Der VEB Waschgerätewerk Schwarzenberg (kurz VEB WGW) war der größte Betrieb für die Entwicklung und Produktion von Waschgeräten in der DDR mit Firmensitz in Schwarzenberg/Erzgeb. Der VEB WGW war das Nachfolgeunternehmen der im Jahre 1946 verstaatlichten Kraußwerke. Im Laufe der Zeit wurden weitere Betriebe zugeordnet, sodass bis 1989 ein Großbetrieb mit etwa 3400 Beschäftigten entstand. Mit der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion wurde der VEB am 1. Juni 1990 reprivatisiert und in eine GmbH umgewandelt. Danach erfolgten Ausgründungen verschiedener Betriebsteile, wobei der für die Waschgeräteproduktion ausgegründete Betriebsteil im Jahre 2000 in Konkurs ging und die über 100 Jahre währende Waschgeräteproduktion in Schwarzenberg/Erzgeb. endete.
Firmengeschichte mini|Geschäftsanzeige für das Triumph Wiegen- und Wellenbad, um 1898 mini|Werbeschild für Badewannen, Fa. Krauss mini|Sitzbadewanne, Fa. Krauss mini|Dreieckskanister, Fa. Krauss
Beginn als Klempnerwerkstatt 1887 gründete der Klempner Karl Louis Krauß in Neuwelt (Schwarzenberg) eine Klempnerwerkstatt zur Herstellung verschiedener Erzeugnisse aus Weißblech, wie z. B. Ölkannen, Trichter und Petroleumlampen. Auch die Wiegenschaukelbadewanne war ein Produkt aus dieser Werkstatt. Auf Grund der guten Umsätze und der erzielten Gewinne konnte Krauß die Expansion seines Unternehmens vorantreiben.
Die Kraußwerke Geschichte In mehreren Bauabschnitten vergrößerte Krauß durch Grundstückskäufe im Stadtgebiet sein Unternehmen, das nun unter dem Namen Kraußwerke firmierte. Von Beginn an war die Umformung von Blechen zu Fertigerzeugnissen ein Spezialgebiet der Kraußwerke. Mit dem Bau einer großen Feuerverzinkerei im Jahre 1905 konnten die Schwarzblecherzeugnisse wie Waschwannen, Badewannen (darunter die sogenannte Volksbadewanne), Wärmflaschen oder Waschmaschinenteile mit einem dauerhaften Korrosionsschutz überzogen werden. – Der Sohn des Gründers, Friedrich Emil Krauß, übernahm ab 1919 die Leitung des Werkes. 1937 wurden die Kraußwerke vom Amt für Schönheit der Arbeit als nationalsozialistischer Musterbetrieb ausgezeichnet. 1939 waren in den Kraußwerken 900 Arbeiter und Angestellte beschäftigt, wobei deren Zahl durch Einziehung zur Wehrmacht während der Kriegsjahre wieder stark abnahm. Am Ende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1945 hatte die Firma noch 450 Arbeiter und Angestellte.
Trommelwaschmaschine von Krauß Der Firmengründer, Karl Louis Krauß begann im Jahre 1902 mit der Entwicklung einer Ganzmetallwaschmaschine auf Basis des Trommelprinzips mit Kohlefeuerung und Handantrieb der Trommel. Diese erste Waschmaschine der Kraußwerke wurde bekannt unter dem Namen Dampfwaschmaschine System Krauß. Die Bezeichnung Dampfwaschmaschine besagte im Prinzip dabei, dass die Lauge in der Maschine zum Kochen gebracht wurde. Diese Waschmaschinen konnten nur in einem Waschhaus aufgestellt werden, da während der Kochphase am Deckel und an den Lagerstellen größere Mengen an Dampf austraten. Die Luft war im Waschhaus voller Wasserdampf. Die Dampfschwaden hatten einen unangenehmen Geruch. Auch wegen des notwendigen Schornsteinanschlusses für die Kohlefeuerung war das Betreiben der Waschmaschine nur in einem Waschhaus möglich.
Fortschritt durch Elektrifizierung 1923/24 setzte die Elektrifizierung der Haushalte in größerem Stil ein. 1927/28 haben z. B. in Berlin die Hälfte der Haushalte elektrischen Strom. Die Elektrifizierung führte auch zu einer Reihe von Neuentwicklungen bei Waschmaschinen mit wesentlich verbesserten Gebrauchswerteigenschaften. So wurden die Waschmaschinen direkt von einem Elektromotor angetrieben. Neben der althergebrachten Kohlefeuerung wurde nun die Waschmaschine mit Gas oder mit Strom beheizt. Auch die Firma Krauß wartete mit Neuentwicklungen auf. 1923 kam die Dampfwaschmaschine mit elektrischem Antrieb und Wendegetriebe für die Trommel (Drehrichtungswechsel) auf dem Markt.
mini|links|Turna Krauss mit der ersten gelochten Waschtrommel der Welt 1935 brachte die Firma Krauß eine neue Baureihe an Trommelwaschmaschinen (Typbezeichnung Turna) mit unterschiedlichem Fassungsvermögen für die Wäsche heraus. Das Neue dieser Waschmaschine war eine pendelnd gelagerte Trommel mit kugelförmiger Gestalt in einem durch Elektromotor angetriebenen Kreuzgelenkrahmen. Alle Geräte dieser Baureihe konnten wahlweise mit Kohle-, Gas- oder Elektroheizung geliefert werden. Die Waschgeräte der Firma Krauß waren meist mit einem Vorwärmbehälter ausgerüstet. Bei Waschmaschinen mit Kohle oder Gasheizung wurden die Abgase bzw. Rauchgase zur Erwärmung des Wassers im Vorwärmbehälter genutzt. Bei Waschmaschinen mit Elektroheizung wurde der Vorwärmbehälter auf dem Waschkessel aufgesetzt. Das im Vorwärmbehälter erwärmte Wasser konnte für Spülgänge oder für den nächsten Waschgang genutzt werden.
Neben dem Waschmaschinensortiment produzierten die Kraußwerke Wäscheschleudern, Wäschepressen, Badewannen aus verzinktem Blech, Waschwannen, Wäschestampfer u. ä. Erzeugnisse.
Umstellung der Produktion in den Jahren 1939 bis 1945 Statt Haushaltsgeräte aller Art mussten in den Jahren des Zweiten Weltkrieges bis 1945 Metallerzeugnisse für die Rüstungsindustrie (Flugzeugteile, Munitionskästen, Tropenkoffer, Teile für Panzerfäuste und Handgranaten, Kartuschen, Stahlhelme und Feldflaschen) hergestellt werden. Es wurden auch noch einige wenige Waschgeräte produziert. Waren bereits während des Ersten Weltkrieges 70 Italiener und Franzosen als Kriegsgefangene in den Fabriken tätig, so kamen während des Zweiten Weltkrieges 297 Zwangsarbeiter in den Kraußwerken zum Einsatz.
Nachkriegszeit Mit dem Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft im Jahre 1945 kam in den meisten Betrieben die Produktion zum Erliegen, so auch in den Kraußwerken. Aber bald wurde durch den Firmeninhaber Friedrich Emil Krauß mit dem intakten Maschinenpark und den noch vorhandenen Materialreserven auf Friedensproduktion umgestellt. Im August 1945 wurde der Unternehmer enteignet, zu 12 Jahren Haft verurteilt und nach 9 Jahren 1954 in die Bundesrepublik Deutschland entlassen.
Die Kraußwerke wurden von August 1945 bis Mitte 1946 unter der Aufsicht sowjetischer Offiziere mit etwa 80 Arbeitskräften als Reparationszahlung demontiert und die Maschinen in die Sowjetunion verbracht. Nach der Verhaftung des Firmeninhabers wurden die Kraußwerke treuhänderisch verwaltet. Die sowjetische Militäradministration genehmigte 1946 die Wiederaufnahme der Produktion mit den wenigen noch vorhandenen Ausrüstungen und Materialresten. So entstanden mit etwa 80 Arbeitern vorwiegend in Handarbeit Blechhandkoffer und Erzkisten für die Wismut AG. Auch Sonderaufträge für die Besatzungsmacht gehörten zum Fertigungsprogramm. 1947 und 1948 wurden einige Blechprodukte wie Gabeln, Kartoffelkörbe, Futtereimer erzeugt. Von 1947 bis 1948 konnten knapp 1.000 Waschmaschinen und Schleudern aus den noch vorhandenen Halbfertigteilen montiert werden.
VEB Waschgerätewerk Schwarzenberg mini|Überblick VEB Waschgerätewerk Schwarzenberg Werk 1 (Hauptwerk) Am 1. Juli 1947 wurden die Kraußwerke in VEB Erzgebirgische Waschgerätefabrik umbenannt. 70 Prozent der Produktionsfläche diente allerdings als Zentrallager der Wismut AG. Diese Räume konnten erst 1958 wieder für die Produktion genutzt werden. Aus alten Maschinenteilen wurden einige Planierbänke, Sickenmaschinen und Punktschweißmaschinen wieder hergerichtet. Firmen, die keine Voraussetzungen für eine Produktion mehr hatten, lieferten Pressen oder diese wurden von Betrieben aus der (alten) Bundesrepublik ausgeliehen. Auch die von der Demontage nicht erfasste Friktionspresse kam wieder zum Einsatz. Diese Pressen waren ein bescheidener Grundstock für eine Stanzerei. Die Stanzerei wurde in den 1950er-Jahren mit weiteren Ziehpressen und Exzenterpressen erweitert.
mini|Betriebsstruktur VEB Waschgerätewerk Schwarzenberg 1989
Das damalige übergeordnete Wirtschaftsorgan, die VVB Eisen-Blech-Metallwaren, stellte bald die Aufgabe, in größerem Umfang Waschmaschinen für die Bevölkerung zu produzieren. 1952 wurde der Name VEB Erzgebirgische Waschmaschinenfabrik in VEB Waschgerätewerk Schwarzenberg geändert. Dieser Name blieb bis zur Wende im Jahr 1990 erhalten. Das Produktionssortiment wurde bis Mitte der 1950er-Jahre in keiner Weise dem Firmennamen gerecht. Von 1949 bis 1955 wurden lediglich 4.612 Stück Waschmaschinen Turna, dem Vorkriegsmodell der Kraußwerke, hergestellt. Das war ein Jahresdurchschnitt von ca. 660 Geräten. Hauptprodukte waren verschiedene Blechartikel wie Waschwannen, Kinderbadewannen, Mülltonnen, Dachfenster.
Im Laufe der Jahre entwickelte sich der VEB WGW zu einem leistungsstarken Betrieb. Der Betrieb wurde mit neuen Gebäuden und technologischen Einrichtungen erweitert. Er produzierte ein umfangreiches Sortiment an Waschgeräten in hohen Stückzahlen für den Bedarf der DDR und für den Export. Die Ausstattung mit Waschmaschinen betrug 1990 95 Prozent. Der VEB WGW hatte einen eigenen Werkzeug- und Sondermaschinenbau und einen Betrieb für die Produktion von Kunststoffteilen. Neben der Produktion von Waschgeräten wurden in den Zweigwerken Sturmlaternen, Campinggeräte, Lötgeräte, Benzinkanister und ähnliche Erzeugnisse produziert.
Meilensteine der Waschgeräteproduktion im VEB WGW mini|Haupttor VEB Waschgerätewerk Schwarzenberg Werk 1 Der VEB WGW entwickelte und produzierte Waschmaschinen und Entwässerungsgeräte. Im Einzelnen waren das Wellenradwaschmaschinen, Waschhalbautomaten, Waschautomaten und Waschvollautomaten nach dem Trommelsystem, Wäschepressen und Wäscheschleudern.
Die Wiederaufnahme der Waschmaschinenproduktion nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte im Jahre 1949 mit dem Modell Turna der Kraußwerke. Die Turna war eine Waschmaschine mit einer kugelförmigen Trommel und Kohlefeuerung. Die von einem Elektromotor angetriebene Kugeltrommel war im Waschbehälter kardanisch gelagert, sodass sie während des Waschvorganges taumelnde Bewegungen vollführte.
Wellenradwaschmaschinen mini|VEB Waschgerätewerk Schwarzenberg Werk 2 1955 wurde die erste Eigenentwicklung des VEB WGW, die Wellenradwaschmaschine Combi, in die Serie überführt. Die Combi bot zusätzlich eine Möglichkeit zum Wäscheschleudern durch eine im Waschbehälter einsetzbare Schleuder. Anstelle des Wellenrades wurde dazu ein Windflügel aufgesteckt, in dessen Luftstrom die Wäsche vorgetrocknet wurde. Diese Waschmaschine war ein großer Fortschritt, denn sie war etagengerecht ausgeführt und konnte an das Haushaltstromnetz mittels Schutzkontaktsteckdose angeschlossen werden. Danach folgten weiter verbesserte Entwicklungen von Wellenradwaschmaschinen in unterschiedlichen Ausführungen. Die letzte Entwicklung war die Wellenradwaschmaschine in Kompaktausführung WM 600, die noch bis ins Jahr 2000 produziert wurde. In dem Waschbehälter der verbesserten Wellenradwaschmaschinen konnte die Kleinschleuder TS 60/66 aufbewahrt werden.
Im VEB WGW produzierte Wellenradwaschmaschinen: Combi, Combi II, Reni, Bella, WM60, WM63, WM64, WM 66Zeitung der Freitag vom 14. März 2003, Jan Rosenkranz: Das Mufu-Ding. Mit der WM 66 kann man Bockwürstchen erhitzen und Obst einwecken. Das ist viel Funktion für eine Waschmaschine; abgerufen am 24. November 2009, WM 600.
Trommelwaschmaschinen/Waschautomaten 1958 wurde im VEB WGW mit der Produktion von Trommelwaschmaschinen (ohne Schleudergang) begonnen. In Trommelwaschmaschinen können die einzelnen Arbeitsgänge bis zum Spülen ohne Umpacken der Wäsche ablaufen. Für die Entwässerung der Wäsche nach dem Spülen in der Maschine wurde in den meisten Fällen eine Wäscheschleuder verwendet. Die erste im VEB WGW produzierte teilautomatische Trommelwaschmaschine war die TM 58. Das Waschen mit der TM 58 war noch umständlich, denn der jeweilige Arbeitsgang musste von Hand an einem Schalter eingestellt werden. An einem Thermometer konnte die aktuelle Waschtemperatur abgelesen werden.