mini|Logenzeichen Die Freimaurerloge Zum Westfälischen Löwen mit Sitz in Schwelm wurde am 25. April 1792 unter der Konstitution der Großen Landesloge unter dem Namen „Zum Goldenen Löwen“ gegründet. Lässt man außer Acht, dass Logen erst im 20. Jahrhundert und ggf. nachträglich ins Vereinsregister eingetragen wurden, handelt es sich beim Löwen heute nach dem Stiftungsdatum um den ältesten Verein Schwelms sowie um eine der ältesten Logen Deutschlands.

Geschichte 1795 wurde der Sitz der Loge von der Enneperstraße nach Hagen verlegt. Dort blieb sie während der Französischen Herrschaft und anschließend bis 1816, als sie nach Schwelm verlegt wurde. Die Umbenennung in „Zum Westfälischen Löwen“ erfolgte nach Ende der französischen Besatzung Westfalens im März 1814. Zum Zeitpunkt der Wiederaufnahme der freimaurerischen Aktivitäten zählte die Loge 36 Brüder. In den folgenden Jahren wuchs die Zahl der Mitglieder an. 1829 wurden im Matrikelbuch des Löwen bereits 80 Brüder geführt, darunter regionalhistorisch bedeutende Persönlichkeiten wie der Hattinger Bürgermeister Friedrich Wilhelm Rautert oder der Ennepetaler Stahlfabrikant Ludwig Moritz Heilenbeck.

Ende September 1892 vernichtete ein Großbrand in Schwelm 41 Wohnhäuser und die katholische Kirche. Die Logenbrüder Johann Daniel Bever und Moritz Scherz spielten eine bedeutende Rolle bei der Gründung des Hilfsvereins und der Sammlung von Geld für die 102 obdachlosen Familien. Neben der Schwelmer Loge leisteten auch die Logen in Düsseldorf, Münster und Soest Unterstützung. Die Mitgliederzahl wuchs auf 90 Brüder im Jahre 1892 und erreichte 1914 ihren historischen Höchststand mit 126 Brüdern.

1927 erwarb die Loge zum Bau eines eigenen Logenhauses ein Grundstück an der Schwelmer Bahnhofstraße. Doch bevor der entsprechende Betrag für die Arbeiten angespart war, musste sich auch der Schwelmer Löwe am 18. Juli 1935 unter dem Druck der Nationalsozialisten auflösen. Die Logengüter wurden beschlagnahmt, das Grundstück verkauft und das Logenvermögen liquidiert. Nach Zusammenbruch des sog. Dritten Reiches und dem Ende des Nationalsozialismus wurde die Loge durch den Mediziner Max Krug wiederbelebt, kann aber bislang nicht an einstige Mitgliederzahlen heranreichen.

Gegenwart Seit der 2002er-Ausstellung zur Freimaurerei und Geschichte der Loge im Stadt- und Regionalgeschichtlichen Museum Haus Martfeld (Schwelm) ist die Öffentlichkeitsarbeit intensiviert worden. Zum 212-jährigen Bestehen fand die Ausstellung in leicht veränderter Fassung mit Begleitvorträgen statt. Im Sommer 2008 startete zudem in der Martfeld-Kapelle eine Veranstaltungsreihe, die mit Lesungen, musikalischen Darbietungen und Gesprächsrunden an die Zeit der Salonkultur anknüpft.

Bekannte Mitglieder Bever, Johann Daniel (* 1790; † 1860), Fabrikant, 1848 beteiligt am „Vorparlament“ zur Vorbereitung der Wahlen zur ersten deutschen Nationalversammlung Böhmer, Emil (* 5. April 1884; † 27. Februar 1966), Heimatforscher, Schwelmer Ehrenbürger seit dem 15. April 1954 Erfurt, Johann Heinrich Gottfried (* 23. März 1802, † 12. Juli 1856), Papierfabrikant („Erfurt“ ist heute durch die Raufasertapete bekannt), Mitbegründer der Schwelmer Sparkasse Haniel, Wilhelm Gerhard Heinrich (* 21. November 1774, † 23. August 1834), Bergbau-Unternehmer Heute, Wilhelm (* 5. Mai 1883, † 19. Oktober 1935), Schriftsteller und Heimatdichter (Pseudonym: Wilhelm van Dage) Rautert, Friedrich Wilhelm (1783–1858), Jurist und Schriftsteller, Bürgermeister von Hattingen Rittershaus, Emil (* 3. April 1834; † 8. März 1897), Stahlgroßhändler, u. a. Dichter des „Westfalenliedes“ und als Präsident des Vereins deutscher Freimaurer gegen die Zersplitterung der Freimaurerei engagiert, widmete der Schwelmer Loge das sogenannte „Löwenlied“ (s. u.) Tobien, Wilhelm (* 26. Januar 1837; † 10. September 1911), Schuldirektor und Heimatkundler, Schwelmer Ehrenbürger seit dem 4. April 1891, Initiator der Schwelmer Stadtbibliothek und des heimatkundlichen Museums (jetzt „Stadt- und Regionalgeschichtliches Museum Haus Martfeld“)

Tochterlogen Im Laufe der Geschichte des ältesten Schwelmer Vereins gingen zahlreiche Tochterlogen aus dem „Westfälischen Löwen“ hervor, darunter: Johannisloge „Victoria zur Morgenröthe“, konstituiert am 14. September 1857, gestiftet im Januar 1858, unter anderem mit 28 Brüdern der Loge „Zum Westfälischen Löwen“ zu Schwelm Johannisloge „Zum Märkischen Hammer“ in Lüdenscheid, gestiftet 1888 Johannisloge „Zur Bruderkette im Wuppertal“, gestiftet 1915

Löwenlied von Emil Rittershaus

An der roten Erde Grenzen, / Schon dem Rheingebiete nah’, / Steht geschmückt mit duft’gen Kränzen, / Jugendfrisch Latomia; / Läßt des Lichtes Flamme strahlen / In des Wahnes düstre Nacht, / Und der „Löwe von Westfalen“ / Fest und ruhig hält er die Wacht.

Viele, viele Jahre flogen / Über seine Stirne hin. / Sicher ist des Tempels Bogen, / Stark die Kraft, und jung der Sinn. / Leeres Prunken, eitles Prahlen / Bläht hier nicht sich bunt und kraus; / In dem „Löwen von Westfalen“ / Ist Markanerart zu Haus!

Ew’ger großer Weltenmeister, / Alle Zwietracht scheuche fort, / Lasse alle guten Geister / Walten hier an diesem Ort! / Bei den schäumenden Pokalen / Schwören heute wir aufs Neu' / Treu dem „Löwen von Westfalen“ / Und dem Bunde ew’ge Treu!'

Schwelmer Statut Das so genannte „Schwelmer Statut“ war – neben ähnlichen Schwüren bei der Aufnahme in den Freimaurerbund – eine zusätzliche freiwillige Selbstverpflichtung, die jeder neu aufgenommene Bruder der Schwelmer Loge ab dem 26. März 1818 zu unterschreiben hatte. Der Text mahnte die Brüder, gegenseitig auf die Einhaltung moralischer Grundsätze zu achten und erinnerte daran Freimaurerei kein Selbstzweck ist, sondern dem Allgemeinwohl dienen soll. Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle der Hinweis auf karitatives Engagement: Wo also ein guter Zweck irgendeiner Art erreicht werden soll, da dränge sich der Maurer bescheiden hinzu. Dort wo (...) Anstalten zum Speisen der Armen getroffen werden, wo Sammlungen zum Besten einzelner Unglücklicher gemacht werden sollen, überhaupt wo es Mühe giebt, die nicht gern jeder übernimmt, da übernehme dies vorzugsweise der Maurer.... Obwohl sich an den Idealen nichts geändert hat, wird das „Schwelmer Statut“ heute nicht mehr bei Aufnahmen unterzeichnet. Ab wann diese Praxis endete, lässt sich nicht sagen.

Logenmeister 1792–1797: Gottfried von Hausen, Landesdirektor, Enneper Str. 1797–1806: Friedrich Adolf Groote, Justizkommissar, Unna 1806–1813: ruhte die Loge 1814–1816: Friedrich Wilhelm Rautert, Landes- und Stadtrichter, Hattingen 1816–1818: Johann Chr. Brenscheidt, Gerichtssekretär, Hagen 1818–1822: Friedrich Wilhelm Rautert, Landes- und Stadtrichter, Hattingen 1822–1836: Moritz Heilenbeck, Kaufmann, Heilenbecke bei Milspe 1836–1860: Johann Daniel Bever, Kaufmann, Schwelm 1860–1863: Heinrich Wilhelm Potthoff, Arzt, Schwelm 1863–1864: Caspar Heinrich Schübbe, Kaufmann, Werde bei Milspe 1864–1870: Wilhelm Köster, Justizrat, Schwelm 1870–1874: Wilhelm Cobet, Apotheker, Schwelm 1874–1881: August Jäger, Rentner, Elberfeld 1881–1886: Friedrich Wilhelm Lohmann, Kaufmann, Altenvoerde 1886–1909: Bernhard Braselmann, Bankier, Schwelm 1909–1915: Ernst Saatweber, Kaufmann, Wichlinghausen 1915–1927: Paul Scherz, Druckereibesitzer/Verleger, Schwelm 1927–1935: Martin Diester, Apotheker, Wuppertal-Langerfeld 1935–1947: ruhte die Loge 1947–1950: Paul Krug, Arzt, Schwelm 1950–1953: Emil Böhmer, Lehrer, Schwelm 1953–1956: Paul Müller, Kaufmann, Schwelm 1956–1966: Eduard Püttmann, Kaufmann, Hagen 1966–1969: Wiars-Heeren Wiards, Ingenieur, Hagen 1969–1971: Emil Pouplier, Kaufmann, Ennepetal-Burg 1971–1974: Helmut Pläcking, Fabrikant, Wuppertal-Langerfeld 1981–1993: Kurt Erdlenbruch, Ingenieur, Wuppertal 1993–1999: Rolf Vogelsang, Handelsvertreter, Remscheid 1999–2008: Jörg Kartenberg, Rechtsanwalt, Schwelm 2008–2014: Helmut K. Drescher, Werbekaufmann, Schwelm 2014–2020: Dr. Trajan Gamber, Arzt, Wuppertal-Langerfeld seit 2020: Marcus Esser, Redakteur, Gelsenkirchen

Weblinks Logen-Website

Quellen Loge „Zum Westfälischen Löwen“ in Schwelm, Festschrift zum 160. Jubiläum am 17. Mai 1952 von Emil Böhmer Die Freimaurerei, eine „Verschwörung zum Guten“, Festschrift zum 200. Jubiläum von Hermann Hirschberg Schwelm – Geschichte einer Stadt und ihres Umlands, Band I, Gerd Helbeck, Verein für Heimatkunde Schwelm e. V. (Hrsg.)

Kategorie:Freimaurerloge Kategorie:Vereinsgründung 1792