mini|Kava (Piper methysticum) mit Blütenstand mini|Bestand mit Blütenständen mini|Junge Kavapflanze (Piper methysticum)
Kava (Piper methysticum), auch Kava-Kava (Kawa-Kawa) oder Rauschpfeffer genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Pfeffer (Piper) in der Familie der Pfeffergewächse (Piperaceae). Aus Pflanzenbestandteilen (meist getrocknet und pulverisiert) wird ein traditionelles Getränk des westpazifischen Raumes hergestellt, das vor allem als Zeremonialgetränk bei religiösen und kulturellen Anlässen konsumiert wird.
Pflanzenbeschreibung Die Kava ist mit dem Schwarzen Pfeffer verwandt und ähnelt diesem sowohl im Habitus als auch im pfefferartigen Geschmack.
Die Kava erreicht als immergrüner Strauch Wuchshöhen von etwa zwei bis vier Metern. Sie bildet Rhizome. Die Pflanze ist zweihäusig diözisch.
Kava hat wechselständige, herzförmige, bis 20–30 Zentimeter große, ganzrandige und gestielte, spitze Laubblätter. Die Blätter sind kahl bis leicht behaart. Die Nervatur ist handförmig mit bis zu 13 Hauptadern. Es sind Nebenblätter vorhanden.
Es werden kurze, achsel- oder blattgegenständige und vielblütige, dichte, ährige Blütenstände gebildet. Die sehr kleinen, eingeschlechtlichen und grünlich-weißen bis gelblichen Blüten sind ohne Blütenhülle. Die männlichen Blüten besitzen zwei Staubblätter, die weiblichen einen einkammerigen, oberständigen Fruchtknoten mit sitzenden Narben. Die Pflanze bildet nur selten weibliche Blüten; diese bleiben auch bei Handbestäubung durch den Menschen steril. Die Pflanze wird ungeschlechtlich vermehrt. Selten werden jedoch auch einsamige Beeren gebildet.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = etwa 130.
Verbreitung und Geschichte Da die Pflanze seit langem in Kultur ist, ist die ursprüngliche Heimat der Kava nicht gesichert. Überwiegend wird vermutet, dass sie auf den Fidschi-Inseln und weiteren Inseln des südlichen Pazifik heimisch ist, aber möglicherweise stammt die Pflanze auch ursprünglich aus Neuguinea. Die ersten Europäer, die von der Pflanze und auch ihrer Nutzung als Zeremonialgetränk berichteten, waren die niederländischen Entdecker Jacob Le Maire und Willem Cornelisz Schouten. Sie sichteten diese auf den Horn-Inseln, die heute politisch zum französischen Überseeterritorium Wallis und Futuna gehören.
Nach POWO kommt Kava ursprünglich von den Santa-Cruz-Inseln und Vanuatu vor. Eingeführt wurde die Art nach Fidschi, den Carolinen, den Cook-Inseln, Hawaii, den Marquesas, Niue, Samoa, den Gesellschafts-Inseln, Tonga und nach Wallis-Futuna.
Der Name „Kava(-kava)“ stammt aus dem Tongaischen und Marquesanischen; andere Namen sind ʻawa (Hawaiisch), ʻava (Samoanisch), yaqona (Fidschi), und sakau (Pohnpeanisch).
Taxonomie Kava wurde 1786 von Georg Forster in De plantis esculentis insularum oceani Australis commentatio botanica Seite 76 als Piper methysticum erstbeschrieben.
Zubereitung und Anwendung Kava wird traditionell auf verschiedene Arten in vielen Kulturen des westpazifischen Raumes konsumiert, so zum Beispiel in Polynesien, Vanuatu, Melanesien und Teilen von Mikronesien und Australien, wird jedoch auch in vielen westlichen Kulturen als Medizin oder als Genussmittel konsumiert.
Traditionelle Anwendung und Zubereitung Traditionell werden frische oder getrocknete Bestandteile der Kava-Wurzel mit Wasser aufgegossen. Meist wird zur Gewinnung der Wurzelstock des Rauschpfeffers („Piperis methystici rhizoma“) zu einem feinen Pulver zerrieben oder in einem Mörser zerstoßen; manchmal werden auch Pflanzenteile gekaut und in ein Gefäß gespuckt. Wird die ganze Pflanze bei der Herstellung verwendet und geknetet, enthält das Kava-Getränk später auch ein speichelflussförderndes Enzym. In manchen Kulturen wird es hingegen auch frisch gekaut, was einen stärkeren Effekt hervorruft. Frisches Kava gilt gegenüber getrocknetem, industrieverarbeitetem Kava als potenter. Die Potenz hängt von Sorte und Kultivierung ab. Es wird sowohl mit heißem als auch kaltem Wasser konsumiert. Oft wird Kava aus halbierten Kokosnussschalen getrunken. Der Geschmack ist leicht scharf; das eigentliche Aroma hängt stark davon ab, ob zur Herstellung frische oder getrocknete Pflanzen verwendet wurden. Die Farbe ist grau bis grünlich.
In traditionellen Gesellschaften Polynesiens, Mikronesiens und auch Melanesiens ist der Konsum von Kava in der Regel reine Männersache. In touristisch gut erschlossenen Gebieten auf Tahiti, Fidschi oder Guam wird es jedoch bei folkloristischen Anlässen auch weiblichen Gästen angeboten.
Auf Hawaii wurden rund 30 verschiedene Kavasorten für medizinische, religiöse, politische, kulturelle und soziale Zwecke von allen sozialen Klassen genutzt – sowohl von Männern als auch von Frauen. Kava hatte dort eine ähnliche Rolle wie Bier als Feierabendgetränk zum Entspannen und Lockern von Muskeln. Auch unruhigen Kleinkindern wurde Kava verabreicht, um sie zu beruhigen und besser schlafen zu lassen.
Auf vielen austronesischen Inseln war das gemeinschaftliche Kavatrinken eine ursprünglich sehr intime und religiöse Zeremonie.
Auf Nauru wurde sie als Initiationsritual für junge Männer genutzt. Auch heute noch spielt das Kava-Ritual auf Nauru eine wichtige, meist festliche Rolle.
Auf Vanuatu wird Kava nachts an einem Ort namens „Nakamal“ („Ort des Friedens“) getrunken. Männer trinken Kava dort aus Muscheln oder leeren Kokosschalen; Frauen war der Genuss von Kava ursprünglich verboten. In der traditionellen Medizin wird eine andere Kavasorte gegen Fieber, Asthma und Schmerzen aller Art verabreicht.
In Neukaledonien wird Kava von der indigenen Bevölkerung zunehmend in ebenfalls als Nakamal bezeichneten Trinkhallen konsumiert, die lange gesetzlich völlig unreguliert waren.Quelle réglementation proposée pour les nakamals ? la1ere.franceinfo.fr, 19. Dezember 2025, abgerufen am 19. Dezember 2025 (französisch) Nach den 2025 eingeführten gesetzlichen Bestimmungen darf Kava nicht in Verbindung mit Alkohol getrunken werden, um die gesundheitlichen Schäden zu minimieren.Encadrer l’ouverture et l’exploitation des établissements dédiés à la vente de kava (PDF; 0,3 MB) gouv.nc, 27. August 2025, abgerufen am 20. Dezember 2025 (französisch)
Auf Pohnpei, einer mikronesischen Insel, wird Kava unter dem Namen Sakau aus Kokosnussschalen konsumiert. Vor allem im zeremoniellen und rituellen Bereich ist die Pflanze bedeutend. Neben der Konsumption stellt auch die Produktion des Extraktes eine wichtige soziale Handlung dar. Davon abgesehen findet man auf Pohnpei zahlreiche öffentliche Sakau-Bars.
Moderne Anwendung und Kommerzialisierung Heutzutage wird es auch über das Ursprungsgebiet von Kava hinaus konsumiert – als Medizin oder als Genussmittel. So finden sich zum Beispiel Kava-Bars in vielen US-Staaten. Hierbei werden üblicherweise weiterhin nur Produkte konsumiert, die aus der Wurzel gewonnen werden – so zum Beispiel Wurzelpulver oder Extrakte. Es wird sowohl mit Wasser aufgegossen oder mit Milch o. Ä. konsumiert. Oft wird Lecithin hinzugefügt, um eine bessere Auflösung der Kavapyrone in Wasser zu erreichen. Einige Hersteller haben auch Softdrinks auf Kava-Basis entwickelt.
Die rechtliche Einordnung von Kava-Zubereitungen variiert je nach Verwendungsform; insbesondere zwischen Arzneimittel- und Lebensmittelrecht wird in Europa unterschieden. Kava ist in vielen Ländern in pharmazeutischen Erzeugnissen erhältlich und wird als Medikament genutzt. In Deutschland wurde Kava-Wurzelstockextrakt bis 2002 zur Behandlung von leichten allgemeinen Angstzuständen eingesetzt. Handelsnamen waren Antares, Neuronika, Kava-ratiopharm, Kavosporal forte oder Kavatino. Neben der arzneilichen Verwendung wurden Kava-Erzeugnisse in Europa und Nordamerika auch als Lebensmittel- oder Nahrungsergänzungsprodukte vermarktet; beschrieben sind insbesondere Tabletten-, Kapsel-, Tee- und Flüssigprodukte, die zum Teil über Gesundheitsläden, Drogerien oder Supermärkte vertrieben wurden. Laut University of New South Wales waren bis Anfang 2021 bereits 200 Patente und Patentanträge zu Kava bekannt. Einige Anwendungen ähnelten der traditionellen Konsumform, sodass der Verdacht der Biopiraterie aufkam.
Für das Vereinigte Königreich ist 2002 der Verkauf entsprechender Produkte unter anderem über Filialen der Kette Holland & Barrett berichtet worden.
Inhaltsstoffe mini|Piperidin-Alkaloide in der Kavapflanze
Die 2 bis 10 kg schweren, sehr saftigen Wurzelstöcke der Kava-Pflanze enthalten zwischen 3 und 20 % Kavapyrone. Der Gesamtgehalt schwankt in Abhängigkeit vom Standort und der Unterart. Weitere Bestandteile sind Stärke (43 %), Rohfaser (20 %), Wasser (12 %), Zucker (3,2 %), Proteine (3,6 %) und Mineralstoffe (3,2 %). Außerdem enthalten die Wurzeln Flavokavin A und B sowie geringe Mengen an Sitosterol, Stigmastendion und Cepharadion A nebst geringen Mengen ätherischer Öle, sowie einige organische Säuren (zum Beispiel: Oxo-n-nonansäure, Phenylessigsäure, Zimtsäure, p-Methoxyphenylessigsäure).Rudolf Hänsel: Kava-Kava in der modernen Arzneimittelforschung. In: Zeitschrift für Phytotherapie, 17, 1996, S. 180–194.A. Lopez-Avila, J. Benedicto: Supercritical Fluid Extraction of Kava Lactones from Piper methysticium (Kava) Herb. In: J.High. Resol. Chromatogr., 20, 1997, S. 555–559.
Die sichtbaren Pflanzenteile (Blätter, Rinde) dagegen enthalten zusätzlich zu den Kavapyronen die Piperidin-Alkaloide Pipermethystin (0,2 bis 0,8 % in der Rinde, 1 bis 2,4 % in den Blättern), 3a,4a-Epoxy-5b-Pipermethystin (nur in cv. 'Isa') und Awain (nur in geschlossenen Blättern, 0,1 bis 2,6 %), welche vermutlich zu Leberschäden beitragen. In kommerziell erhältlichen Zubereitungen der Wurzeln sind diese Alkaloide nicht enthalten.
Wirkung Die Kavapyrone (Kavain, Methysticin) aus Wurzeln und Rinde der Kava-Pflanze wirken anxiolytisch, mindern also Angst- und Spannungszustände. Bei Sozialphobie zeigte es sich laut einer Metaanalyse dem Placebo überlegen. Auch hat Kava leichte analgetische (schmerzstillende) und antioxidante Wirkung. Der Genuss von Kava entspannt und mindert Unruhe; er führt zu leichter Euphorie und Gesprächigkeit.Kava: Keine Angst vor guter Laune. In: Wechselwirkung Kava löst Muskelverkrampfungen; Konsumenten fühlen sich in der Regel entspannt, wohl und klar denkend. Auf den Konsum schläft man in der Regel erholsam, und es gibt keine Nachwirkungen am Folgetag, solange die Zubereitung keinen Alkohol enthält.
Nebenwirkungen können leichte vorübergehende Taubheitsgefühle in Lippen und Zunge sein, vermindertes Sehvermögen, eingeschränkte Reaktionsfähigkeit, eine Gelbfärbung der Haut und allgemein allergische Hautreaktionen. Kava sollte in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewandt werden. Bei hohem Konsum und langer Einnahmedauer sowie vorbestehenden Leberschäden kann Kava zu Gewichtsverlust, Unterernährung, Leberschäden, Nierenschäden, Ausschlag, Pulmonale Hypertonie, Makrozytose, Lymphopenie und verminderten Thrombozyten-Volumen führen.
Kontroverse um Leberschäden