Medaillenspiegel (Endstand nach 47 Entscheidungen) Platz Land G S B Gesamt1 1066222 742133 461114 24395 24286 22487 22268 217109 211410 21–3 Vollständiger Medaillenspiegel
Die 12. Leichtathletik-Weltmeisterschaften (offiziell 12th IAAF World Championships in Athletics berlin 2009™ oder 12. IAAF Leichtathletik Weltmeisterschaften berlin 2009™) fanden vom 15. bis 23. August 2009 im Olympiastadion der deutschen Hauptstadt Berlin statt. Eine Ausnahme bildeten die Veranstaltungen im Marathonlauf sowie das 20- bzw. 50-Kilometer-Gehen, die am Brandenburger Tor gestartet wurden und auch dort ihr Ziel fanden.
Etat Die Organisatoren gaben einen Etat von 45 Millionen Euro bekannt, der unter anderem durch 17 Millionen Euro aus dem Ticketverkauf und 7 Millionen Euro aus dem Marketing gedeckt wurde.
Athletenunterbringung Die Athleten waren während der Veranstaltung in den Hotels Estrel im Ortsteil Neukölln (950 gebuchte Zimmer) und Berlin im Ortsteil Tiergarten (650 gebuchte Zimmer) untergebracht.
Maskottchen mini|hochkant=1| Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Maskottchen Berlino.
Bewerbungen um den Austragungsort Für die Austragung hatten zunächst acht Städte ihr Interesse bekundet: Berlin (Deutschland), Brisbane (Australien), Brüssel (Belgien), Casablanca (Marokko), Daegu (Südkorea), Delhi (Indien), Split (Kroatien) und Valencia (Spanien). Bis zum 30. Juni 2004 mussten die Bewerbungsunterlagen der Städte beim Leichtathletik-Weltverband IAAF eingereicht werden. Kurz vor dem Stichtag zogen Brisbane, Casablanca, Daegu und Delhi ihre Bewerbung zurück, sodass nur die vier europäischen Kandidatenstädte verblieben. Am 4. Dezember 2004 vergaben die Mitglieder des IAAF-Rates während ihrer Sitzung in Helsinki die Veranstaltung mit 24 von 26 möglichen Stimmen nach Berlin.
Berichterstattung ARD und ZDF traten als Fernsehanstalten des Gastgeberlandes auf, produzierten die Fernsehbilder in hochauflösendem Format (HDTV) 1080i50HDTV bei ARD und ZDF: Leichtathletik-WM wird im "falschen Format" produziert, heise.de, abgerufen am 16. November 2020 und produzierten somit nicht nach der EBU-Empfehlung in 1080p50. Sie stellten das Signal für über 190 Fernsehmärkte weltweit zur Verfügung. Gesendet wurde von ARD und ZDF in der Auflösung 720p50. Hierzu wurden im Olympiastadion ca. neunzig Fernsehkameras aufgebaut, was deutlich mehr als bei der Übertragung von Fußballspielen ist.
Außerdem gab es ausführliche Liveübertragungen durch den Privatsender Eurosport, in der Schweiz durch SF zwei.
Die Sender ARD und ZDF boten, sich täglich abwechselnd, eine Liveübertragung sämtlicher Wettkämpfe in Echtzeit über das Internet in der ARDmediathek und ZDFmediathek an. Der Anbieter Zattoo ermöglichte Internetnutzern in Deutschland und der Schweiz den Empfang des laufenden Programms von ARD und ZDF und somit auch den Empfang der Weltmeisterschaftsberichterstattung über das Internet.
Einige Medien, darunter die taz, boykottierten die Berichterstattung, da sich alle Journalisten zum Erhalt der Akkreditierung mit einer polizeilichen und geheimdienstlichen Durchleuchtung einverstanden erklären mussten. Dafür wurden Anfragen beim LKA Berlin und darauffolgend beim Verfassungsschutz des Bundes und der Länder, beim Bundesnachrichtendienst und in verschiedenen Gewalttäterdateien gestellt. Der Deutsche Journalisten-Verband verurteilte das Prozedere als „mit der Pressefreiheit nicht vereinbar.“, web.archive.org, abgerufen am 16. November 2020 Diese Praxis brachte dem Organisationskomitee im Oktober 2009 auch einen Big Brother Award ein.Laudatio für die Vergabe des Negativpreises auf der Seite der Big Brother Awards, bigbrotherawards.de, abgerufen am 16. November 2020
Teilnehmende Nationen Liste der teilnehmenden Nationen (in Klammern steht die Anzahl der qualifizierten Athleten): (2) (4) (1) (6) (2) (4) (2) (2) (2) (2) (6) (2) (1) (33) (44) (20) (9) (1) (4) (26) (25) (1) (2) (1) (1) (2) (1) (5) (37) (1) (1) (11) (2) (2) (2) (4) (32) (2) (2) (3) (3) (2) (91) (1) (8) (1) (10) (2) (2) (8) (19) (2) (18) (71) (2) (2) (2) (2) (5) (1) (6) (21) (2) (2) (3) (2) (2) (1) (6) (2) (2) (2) (14) (2) (4) (35) (46) (57) (2) (1) (3) (29) (2) (14) (9) (43) (2) (2) (12) (2) (5) (34) (2) (2) (2) (15) (2) (2) (15) (2) (1) (1) (2) (2) (2) (2) (2) (1) (20) (1) (2) (3) (1) (14) (1) (6) (1) (2) (2) (2) (2) (4) (2) (16) (2) (2) (15) (1) (1) (24) (6) (2) (14) (1) (4) (2) (2) (2) (2) (2) (1) (4) (2) (47) (30) (4) (2) (2) (17) (101) (2) (4) (2) (2) (2) (9) (23) (13) (4) (9) (2) (1) (5) (2) (12) (13) (1) (51) (2) (6) (1) (2) (28) (9) (19) (2) (2) (2) (2) (10) (9) (2) (2) (17) (22) (5) (9) (2) (1) (2) (11) (56) (11) (2) (5) (2) (2) (2) (54) (130) (2) (2) (4)
Liechtenstein entsandte keine Athleten.
Wettkampfrunden Die Teilnehmer am Finalwettkampf wurden in bis zu drei Ausscheidungswettkämpfen ermittelt. Im 10.000-Meter-Lauf, Marathonlauf, den drei Wettbewerben im Gehen, Sieben- und Zehnkampf fanden keine Vorausscheidungen statt. Termine der Wettkampfrunden Disziplin Männer Frauen Vorlauf (VL),Qualifikation (Q) Zwischen-lauf Halb-finale Finale Vorlauf (VL),Qualifikation (Q) Zwischen-lauf Halb-finale Finale 100 m 15.08. (VL) 15.08. 16.08. 16.08. 16.08. (VL) 16.08. 17.08. 17.08. 200 m 18.08. (VL) 18.08. 19.08. 20.08. 19.08. (VL) 19.08. 20.08. 21.08. 400 m 18.08. (VL) 19.08. 21.08. 15.08. (VL) 16.08. 18.08. 800 m 20.08. (VL) 21.08. 23.08. 16.08. (VL) 17.08. 19.08. 1500 m 15.08. (VL) 17.08. 19.08. 19.08. (VL) 21.08. 23.08. 5000 m 20.08. (VL) 23.08. 19.08. (VL) 22.08. 10.000 m 17.08. 15.08. Marathonlauf 22.08. 23.08. 20-km-Gehen 15.08. 16.08. 50-km-Gehen 21.08. 100 m Hürden 18.08. (VL) 19.08. 19.08. 110 m Hürden 19.08. (VL) 20.08. 20.08. 400 m Hürden 15.08. (VL) 16.08. 18.08. 17.08. (VL) 18.08. 20.08. 3000 m Hindernis 16.08. (VL) 18.08. 15.08. (VL) 17.08. 4 × 100 m 21.08. (VL) 22.08. 22.08. (VL) 22.08. 4 × 400 m 22.08. (VL) 23.08. 22.08. (VL) 23.08. Hochsprung 19.08. (Q) 21.08. 18.08. (Q) 20.08. Stabhochsprung 20.08. (Q) 22.08. 15.08. (Q) 17.08. Weitsprung 20.08. (Q) 22.08. 21.08. (Q) 23.08. Dreisprung 16.08. (Q) 18.08. 15.08. (Q) 17.08. Kugelstoßen 15.08. (Q) 15.08. 16.08. (Q) 16.08. Diskuswurf 18.08. (Q) 19.08. 19.08. (Q) 21.08. Hammerwurf 15.08. (Q) 17.08. 20.08. (Q) 22.08. Speerwurf 21.08. (Q) 23.08. 16.08. (Q) 18.08. Siebenkampf 15./16.08. Zehnkampf 19./20.08.
Sportliche Leistungen Auch die zwölfte Austragung der Leichtathletik-Weltmeisterschaften war wie die Veranstaltungen zuvor von einem hohen Leistungsniveau geprägt.
Rekorde und Bestleistungen Während der Weltmeisterschaften wurden drei Weltrekorde aufgestellt: 100-Meter-Lauf, Männer – Usain Bolt, Jamaika 9,58 s (Finale) 200-Meter-Lauf, Männer – Usain Bolt, Jamaika 19,19 s (Finale) Hammerwurf, Frauen – Anita Włodarczyk, Polen 77,96 m (Finale) Des Weiteren gab es vier Kontinentalrekorde: 200-Meter-Lauf, Männer – Alonso Edward, Panama 19,81 s (Südamerikarekord), Finale 3000-Meter-Hindernislauf, Frauen – Jennifer Barringer, USA 9:12,50 min (Amerikarekord), Finale 3000-Meter-Hindernislauf, Männer – Bouabdellah Tahri, Frankreich 8:01,18 min (Europarekord), Finale Zehnkampf, Männer – Larbi Bourrada, Algerien 8171 P (Afrikarekord) Folgende Championship-Records – Weltmeisterschaftsrekorde – wurden darüber hinaus verzeichnet: 10.000-Meter-Lauf, Männer – Kenenisa Bekele, Äthiopien 26:46,31 min (Finale) Marathonlauf, Männer – Abel Kirui, Kenia 2:06:55 h (Finale) 400-Meter-Hürdenlauf, Frauen – Melaine Walker, Jamaika 52,42 s (Finale) 3000-Meter-Hindernislauf, Männer – Ezekiel Kemboi, Kenia 8:00,43 min (Finale) 4-mal-100-Meter-Staffel, Männer – Jamaika (Steve Mullings, Michael Frater, Usain Bolt, Asafa Powell) 37,31 s (Finale) Hammerwurf, Frauen – Betty Heidler, Deutschland 75,27 m (Vorkampf) Es wurden sechzehn Weltjahresbestleistungen aufgestellt. Darüber hinaus gab es 48 Landesrekorde.
Erfolgreichste Sportler Es gab sieben Athleten, die sich über Mehrfacherfolge freuen durften. Der erfolgreichste Sportler errang drei Goldmedaillen: Usain Bolt, Jamaika – 100 Meter, 200 Meter und 4-mal-100-Meter-Staffel, außerdem auf beiden Einzelstrecken mit jeweils kaum für möglich gehaltenen Weltrekorden. Neben der Siegerprämie von 60.000 US-Dollar für die Weltrekorde erhielt er ein zusätzliches Preisgeld eines Sponsors, der für jeden bei den Weltmeisterschaften erzielten Weltrekord einen Siegerscheck in Höhe von 100.000 US-Dollar auslobte. Zwei Goldmedaillen errangen: Kenenisa Bekele, Äthiopien – 5000 Meter, 10.000 Meter LaShawn Merritt, USA – 400 Meter, 4-mal-400-Meter-Staffel Kerron Clement, USA – 400 Meter Hürden, 4-mal-400-Meter-Staffel Shelly-Ann Fraser, Jamaika – 100 Meter, 4-mal-100-Meter-Staffel Allyson Felix, USA – 200 Meter, 4-mal-400-Meter-Staffel Sanya Richards, USA – 400 Meter, 4-mal-400-Meter-Staffel Folgende Weltmeister waren bereits bei vorangegangenen Weltmeisterschaften siegreich: Kenenisa Bekele, Äthiopien – 10.000 Meter: vierter Sieg in Folge, hier 5000 Meter, damit jetzt fünffacher Weltmeister Allyson Felix, USA – 200 Meter: dritter Sieg in Folge, 4-mal-400-Meter-Staffel: zweiter Sieg in Folge, damit jetzt fünffache Weltmeisterin Jeremy Wariner, USA – 4-mal-400-Meter-Staffel: dritter Sieg in Folge, außerdem über 400 Meter zweifacher Weltmeister (2003/2005), damit jetzt fünffacher Weltmeister Kerron Clement, USA – jeweils zweiter Sieg in Folge über 400 Meter Hürden und mit der 4-mal-400-Meter-Staffel, damit jetzt vierfacher Weltmeister Sanya Richards, USA – 4-mal-400-Meter-Staffel: dritter Sieg nach 2003 und 2007, außerdem hier Siegerin über 400 Meter, damit jetzt vierfache Weltmeisterin Dwight Phillips, USA – Weitsprung: dritter Sieg nach 2003 und 2005 LaShawn Merritt, USA – 4-mal-400-Meter-Staffel, außerdem hier Weltmeister über 400 Meter, damit jetzt dreifacher Weltmeister Maryam Yusuf Jamal, Bahrain – 1500 Meter: zweiter Sieg in Folge Blanka Vlašić, Kroatien – Hochsprung: zweiter Sieg in Folge Yargelis Savigne, Kuba – Dreisprung: zweiter Sieg in Folge Valerie Vili, Neuseeland – Kugelstoßen: zweiter Sieg in Folge Angelo Taylor, USA – 4-mal-400-Meter-Staffel: zweiter Sieg in Folge Natasha Hastings, USA – 4-mal-400-Meter-Staffel: zweiter Sieg in Folge
Doping Wie schon die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2001 in Edmonton, 2003 in Paris 2005 in Helsinki und 2007 in Osaka wurden auch diese Weltmeisterschaften bedingt durch nachträgliche Untersuchungen und Erkenntnisse von der leidigen Dopingproblematik belastet. Allerdings steigerte sich die Anzahl der nach und nach überführten Sportler um ein Vielfaches auf 49 Dopingfälle, davon 16 Männer und 33 Frauen. In der folgenden langen Auflistung sind die betroffenen Athletinnen und Athleten benannt:Doping Violations at IAAF World Championships, Berlin 2009 im Statistics Handbook der IAAF zur WM 2019 in Doha, S. 82 (PDF; 10,3 MB, englisch), abgerufen am 16. November 2020 Samuel Francis, Qatar – 100-Meter-Lauf, im Viertelfinale ausgeschieden. Er wurde zusammen mit 97 weiteren Sportlern bei Nachtests der Resultate von den Olympischen Spielen 2008 und 2012 positiv auf die Substanz Stanozolol getestet, was eine Annullierung seiner Resultate unter anderem von diesen Weltmeisterschaften nach sich zog., reuters.com 1. September 2016 (englisch), abgerufen am 16. November 2020