La Strada – Das Lied der Straße (Originaltitel La strada) ist ein italienisches Melodram des Regisseurs Federico Fellini. Mit seinem vierten Film begründete er seinen internationalen Ruhm, machte seine Ehefrau Giulietta Masina bekannt und schuf den Begriff Zampano. Es ist Fellinis letzter Film im Genre des italienischen Neorealismus und zugleich eines seiner wohl angesehensten Werke. La Strada hatte Premiere am 6. September 1954 in Venedig.

Als einer von insgesamt acht Fellini-Filmen, wurde der ikonische Schwarzweißfilm, 2008 auf die offizielle, vom italienischen Kulturministerium gebilligte Liste „100 erhaltenswerte italienische Filme“ aufgenommen. Die 100 ausgewählten Filme entstanden zwischen 1942 und 1978 und haben das kollektive Gedächtnis Italiens maßgeblich geprägt.Official list – ITALY – 100 Italian films to be saved. IMDb, abgerufen am 9. Juli 2025.

Handlung Zampanò, ein grobschlächtiger Schausteller, zeigt auf Marktplätzen immer dieselbe Nummer: Kraftvoll sprengt er eine Eisenkette, die seinen Brustkorb umschließt. Für diese Vorstellung braucht er eine neue Assistentin, da seine Frau Rosa gestorben ist. So kauft der Zampanò ihrer bettelarmen Mutter für 10.000 Lire die naive Tochter Gelsomina ab und nimmt sie mit auf seine Tournee. Gelsomina tritt als Clown auf – mit Gesten, die an Charlie Chaplin erinnern.Steven Jay Schneider (Hrsg.): 1001 Filme. Edition Olms, Zürich 2004, S. 303. Doch Zampanò behandelt seine Assistentin schlecht. Dennoch bleibt sie bei ihm – schließlich ist sie ja auch völlig von ihm abhängig. Das ungleiche Paar nächtigt entweder in Zampanòs motorradgezogenem Planwagen-Motocarro-Dreirad, in Ställen oder unter freiem Himmel. Gelsomina hat zu warten, während Zampanò sich ab und zu mit Frauen vergnügt.

mini|links|Italienischer „Motocarro“ ähnlich dem Planwagen-Gefährt von Zampanò Eines Tages hat Gelsomina die schlechte Behandlung satt und läuft weg. Auf einem Marktplatz bewundert sie den Auftritt des Seiltänzers Matto. Am Abend holt Zampanò sie ein und verprügelt sie. Anlässlich eines Engagements Zampanòs bei dem Zirkus von Signor Giraffa trifft Gelsomina Matto wieder. Dieser hat ein großes Mundwerk und macht sich ständig über Zampanò lustig. Matto lässt Gelsomina mehr Aufmerksamkeit zukommen als je ein Mensch zuvor und bringt ihr unter anderem auch eine kleine Melodie auf der Trompete bei. Über diese Verbindung kommt es zum Streit zwischen Zampanò und Matto, der dazu führt, dass beide den Zirkus verlassen müssen. Gelsomina bleibt – auch durch Mattos Zuspruch – bei Zampanò, obwohl sie das Angebot erhält, beim Zirkus oder bei Matto zu bleiben.

Bei einer Übernachtung in einem Kloster versucht Zampanò, silberne Votivgaben zu stehlen. Dadurch kommt es zu einer ernsthaften Störung des Vertrauensverhältnisses zu Gelsomina. Obwohl auch die Nonnen dieser anbieten zu bleiben, reist sie mit Zampanò ab. Auf dem Weg treffen sie zufällig auf Matto, der eine Autopanne hat. Zampanò will sich an ihm rächen und schlägt ihn zusammen. Dabei schlägt Matto mit dem Hinterkopf auf einer Kante seines Automobils auf und stirbt bald darauf. Zampanò kann die Spuren zwar verwischen, verliert aber endgültig jeglichen Kontakt zur völlig verstörten Gelsomina. Er verlässt sie heimlich frühmorgens. Als letzte Gabe hinterlässt er ihr etwas Geld und die Trompete.

Jahre später – noch immer tourt er sichtlich heruntergekommen mit derselben Zirkusnummer – hört er zufällig eine Frau die Melodie singen, die Gelsomina von Matto gelernt hat (die Melodie, welche leitmotivisch im Film immer wieder erklingt). Zampanò spricht die Frau an und erfährt vom weiteren Schicksal und vom Tod Gelsominas. Dies führt bei ihm zum ersten wirklichen Gefühlsausbruch – ein Gefühl absoluter Einsamkeit und ReueInhaltsangabe bei der ZDFmediathek. – er betrinkt sich, geht an den Strand und bricht weinend zusammen.

Synchronisation Die deutsche Synchronfassung entstand zur deutschen Kinopremiere im Jahre 1956 bei der Berliner UFA-Film. Für Dialogbuch und Dialogregie zeichnete Georg Rothkegel verantwortlich. Wolf Martini synchronisierte Anthony Quinn als Zampanò; Ruth Nimbach lieh Giulietta Masina als Gelsomina ihre Stimme und Hans Putz ist als Matto (Richard Basehart) zu hören.

Rezeption

La Strada gilt als Klassiker. So erfasst der US-amerikanische Aggregator Rotten Tomatoes fast ausschließlich wohlwollende Besprechungen und ordnet den Film dementsprechend als „Zertifiziert Frisch“ ein. Und They Shoot Pictures, Don’t They? zählt La Strada zu den 100 angesehensten Werken der Filmgeschichte.

In der Rückschau sah Starkritiker Roger Ebert in La Strada den ersten richtig „felliniesquen“ Film:

2003 erstellte die Bundeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit zahlreichen Filmschaffenden einen Filmkanon für die Arbeit an Schulen und nahm diesen Film in ihre Liste mit auf.

Auszeichnungen La Strada ist der erste Film, der einen Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film aus einer Auswahl von fünf Nominierten und nicht als „Ehrenoscar“ gewann.

1954: Filmfestspiele von Venedig: Silberner Löwe in der Kategorie Beste Regie 1955: Nastro d’Argento der Sindacato Nazionale Giornalisti Cinematografici Italiani in der Kategorie Beste Regie: Federico Fellini in der Kategorie Bester Produzent: Dino De Laurentiis, Carlo Ponti in der Kategorie Bestes Drehbuch: Dino De Laurentiis, Tullio Pinelli 1956: British Film Academy Award: Nominiert in den Kategorien Bestes Drehbuch nach einer Vorlage und Beste ausländische Schauspielerin (Masina) 1956: Bodil in der Kategorie Bester europäischer Film 1956: New York Film Critics Circle Award in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film 1957: Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film. Außerdem nominiert in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch 1957: * Blue Ribbon Awards (Japan) in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film 1958: Blue Ribbon Award in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film 1958: Cinema Writers Circle Award (Spanien) Bester fremdsprachiger Film 1958: Kinema Junpo Awards (Japan) Bester fremdsprachiger Film

Literatur Dirk Blothner: La Strada: Fellini macht sich auf den Weg. In: Peter Bär, Timo Storck, Karin Nitzschmann, Andreas Hamburger, Gerhard Schneider (Hrsg.). (2024). Federico Fellini: Zeitlose Bilder (S. 29–44). Cinema Quadrat e. V., Mannheim 2024, ISBN 978-3-384-10895-1 (Print), ISBN 978-3-384-10896-8 (E-Book). Peter E. Bondanella, Manuela Gieri (Hrsg.): La Strada. Federico Fellini, director (= Rutgers Films in Print 8). Rutgers University Press, New Brunswick u. a. 1991, ISBN 0-8135-1237-9. Federico Fellini: La Strada. In: Federico Fellini: Filmszenarien. Band 1: La Strada, Die Nächte der Cabiria, La Dolce Vita, 8 1/2, Amarcord. Verlag Volk und Welt, Berlin 1983. Christian Ferrara: Über Fellinis „La Strada“. Die Straße als Weg des Lebens. Grin Verlag, München 2007, ISBN 978-3-638-79501-2. Dieter Krusche, Jürgen Labenski: Reclams Filmführer. 7. Auflage. Reclam, Stuttgart 1987, ISBN 3-15-010205-7, S. 533f. Harvey Swados: La Strada: Realism and the Comedy of Poverty. In: Yale French Studies. n° 17, 1956, , S. 38–43. Paolo Torresan, Franco Pauletto: La Strada. Federico Fellini (= Quaderni di cinema italiano per stranieri). Guerra Edizioni, Perugia 2004, ISBN 88-7715-790-9. Vernon Young: La Strada: Cinematographic Intersections. In: The Hudson Review. Vol. 9, n° 3, Autumn 1956, , S. 437–434.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1954 Kategorie:Italienischer Film Kategorie:Filmdrama Kategorie:Federico Fellini Kategorie:Zirkusfilm Kategorie:Nino Rota