mini|Darstellung Virgil von Grabens in seiner Begräbnisstätte in der Lienzer Sankt Michaelskirche (16. Jahrhundert)

Virgil von Graben, auch Virgil vom Graben, mit dem Prädikat zu Sommeregg (* 1430 / 1440;Dizionario biografico dei friulani: "Virgil von Graben", von Sergio Tavano (italienisch) † 20. November 1507 in LienzVirgil von Graben. Staatsmann, Diplomat, Feudalherr der Renaissance, von Matthias Laurenz Gräff, 2023), Burggraf von Lengberg, Burggraf und Herr von Sommeregg enz, war einer der bedeutendsten Edelmänner, Staatsmänner und Diplomaten der Grafschaft Görz, der auch im Habsburgerreich Friedrichs III. und Maximilians I. als Rat große Bedeutung erlangte.Claudia Fräss-Ehrfeld: Geschichte Kärntens: Die ständische Epoche. 1994, S. 197.Carinthia I. Mittheilungen des Geschichtsvereins für Kärnten. Band 179, 1989, S. 156. Er wird in der Literatur fälschlicherweise mitunter als Graf betitelt.Gabriele Hasmann: Unheimliches Österreich: Mysteriöse Orte und Begegnungen. 2013 (Google Buch).Monika Kallfass: Michael Ott von Echterdingen. Verteidiger von Reich und Glauben. Biografischer Roman, Stuttgart 2019, S. 22 (Google Buch).

Von Graben gehörte dem kärntnerisch-osttirolischen Familienzweig der Herren von Graben an, die zur Zeit der letzten Grafen von Görz wichtige Ämter innehatten, und durch deren Wirken auch die Renaissancekultur in Osttirol Einzug hielt.Meinrad Pizzinini: Osttirol: Der Bezirk Lienz: seine Kunstwerke, hist. Lebens- u. Siedlungsformen. 1974, S. 78.

Virgil von Graben galt als der „reichste und fähigste Görzer Edelmann seiner Zeit“.Johann Weichard Freiherr von Valvasor (1689): Die Ehre dess Hertzogthums Crain: das ist, Wahre, gründliche, und recht eigendliche Belegen- und Beschaffenheit dieses Römisch-Keyserlichen herrlichen Erblandes; Laybach (Ljubljana) Er war unter dem letzten meinhardinischen Grafen Leonhard, dessen Bürge er auch war, ReichsverweserWalter Brendel: Maximilian von Österreich, (2022) der fürstlichen Grafschaft und Hauptmann von Görz,Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 56, S.382 (1948) vertrauter Ratsherr von Graf Leonhard und dem römisch-deutschen König Maximilian. Als solcher leitete und vollendete er die Übernahme der Grafschaft Görz in den Besitz der Habsburger.Erich Zöllner: Geschichte Österreichs: von den Anfängen bis zur Gegenwart. S. 159 (Google Buch). Nach dem Tod Leonhards im Jahr 1500 avancierte Von Graben zum ersten Verlassenschaftsverwalter und Rechtsnachfolger von Görz.Osttiroler Heimatblätter. 34. Jahrgang, Nummer 5, Seite 1. Chronik der Stadt Lienz vom Jahre 1500 (Aussterben der Grafen v. Görz-Tirol) bis zum Jahre 1783 (Aufhebung der Herrschaft des königlichen Damenstiftes Hall i. T. durch Kaiser Jose! II.). Zusammengestellt von Dr. Franz und Dr. Marta Kollrelder (1966) Unter habsburgischer Herrschaft blieb er bis 1504 Statthalter (Kapitän) der Grafschaft Görz. Darüber hinaus war Von Graben Burggraf (bzw. Pfandinhaber) von Lienz.www.schloss-lengberg.at

Biografisches Herkunft und Nachkommen Virgil von Graben entstammte dem kärntnerisch-osttirolerischen Zweig des edelfreien Geschlechts der Herren von Graben, welches von den Meinhardinern (Grafen von Görz und Tirol, Herzöge von Kärnten etc.) abstammend war.Graben von Stein. Austro Archiv (Beiträge zur Familiengeschichte Tirols)Beda Weber: Das Land Tirol: mit einem Anhange: Vorarlberg: ein Handbuch für Reisende. Seine Abstammung von den Görzern hatte auf venezianischer Seite als auch bei Graf Leonhard von Görz zum Ende des 15. Jahrhunderts eine gewisse Bedeutung in den Überlegungen im Erbfall der fürstlichen Grafschaft Görz.Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Bände 56–57, 1984, S. 375 sowie 383. Die Graben waren krainischen Ursprungs und führten ein Wappen mit einer Schaufel (silberne Schaufel auf rot der Kornberger Graben). Es wurde dann durch ein vertikal geschnittenes Wappen ersetzt, das links rot und rechts schwarz (eigtl. blau) mit zwei silbernen Bändern war, welches auch Virgil führte. Seine Eltern waren Andreas von Graben aus der Kornberger Linie der Graben und Barbara von Hallegg (Hallecker), Tochter von Jörg von Hallegg, Landesverweser von Kärnten. Einer seiner Neffen war Ladislaus Prager, Erbmarschall von Kärnten und Kämmerer von Kaiser Friedrich III. Verheiratet war er mit Dorothea Arnold, geborene Herbst (von Herbstenburg), deren Ehe aber als nicht rechtmäßig galt, sodass Virgils Söhne nicht dessen Güter erben konnten.Carinthia I. Zeitschrift für geschichtliche Landeskunde von Kärnten (geleitet von Wilhelm Neumann), 163. Jahrgang, 1973, S. 128.

mini|150px|Wappen der Herren von Graben [zum Stein] in Kärnten und Tirol (16. bis 18. Jahrhundert) als Nachkommen von Virgil von Graben. Links Wappen des Lukas von Graben zum Stein († 1550), Herrn von Stein in Kärnten, sowie dessen Bruder Bartholomäus von Graben, mittig Wappen von Lukas' Urenkel Oswald von Graben zum Stein († 1609), Herrn von Stein, sowie rechts das Wappen von Felix Jakob von Graben zum Stein († 1776/1781), einem Nachkommen des Bartholomäus, der als letzter seines Geschlechts in Tirol lebte. Nachkommen: Christof von Graben († 1506), 1498 als Pfarrer erwähnt; Pfarrer von Görz (Gorizia);Cesare Scalon, Claudio Griggio und Ugo Rozzowurde: Nuovo Liruti: pt. 1. L'età veneta: A-C, 2009, S. 1326. in der Sankt Michaelskirche zu Lienz bestattet Lukas von Graben zum Stein († 1550), wurde 1500 durch Maximilian I. zum Herrn von Stein ernannt, und somit zum Stammherrn der Linie am Stein, welche die Herrschaft bis zum Tod des Christof David von Graben zum Stein († 1664) behieltenCarinthia I. Zeitschrift für geschichtliche Landeskunde von Kärnten (geleitet von Wilhelm Neumann), 163. Jahrgang, 1973, S. 113 ff. Barthlmä von Graben (Bartholomeus von Graben), über den wenig bekannt ist; er war zwischen 1501 und 1511 Besitzer des Hofes zu Treffling, den er seinem Lehensträger Andreen Hohenburger zu Lehen gab; seine Nachkommen sind nach Tirol verzogen,Kärntner Burgenkunde: Quellen- und Literaturhinweise zur geschichtlichen und rechtlichen Stellung der Burgen, Schlösser und Ansitze in Kärnten sowie ihrer Besitzer. S. 142, Google Books: und bildeten die Zweite Tiroler Linie, welche mit dem Tod des Felix Jakob von Graben (zum Stein) im Jahre 1776 (oder 1780) ausgestorben ist Virgil von Graben (gestorben 1510), hatte Nachkommen Leonhard (Lienhard) von Graben († 1531), ihm wurde in Nachfolge seines verstorbenen Bruders Christof 1507 die Pfarrkirche von Görz verliehen;Silvano Cavazza, Paolo Iancis, Donatella Porcedda: Istoria della Contea di Gorizia: Studi e documenti su Carlo Morelli e l'Istoria della Contea di Gorizia. Trieste 1796. Edizioni della Laguna, 2003, S. 256. er liegt in der Michaelskirche zu Lienz begraben

Uneheliche Nachkommen mit Aniza: Virgil von Graben zeugte neben seinen vier legitimen Söhnen mit seiner morganatischen Ehefrau namens Aniza (Agnes) vier uneheliche Kinder, die er reichlich mit Gütern ausstattete.

Politische Karriere Virgil von Graben stand zeitlebens sowohl in fürstgräflich-görzischen, erzbischöflich-salzburgischen und kaiserlich-österreichischen Diensten. Er dient durch seine mannigfaltige Tätigkeit als Beispiel für die Adelsmitglieder jener Zeit, die verschiedenen Herren dienten und hierfür Lehen empfingen. Sie mussten hierbei mit großer Geschicklichkeit vorgehen um bei den divergierenden Interessen ihrer Lehensherren ihre Lehenspflicht zu erfüllen und nicht dabei aufgerieben zu werden.Carinthia I. Zeitschrift für geschichtliche Landeskunde von Kärnten (geleitet von Wilhelm Neumann), 163. Jahrgang, 1973, S. 129.

In görzischen Diensten mini|180px|links|Leonhard von Görz, Graf von Görz, Reichsfürst

Virgil von Graben wird erstmals 1457 genannt, als er Aufträge von Graf Johanns II. von Görz erhielt. 1460 oder 1461 gerieten Virgil und dessen in kaiserlichen Diensten stehende Vater Andreas von Graben in Gefangenschaft der Grafen von Görz und mussten den beiden Grafen Johann und Leonhard 1461 Urfehde schwören. Virgil ist dann hauptsächlich in fürstgräflich-görzische Dienste übergetreten.Walther Fresacher: Zur Geschichte des Schlosses Stein, in: Carinthia I. Jahrgang 163, Heft 3, Historischer Verein Kärnten, Klagenfurt 1973, S. 128. Sein Einfluss am Görzischen Hof wuchs in den 1460er Jahren rasant und er konnte diverse prestigeträchtige Aufträge erfüllen. Er hatte als Vicedom resp. Hauptmann (Reichsverweser, Statthalter), Administrator der Grafschaft Görz und am Karst unter Graf Leonhard immensen Einfluss auf das politische Geschehen dieses vom Untergang betroffenen Reichsfürstentum und konnte ob der kränklichen Verfassung von Graf Leonhard dessen politisches Geschick weitgehend autonom leiten. Die Familie der Graben galt von der Mitte des 15. zum beginnenden 16. Jahrhundert als die wichtigste Sippe in Lienz und am dortigen Grafenhof der Görzer;www.dolomitenstadt.at Ein Kirchlein mit Geschichte trotz ihrer Zugehörigkeit zum Ritterstand umgab sie durch das Naheverhältnis zu Graf Leonhard von Görz und ihrem gehobenen Lebensstil ein „feudales Fluidum“.Stadtführer Lienz, S. 16.

Im Streit um das Erbe der Grafen von Cilli mit Kaiser Friedrich III. war es für die Görzer im Jahre 1460 zu einer Niederlage mit dem anschließenden Diktatfrieden von Pusarnitz gekommen, in dem die Görzer alle kärntnerischen Herrschaften einschließlich der Stadt Lienz und der Residenz Schloss Bruck verloren. Die den Görzern abgenommenen Herrschaften waren entsprechend der Zusicherung des Kaisers an seinen Feldhauptmann Jan von Witowec übergegangen. Dieser verkaufte sie im Jahre 1462 an seinen Kampfgefährten Andreas von Weißpriach. Im Zuge der geglückten militärischen Wiedergewinnung von Schloss Bruck und der Stadt Lienz unter Johanns Bruder Graf Leonhard von Görz und Virgil von Graben kam es zu einer Gefangennahme des Weißpriach, der bis Spätwinter 1467 auf Heinfels festsaß. Er musste Graf Leonhard und Von Graben Urfehde schwören und schriftlich auf alle Rechtsansprüche auf das Landgericht Lienz und Schloss Bruck verzichten. Im Spätwinter 1467 wurde er aus der Haft entlassen.

Während der Regierungszeit des finalen und am Lebensende kränklichen Grafen Leonhard zwischen (1448 als Co-Graf) 1462 bis 1500 erfüllte Von Graben seit 1474 die Funktion des Hauptmannes,Carinthia I. Zeitschrift für geschichtliche Landeskunde von Kärnten (geleitet von Wilhelm Neumann), 163. Jahrgang, 1973, S. 128. mindestens seit 1490 das Amt des Vicedom und des Verwesers der Grafschaft. 1494 war er dessen AdministratorPaul Kohlmayer: Zur Geschichte des oberen Drauthales. S. 163. (auch als Reichsverweser tituliert) und konnte im politischen Spektrum weitgehend autonom Handeln. An Von Grabens Seite ist assistierend Simon von Hungersbach gestanden. Darüber hinaus hatte Von Graben das Amt des Hauptmannes der Burg von Görz in der Stadt Görz (Gorizia) inne.

Um 1475 beauftragte Graf Leonhard Virgil von Graben Zeigen zu den Lienzer Ritualmorden von 1442/43 zu befragen. In diesen Jahren wurde das junge Mädchen Ursula Pöck tot aufgefunden und die Lienzer Judengemeinde damit beschuldigt. Anschließend wurden die Lienzer Juden gefangen gesetzt und verhört. Als Conclusio wurde aber eine Lienzer Christin dieses Verbrechen beschuldigt.Christoph Schweiger: Juden, Hexen & Häretiker: Verfolgte Gruppen im Spätmittelalter. 2022, S. 67 und 68.Meinrad Pizzinini: Ursula Pöck. Eine mittelalterliche Ritualmordlegende aus Lienz. (PDF) In: Osttiroler Heimatblätter, Band 61, 3/4 (1993) S. 1–4. Es wurde hierzu ein ausführliches schriftliches Dokument verfasst.Franz Anton Sinnacher: Beyträge zur Geschichte der bischöflichen Kirche Säben und Brixen in Tirol. 1828, S. 278 und 279.