, Mathematiker und Astronom), Schüler des Arztes, Wissenschaftlers und LyrikersHermann Ethé: Avicenna als persischer Lyriker. In: Nachrichten von der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften und der Georg-Augusts-Universität. Göttingen 1875, S. 555–567. Avicenna, wirkte am Hofe des Seldschukenherrschers Malik Schah I. (1072–1092). Er tat sich zu Lebzeiten in erster Linie als Mathematiker, Philosoph und Astronom hervor und wirkte maßgebend an der Reform des iranischen Kalenders mit. In diesem Zusammenhang verfasste er auch das Nouruznāme (), eine Abhandlung über die Neujahrsbräuche im alten Iran. Nach seinem Tod wurde Chayyām vor allem für seine Rubā‘iyāt („Vierzeiler“) bekannt, die relativ kritisch gehalten waren. Beispiel eines Vierzeilers in der Übersetzung von Max Barth: Sag, wer ist sündenlos auf Erden hier?/ Wer könnte leben, ohne je zu fehlen?/ Tust du für üble Tat einst Übles mir, wo ist der Unterschied dann zwischen mir und dir? Moezzi (1124–1127) war ein Laureatendichter des Seldschukenherrschers Malik Schah I. (1072–1092). Er verbrachte seine Jugend in Herāt und Isfahan. Er schrieb hervorragende Ghazale und trug zur Erneuerung der Qasiden bei, die bis dahin stark durch ihren arabischen Ursprung geprägt waren.