Avatar – Aufbruch nach Pandora (Originaltitel: Avatar, auch bekannt als James Cameron’s Avatar) ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film des Regisseurs James Cameron, der weltweit am 17. und 18. Dezember 2009 startete. Der Film vermischt real gedrehte und computeranimierte Szenen. Große Teile des Films wurden in einem virtuellen Studio und mit neu entwickelten digitalen 3D-Kameras gedreht. Die Filmreihe wurde im Dezember 2022 mit Avatar: The Way of Water sowie im Dezember 2025 mit Avatar: Fire and Ash fortgesetzt.

Avatar spielte weltweit über 2,92 Milliarden US-Dollar ein und war damit bis Juli 2019 der erfolgreichste Film weltweit nach Einspielergebnis. Seit März 2021 ist Avatar nach einer Wiederveröffentlichung in China wieder der Film mit dem weltweit höchsten Einspielergebnis.

Auch der DVD- und Blu-ray-Verkauf des Films ist sehr erfolgreich; er brach innerhalb weniger Tage nach Veröffentlichung den Rekord als meistverkauftes DVD-Video in Nordamerika mit 2,7 Millionen Verkäufen, als Blu-ray-Version innerhalb von vier Tagen. Vom Verkaufsstart bis Ende April 2010 wurden mehr als 6,7 Millionen DVDs und Blu-ray-Discs verkauft., Zeit online vom 26. April 2010

mini|Büste von Neytiri.

Handlung Im Jahr 2154 sind die Rohstoffe der Erde erschöpft und die Lebensbedingungen für die wachsende menschliche Bevölkerung werden zunehmend schlechter. Der Konzern Resources Development Administration baut auf dem erdähnlichen, fernen Mond Pandora im Alpha-Centauri-System den begehrten Rohstoff Unobtainium ab und gerät dabei nach anfänglich weitgehend friedlicher Koexistenz in Konflikt mit einer humanoiden Spezies namens Na’vi, die sich gegen die Übernahme ihrer Welt verteidigt. Pandora ist von erdähnlichen Lebensformen besiedelt (grüne Pflanzen und an irdische Säugetiere erinnernde Tiere), hat aber eine Atmosphäre, die für die Atmung der Menschen nicht geeignet ist, sodass sie Atemmasken tragen müssen.

Der frühere US-Marine Jake Sully, der seit einem Kampfeinsatz von der Hüfte abwärts gelähmt ist, wird nach Pandora geschickt, um seinen verstorbenen Zwillingsbruder bei einer diplomatischen und wissenschaftlichen Mission zu ersetzen: Mithilfe eines für seinen Bruder künstlich hergestellten Na’vi-Körpers, eines sogenannten Avatars, der sich durch technische Bewusstseinsübertragung steuern lässt, soll er Kontakt zu den Ureinwohnern herstellen und sie davon überzeugen, ihre Heimat und den Widerstand gegen den Abbau des Rohstoffs aufzugeben und dabei das Ökosystem Pandoras erforschen.

Während das zuständige Team um Anthropologin Dr. Grace Augustine vor allem wissenschaftliche Ziele verfolgt und auf Vermittlung aus ist, will der militärische Leiter der Basis, Colonel Miles Quaritch, dass Sully ihm Informationen bezüglich der Verteidigungsstrategien und Schwachstellen der Na’vi zuspielt. Quaritch verspricht ihm, dass für seinen verdeckten Einsatz die Kosten einer Wiederherstellungsoperation seiner Wirbelsäule übernommen werden, und Sully sagt zu.

Bei einer Expedition in seinem Avatar wird Sully von der Gruppe getrennt und ist im dichten Dschungel Pandoras auf sich allein gestellt. Dort wird er von pantherähnlichen Raubtieren angegriffen, jedoch von der Na’vi Neytiri zuerst verschont und dann gerettet, weil sie bei ihm ein Zeichen der Na'vi-Gottheit Eywa erkennt. Sie führt ihn zu ihrem Stamm, den Omatikaya. Nach anfänglichen Bedenken beschließen die Anführer des Clans, Sully mit ihrer Lebensweise und Kultur vertraut zu machen, auch um ihn und die Menschen besser kennenzulernen. Jake lernt dabei, dass alle tierischen Lebensformen Pandoras über eine Art biologische Schnittstelle, eine schlauchförmige Nervenendung am Kopf, miteinander in Kontakt treten können – ein ökologisches neuronales Netzwerk.

Trotz anfänglicher Probleme fassen die Na’vi und insbesondere Neytiri, die Häuptlingstochter, Vertrauen zu Sully, und zwischen den beiden entsteht eine Liebesbeziehung. Sully durchläuft in Form des Avatars die Ausbildung zum Krieger und wird schließlich in den Stamm aufgenommen. Gleichzeitig gibt er nachts, während sein Avatar schläft, in seinem menschlichen Körper in der Basis der RDI regelmäßig Bericht an Col. Quaritch. Dem ehemaligen Marine wird klar, dass die Na’vi ihre Heimat niemals aufgeben werden, da ihre Existenz eng mit ihren heiligen Stätten verbunden ist, von denen eine greifbare, spirituelle Kraft ausgeht. Als es zur militärischen Eskalation kommt, läuft Sully gemeinsam mit der Kampfpilotin Trudy Chacon und dem Forscherteam um Dr. Augustine zu den Na’vi über. Mit der Bändigung der mächtigen Riesenflugechse Toruk gelingt es ihm, einen alten Mythos zu beschwören und 14 Na'vi-Stämme zu vereinen. Nach verlustreichem Kampf, bei dem die wilden Tiere Pandoras, vermutlich durch Eywas Intervention, auf Seiten der Na’vi entscheidend in die Schlacht eingreifen, können die Invasionstruppen besiegt werden und müssen Pandora verlassen. Sully verlässt mithilfe des neuronalen Netzwerkes Pandoras seinen menschlichen Körper und wird, endgültig mit seinem Avatar vereint, ein Na’vi.

Produktion Stoffentwicklung Im Drehbuch zum Film verarbeitete Cameron zahlreiche Ideen, die teilweise auf seine früheste Jugend zurückgehen.Eriq Gardner: Read James Cameron’s Sworn Declaration on How He Created 'Avatar'. In: The Hollywood Reporter vom 10. Dezember 2012 Bereits als Schüler interessierte er sich für naturwissenschaftliche Themen und las darüber hinaus viele Science-Fiction-Werke. Viele aus diesem Spannungsfeld entstandene Ideen finden sich in seinen frühen Drehbüchern wie beispielsweise in der Vorlage zum nur teilweise als Kurzfilm realisierten Xenogenesis aus dem Jahr 1978. Weitere Themen formulierte Cameron in den nie filmisch umgesetzten Drehbüchern Chrysalis (1974), Mother (1981) und Wind Warriors (1988), die teilweise in Zusammenarbeit mit seinem Freund Randall Frakes entstanden.Kirsten Acuna: James Cameron Swears He Didn’t Rip Off The Idea For 'Avatar'. In: businessinsider.com vom 13. Dezember 2012

Im August 1996 kündigte Cameron das erste Mal öffentlich an, dass er Avatar mit einer Mischung von computeranimierten und echten Darstellern verfilmen werde. Das Projekt werde rund 100 Millionen Dollar kosten und sechs Darsteller in Hauptrollen haben, „die real erscheinen, aber in der physischen Welt nicht existieren.“ Camerons frühe Drehbuchentwürfe waren jahrelang im Internet verfügbar. 2006 wurden sie gezielt von allen Websites entfernt.

Das endgültige, 152 Seiten umfassende Drehbuch entstand von Januar bis April 2006. Im Juli 2006 kündigte Cameron an, dass Avatar im Sommer 2008 in die Kinos kommen solle, und plante den Drehstart für Februar 2007. Im August 2006 wurde die neuseeländische Firma für visuelle Effekte Weta Digital engagiert, um Avatar mit zu realisieren. In den Design-Prozess wurde auch Effektspezialist Stan Winston eingebunden.

Im September 2006 gab Cameron bekannt, dass er ein neuartiges Kamera-System verwenden werde, um den Film in 3D zu filmen, was Fox zwei Jahre später bestätigte. Dabei handele es sich um zwei synchronisierte HD-Kameras in einem Gehäuse (2 Optiken und 2 Sensoren). Cameron beschreibt den Film als einen Hybrid aus Real- und Computeranimationsfilm. Nach Angaben des Regisseurs sind etwa 60 Prozent des Films am Computer generiert und 40 Prozent real gefilmt.

Der Name des Mondes Pandora () stammt aus dem Griechischen und lässt sich mit „Die, die alles hervorbringt“ übersetzen. Der Namensgeber seines Planeten Polyphemus (, frei übersetzt „Der Berühmte“) ist in der griechischen Mythologie ein einäugiger Riese. Polyphemus wird ähnlich dem Planeten Jupiter mit seinem charakteristischen augenähnlichen roten Fleck dargestellt.

Der Sprachwissenschaftler Paul Frommer von der USC entwickelte die Kultur und Sprache der Na’vi. Frommer erschuf eine neue Sprache mit über 1000 Wörtern.

Bezüge zu anderen Werken mini|Als Vorbild für die schwebenden Halleluja-Berge Pandoras dienten die Berge des Huang-Shan-Gebirges.James Cameron « Avatar »People daily, 24. Dezember 2009 (französisch)

Cameron ließ sich beim Drehbuch nach eigener Aussage von vielen Science-Fiction-Romanen inspirieren, die er als Kind gelesen hatte. Deutliche Ähnlichkeit hat die Geschichte mit Poul Andersons Kurzgeschichte Call Me Joe, in der der Querschnittgelähmte Ed Anglesey telepathisch die Kontrolle über das speziell gezüchtete Wesen Joe übernimmt, um auf der Jupiter-Oberfläche Forschung zu betreiben. In Andersons Geschichte wird stärker auf die psychologischen Auswirkungen für Anglesey eingegangen, der unter seiner Behinderung leidet und sich so sehr zu Joe und seiner Kraft und Mobilität hingezogen fühlt, dass sein Bewusstsein letztlich mit Joes verschmilzt.

Eine ausgebeutete Erde, aggressiver Rohstoffabbau auf einem anderen Planeten und ein erfolgreicher Aufstand der Eingeborenen sind zentrale erzählerische Motive in Ursula K. Le Guins Roman The Word for World is Forest (Das Wort für Welt ist Wald) von 1972.David Barnhill: Spirituality and Resistance: Ursula Le Guin’s The Word for World is Forest and the Film Avatar. Journal for the Study of Religion, Nature and Culture, Vol. 4, No. 4 (2010), 478–498. Angesprochen auf die Ähnlichkeiten meinte Le Guin, dass der Film die moralische Prämisse des Buches völlig umkehre und das zentrale und ungelöste Problem des Buches, Massengewalt, als Lösung darstelle.Michael Christie: Top 10 books of eco-fiction. The Guardian, 12. Februar 2020, abgerufen am 21. Juli 2023

Weitere Ähnlichkeiten existieren mit der Science-Fiction-Reihe John Carter vom Mars (erstes Erscheinen: 1912) des Tarzan-Autors Edgar Rice Burroughs. Der Aufstieg Carters innerhalb der Marsbevölkerung sowie die Liebesbeziehung zu einer einheimischen Prinzessin weisen deutliche Parallelen zu Avatar auf.filmstarts.de: „John Carter“ vs. „Star Wars“ vs. „Avatar“: Wer klaut hier eigentlich von wem?, abgerufen am 7. März 2012

Sehr viele Parallelen gibt es zu der Abenteuer-Comicreihe Aquablue. Auch dort geht es um einen Menschen, der auf einem anderen Planeten mit Bewohnern mit blauer Haut landet, durch einen Initiationsritus und Liebe zur Tochter des Anführers Teil des Volkes wird und sie schließlich im Kampf gegen imperialistische Militärs unterstützt. Auch dort tritt der Held schließlich als White savior auf.

Auch andere Werke wurden als Inspiration genutzt. Schon in seinem ersten Drehbuch ging es um eine hochentwickelte Zivilisation, die durch Eindringlinge bedroht wird. Anlehnungen an die Geschichte von Pocahontas seien kein Zufall. Ebenso bestehen Ähnlichkeiten zwischen Pandora und Werken des Plattencover-Künstlers Roger Dean. Dean wurde weder in die Entwicklung noch in die Produktion einbezogen und bezog in der Frage noch nicht explizit Stellung.

Casting Für die Rolle des Jake Sully waren ursprünglich Matt Damon oder Jake Gyllenhaal vorgesehen. Cameron entschied sich dann aber, weil Damon eigener Aussage zufolge ablehnte, für den bis dahin relativ unbekannten Schauspieler Sam Worthington. Dr. Grace Augustine sollte ursprünglich von Jodie Foster gespielt werden.

Um die Schauspieler bestmöglich auf ihre Rolle vorzubereiten, nahm Cameron diese mit nach Hawaii und unternahm tagsüber Wandertouren durch die örtlichen Wälder.https://www.imdb.com/title/tt0499549/trivia

Hauptproduktion Der Kinostart wurde zunächst auf Sommer 2009 verschoben. Im Dezember 2006 begründete Cameron die Verzögerung der Dreharbeiten mit der Notwendigkeit neuer technischer Entwicklungen für die Realisierung des Films, wozu unter anderem eine deutliche Verbesserung der Darbietungserfassung und der realistischen Darstellung in teilweise vollständig computergenerierten Szenen gehörten.

Synchronisation Die deutsche Synchronisation stammt von der Interopa Film GmbH aus Berlin. Das Dialogbuch verfasste Klaus Bickert, für die Dialogregie war Dietmar Wunder zuständig. Die neuen Szenen wurden 2022 synchronisiert.