Łasin [] ( Lessen) ist eine Stadt im Powiat Grudziądzki der Woiwodschaft Kujawien-Pommern in Polen. Sie ist Sitz der gleichnamigen Stadt-und-Land-Gemeinde mit etwa 8100 Einwohnern.
Geographische Lage Die Stadt liegt im ehemaligen Westpreußen, südlich der Danziger Bucht, etwa 25 Kilometer (Luftlinie) südöstlich von Kwidzyn (Marienwerder) und 22 Kilometer ostnordöstlich von Grudziądz (Graudenz).
Geschichte miniatur|Rathaus Die ersten menschlichen Spuren auf dem Stadtgebiet stammen aus der Jungsteinzeit, aus den Jahren 2500–1700 v. Chr. In den Jahren 1298–1461 gehörte die Stadt dem Deutschritterorden. Der Deutschritterordensmeister Meinhard von Querfurt verlieh der Siedlung 1298 das Lokationsprivileg, wodurch die Stadt auf der Grundlage des Magdeburger Rechtes gegründet wurde.
Zwischen 1466 und 1772 gehörte die Stadt zum unter polnischer Schirmherrschaft stehenden autonomen Königlichen Preußen. Im Rahmen der Ersten Teilung Polen-Litauens 1772 kam Lessen an das Königreich Preußen.
Vermutlich nach 1800 erfolgte der Zuzug von jüdischen Familien. Begräbnisse jüdischer Personen fanden seit 1817 auf einem Areal neben dem kommunalen Friedhof statt. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es im Ort eine Synagoge.
Bis 1919 gehörte Lessen zum Landkreis Graudenz im Regierungsbezirk Marienwerder der Provinz Westpreußen des Deutschen Reichs. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde Lessen 1920 aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags zur Einrichtung des Polnischen Korridors an Polen abgetreten.
Durch den Überfall auf Polen 1939 kam Łasin mit dem Kreis Graudenz völkerrechtswidrig zum Deutschen Reich und wurde dem Reichsgau Danzig-Westpreußen zugeordnet, zu dem es bis 1945 gehörte.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1921 Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen 1682 472 in 77 Häusern, davon ein Haus mit Ziegeldach und 76 Holzhäuser mit StrohdachXaver Frölich: Geschichte des Graudenzer Kreises. Band 1, Graudenz 1868, S. 193, Ziffer V. 1802 829 1816 1089 davon 63 Evangelische, 920 Katholiken, 106 JudenAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 320-327, Ziffer 380.E. Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder. Danzig 1868, S. 19, Nr. 25. 1821 1183 in 175 Privatwohnhäusern 1831 1285 größerenteils PolenAugust Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 339, Ziffer 53. 1852 1977 Kraatz: Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats'. Berlin 1856, S. 347. 1864 2187 davon 492 Evangelische und 1352 Katholiken;E. Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder. Danzig 1868, Ortschafts-Verzeichniß des Regierungsbezirks Marienwerder, S. 22–23, Nr. 96. in 239 PrivatwohnhäusernXaver Frölich: Geschichte des Graudenzer Kreises. Band 1, Graudenz 1868, S. 196. 1871 2385 darunter 550 Evangelische, 1450 Katholiken (1390 Polen) Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 53–54, Ziffer 8. 1875 2342 1880 2286 1890 2190 davon 540 Evangelische, 1414 Katholiken und 230 Juden 1900 2589 meist KatholikenMeyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 12, Leipzig/Wien 1908, S. 444. 1910 2717 am 1. Dezember
Gemeinde Zur Stadt-und-Land-Gemeinde (gmina miejsko-wiejska) Łasin gehören die Stadt und 19 Dörfer mit Schulzenämtern und weitere kleinere Ortschaften.
Sehenswürdigkeiten Katherinenkirche Wasserturm von 1893 Magistratsgebäude von 1900
Verkehr Łasin liegt an der Landesstraße DK16 und der Woiwodschaftsstraße DW538.
Der nördlich der Stadt gelegene Bahnhof Łasin war bis 1979 der Endbahnhof der Bahnstrecke Gardeja–Łasin. Einige Jahre später wurde der vormalige Bahnhof Szonowo Szlacheckie an der heute ebenso stillgelegten Bahnstrecke Jabłonowo Pomorskie–Prabuty zu Łasin Pomorski umbenannt. Dieser Bahnhof lag einige Kilometer östlich der Stadt.
Persönlichkeiten Christine Poniatovska (1610–1644), polnische Schriftstellerin und Seherin Ludwig Lessen (Louis Salomon) (1873–1943), deutscher Journalist und Schriftsteller Heiner Stadler (1942–2018), deutsch-amerikanischer Komponist und Musikproduzent. Frieda Fischer (1886–1966), deutsche Malerin
Literatur Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil II: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 36, Nr. 6.). August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 439–440, Nr. 53. Xaver Frölich: Geschichte des Graudenzer Kreises. Band 1, Graudenz 1868, S. 184–197.
Weblinks
Einzelnachweise
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