Die einzelnen Brände im Yellowstone-Nationalpark im Jahr 1988 führten zum größten Waldbrand im Yellowstone-Nationalpark seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Brände begannen als zahlreiche kleinere Einzelfeuer, gerieten mit zunehmendem Wind und zunehmender Trockenheit rasch außer Kontrolle und verbanden sich schließlich zu einer großen Feuersbrunst, die über mehrere Monate wütete. Durch das Feuer wurden zwei wichtige Touristenziele beschädigt, und am 10. September 1988 schloss der gesamte Park zum ersten Mal in seiner Geschichte für alle Besucher. Der Umschwung auf kühles und feuchtes Wetter im späten Herbst brachte die Brände zum Erliegen. Insgesamt waren 3213 km² (793.880 Acres), rund 36 % des Parks, von diesen Waldbränden betroffen.
Tausende Feuerwehrmänner, unterstützt von Dutzenden Hubschraubern und Löschflugzeugen, bekämpften die Brände mit Wasser und anderen Löschmitteln. Am Höhepunkt der Anstrengungen waren über 9000 Feuerwehrleute im Park aktiv. Da die Brände im gesamten Größeren Yellowstone-Ökosystem und in anderen Regionen der westlichen Vereinigten Staaten wüteten, waren der National Park Service und andere Behörden der Situation personell nicht gewachsen. Über 4000 US-Soldaten unterstützten bald die Brandbekämpfungsmaßnahmen. Die Löscharbeiten verursachten Kosten in Höhe von 120 Millionen US-Dollar (inflationsbereinigt 310 Millionen, Stand 2024). Während der Brandbekämpfung kam kein Feuerwehrmann ums Leben, jedoch gab es in Zusammenhang mit den Bränden zwei Todesfälle außerhalb des Parks. Die Brände im Yellowstone waren der bis dato größte Einsatz zur Brandbekämpfung in der Geschichte der Vereinigten Staaten.
Vor Ende der 1960er-Jahre wurden Brände als grundsätzlich schädlich für Parks und Wälder eingeschätzt, so dass der Umgang mit ihnen auf ihre schnellstmögliche Unterdrückung abzielte. In den Jahrzehnten vor 1988 erkannte man dann zunehmend die positive ökologische Bedeutung des Feuers, weshalb man natürliche Brände unter kontrollierten Bedingungen erlaubte und damit die jährlich durch Brände zerstörte Fläche sehr erfolgreich reduzieren konnte. 1988 war ein großes Feuer im Yellowstone jedoch überfällig und die vielen kleineren „kontrollierten“ Feuer verbanden sich vor allem im trockenen Sommer. Die Brände wüteten in einem Mosaik-Muster und sprangen von einer Region in eine andere, während andere Regionen völlig unberührt blieben. Durch einige Regionen fegten wiederum große Feuerstürme, die alles in ihrem Weg niederbrannten. Die landschaftlichen Schäden an der Vegetation waren enorm. Jedoch brannten auf mehr als der Hälfte der betroffenen Gebiete lediglich Bodenfeuer, die den härteren Baumarten wenig Schaden zufügten. Schon kurz nach dem Erlöschen der Feuer siedelten sich viele Pflanzenarten selbstständig wieder an, so dass die Regeneration der Vegetation sehr erfolgreich verlief.
Die Brände im Yellowstone 1988 waren beispiellos in der Geschichte des National Park Service und stellten viele Regeln des Umgangs mit Bränden in Frage. Medienberichte über das Missmanagement waren oft sensationsheischend und ungenau, manchmal wurde gar fälschlich berichtet, dass der größte Teil des Parks zerstört wurde. Zeitweise verschlechterte sich während der Brände zwar die Luftqualität, es wurden jedoch keine langfristig negativen Auswirkungen auf das Ökosystem festgestellt. Im Gegensatz zu anfänglichen Berichten kam nur eine geringe Anzahl großer Säugetiere durch die Feuer ums Leben, auch wenn eine Minderung der Anzahl von Elchen eingetreten ist. Verluste an Gebäuden wurden minimiert, da die Brandbekämpfungsmaßnahmen sich auf die wichtigen Besucherbereiche konzentrierten und damit die Sachschäden unter 3 Millionen US-Dollar hielten.
Seit dem Sommer 1990 gibt es eine spezielle Ausstellung zu den Hintergründen und Folgen der Feuer von 1988 im Besucherzentrum in West Thumb / Grant Village am Yellowstone Lake im Süden des Parks.
Entwicklung des Waldbrandmanagements mini|1953: Ein Feuerwehrmann wandert in Richtung eines entfernten Feuers
Im Osten der Vereinigten Staaten mit seinen stärkeren Niederschlägen sind Waldbrände eher klein und stellten nur selten eine größere Gefahr für Leben und Eigentum dar. Als sich die Siedlungen der weißen Einwanderer immer weiter in die trockeneren Gegenden des Westens ausbreiteten, stießen sie auf die ersten großen Brände. Flurbrände in den Great Plains und Waldbrände in den Rocky Mountains sind deutlich größer (Flächenbrand) und zerstörerischer als die Brandereignisse im Osten des Landes. Eine Reihe von katastrophalen Brandereignissen beeinflusste über die Jahre die Regeln für den Umgang mit dem Feuer.
Der Waldbrand, der die meisten Todesfälle in der Geschichte der USA forderte, war der Feuersturm von Peshtigo, der 1871 durch Wisconsin fegte und dabei über 1.500 Menschen das Leben kostete. Der Brand im Santiago Canyon 1889 in Kalifornien und besonders der Große Brand von 1910 in Idaho und Montana führten zur Philosophie, dass Brände eine Gefahr sind, die es zu unterdrücken gilt.Gregory H. Aplet: . In: International Journal of Wilderness. Vol. 12, Nr. 1, 2006, ISSN 1086-5519, S. 9, (PDF; 196 kB). Der Große Brand von 1910 verwüstete 12.000 km² Land, zerstörte eine Reihe von Gemeinden und kostete 86 Menschen das Leben. Dieses Ereignis führte viele Landverwaltungsagenturen dazu, die Unterdrückung von Waldbränden zu fordern. Die Landverwaltungsämter des US-Gouvernements, einschließlich des National Park Service befolgten die Brandschutzregeln, die vom United States Forest Service eingeführt wurden.
Bis Mitte des 20. Jahrhunderts glaubten die meisten Förster, dass Feuer jederzeit bekämpft werden sollten. Ab 1935 legten die Arbeitsvorschriften des National Park Service fest, dass alle Waldbrände bis 10 Uhr am Morgen nach ihrer ersten Entdeckung gelöscht sein sollen. So wurden landesweit Feuerlöschteams eingerichtet und in der Regel mit jungen Männern während der Brandsaison besetzt. Ab 1940 sollten die als Smokejumper bekannten Feuerwehrmänner mit Fallschirmen aus Flugzeugen abspringen, um Feuer auch in entlegenen Gebieten zu löschen. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs errichtete man in den USA über 8.000 Türme zur Brandwache. Später wurden viele der Feuerwachtürme wieder abgerissen, da zunehmend Flugzeuge zur Lokalisierung von Waldfeuern genutzt wurden; heute sind im gesamten Yellowstone-Park nur noch zwei Türme in Betrieb. Die Brandschutzmaßnahmen waren sehr erfolgreich: während in den 1930er-Jahren jährlich noch durchschnittlich 120.000 km² (30.000.000 Acres) den Flammen zum Opfer fielen, hatte sich diese Fläche in den 1960er-Jahren auf 8.100 km² (2.000.000 Acres) bis 20.000 km² (5.000.000 Acres) reduziert. Der Holzbedarf während des Zweiten Weltkriegs war hoch und jedes Feuer, das Waldgebiete zerstörte, wurde als inakzeptabel empfunden. 1944 führte der U.S. Forest Service eine Aufklärungskampagne für die Öffentlichkeit durch, die die Schädlichkeit aller Feuer betonte. Diese Kampagne verwendete eine Karikatur eines Schwarzbären namens „Smokey Bear“. Dieser ikonische Feuerwehr-Bär ist bis heute auf Schildern mit dem Slogan „Only you can prevent forest fires“ (Nur Sie können Waldbrände verhindern) zu sehen. Erste Plakate mit „Smokey Bear“ ließen die Bevölkerung im Irrglauben, dass die Lauffeuer hauptsächlich von Menschen verursacht werden. Im Yellowstone liegt der Anteil von durch den Menschen ausgelösten Feuern bei 22 %, während 78 % der Brände durch Blitze ausgelöst werden. Einige Wissenschaftler, wie auch Holzfällerunternehmen und Privatbürger, lernten, dass Feuer ein natürlicher Bestandteil vieler Ökosysteme ist: Es hilft, das Unter- und Totholz auszudünnen und erlaubt so ökonomisch wichtigen Baumarten mit geringerer Nährstoffkonkurrenz zu wachsen. Die amerikanischen Ureinwohner brannten oftmals Waldgebiete nieder, um übermäßiges Wachstum einzudämmen und damit die Fläche des Graslandes für Großwild wie Bison und Elch zu vergrößern.
Bereits 1924 schrieb der Umweltschützer Aldo Leopold, dass die Naturbrände vorteilhaft für das Ökosystem und die natürliche Vermehrung verschiedener Baum- und Pflanzenarten sind. Die nächsten 40 Jahre stimmten weitere Förster und Ökologen der Beurteilung zu, dass gelegentliche Brände von Vorteil für das Ökosystem sind. Im Jahr 1963 empfahlen Ökologen dem National Park Service in einem Bericht, dem Leopold Report, regelmäßige Naturbrände zuzulassen, um das natürliche Gleichgewicht in den Parks wiederherzustellen. Der Wilderness Act von 1964 half, die Rolle von Feuern als natürlichen Teil des Ökosystems zu festigen. Der National Park Service hat 1968 seine Handlungsanweisungen für Brände angepasst, um der sich ändernden Sichtweise nachzukommen. Die Verwaltung legte fest, dass man natürliche, durch Blitze ausgelöste Brände weiter brennen lassen soll, solange sie eine geringe Gefahr für Menschen oder deren Eigentum darstellen. Die Verwaltung bestimmte zusätzlich, dass unter vorgeschriebenen Bedingungen kontrollierte Brände bewusst gelegt werden können, um das ökologische Gleichgewicht wiederherzustellen. Der ökologische Sinn des Feuers wurde besser verstanden, nachdem viele Wälder gealtert und überfällig für einen großflächigen Brand geworden waren.
Seit 1972 erlaubt der National Park Service natürlichen Bränden im Yellowstone-Nationalpark, unter kontrollierten Bedingungen weiter zu brennen. Brände dieser Art werden als prescribed natural fires („verordnete natürliche Brände“) bezeichnet. Seit 1972 brennt aufgrund dieser als Let burn policy bezeichneten Anweisung durch jährlich im Schnitt 24 dieser „verordneten natürlichen Brände“ eine relativ kleine Fläche von etwa 22 km² pro Jahr nieder. Im Zeitraum von 1972 bis 1988 gab es 235 Brände innerhalb des Parks, von denen nur 15 eine Fläche von mehr als 0,4 km² erfassten. Die fünf Jahre vor den Bränden von 1988 waren deutlich feuchter als normal, wodurch in dieser Zeit die Brandflächen geringer ausfielen. Die Politik der verordneten natürlichen Brände schien, besonders für die Yellowstone-Region, ein effektiver Weg zu sein, mit Bränden umzugehen.
Hintergründe und Ursache der Feuer Die formale Aufzeichnung von Bränden im Yellowstone-Park begann im Jahr 1931, als rund 73 km² (18.000 Acres) durch ein Feuer am Heart Lake verbrannten. Trotz seines vergleichsweise geringen Ausmaßes war das Heart Lake Fire der größte Brand in der Zeit von der Gründung des Parks bis 1988. Untersuchungen zeigen, dass auf dem Yellowstone Plateau innerhalb von 1.000 Jahren nur zwei bis drei große Brände auftreten.William H. Romme, Don G. Despain: Historical Perspective on the Yellowstone Fires of 1988. S. 698 Der letzte große Brand im Gebiet des Yellowstone ereignete sich im frühen bis mittleren 18. Jahrhundert, lange vor der Ankunft der weißen Entdecker. mini|Typischer Kiefernwald im Yellowstone-Nationalpark im Jahr 1965In den Wäldern im Yellowstone dominiert die Küsten-Kiefer (Pinus contorta), die nach 80 bis 100 Jahren, wenn der Wald reift, durch andere Baumarten ersetzt wird. Im Yellowstone kann die Küsten-Kiefer dank einer sehr kurzen Wachstumsperiode aufgrund der Höhenlage und relativ kargen Böden fast dreihundert Jahre alt werden, bevor sie von anderen Baumarten wie Engelmann-Fichte (Picea engelmannii) oder Felsengebirgs-Tanne (Abies lasiocarpa) abgelöst wird. Die Küsten-Kiefern, die im gesamten Hochland des Yellowstone-Plateaus zu finden sind, wachsen in ununterbrochenen dichten Beständen mit durchschnittlich ähnlichem Alter in verschiedenen Gruppierungen. In den 1980er-Jahren waren viele der Küsten-Kiefern-Wälder im Yellowstone-Nationalpark zwischen 200 und 250 Jahre alt und näherten sich dem Ende ihres Lebenszyklus.