Ein Kapitel für sich ist ein Fernseh-Dreiteiler aus dem Jahr 1979, der von der Ullstein AV für das ZDF produziert wurde. Es handelt sich um die Fortsetzung des Fernseh-Zweiteilers Tadellöser & Wolff aus dem Jahr 1975. Der Film basiert auf den Romanen Uns geht’s ja noch gold und Ein Kapitel für sich von Walter Kempowski. Die Erstausstrahlung fand am 26. und 29. Dezember 1979 sowie am 1. Januar 1980 statt. Dem Film war ähnlicher Erfolg beschieden wie Tadellöser & Wolff.
Handlung Im Gegensatz zum ersten Film Tadellöser & Wolff, dessen Grundlage ausschließlich der gleichnamige Roman war, flossen in Ein Kapitel für sich die Erzählungen zweier Kempowski-Werke ein: Uns geht’s ja noch Gold, aus dem Jahre 1972 und Ein Kapitel für sich von 1975.
Die Filmhandlung erstreckt sich über den Zeitraum 1945 bis 1956 und beginnt dort, wo der letzte Teil von Tadellöser & Wolff aufhörte, auf dem Balkon der Familie Kempowski am 1. Mai 1945: die Rote Armee besetzt gerade Rostock. Zunächst wird das Leben und die Versorgungslage in Rostock nach dem Krieg dargestellt. Später geht Walter über die Zonengrenze in den Westen, erst zu Verwandten nach Hamburg und dann zu einem Freund nach Wiesbaden, wo er in Kontakt mit dem amerikanischen Geheimdienst CIC kommt. Er übergibt dem Geheimdienst Kopien von Schiffsladepapieren, die er von seinem Bruder Robert erhalten hatte. Dann fährt Walter zu einem Besuch zurück zu seiner Mutter in die Sowjetische Besatzungszone nach Rostock. Es folgen Verhaftung und Inhaftierung Walters und Roberts wegen angeblicher Spionage sowie von deren Mutter wegen Mitwisserschaft. Nachfolgend werden detailreich die Haftbedingungen der Brüder im Zuchthaus in Bautzen und ihrer Mutter im Frauenlager des ehemaligen KZ Sachsenhausen und anschließend im Frauengefängnis Hoheneck bei Stollberg dargestellt. Der letzte Teil endet mit der Haftentlassung Walters und dem Wiedersehen mit seiner Mutter in Hamburg am 8. März 1956.
Dreharbeiten Anders als Tadellöser & Wolff wurde der Film in Schwarz-Weiß und nicht in Sepia gedreht. Drehort war unter anderen Orten eine ehemalige Keksfabrik in Celle, die als Bautzener Zuchthaus diente. Die Filmszenen werden gelegentlich von den drei Hauptakteuren Walter, Robert und Mutter Kempowski kommentiert.
Der Bahnhof Stollberg, von dem Mutter Kempowski nach der Entlassung aus dem Frauengefängnis Hoheneck abreist, ist der Hauptbahnhof von Lübeck. Gezogen wird der Zug von einer Bundesbahn-Lokomotive der Baureihe 65, die ein Nummernschild der Baureihe 65.10 der DDR-Reichsbahn trägt. Auch als Mutter Kempowski nach Hamburg weiterreist, sind die Aufnahmen von der Ankunft im dortigen Hauptbahnhof in dem von Lübeck entstanden.
Filmmusik Das musikalische Grundthema des Films mit dem Text „Jahre des Lebens; alles vergebens. Wann werden wir uns einmal wieder sehn?“ lieferte der 1. Satz der 6. Symphonie in h-moll, op. 74, Pathétique, von Peter Tschaikowski.
Kritiken
DVD Seit 2005 ist der Film auf DVD erhältlich.
Literatur
Walter Kempowski: Ein Kapitel für sich. Roman. Ungekürzte Ausgabe, 13. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag (dtv), München 1994, ISBN 3-423-01347-8, 387 S. Walter Kempowski: Uns geht’s ja noch gold. Roman einer Familie. Sonderausgabe. Deutscher Taschenbuch-Verlag (dtv), München 2006, ISBN 978-3-423-08619-6. Walter Kempowski: Im Block. Ein Haftbericht. Knaus, München 2004, ISBN 3-8135-0236-8, 298 S. Walter Kempowski, Eberhard Fechner: Tadellöser & Wolff – Ein Kapitel für sich. Reihe Materialien zu ZDF-Fernsehprogrammen. 2. Auflage. 16.–23. Tausend. Goldmann, München 1980, ISBN 3-442-03902-9. Dirk Hempel: Walter Kempowski Eine bürgerliche Biographie. btb Verlag, ISBN 978-3-442-73208-1 (Leseprobe (PDF; 233 kB), Leseprobe; PDF; 78 kB) Tobias Gottwald: Zur filmischen Adaption des Kempowski-Romans 'Ein Kapitel für sich'. Georg-August-Universität Göttingen (Zentrum für Interdisziplinäre Medienwissenschaft) 2004, ISBN 978-3-638-34688-7.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1979 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Fernsehfilm (ZDF) Kategorie:Literaturverfilmung Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Walter Kempowski