Eglofs ist in Bezug auf Größe und Einwohnerzahl die größte Ortschaft der 1972 durch eine Zusammenlegung mehrerer Gemeinden entstandenen Gemeinde Argenbühl im Landkreis Ravensburg im Westallgäu. Am Südrand der Ortschaft verläuft die Landesgrenze zu Bayern.
Geografie und Verkehrsanbindung Das Dorf liegt an der B 12, welche Wangen im Allgäu mit Isny im Allgäu verbindet und damit auf der Route der Oberschwäbischen Barockstraße. Auf dem Gebiet der Ortschaft befindet sich mit dem 761 Meter hohen „Isnyberg“ die höchste Erhebung der Gemarkung Argenbühl.
Ortsgliederung Zu Eglofs gehören die Weiler Aschen, Bruckacker, Bühl, Burg, Eyb, Gaischachen, Gerazreute, Gießen, Goldbach, Heuberg, Hochberg, Hofs, Hummelberg, Isnyberg, Laidraz, Linzgis, Lochhammer, Malaichen, Moos, Mühlbolz, Mühlhalden, Oberisnyberg, Obervorholz, Osterwaldreute, Reute, Schaulings, Schnaidt, Schönenberg, Staudach, Steinberg, Straß, Tal (Eglofstal), Untervorholz, Waibelhof und Zellers, die Höfe Bellmannshöfle, Biegen, Birkhardt, Buchenberg, Dämpferhof, Edenhaus, Fuchshof, Greut, Gründels, Halden, Hinterberg, Hintergreut, Huttershöfle, Kaltenherberg, Kolbenberg, Lochershöfle, Schnaidthöfle, Schwinders, Stall, Untergoldbach und Zimmermannshof und die Häuser Locherkapf und Schulhaus Bühl.
Geschichte mini|Siegel der Urkunde von Kaiser Ludwig 1330 mini|Urkunde von König Ruprecht 1404 mini|Siegel der Urkunde von König Ruprecht 1404 mini|Urkunde von Kaiser Joseph 1707 der Stadt zum Eglofs, Ausschnitt
Die Bewohner Eglofs waren während des Mittelalters weitgehend freie Bauern und, da sie seit 1282 auch das Stadtrecht besaßen, im mittelalterlich-rechtlichen Sinn auch Bürger. Sie konnten ihre besonderen Rechte mit gewissen Einbußen bis in die frühe Neuzeit bewahren.Erhard Nietzschmann: Die Freien auf dem Lande. Ehemalige deutsche Reichsdörfer und ihre Wappen. Melchior, Wolfenbüttel 2013, ISBN 978-3-944289-16-8, S. 27.
Eine vorgeschichtliche Besiedelung wurde bisher nicht nachgewiesen. Auch die früheste Besiedelungsphase liegt im Dunklen. Dass das Martinspatrozinium auf eine Besiedelung durch fränkische, oder den Franken nahestehende Volksgruppen in der späteren Karolingerzeit hinweisen könnte, wird in Frage gestellt,Kissling (2006) S. 421 ebenso die Vermutung, Eglofs sei zeitnah mit Leutkirch besiedelt worden, dessen Pfarrkirche ebenfalls dem Schutzpatron der Franken, dem Heiligen Martin geweiht ist.Catherine De Kegel-Schorer (2007) S. 32–35 Im ausgehenden Frühmittelalter und beginnenden Hochmittelalter gehörte das Gebiet zum Nibelgau, dessen gräflichen Rechte zuletzt von den Grafen von Bregenz ausgeübt wurden. Teile davon bildeten danach die Grafschaft Eglofs. Sie unterstand den Grafen von Kirchberg, und danach den Grafen von Württemberg, die sich später Grafen von Grüningen nannten.Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der Deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Beck’sche Verlagsbuchhandlung München 1999. ISBN 3-406-44333-8. S. 145
1243 verkaufte Hartmann I. von Grüningen die Grafschaft Eglofs an Kaiser Friedrich II. Der Kaufpreis betrug 3200 Mark Silber – eine nach übereinstimmender wissenschaftlicher Einschätzung außergewöhnlich hohe SummeKissling (2006) S. 33 (Anmerkung) – wovon die Eglofser 1000 MarkAnm. Verf.: etwa 233 kg Silber – ein Ochse kostete ungefähr 4 Mark, also knapp 1 kg selbst in einigen Raten beisteuerten. Sie müssen also zu dieser Zeit bereits wohlhabende, wenn nicht reiche Bauern gewesen sein, um eine solche finanzielle Verpflichtung eingehen zu können. Eglofs wird damit reichsunmittelbar, das heißt, es unterstand direkt dem König bzw. Kaiser, die fideles (= Getreuen) genossen direkt dessen Schutz und waren nur ihm zu Abgaben und Diensten verpflichtet. 1271 wird Eglofs im Liber decimationis mit 71 Hofgütern erwähnt, 1353 im Steuerbuch des Konstanzer Bistums wohl auf Grund der Pestjahre nur mehr mit 60.Alfred Weitnauer: Allgäuer Chronik Bd. 1 Kempten 1969 S. 206 König Rudolf I. bestätigte 1282 die schon von Friedrich erteilten Privilegien und verlieh den Eglofsern das Stadtrecht von Lindau. Eglofs wurde dadurch mit gewissen Einschränkungen rechtlich gesehen zur Stadt, wählte eine eigenständige Verwaltung, besaß die volle (das heißt nur durch kaiserliches Gebot eingeschränkte) Gerichtsbarkeit sowie eine weitgehende Abgabenhoheit. Seine Bürger besaßen den Freien Zug, sie konnten sich demnach als Freie in anderen Städten ansiedeln, bzw. sich als Ausbürger in die Rechtshoheit einer Stadt begeben. Verbunden mit dieser Bestätigung der Privilegien und der Erteilung des Stadtrechts war ein Verpfändungsverzicht. Der notorische Geldmangel der deutschen Kaiser führte jedoch zu andauernden Verpfändungen an unterschiedliche Adelsgeschlechter, unter denen die Schellenberger, Werdenberg – Heiligenberger sowie verschiedene Linien der Montforter über längere Zeiträume Pfandnehmer waren. Da die Pfandnehmer nur durch Erhöhung der Dienstpflichten und Abgabeleistungen Gewinn aus ihrer Investition schlagen konnten, wurde die wirtschaftliche Position der Eglofser schrittweise geschwächt. Zuerst und vor allem betraf dies die zum Teil in beträchtlicher Entfernung von der Eglofser Gemarkung lebenden aber Eglofser Privilegien genießenden, in die zwei Steuerbezirke Unterer Sturz (um Missen) und Oberer Sturz (links der Iller von Oberstdorf bis ins nördliche Alpsee-Gebiet) zusammengefassten Freien, während die Eglofser Bürger selbst, zum Teil auch durch Rückkauf von Pfandrechten oder direkte Vorsprache auf Reichstagen ihre Privilegien im Wesentlichen halten konnten. Die Freien in den Stürzen dagegen sanken gegen Ende des Mittelalters in eine, durch gewisse Freiheitsrechte gemilderte Form der Leibeigenschaft ab und mussten die Gerichtsbarkeit der jeweiligen Herrschaft anerkennen.Peter Kissling (1998) S. 166
Im Jahre 1516 schränkte die Stadt Wangen als Pfandnehmer von Eglofs die Rechte der „Freien von Eglofs“ weiter ein und erhöhte zugleich die Abgaben, obgleich diese im Vergleich zur Abgaben- und Dienstlast anderer Bauerngesellschaften im Westallgäu noch immer eher gering waren. 1522 erhielt das Wangener Spital auch das Patronat über die Pfarrkirche. Diese Rechtseinbußen und Abgabenerhöhungen führten wahrscheinlich zu einer Beteiligung Eglofs am Bauernkrieg von 1525. Im Mai 1525 lagerten Teile des Allgäuer Haufens in Eglofs, plünderten und brandschatzten die Vogtei und den Pfarrhof, zogen aber bald nach Kißlegg ab.Kissling (2006) S. 147 Insgesamt war aber die Beteiligung der Eglofser am Bauernkrieg von 1525 offenbar eher ihrem langwierigen Rechtsdisput mit dem Pfandherrn Wangen geschuldet, als einer Identifikation mit den Ideen des Bauernaufstands. Auch scheinen schwerwiegende Folgen für die Eglofser nach der Niederlage der Bauern ausgeblieben zu sein.
Bis nach dem Dreißigjährigen Krieg, der sich in Süddeutschland durch das jahrelange Marodieren vor allem der schwedischen Soldateska, sowie durch anschließende Pestzüge besonders verheerend auswirkte, konnten die „Freien von Eglofs“ ihre Sonderstellung als Reichsdorf wahren. Mitbedingt durch die Nachwirkungen des langen Krieges kam die Herrschaft als Reichspfand 1640 an Philipp Nikolaus von der Leyen († 1656). Von ihm kam die Herrschaft 1656 an den Grafen Ernst von Abensperg und Traun (1662 erhielt dieser daraufhin Sitz und Stimme im schwäbischen Grafencollegium). Damit verschlechterte sich die soziale, rechtliche und wirtschaftliche Position der Eglofser Bauernbürger jedoch nachhaltig. Sie konnten zwar die meisten persönlichen Freiheits- und Besitzrechte erhalten, ihre Stellung als reichsfreie Gemeinde ging aber für immer verloren. 1804 wurde die Herrschaft an den neu-ernannten Fürsten Alfred I. zu Windisch-Graetz verkauft (Vertreten durch seine Mutter Maria Franziska Leopoldine geborene Prinzessin von Arenberg). Nach dem Zwischenspiel als Fürstentum Windisch-Grätz fiel das Gebiet um Eglofs im Jahre 1806 gemäß der Rheinbundakte an das Königreich Württemberg.
In einem der letzten Hexenprozesse wurde 1743 Katharina Reitterin Opfer der Hexenverfolgungen und in Eglofs verbrannt.
Mit der Mediatisierung von 1806 verloren die Fürsten von Windisch-Grätz Souveränitäts-, Herrschafts- und Besitzrechte. Letztere erhielten sie erstmals 1811 wieder, und, nachdem sie 1817 abermals entzogen worden waren, endgültig 1828. Grund des Entzuges waren unklare Loyalitätsverhältnisse, da die Fürsten von Windisch-Grätz im Dienste des Kaisertums Österreich standen. Politisch wurde im Grenzvertrag zwischen Bayern und Württemberg 1810 die Zugehörigkeit von Eglofs zu Württemberg bestätigt und Eglofs Teil des Donaukreises, und zwar seines südlichsten Verwaltungsbezirkes, des Oberamtes Wangen.Grenzvertrag zwischen Bayern und Württemberg – Art. 1 Die Gebiete in den Stürzen, die unmittelbar nach der Mediatisierung noch zu Württemberg gezählt wurden, gelangten an Bayern.
Besonders belastend für die Eglofser war die immer restriktiver werdende Berechtigung der freien Waldnutzung, die zu langwierigen Prozessen mit der Herrschaft führten, in denen sie ihre verbrieften Rechte einforderten. Schließlich konnte 1832 ein günstiger Vergleich erreicht werden, in dem der etwa 250 Hektar umfassende Osterwald den Eglofsern zum alleinigen Besitz zur Verfügung blieb, der Westerwald jedoch in die ausschließliche Nutzungsbefugnis der Herrschaft geriet. Dies führte zur Gründung der noch heute bestehenden Holznutzungsgenossenschaft, der Osterwaldgenossenschaft Eglofs.Geschichte der Osterwaldgenossenschaft
Eglofs zählte 1841 1349 Einwohner und war nach Sommersried und Pfärrich die drittgrößte Gemeinde des Oberamtes. Die Bewohner waren mehrheitlich Eigentümer ihrer Hofstellen und Häuser, die Abgaben waren gering. Trotzdem sei der Wohlstand eher mäßig gewesen, und es gäbe viele Arme. Zehntnehmer waren neben dem Fürsten von Windisch-Grätz, der Graf Quadt zu Wykradt und Isny und das Hospital zum Heiligen Geist in Wangen.
Am 1. Januar 1972 bildete Eglofs zusammen mit fünf weiteren Gemeinden die neue Gemeinde Argenbühl.
Bauwerke Pfarrkirche St. Martin mini|links|Die Kirche St. Martin in Eglofsmini|Eglofs, im Innern der Kirche an Fronleichnam
Die frühere Kirche, die 1485 als baufällig bezeichnet wurdeOtto Beck: Die Pfarrkirche St. Martin in Eglofs im Allgäu. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg. ISBN 3-89870-198-0, wurde von Johann Georg Specht von 1765 bis 1766 im Barockstil umgebaut. An den gotischen Bau erinnern nur noch der Glockenturm (spätes 14. Jh.) mit der Theresienkapelle und das schlichte Äußere. Beim Eintritt überrascht der von Licht durchflutete, einheitliche Innenraum mit seinen Rokokoausschmückungen. Die bemerkenswerten Stuckaturen wurden 1931 erneuert.Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Baden-Württemberg. Bearb. von Friedrich Piel. Deutscher Kunstverlag, München 1964. S. 98
Der Hochaltar zeigt auf dem großen Altarblatt von Franz Anton Weiß die Aufnahme Mariens in den Himmel. Von 1973 stammt der frei stehende Volksaltar mit dem Ambo. Ein Werk von Anton Stiefenhofer aus Eglofs (um 1790) ist die Madonna mit Kind auf dem Arm. Die Seitenaltäre gehen auf Eglofser Bruderschaften zurück, die nach der Pest während des Dreißigjährigen Krieges entstanden waren.
An der Decke im Chor ist das Bild des letzten Abendmahls in der Mitte zwischen den vier Kirchenvätern, wiederum von Franz Anton Weiß. Das große Fresko von Joseph Jacob Spieler im Hauptschiff zeigt die kämpfende, leidende und triumphierende Kirche mit Heiligen und Aposteln an den Deckenseiten. Die Vertreibung der Händler aus dem Tempel über der Empore wurde nach Entwürfen des Wangener Kirchenmalers August Braun erst 1931 ergänzt.
Profanbauten Der Dorfplatz im Ortszentrum ist ein weiter, leicht geneigter repräsentativer Platz mit neugotischem Brunnen. Umgeben ist der Platz von einigen respektablen Bauwerken, dem ehemaligen Amtshaus der Vogtei und späteren Rathaus, dem Gasthaus zur Rose, dem Gasthaus zum Löwen sowie dem Museum.
Burg Megelolf – eine abgegangene, heute nicht mehr lokalisierbare Anlage.