Schöllenbach (auch Hessisch-Schöllenbach) ist ein Stadtteil der Stadt Oberzent im südhessischen Odenwald.

Außer dem Kernort selbst gehören auch noch die Höfe und Siedlungsplätze Albertsruhe, Bahnhof Krähberg, Hammer, Hohberg Hof, Rote Erde und Windloch zur Gemarkung Schöllenbach.

Geografische Lage 150px|links mini|Blick von Schöllenbach auf Badisch-Schöllenbach. Im Vordergrund die Itter, durch welche die beiden Ortsteile getrennt sind.

Das Straßendorf liegt am Zufluss des Schöllenbachs zum talaufwärts noch Euterbach genannten Itterbach im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald. Es wird durch den Euter-/Itterbach vom kleineren Badisch-Schöllenbach getrennt, das zur 17 km entfernt gelegenen baden-württembergischen Stadt Eberbach gehört und in einer nördlichen, zum Stadtteil Friedrichsdorf gehörenden Exklave liegt. Badisch-Schöllenbach besteht aus etwa 15 WohnhäusernHesseneck – Ortsteil Schöllenbach Website der Gemeinde Hesseneck, abgerufen am 12. Oktober 2013 mit insgesamt 24 Einwohnern In: Rhein-Neckar-Zeitung vom 14. August 2013. Verwaltungstechnische Alltagsbelange wie Wasserversorgung, Müllabfuhr, Friedhofsnutzung und Post werden von der Stadt Oberzent übernommen, so dass es für die Bewohner zu keinen Beeinträchtigungen kommt. Frühere Bemühungen, eine Grenzänderung vorzunehmen, blieben ergebnislos.Beschreibung der Teilungssituation auf der offiziellen Webpräsenz der Gemeinde Hesseneck.

Zur Lage zwischen Baden und Hessen siehe auch Territoriale Besonderheiten in Südwestdeutschland nach 1810.

Geschichte mini|Schöllenbach im Großherzogtum Hessen auf einer Karte aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (links oben)

Ortsgeschichte Die älteste bekannte urkundliche Erwähnung Schöllenbachs stammt aus dem Jahr 1344. Zu diesem Zeitpunkt erwarb der Schenk Konrad zu Erbach das damals Schellinbach genannte Dorf von dem ihm gegenüber subalternen Edelknecht Arnold von Freienstein. In weitere Urkunden des 14. Jahrhunderts erscheint der Ort in den Schreibweisen Schellenbuch (1366), Schellinbuch (1370) und Schelnbuch (1398), in Dokumenten des 15. Jahrhunderts in den Formen Schelmbach (1462), Schelinbach (nicht näher datiert) und Schelnbach (1487) sowie in Zeugnissen des 16. Jahrhunderts einmal erneut als Schelnbach (1553) und einmal als Schelnpach (nicht näher datiert).

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde – vermutlich an der Stelle einer älteren Kapelle – über einer Quelle eine dreischiffige Kirche mit großem Chorkreuzgewölbe im spätgotischen Stil erbaut und im Jahre 1465 vom Schenken Philipp IV. zu Erbach eingeweiht. Da dem Wasser heilsame Wirkung nachgesagt wurde und weil ein in der Kirche angebrachtes Marienbild als wundertätig galt, entwickelte sich schon bald eine rege, vom Landesherren geförderte Wallfahrt zur Schöllenbacher Kirche. 1480 erfolgte die Aufstellung zweier weiterer Altäre zu Seiten des Marienaltars. Graf Eberhard XI. von Erbach stiftete schließlich anlässlich seiner Hochzeit mit Maria von Wertheim den 1515 fertiggestellten, geschnitzten und reich verzierten Schöllenbacher Altar, auf dem der Stammbaum des Christus dargestellt ist, die so genannte Wurzel Jesse. Nachdem Erbach 1560 die Reformation eingeführt hatte, gingen die Wallfahrten drastisch zurück und die Kirche verfiel allmählich. Der Altar wurde bereits Anfang des 17. Jahrhunderts nach Erbach geschafft, wo er sich noch heute (2014) befindet. Kriege und Seuchen zogen Dorf und Kirche weiter in Mitleidenschaft, so dass schließlich bis ins 18. Jahrhundert hinein nur noch eine große Kirchenruine übrig geblieben war. Dieser Kirchbau, der zu guter Letzt auch kein Dach mehr aufwies, wurde als Totenkapelle genutzt. Erst 1782 wieder konstruierte man unter Verwendung des noch bestehenden Mauerwerks aber mit deutlich reduziertem Grundriss die Kirche in ihrer heutigen Gestalt.Wilhelm-Ludwig Federlin (Hrsg.): 1893 – 1993. 100 Jahre Evangelische Kirchengemeinde und Pfarrei Schöllenbach-Bullau. Evangelischer Kirchenvorstand, Hesseneck 1993.Ohne Verfasser: Führung durch die Quellkirche zu Schöllenbach. Ohne Verlag, Ort und Jahr. Vor Ort, in der Kirche erhältlich.

Seit etwa 1700 (möglicherweise schon früher) bestand im südlichen Schöllenbach eine Hammerschmiede, der so genannte „Schöllenbacher Hammer“. Das zur Produktion benötigte Roheisen wurde aus Uslar am Rande des Solling bezogenGeorg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Grossherzogthums Hessen. Band 4. Leske, Darmstadt 1831, S. 88.. Der erste Hammerherr, Georg Schick, übergab den Betrieb 1718 seinen beiden Söhnen. 1748 wurde das Werk von Johann Michael Rexroth übernommen, 1757 ging es an die Brüder Johann Ludwig und Johann Adam Rexroth über. Ihre Nachkommen führten den Betrieb, bis er 1839 von Johann Ludwig Rexroth übernommen wurde. 1870 wurde der Hammerbetrieb eingestellt und die Anlage in ein Sägewerk umgewandelt. Heute wird sie nur noch zu Wohnzwecken genutzt.Friedrich Mößinger: Bergwerke und Eisenhämmer im Odenwald (= Schriften für Heimatkunde und Heimatpflege im Starkenburger Raum. Heft 21/22, ). Verlag der „Südhessischen Post“, Heppenheim 1957, S. 92.

Nachdem der hessische Teil Schöllenbachs jahrhundertelang in Erbach’schem Besitz gewesen war, gelangte der Ort mit der Auflösung der Erbacher Herrschaft durch den Rheinbundakte 1806 zum Großherzogtums Hessen. In der Folge gehörte es zu dessen Nachfolgestaaten, von 1871 bis 1945 zum Volksstaat Hessen und zur Amerikanischen Besatzungszone (1945 bis 1949) – seit 1949 zur Bundesrepublik Deutschland.

Hessische Gebietsreformen (1970–1977, 2018)

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten am 1. Oktober 1971 die bis dahin selbständigen Gemeinden Schöllenbach, Kailbach und Hesselbach freiwillig zur neuen Gemeinde Hesseneck, die wiederum am 1. Januar 2018 mit weiteren Gemeinden die Stadt Oberzent bildete. Die drei Orte wurden Stadtteile der Stadt Oberzent. Für die ehemalige Gemeinde Hesseneck wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet. Dieser Ortsbezirk umfasst die Gemarkungen Hesselbach, Kailbach und Schöllenbach.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Schöllenbach angehört(e):

vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Erbach-Fürstenau, Amt Freienstein ab 1806: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande),Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Freienstein (zur Standesherrschaft Erbach gehörig) ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung. (Souveränitätslande), Provinz Starkenburg, Amt Freienstein (zur Standesherrschaft Erbach gehörig) ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk ErbachTrennung zwischen Justiz (Landgericht Beerfelden) und Verwaltung. ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Erbach ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Erbach ab 1871: Deutsches Reich,Infolge des Deutsch-Französischen Krieges. Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Erbach ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen,Infolge des Ersten Weltkriegs. Provinz Starkenburg, Kreis Erbach ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis ErbachIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Erbach, Gemeinde HesseneckAm 1. Oktober 1971 als Ortsteil zur Gemeinde Hesseneck. ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Odenwaldkreis, Gemeinde Hesseneck ab 2018: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Odenwaldkreis, Stadt OberzentAm 1. Januar 2018 als Ortsteil zur Stadt Oberzent.

Bevölkerung Einwohnerentwicklung 1545: 21 wehrfähige Männer 1961: 386 evangelische (= 77,05 %), 113 katholische (= 22,55 %) Einwohner

Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Schöllenbach 234 Einwohner. Darunter waren 6 (2,6 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 30 Einwohner unter 18 Jahren, 81 zwischen 18 und 49, 48 zwischen 50 und 64 und 75 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 114 Haushalten. Davon waren 30 Singlehaushalte, 36 Paare ohne Kinder und 30 Paare mit Kindern, sowie 12 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 33 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 60 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Politik Hesselbach, Kailbach und Schöllenbach haben einen gemeinsamen Ortsbeirat. Der Ortsbeirat ist ein (unter anderem in Hessen) direkt gewähltes Verwaltungsorgan der Gemeinde, der die Interessen des Ortsteils gegenüber der gesamtgemeindlichen Verwaltung vertritt. Er besitzt ein Vorschlags- und – bei allen wichtigen Entscheidungen – Anhörungsrecht.§ 81 Abs. 1 Satz 1 – 3 HGO. Ortsvorsteher von Schöllenbach ist Martin Pollak (SPD).

Der Ort war Sitz der Gemeindeverwaltung der Gemeinde Hesseneck. Das Rathaus befand sich in der ehemaligen Schule, einem Fachwerkbau.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Quellkirche Schöllenbach (Evangelische Pfarrkirche) mini|Quellkirche Schöllenbach mini|Altarfenster mit Mariendarstellung mini|Kirchbrunnen am Euterbach

Unter den Sehenswürdigkeiten und Kulturdenkmälern Schöllenbachs ragt die Quellkirche besonders hervor. Die Kirche in ihrer rezenten Form ist ein Reduktionsbau aus dem Jahre 1782. Die noch vorhandenen Mauern des Chores der einstmals dreischiffigen Kirche von 1465 (siehe oben, Abschnitt Geschichte) wurden durch eine neue Wand abgetrennt und zu einem neuen Kirchengebäude ausgestaltet. Die verlorengegangene, vermutlich eingestürzte Decke wurde durch eine einfache Balkendecke ersetzt. Die verbliebenen restlichen Mauern wurden abgetragen und als Baumaterial an anderen Stellen der Grafschaft Erbach sekundär verwendet. Die für eine kleine Ortschaft wie Schöllenbach enorme, für einen Wallfahrtsort überregionaler Bedeutung durchaus angemessene Größe des Vorgängerbaus lässt sich noch erahnen: das heutige Portal zum Kirchhof entspricht dem früheren Kirchportal und Fragmente des gotischen Strebewerks an den Innenwänden weisen auf die ursprüngliche Höhe des Bauwerkes hin.

Das Interieur der Kirche stammt hauptsächlich aus der Zeit der ersten Renovierung in den Jahren 1863/1865. Hierzu zählen der Abendmahlsschrank und der Taufstein, die beide im neugotischen Stil ausgeführt sind, sowie das Altarbild von Adelheid Prinzessin zu Hohenlohe-Ingelfingen aus dem Jahr 1865, das 2004 restauriert worden istZur Restaurierung des Altarbilds im Neckar-Odenwald-Online-Magazin.

Eine weitere Renovierung der Kirche erfolgte in den Jahren 1971/1972. Dabei wurde unter anderem ein zuvor vermauerter Seiteneingang freigelegt und die Empore völlig neu gestaltet. 1975 erfolgte noch die Erneuerung der Orgel.