mini|Harmonichord von Kaufmann, 1835. Falsche Farben. Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig. Ein Harmonichord ist ein Tasteninstrument, dessen Saiten nicht durch Hämmer, sondern wie bei einer Drehleier durch indirekt übertragene Reibung in Vibration versetzt werden. Es hat einen ähnlichen Klang wie eine Glasharmonika, aber einen größeren Tonumfang. Es wurde um 1809 eingeführt. Das Terpodion war ähnlich konstruiert, hatte jedoch keine Saiten.
Das Harmonichord ist eine Variante des Streichklaviers und ein Versuch des Dresdner Instrumentenbauers Johann Gottfried Kaufmann und dessen Sohnes Friedrich Kaufmann, ein Klavier so zu verändern, dass wie bei einer Violine länger klingende Töne produziert werden können. Äußerlich hat das Instrument die Form des Giraffenklaviers. Das Harmonichord ist nicht mit dem französischen Harmonicorde und dem Piano harmonicorde zu verwechseln.
Bauform und Spielweise Der Raum unter den Tasten ist geschlossen. Die wesentlichen inneren Teile sind die Saiten, ein langer, wildlederüberzogener Holzzylinder oder -kegel und Holzstäbchen.
Der Holzzylinder lässt sich durch ein Pedal in Rotation versetzen. Die Holzstäbchen werden durch Niederdrücken der Tasten derart mit dem einen Ende gegen den Kegel gepresst, dass die von dem rotierenden Kegel ausgeübte Reibung auf die Saiten übertragen wird. Einige Akkorde erforderten so viel Druck, dass die Kraft, die eine Person aufwenden konnte, nicht ausreichte, so dass zwei Pianisten nötig waren, um den Ton zu spielen. Dies war auch bei dem mittelalterlichen Organistrum der Fall.
Friedrich Theodor Kaufmann (1823–1872) war der Sohn von Johann Friedrich Kaufmann, der ebenfalls Musikautomaten (Orchestrien) baute.“From 1842 to 1844 Frederick Kaufmann, accompanied by his son Frederick Theodore Kaufmann (1823–1872), went on another tour. …”. In: The Jury, 5, 1851, issue of The Illustrated London News presented this account: “On Saturday the 21st, …” books.google.com Die Kaufmanns entwickelten auch den mechanischen Trompeter.
Carl Maria von Weber schrieb 1811 für das Harmonichord ein Konzert mit Orchesterbegleitung (Adagio & Rondo in F op. 115).
Zeitgenössische Berichte Die Beschreibung eines Konzertes, das die Kaufmann-Familie am Samstag, dem 21. Juni 1851, in der St Martin’s Hall gab, wurde in der The Illustrated London News veröffentlicht und weitere Berichte folgten.
Übersetzte Zitate:
Literatur Curt Sachs: Reallexikon der Musikinstrumente. 1913.
Weblinks Harmonichord. Musical Instrument Museums Online (MIMO).
Einzelnachweise
Kategorie:Saitenklavier Kategorie:Streichinstrument