Das Infanterie-Regiment „Alt-Württemberg“ (3. Württembergisches) Nr. 121 war von 1716 bis 1919 ein Regiment des württembergischen Heeres.

Geschichte Name Der Verband wurde 1808 als Infanterie-Regiment „Herzog Wilhelm“ aus dem Musketier-Bataillon „Herzog Wilhelm“ – zu diesem seit 1804 bestehenden Bataillon kam ein zweites dazu – aufgestellt. 1811 wurde es umbenannt in Infanterie-Regiment Nr. 2 „Herzog Wilhelm“. Im Russlandfeldzug 1812 wurde das Regiment aufgerieben, aber im gleichen Jahr mit demselben Namen neu aufgestellt. Im Feldzug Frankreichs gegen Russland und Preußen 1813 wurde das Regiment vernichtet und danach erneut mit demselben Namen wieder aufgestellt. Die Verluste im Feldzug gegen Napoleon 1814 wurden durch Eingliederung der Mannschaften der aufgelösten Landregimenter 4 und 5 ausgeglichen. Mit der Militärreform 1817 fiel der Zusatz weg und das Regiment hieß ab 31. März 1817 3. Infanterie-Regiment. mini|hochkant=1.8|Ehrenmal des Regiments in Ludwigsburg Nach Abschluss der Militärkonvention mit dem Norddeutschen Bund vom 21./25. November 1870 erhielt es wie alle württembergischen Truppenteile zur Unterscheidung von Truppenteilen anderer deutscher Staaten am 2. Oktober 1871 den entsprechenden Zusatz 3. württembergisches Infanterie-Regiment. Am 18. Dezember 1871 erhielten alle württembergischen Regimenter zusätzliche Nummern. Diese entsprachen der fortlaufenden Nummerierung aller Regimenter des deutschen Bundesheeres, unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zu einem der Kontingente, das Regiment erhielt die Nummer 121: 3. württembergisches Infanterie-Regiment Nr. 121. Alle Truppenteile erhielten am 14. Dezember 1874 die Namen in der endgültigen Schreibweise und Nummerierung: Infanterie-Regiment (3. Württembergisches) Nr. 121. 1891 erhielt es den Zusatz Alt-Württemberg, da das Regiment seine Geschichte auf das 1716 aufgestellte Subsidien-Regiment Infanterie-Regiment Alt Württemberg zurückführte.Ab 31. Dezember 1720 Leib-Infanterie-Regiment, 1734 Regiment Prinz Alexander, noch 1734 Infanterie-Regiment Erbprinz von Württemberg, noch 1734 wieder als Regiment Prinz Alexander in Subsidien des Kaisers, 1736 kehrte das Regiment zurück, kam aber bereits 1737 wieder in kaiserliche Dienste nach Freiburg als Garnisonsregiment bis 1740. Im gleichen Jahr wurde es förmlich an Preußen abgetreten. Damit war der letzte Name Infanterie-Regiment „Alt-Württemberg“ (3. Württembergisches) Nr. 121. Am 30. April 1919 wurde das Regiment aufgelöst.

Die Tradition des Regiments übernahm in der Reichswehr die 6. Kompanie des 13. (Württ.) Infanterie-Regiments.

Garnisonen 1806 Stuttgart 1814 Schorndorf 1815 Niederbronn-les-Bains 1818 Stuttgart 1833 Ludwigsburg„Nach österreichischem Vorbild wechselten die Regimenter 1833 und 1842 ihre Garnisonen, um einer festen Verwurzelung der Kader in den Städten vorzubeugen.“ Zitiert nach Harder, Seite 66 1842 Ulm 1852 Stuttgart 1866 Ludwigsburg 1868 Hohenasperg 1872 I. Bataillon Hohenasperg, II. Bataillon Ludwigsburg 1873 III. Bataillon Gmünd 1877 I. Bataillon Ludwigsburg, II. Bataillon Hohenasperg 1879 I. und II. Bataillon Ludwigsburg 1890 Ludwigsburg (gesamtes Regiment)

Teilnahme an Gefechten und Kampfhandlungen 1806/07 auf Seiten Frankreichs gegen Preußen, Stärke 14 Offiziere und 837 Mann. Das Regiment kämpfte vor Glogau, Schweidnitz und Breslau. 1809 auf Seiten Frankreichs gegen Österreich in der Division Vandamme. Stärke 30 Offiziere und rund 1.400 Mann. 1812 auf Seiten gegen Frankreichs gegen Russland im Armeekorps Ney, Stärke rund 1.400 Mann. Nach der Schlacht von Borodino wurden die Reste der württembergischen Infanterie in drei Bataillone formiert. Am 8. Januar 1813 war das Regiment noch 21 Mann stark. Alle Fahnen wurden jedoch zurückgebracht. 1813 auf Seiten Frankreichs gegen Russland/Preußen im III. Armeekorps Reynier, Stärke rund 1.400 Mann, zurück kamen 1 Offizier und 70 Unteroffiziere und Mannschaften. Einsatz u. a. in Bautzen Groß-Rosen, Jüterbog und Euper. Nach der Schlacht bei Dennewitz wurden die Reste der württembergischen Infanterie in drei Bataillone formiert. Alle Fahnen wurden zurückgebracht. 1814 gegen Frankreich mit der Hauptarmee (württembergisches Korps im IV. Korps), Stärke 29 Offiziere und rund 1.400 Mann. Einsatz in Neubreisach, Montereau, Arcis-sur-Aube und Paris. 1815 gegen Frankreich in der 4. Armee „von Schwarzenberg“, Stärke rund 1.400 Mann. Das Regiment blieb bis 1818 im Elsass. 1866 gegen Preußen, Stärke 38 Offiziere und Fähnriche, 1.621 Unteroffiziere und Mannschaften. Einsatz im Rahmen des VIII. Korps der Bundesarmee bei Tauberbischofsheim. 1870/71 gegen Frankreich. Das Regiment marschierte in einer Stärke von 41 Offizieren, 191 Unteroffizieren, 59 Musikern und 1.613 Mannschaften aus und war in der württembergischen Division im Verband der 3. Armee bei Wörth, Sedan, Grand Puits, Nogent sur Seine und Mont Mesly eingesetzt. Verluste: 46 Gefallene, 112 Verwundete, 47 Verstorbene. 1900 am zweiten internationalen Expeditionskorps in China nahm eine unbekannte Zahl von Soldaten aus dem Regiment teil. Dort verstarb ein Musiker, vier Mann wurden verwundet. 1904/06 am Kampf gegen die Herero nahmen ebenfalls Soldaten des Regiments in nicht bekannter Stärke teil. Verluste: 1 Gefallener, 1 Verwundeter, 3 Verstorbene. Im Ersten Weltkrieg kämpfte das Regiment innerhalb der 26. Infanterie-Division an verschiedenen Fronten.

Das XIII. Armee-Korps kämpfte zunächst in den Argonnen.

Am 22. August 1914 war es an der Gräueltat von Saint-Pancré beteiligt.Alan Kramer: „Greueltaten“. Zum Problem der deutschen Kriegsverbrechen in Belgien und Frankreich 1914 Ab 1. Dezember 1914 bildeten die 26. Division (1. Königlich Württembergische) und die 25. Reserve-Division (mit unterstelltem Feldartillerie-Regiment „König Karl“ (1. Württembergisches) Nr. 13) das „XIII. Korps Fabeck“ bei der 9. Armee (Mackensen) in Polen und stieß bei Kozlow an die Bzura vor.

Im März 1915 wurde das XIII. Korps der 12. Armee Gallwitz unterstellt und nach Norden nach Przasnysz verlegt. Von Juli bis August war das Regiment am Durchbruch über den Narew beteiligt und erreichte den Njemen. Im September wurde die Division aus der Ostfront herausgelöst, im Bahntransport in den Raum westlich Belgrad verlegt. Am 1. November wurde die Division dem XXII. Reservekorps (Falkenhayn), 3. österr.-ungar. Armee (Köveß), unterstellt und drang bis Mitte November bis Kraljevo vor. Im Dezember wurde das XIII. Korps mit der 26. Infanterie-Division und dem Feldartillerie-Regiment 13 wieder an die Westfront in den Raum westlich Ypern verlegt.

1916 war das Regiment im Rahmen der Division in der Schlacht an der Somme eingesetzt und kämpfte bei der sogenannten „Doppelhöhe 60“.

1917 war die Division in der Schlacht von Arras und in der Zweiten Flandernschlacht eingesetzt. Ab 12. September wurde sie von Zabern in den Raum Klagenfurt verlegt, wo sie am 7. Oktober eintraf, mit der 200. (preuß.) Jäger-Division dem Generalkommando z. b. V. (zur besonderen Verwendung) 51Württ. Generalleutnant Albert von Berrer, gefallen 28. Oktober 1917, Nachfolger württ. Generalleutnant Eberhard von Hofacker unterstellt und für den Kampf im Gebirge ausgerüstet und ausgebildet wurde. Vom 24. Oktober an war die Division an den Kämpfen in Venetien (Zwölfte Isonzoschlacht und Erste Piaveschlacht) beteiligt und erreichte die Piave, wo sie bis zum 6. Dezember blieb.

Danach wurde sie zur Ausbildung hinter der Front in den Raum Molsheim verlegt und kam im März 1918 nach Valenciennes. Während der Deutschen Frühjahrsoffensive 1918 stieß sie in der Operation Michael bis Beaumont vor und wurde anschließend bei Reims eingesetzt. In den Rückzugskämpfen ging sie auf die Antwerpen-Maas-Stellung zurück, von wo sie nach dem Waffenstillstand von Compiègne zu Fuß den Rückmarsch über Prüm, Linz am Rhein und Ferndorf in den Raum Marburg antrat. Von dort erreichte das Regiment seine Friedensgarnisonen in Württemberg.

Die Gesamtverluste betrugen 3.692 Gefallene, 62 Verstorbene, 434 Vermisste.

Auftrag Das Regiment hatte den Auftrag, den infanteristischen Feuerkampf zu führen. Im Frieden wurden die Soldaten hierzu an entsprechenden Waffen sowie als Krankenträger ausgebildet.

Organisation Verbandszugehörigkeit Bis 1816 gab es in Württemberg im Frieden keine Großverbände. Solche wurden nur für einzelne Feldzüge zusammengestellt.

Mit der grundlegenden Neuorganisation 1817 wurde das württembergische Heer erstmals auch im Frieden in Großverbände gegliedert. Das Regiment bildete zusammen mit dem 4. Infanterie-Regiment die 2. Brigade in der 1. Division. Im Juli 1849 wurde wieder eine Neugliederung des württembergischen Heeres befohlen. Die Infanterie wurde in nur einer Division (ohne Nummer) zusammengefasst.

Von 1871 bis 1914 gehörte das Regiment zur 52. Infanterie-Brigade (2. Königlich Württembergische) in Ludwigsburg, 26. Division (1. Königlich Württembergische), XIII. (Königlich Württembergisches) Armee-Korps.

Während des ganzen Ersten Weltkriegs blieb das Regiment bei der 26. Division.

Gliederung Bis 1871 bestand das Regiment aus zwei Bataillonen.

Am 1. Oktober 1872 kam das dritte (Füsilier-)Bataillon dazu, am 2. Oktober 1893 wurde das IV. Bataillon als Halb-Bataillon aufgestellt. Letzteres wurde am 1. Oktober 1897 zur Aufstellung des Füsilier-Bataillons an das 10. Württembergische Infanterie-Regiment Nr. 180 abgegeben.

Abgaben Am 1. November 1873 wurde die 3. Kompanie zur Aufstellung des Füsilier-Bataillons des Füsilier-Regiment „Kaiser Franz Josef von Österreich, König von Ungarn“ (4. Württembergisches) Nr. 122, am 1. Oktober 1874 die 10. Kompanie zur Aufstellung des Infanterie-Regiments „Kaiser Friedrich, König von Preußen“ (7. Württembergisches) Nr. 125General Stühmke: Das Infanterie-Regiment „Kaiser Friedrich, König von Preußen“ (7. Württ.) Nr. 125 im Weltkrieg 1914–1918; Chr. Belser A.G., Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1923 abgegeben.

Alle diese Abgaben wurden aus dem Regiment wieder aufgestellt. Am 1. April wurde das IV. (Halb-)Bataillon an das Infanterie-Regiment (9. Württ) Nr. 127 abgegeben.

Kommandeure