Die Blanco-Gruppe (Eigenschreibweise: BLANCO Gruppe) ist ein deutsches Familienunternehmen mit Sitz in Oberderdingen (Baden-Württemberg) und Systemanbieter für die Haushaltsküche. Das 1925 gegründete Unternehmen ist Teil der Blanc & Fischer Familienholding. Sie beschäftigt 1.317 Personen (Stand: 2024) und erzielte 2024 einen Umsatz von über 380 Millionen Euro. Unternehmensstruktur Die Blanco-Gruppe ist eine der fünf Firmengruppen der Blanc & Fischer Familienholding, die nahezu vollständig im Besitz der Familien Blanc und Fischer ist.
Seit der Strategievorstellung „Blanco Unit“ 2019 ist die Blanco-Gruppe zunehmend Systemanbieter für die Haushaltsküche und im Endkonsumentenbereich tätig, stellt aber weiterhin Einzelprodukte für die Küche her. Der Teilkonzern, mit Sitz in Oberderdingen, vertreibt dafür über seine drei Sparten Sinks (engl. für Spülen), Water (engl. für Wasser) und Waste (engl. für Abfall) Haushaltsspülen aus Edelstahl, aus den Verbundwerkstoffen Silgranit und VelgranitZentrales Gestaltungselement. In: Küchenplaner. 5. Juni 2026. sowie aus Keramik (Sinks) sowie Küchenarmaturen (Water), Abfall- und Organisationssysteme (Waste) und Zubehör. Die Hauptkundengruppen sind der Küchen- und Möbelhandel, der Sanitärfachgrosshandel, Baumärkte sowie die Küchenmöbelindustrie. + Geschäftsentwicklung der Blanco-Gruppe in Mio. EUR 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 20232024 350,137 359,176 376,115 390,884 392,447 404,232 479,567 489,662 409,931380,714 mini|Modul für den Küchenwasserplatz Quelle: Bundesanzeiger
Standorte Die Produkte werden in über 100 Ländern vertrieben, wobei die Hauptmärkte in Europa und Nordamerika liegen. Die Blanco-Gruppe unterhält dazu 19 Standorte weltweit. In Oberderdingen ist der Firmensitz und die Hauptverwaltung. Außerdem betreibt die Gruppe vier Produktionsstandorte in Toronto/Kanada, Most/Tschechien, zwei in Sulzfeld und Sinsheim/Deutschland sowie sechs Logistikzentren in Toronto/Kanada, Bruchsal/Deutschland (Europäisches Logistikzentrum), Shanghai/China, St Albans/UK, Lumberton/USA und Sydney/Australien. Zudem werden Vertriebsgesellschaften in Australien, Belgien, China, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Österreich, Schweiz, Singapur, Ukraine und in den USA betrieben. Die Gesellschaften der Gruppe beschäftigen insgesamt 1.317 Personen weltweit (Stand: 2024).
+ Gesellschaften der Blanco-Gruppe (Stand: 2024) Gesellschaftsform Land GesellschaftProduktions- und HandelsgesellschaftenDeutschlandBlanco GmbH + Co KG, OberderdingenKanadaBlanco Canada Inc., TorontoTschechienBlanco Czechia, s.r.o., HavranHandelsgesellschaftenFrankreichBlanco France S.a.r.l., MarlyEnglandBlanco UK Ltd., LondonUSABlanco America Inc, LumbertonÖsterreichBlanco Austria Kuchentechnik GmbH, WienBelgienBlanco Belgium BV, HolsbeekChinaBlanco Trading (Shanghai) Co., Ltd., ShanghaiSingapurBlanco APAC Pte., Ltd., SingapurAustralienBlanco Australia Pty Limited, SydneyDienstleistungsgesellschaftenDeutschlandBlanco Beteiligungs-GmbH, OberderdingenDeutschlandBlanco International GmbH, OberderdingenDeutschlandBlanco ImmoLog GmbH + Co KG, OberderdingenDeutschlandBlanco-Logistik GmbH, OberderdingenUkraineTOV Blanco Ukraina, KiewDeutschlandBlanco ImmoLog Verw. GmbH, OberderdingenDeutschlandBlanco direct GmbH, Oberderdingen
Geschäftsbeziehungen Seit den 1930er Jahren besteht eine Kooperation mit der ebenfalls in Oberderdingen ansässigen E.G.O.-Firmengruppe, die nach der Ölkrise 1973 große Teile von Blanco übernahm. Die Herstellung von Großkücheneinrichtungen und Klinikmöbeln wurde 2007 in die selbstständige Blanco Professional Gruppe (seit Oktober 2021: B.PRO) ausgelagert.
Geschichte Unternehmensanfänge Das Unternehmen wurde 1925 in Oberderdingen als Blanc + Co von Heinrich Blanc und August Treffinger gegründet.Blanco. Daten und Fakten. In: Heilbronner Stimme, 25. Juni 2013. Als Firmensitz dienten zunächst zwei Holzbaracken, die Blanc gebraucht von der Chemischen Fabrik in Durlach erworben hatte. Die ersten Produkte des Unternehmens waren Wasserschiffe für Kohleherde. Blanc hatte während seiner Ausbildung beim Herdproduzenten Lämmle in Bretten einen Bedarf für solche Produkte erkannt. Lämmle zählte daher auch zu den ersten Kunden des Unternehmens. 1928 bezog Blanco eine erste massive Werkhalle. Wärmflaschen und Großküchengeräte erweiterten in den folgenden Jahren das Produktprogramm. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 überstand das Unternehmen ohne Probleme. Nach dem Ausstieg von Teilhaber Treffinger 1930 kooperierte Blanc ab 1931 mit dem Unternehmer Karl Fischer und dessen Unternehmen E.G.O., das aus Oberweiler nach Oberderdingen übersiedelte und Elektroherde produzierte.Bis heute prägen die Prinzipien des Gründers das Unternehmen. In: Stuttgarter Zeitung, 10. April 2015. Danach wurde bei Blanco vor allem Zubehör für Elektroherde hergestellt. 1937 wurde die Produktpalette auf Reinaluminium umgestellt.
Kriegszeit Im Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen der Kriegswirtschaft unterstellt. In der 1942 errichteten großen Pressenhalle entstanden sowohl Torpedoköpfe wie auch Gulaschkanonen. Laut einem von den Unternehmen Blanco und E.G.O. im Jahr 2008 herausgegebenen Buch über ihre Unternehmensgründer war Heinrich Blanc ab Mai 1934 Mitglied der NSDAP, unterhielt Beziehungen zu örtlichen und regionalen „Größen“ der NSDAP und wurde Mitglied in den NS-Organisationen „Kraft durch Freude“, „NS-Volkswohlfahrt“ (NSV), „NS-Reichsbund für Leibesübungen“ und „Deutsche Arbeitsfront“ (DAF). Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten sei es „für Unternehmensführer wie Blanc unumgänglich gewesen, Beziehungen zu örtlichen bzw. regionalen Größen der NSDAP zu unterhalten, wollte man den Bestand des eigenen Betriebes nicht aufs Spiel setzen“. Während des Zweiten Weltkrieges hätten dessen Unternehmen Blanco und E.G.O. „zwangsweise Rüstungsaufträge des NS-Regimes übernehmen müssen“. Infolge des kriegsbedingten Mangels an „einheimischen“ Arbeitskräften habe sich Heinrich Blanc gezwungen gesehen, „Kriegsgefangene“ zu beschäftigen, jedoch „sein Möglichstes“ getan, damit die Zwangsarbeiter unter den Umständen entsprechend guten Bedingungen hätten arbeiten können.
Eine im Jahr 2020 veröffentlichte heimatgeschichtliche Untersuchung zeigt tiefere Verquickungen von Heinrich Blanc mit dem Nationalsozialistischen Regime auf. Demnach waren seine Unternehmen Blanco und E.G.O. seit Mitte der 1930er-Jahre wichtige Zulieferer der Rüstungsindustrie, worauf deren Gewinn sprunghaft in die Höhe gestiegen sei. In den Folgejahren seien die Betriebe fast ausschließlich auf die Produktion von Rüstungsgütern wie Panzerteile, Granaten, Torpedoelemente oder elektrische Steuerteile für Flugzeuge umgestellt worden. Hierzu seien mehrere hundert Zwangsarbeiter eingesetzt worden. Nach Kriegsende wurde Karl Fischer im obligatorischen Entnazifizierungsverfahren entlastet. Heinrich Blanc befand sich mehrere Monate zwecks Entnazifizierung in einem Internierungslager und wurde 1948 freigesprochen, woraufhin er seine Tätigkeiten im Betrieb wiederaufnahm. Die Blanc & Fischer Familienholding teilte Ende 2020 mit, dass die Blanco-Firmengeschichte bis zu deren 100-jährigem Firmenjubiläum im Jahr 2025 von einer renommierten Agentur wissenschaftlich aufbereitet werde. Die von Ingo Stader und Max Schlenker verfasste Chronik erschien im Juni 2025.Ingo Stader, Max Schlenker: 100 Jahre Blanc & Fischer, H & C Stader, Oberdingen 2025.
Nachkriegszeit Nach dem Zweiten Weltkrieg produzierte Blanco vor der Währungsreform Geräte für die Milchwirtschaft und Metzgereiartikel. Nach der Währungsreform konnte ein zusätzliches Werk in Sulzfeld errichtet werden. Die erste Werksbaracke dort brannte 1950 nieder, darauf entstand nach Plänen des Stuttgarter Architekten Decker eine massive Werkhalle. Anfang der 1950er-Jahre wurde Edelstahl zum wichtigsten Werkstoff des Unternehmens, aus dem vor allem Küchenspülen gefertigt wurden. 1959 wurden jährlich über 100.000 Edelstahlspülen gefertigt.
Wechsel in der Unternehmensspitze und Geschäftserweiterung 1960er und 1970er Jahre Nach dem Tod von Gründer Heinrich Blanc 1960 trat dessen Sohn Heinz Blanc die Nachfolge an. Unter seiner Leitung entstanden neue Werke in Michelfeld (1961) und Kronau (1962), zudem wurden die Anlagen in Sulzfeld und Kronau 1968/69 baulich erweitert. In mehreren deutschen Großstädten wurden Auslieferungslager und Verkaufsbüros eingerichtet, 1965 wurde zudem eine niederländische Tochtergesellschaft gegründet, 1967 eine eigene Lehrwerkstatt in Kürnbach eingerichtet. In den 1960er Jahren entwickelte Blanco zahlreiche Produkte, darunter medizinische Badewannen, Fassaden- und Verkleidungselemente, Spülen für Wohnwagen und Licht- und Fahnenmasten.
1969 hatte das Unternehmen über 1700 Mitarbeiter und fertigte die 4-millionste Spüle, die feierlich dem Jugenddorf in Stuttgart-Feuerbach übergeben wurde.
Anfang der 1970er Jahre expandierte das Unternehmen ungemein. Die Werke in Oberderdingen und Kronau wurden 1971/72 baulich erweitert, gleichzeitig wurden neue Tochtergesellschaften in Belgien, Österreich, Frankreich und der Schweiz gegründet. 1972 eröffnete Blanco ein eigenes Rechenzentrum in Sternenfels, in dem mit der IBM 360 Modell 25 die erste dialogfähige Debitorenbuchhaltung in Deutschland in Betrieb ging.
Wirtschaftlicher Abschwung und Konsolidierung 1970er und 1980er Jahre Nach der Ölkrise 1973 geriet Blanco in wirtschaftliche Schieflage. Das Werk in Michelfeld und mehrere Verkaufsbüros wurden geschlossen, die Belegschaft von über 2000 auf unter 1000 Mitarbeiter verkleinert. Das Unternehmen wurde schließlich dadurch gerettet, dass der langjährige Kooperationspartner E.G.O. große Teile des Unternehmens erwarb. Die Geschäftsleitung übernahm Reinhard Fischer. In der Folgezeit wurde die Produktpalette in die Bereiche Haushaltstechnik, Großküchenzubehör und die neu hinzugekommene Medizinaltechnik gegliedert. Zur weiteren Konsolidierung trugen Großaufträge wie der zur Ausstattung von 73 russischen Fischgroßmärkten 1975 sowie der Verkauf des Kronauer Küchen- und Tafelgerätewerks 1978 bei.
In den 1980er Jahren fertigte Blanco weiterhin Haushaltsspülen, Großkantinenausstattungen und OP-Tische. Gegen Ende der 1980er Jahre hatte das Unternehmen 1400 Mitarbeiter und belieferte Kunden in etwa 100 Ländern. Eine neue Tochtergesellschaft wurde in den USA gegründet, ein neues Werk für Haushaltsspülen in Sinsheim errichtet. Außerdem übernahm Blanco 1990 von der Firma Welbilt die Herstellung und den Vertrieb von Geschirrstaplern und -förderbändern, sowie den Speyerer Kühltechnik-Hersteller Klais, womit die Großküchensparte des Unternehmens erweitert wurde.
1991 wurde die Tochtergesellschaft Blanco Med GmbH gegründet, die die Produktion von Medizinaltechnik in ein vormals von Zeiss genutztes Firmenareal in Saalfeld (Thüringen) verlagerte, wodurch im Stammwerk Oberderdingen Kapazitäten frei wurden.
Globale Expansion 1990er Jahre 1993 übernahm Frank Straub, ein Enkel des Gründers Heinrich Blanc, die Geschäftsführung. 1994 wurde die 25-millionste Spüle produziert. 1995 übernahm Blanco die Produktionsanlagen von Mirolin in Toronto, um damit den nordamerikanischen Markt mit Haushaltsspülen zu beliefern. 1998 übernahm Blanco die Wolf Kunststofftechnik, die Catering-Transportbehälter herstellte, verlegte deren Sitz nach Leipzig und benannte sie in Blanco Polymer Technologies um. Im selben Jahr trennte sich Blanco mit dem Verkauf des Werks in Saalfeld von einem Teil der bisherigen Medizinalproduktsparte. Stattdessen wurden ein neues Presswerk in Sulzfeld und ein neues Zentrallager in Bruchsal errichtet. 1999 erwarb Blanco eine 25-prozentige Beteiligung an dem indischen Spülenhersteller Phoenix, außerdem expandierte das Unternehmen weiter mit einer Tochtergesellschaft in Tschechien.
Abspaltung und Fokus auf Kernkompetenz 2000er Jahre