mini|Donauwalzer, Titelblatt einer der ersten Ausgaben 1867 mini|Anhören: An der schönen blauen Donau, Spieldauer 2:58 Der Walzer An der schönen blauen Donau (häufig kurz Donauwalzer) wurde von Johann Strauss (Sohn) im Spätherbst 1866 und Winter 1866/67 komponiert und am 15. Februar 1867 mit einer eigenen Fassung mit dem Wiener Männergesang-Verein uraufgeführt. Die erste Aufführung der Konzertfassung des als opus 314 veröffentlichten Walzers fand am 10. März 1867 im k.k. Volksgarten statt. Er basiert kompositorisch auf Melodien, die Strauss bereits in früheren Werken verwendete. Der Walzer wurde bald zu einer heimlichen Hymne Österreichs und wird regelmäßig zum Jahreswechsel gespielt. Der Donauwalzer gilt als inoffizielle Landeshymne des Bundeslandes Wien. Heute ist er weltweit eines der populärsten Werke der klassischen Musik.
Entstehung mini|Titelblatt einer Ausgabe um 1910
Johann Strauss war zunächst vom Wiener Männergesang-Verein gebeten worden, bei einer Sommerliedertafel im Juli 1865 in Hietzing mitzuwirken. Da seine alljährlichen Verpflichtungen in Pawlowsk dies nicht zuließen, versprach er zunächst für 1866 eine Komposition.
1866 wurde Strauss an sein noch offenes Versprechen durch den Männergesang-Verein erinnert. Allerdings hatte inzwischen der Krieg zwischen Preußen und Österreich mit der von Österreich verlorenen Schlacht bei Königgrätz stattgefunden, so dass die Frage nach einer geeigneten Uraufführung schnell im Raum stand. Da überdies viele Bälle in der Faschingszeit abgesagt wurden, einigten sie sich, dass für die Liedertafel 1867, womit der Männergesang-Verein seinen traditionellen Narrenabend ersetzte, ein Walzer entstehen sollte. Das 1865 gegebene Versprechen löste Strauss also mit dem Walzer An der schönen blauen Donau ein.Wiener Institut für Strauss-Forschung: Strauss-Elementarverzeichnis. Thematisch-bibliographischer Katalog der Werke von Johann Strauß (Sohn). Verlag Hans Schneider, Tutzing 1997, ISBN 3-7952-0873-4, (Band 7), S. 478.
Der Walzer wurde von Johann Strauss von vornherein in zwei Fassungen konzipiert, wobei zeitlich zunächst bis Ende 1866 das Particell der Orchesterfassung entstand. Daraufhin unterlegte der Polizeikommissar Josef Weyl, Hausdichter des Männergesang-Vereines, diesem seinen Text mit parodistischem Charakter und zeitkritischer Satire, erst danach besorgte Johann Strauss eine Zweitfassung für Männerchor und Klavier als Chorwalzer für die Proben des Männergesang-Vereines.Norbert Linke: Johann Strauß (Sohn) mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten (= rowohlts monographien, 304). Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 1982, ISBN 3-499-50304-2, S. 82. Die später entstandene Partitur aus dem März 1867 wurde von Johann Strauss dem Männergesang-Verein geschenkt und dort noch aufbewahrt. Die Chorstimmen richtete Rudolf Weinwurm ein, der schon 1866 die Zusage gegeben hatte, dabei behilflich zu sein.Linke, Ausstehende Informationen, S. 38. Anschließend erfolgte die Einrichtung für Militärmusik (das heißt für die Ausführenden der Orchestermusik zur Uraufführung) die entweder Josef Wiedemann als Leiter der uraufführenden Militärkapelle oder eventuell auch Johann Proksch aus dem Strauss-Orchester vornahmen.Linke, Ausstehende Informationen, S. 43.
Strauss (oder ein anderer, dies ist nicht mehr belegbar) griffen bei der originalen Benennung des noch namenlosen Stückes auf zwei Gedichte des ungarischen Dichters Karl Isidor Beck zurück, die jeweils die Textpassage An der schönen blauen Donau enthalten. Allerdings beziehen sich diese nicht auf Wien, sondern auf Baja, den Geburtsort Becks – Baja liegt an der „blauen“ Donau, die in der Nähe befindliche Theiß wird als „blond“ beschrieben.
Am 15. Februar 1867Die gelegentlich zu findende Angabe 13. Februar 1867 stammt von Ludwig Eisenberg, dem ersten Strauss-Biographen (1894) und wird immer noch unreflektiert perpetuiert. Dieses Datum ist jedoch klar widerlegt. fand in einem insgesamt neunteiligen Programm die Uraufführung der Chorfassung (noch ohne Introduktion und Coda)Die auf der Website des Wiener Institutes für Strauss-Forschung durch Norbert Rubey zu findende Behauptung und Argumentation, dass dieser Walzer bereits mit Introduktion am 15. Februar aufgeführt worden sei, ist nicht belegt bzw. belegbar: Abgesehen davon, dass es davon keine erhaltene Note gibt (im Gegenteil hat Strauss in größter Eile noch den üblichen Walzer V kurzfristig fertiggestellt/fertigstellen müssen), hätte diese Introduktion überdies noch für Militärmusik eingerichtet werden müssen. Auch die zeitgenössischen Berichte der Uraufführung erwähnen mit keinem Wort eine Introduktion. Nachweisbar sind Introduktion und Coda des Donauwalzers am 10. März 1867 im Volksgarten erstmals zu hören gewesen. im Saal des Dianabades statt: Ausführende waren der Wiener Männergesang-Verein und die Kapelle des Infanterie-Regimentes 42. Beide leitete Rudolf Weinwurm. Der Komponist war bei der Uraufführung nicht anwesend.
Nach der Uraufführung Entgegen anderslautenden Behauptungen fast aller Strauss-Biographien und deren unkritischer Übernahmen steht, beginnend seit den Forschungen von Norbert Linke am Beginn der 1980er-Jahre anhand der Original-Quellen zweifelsfrei fest, dass dieser Walzer an diesem Abend nicht nur jubelnd aufgenommen wurde, er „[…] ‚schlug zündend ein‘ […] Das Neue Fremdenblatt ließ am 17. Februar 1867 verlauten: ‚Die Eröffnungsnummer der zweiten Abteilung war ein entschiedener Schlager‘.“Norbert Linke: Johann Strauß (Sohn) mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. rowohlts monographien 304, rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 1982, ISBN 3-499-50304-2, S. 83, mit weiteren Nachweisen., womit musikhistorisch der Begriff „Schlager“ erstmals belegt ist. Der Männergesang-Verein überreichte nach der Aufführung an Johann Strauss als „Ehrensold“ einen Golddukaten, das damals übliche Honorar für ein solches Auftragswerk.
Erst nach der Uraufführung am 15. Februar 1867 schuf Strauss die Introduktion und die Coda (zumindest als Particell) sowie er und seine Mitarbeiter die vollständige Orchesterfassung. Diese wurde am 10. März 1867 im k.k. Volksgarten erstaufgeführt. Auf Grund der Vielzahl der Novitäten in dieser Faschingssaison (die drei Brüder Johann, Josef und Eduard schufen insgesamt 25 neue Werke) setzte sich der Walzer zunächst nicht durch. Johann Strauss soll nach dieser ersten Aufführung gegenüber seinem Bruder Josef geäußert haben:
Weil Strauss jedoch im gleichen Jahr in Paris bei der Weltausstellung 1867 auftrat und dafür neue Kompositionen schuf, erinnerte er sich daran, auch diesen Walzer in das Programm aufzunehmen. Unter dem Namen Le beau Danube bleu wurde das Stück während dieser Ausstellung zu einem großen Erfolg. Es wird davon ausgegangen, dass die Verlagsausgaben des Walzers, insbesondere die Klavierfassung zweihändig, in kurzer Zeit fast 1.000.000-mal verkauft wurden.
Strauss erhielt für den Walzer kein eigenes Honorar; er hatte mit seinem Verleger C. A. Spina einen Jahresvertrag, der ihn zur Lieferung einer genau bestimmten Anzahl Kompositionen verpflichtete. Mit der im Jahresvertrag vereinbarten Vergütung war auch das Honorar für diesen besonders erfolgreichen Walzer abgegolten. Auf den entfiel rechnerisch ein Honoraranteil von nur 25 Gulden. Der Komponist erhielt zwar viel später noch einen so genannten Ehrensold, dessen geringe Höhe jedoch zu den Einnahmen des Verlages in keinem Verhältnis stand.
Über die Jahre hinweg hat sich allein die orchestrale Fassung des Walzers (in unterschiedlichen Besetzungen) durchgesetzt, die Aufführung einer Chorfassung erfolgt nur noch selten. Die Rekonstruktion der Uraufführung (und die Einbettung in das damalige Programm) am 15. Februar 1867 ist noch immer Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion.
Am 14. Februar 1967 gaben die Wiener Symphoniker und der Wiener Männergesang-Verein im Großen Saal des Wiener Musikvereins ein Festkonzert unter dem Motto „100 Jahre Donauwalzer“.14.2.1967: Festkonzert „100 Jahre Donauwalzer“. Historischer Rückblick aus dem Februar 1967 in der Rathauskorrespondenz, abgerufen am 20. September 2026:
Melodien mini|Gedenktafel am Haus Praterstraße 54 in der Wiener Leopoldstadt Der Walzer selbst besteht, wie damals bei Strauss, wie allen Walzerkomponisten, üblich, aus fünf einzelnen Walzern (Nr. 1 bis 5, in älteren Ausgaben auch I – V), die jeweils aus zwei Melodieteilen (a und b) bestehen, mithin aus zehn einzelnen Melodien. Dem Strauss-Forscher Norbert Linke gelang 2015 der Nachweis, dass alle zehn Melodien ausnahmslos früheren Walzern von Strauss entnommen wurden und auf diese Weise wiederverwendet wurden.Der gesamte Abschnitt basiert auf dem Artikel von Norbert Linke: Ausstehende Informationen zum Meisterwalzer „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauss – oder: Vom Geheimnis des melodischen Recyclings. Der Strauss-Forscher Ingolf Roßberg nennt dieses Recycling hingegen Upcycling, da durch die Wiederverwendung ein höherwertiges Produkt entstanden sei, als dessen Ausgangsmaterial: Ingolf Roßberg: Upcycling. In: Deutsche Johann Strauss Gesellschaft (Hrsg.): Neues Leben – Das Magazin für Strauss-Liebhaber und Freunde der Wiener Operette, Heft 51 (2016, Nr. 1), S. 5.
Linke weist folgende Herkünfte nach: Walzerteil 1a (Kopfmotiv mit dem berühmten D-Dur-Dreiklang): Aus op. 268 („Wiener Chronik“, Walzer), Walzerteil 5a: Transponiert von Es-Dur nach D-Dur. Jeweils vier Takte werden (erweitert) insgesamt sechsmal aufgegriffen und mit sechs Haltetönen zu nachschlagendem dim dim / dom dom kontrastiert. Die vier Nachschlagtöne sind in den Vorlage-Takten 4 und 8 bereits rhythmisch vorgeprägt. Walzerteil 1b: Ebenfalls aus op. 268, Walzerteil 5b: Transponiert von c-moll nach h-moll. Dem zu vier Takten erweiterten Anfangsmodell (Takte 1 und 2) werden vier Takte Echo-artig angeschlossen, in denen die Schlussformel von 1a (fis > e / h > a) wörtlich aufgegriffen und um das Doppelte erweitert ist. Walzerteil 2a: Nachgebildet nach dem Walzerteil 1a, wobei das nachschlagende dim dim / dom dom (eine Folge von Takten 7 und 8 aus op. 268/5a) zu einem Ostinato verdichtet, wobei die Reihenfolge von 1a (a a / fis fis – a a / g g) nunmehr vertauscht und verkürzt auftritt (a g usw. – a fis usw.). Walzerteil 2b: Aus op. 265 („Motoren“, Walzer), Walzerteil 4b: Die achttaktige Vorlage wird auf das doppelte Maß erweitert, indem die ersten vier Takte wiederholt und die Fortsetzung Takte 5/6 sowie 7/8 der Vorlage zu zwei unterschiedlichen Schlussformeln von jeweils vier Takten verarbeitet wurden. Walzerteil 3a: Nach op. 251 („Klangfiguren“, Walzer), Walzerteil 3a: Die Vorlage erscheint umrhythmisiert beinahe wörtlich abgegriffen, durch zweitaktige Einschübe ergänzt (Strauss: Takte 5/6 = Wiederholung von op. 251 Takte 1/2; Takte 9/10 = Umspielung von Takt 6 der Vorlage). Walzerteil 3b: Nach op. 105 („Fünf Paragraphen aus dem Walzer-Codex“, Walzer), Walzerteil 2b: Transponiert von B-Dur nach G-Dur. Eine beinahe wörtliche Umsetzung in vereinfachtem Maß (4-mal je 4 Takte), wobei die Spitzentöne g und h in zweimaligem Anlauf (d – g – d – h) erreicht werden. Walzerteil 4a: Ebenfalls nach op. 268, aber Walzerteil 2b: Transponiert von G-Dur nach F-Dur. Zunächst greift Strauss von den Terzen der Vorlage die untere Stimme auf und wiederholt die Takte 3 und 4, danach bringt er die Originalversion mit der Oberterz (ohne wiederholte Takte). Walzerteil 4b nach op. 251, Walzerteil 5a: Unterschiedlich verankerte Wiederholungen: Takt 1 der Vorlage wird zu zwei Takten gedehnt und sofort wiederholt. Takte 3 und 4 werden dagegen verkürzt und zu einem Takt zusammengezogen. Die anschließende 2-mal zweitaktige Sequenz ist zu einer bloßen Wiederholung (2-mal zwei Takte) vereinfacht.