Malwa 290px|Malwa von 1760. Größte Städte Indore Sprachen Malwi, Hindi Fläche 81.767 km²  Einwohner (2001) 18.889.000 Bevölkerungsdichte 231 EZ/km² Geburtenrate (2001) 31,6 Sterberate (2001) 10,3 Kindersterblichkeit (2001) 93,8

Malwa (Malwi: माळवा, ) ist eine Region im westlichen zentralen Nordindien und nimmt dort ein Plateau vulkanischen Ursprungs im westlichen Teil des Bundesstaates Madhya Pradesh ein. Diese Region war von der Zeit des indischen Malawa-Stammes bis zum Zusammenschluss der Britischen Malwa-Agentur in Madhya Bharat (1947) eine selbständige politische Einheit. Trotz Grenzverschiebungen im Laufe der Geschichte hat sich in ihr eine eigene spezifische Kultur und Sprache entwickelt.

Geografie Malwa erstreckt sich auf einem Plateau im westlichen Madhya Pradesh und südöstlichen Rajasthan (zwischen 21° 11' Nord, 73° 45' Ost und 25° 10' Nord und 79° 14' Ost) mit Gujarat im Westen. Im Süden und Osten befindet sich das Vindhya-Gebirge, im Norden das Bundelkhand-Hochland. Das Plateau ist eine Verlängerung des Dekkan-Trapp, der vor rund 68 bis 68 Millionen JahrenGeochronological Study of the Deccan Volcanism by the 40Ar-39Ar Method. zit. nach: The Deccan beyond the plume hypothesis. am Ende der Kreidezeit entstand. Die Böden dieser Region gehören vor allem zu den schwarzen, braunen und steinigen Erden. Die vulkanische, tonartige Erde in dieser Region verdankt ihre schwarze Farbe vor allem dem hohen Eisengehalt des Basalts, aus welchem sie entstand. Diese Böden benötigen weniger Bewässerung aufgrund ihrer hohen Speicherkapazitäten für Feuchtigkeit. Die beiden anderen Bodentypen sind leichter und haben einen höheren Sandanteil.

hochkant|mini|Das Vindhya-Gebirge begrenzt das Plateau nach Süden und ist Quellort vieler Flüsse der Region hochkant|mini|Der Sambar ist eines der am weitesten verbreiteten Wildtiere der Region.

Die durchschnittliche Höhe der Hochebene beträgt 500 Meter, es gibt jedoch einige Gipfel von über 800 m Höhe am Sigar (), Japanav () und Ghajari (). Das Plateau ist generell nach Norden hin geneigt. Den westlichen Teil der Regin entwässert der Mahi, während der Chambal den mittleren Teil und der Betwa sowie die Oberläufe des Dhasan und Ken den östlichen Teil der Region entwässern. Der Shipra ist von historischer Bedeutung wegen der Simhasth mela, die alle 12 Jahre stattfindet. Andere erwähnenswerte Flüsse sind der Parbati, Gambhir und der Choti Kali Sindh. Seine Höhe gibt Malwa ein mildes, angenehmes Klima; ein kühler Morgenwind, der Karaman und eine abendliche Brise, die Shab-e-Malwa, lassen auch die Sommer weniger heiß sein.

Das Jahr wird gewöhnlich in drei Jahreszeiten aufgeteilt: Sommer (hot), Regenzeit (wet) und Winter (cold). Der Sommer erstreckt sich auf die Monate Chaitra bis Jyestha (Mitte März bis Mitte Mai). Während dieser Monate beträgt die durchschnittliche Tagestemperatur 35 °C und steigt an einigen Tagen auf bis etwa 40 °C an. Die Regenzeit beginnt mit den ersten Schauern des Aashaada (Mitte Juni) und dauert bis zur Mitte des Ashvin (September). Die größten Niederschlagsmengen fallen unter dem Einfluss des Südwestmonsuns und betragen zwischen 1000 mm im Westen bis 1650 mm im Osten. Indore und die unmittelbar umliegenden Gebiete erhalten jährlich durchschnittlich 1400 mm Niederschlag. Die Wachstumsperiode, in welcher die durchschnittlichen Tagestemperaturen meistens zwischen 20 und 30 °C betragen, dauert zwischen 90 und 150 Tagen. Der Winter ist die längste der drei Jahreszeiten und dauert rund fünf Monate (Mitte des Ashvin bis Phalgun, das heißt von Oktober bis Mitte März). Die durchschnittlichen Tagestemperaturen liegen meist zwischen 15 und 20 °C; sie können während einiger Nächte auf rund 7 °C abfallen. Einige Landwirte behaupten, dass ein gelegentlicher Winterschauer während der Monate Pausha und Maagha sich positiv auf die frühsommerlichen Weizenkulturen auswirkt.

Die Region ist Teil der Kathiarbar-Gir-Trockenlaubwald Ökoregion. Ihre natürliche Vegetation sind tropische Trockenwälder sowie vereinzelte Teakwälder. Die verbreitetsten Baumarten sind Butea, Bombax, Anogeissus, Akazie, Buchanania und Boswellia. Zu den häufigsten kleineren Baumarten und Sträuchern gehören Grewia, Indische Jujube, Casearia, Prosopis, Capparis, Woodfordia, Phyllanthus und Carissa. Zur Fauna gehören vor allem Paarhufer wie Sambar, Hirschziegenantilopen und Indische Gazellen. Während des vergangenen Jahrhunderts schritt die Entwaldung rasch voran, so dass sie zu Umweltproblemen wie akuter Wasserknappheit und der Desertifizierungsgefahr führte.

Das Plateau, das einen großen Teil der Region einnimmt, wird nach der Region Malwa-Plateau genannt. Seine mittlere Höhe beträgt 500 m und die Landschaft fällt generell zum Norden hin ab. Der größte Teil der Region wird vom Chambal und seinen Nebenflüssen entwässert, der westliche Teil vom Oberlauf des Mahi. Zu Zeiten von Malwas Selbständigkeit war Ujjain die politische, wirtschaftliche und kulturelle Hauptstadt der Region, heute bildet Indore als größte Stadt das wirtschaftliche Zentrum. Insgesamt sind die meisten Menschen Malwas in der Landwirtschaft tätig. So ist die Region etwa einer der wichtigsten Opiumproduzenten weltweit. Es werden aber auch Cash Crops wie Baumwolle und Sojabohnen angebaut. Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig ist die Textilproduktion.

Zu Malwa gehören die Distrikte Dewas, Dhar, Indore, Jhabua, Mandsaur, Neemuch, Rajgarh, Ratlam, Shajapur, Ujjain sowie Teile von Guna und Sehore sowie der Distrikt Jhalawar des Bundesstaates Rajasthan und Teile von Bansware und Chittorgarh. Im Norden wird Malwa durch die Hadoti-Region begrenzt, im Nordwesten durch Mewar und durch Vagad und Gujarat im Westen. Manchmal wird Nimar im Süden der Vindhyas politisch und verwaltungstechnisch noch Malwa zugerechnet. Geologisch bezieht sich die Bezeichnung Malwa-Plateau jedoch auf das vulkanische Hochland südlich der Vindhyas, die Malwa umfassen, und erstreckt sich nach Osten hin bis zum oberen Betwabecken und zu den Oberläufen der Flüsse Dhasan und Ken. Die Region hat ein tropisches Klima mit Trockenlaubwäldern, die mehreren Stämmen, darunter den Bhil, eine Heimat bieten. Kulturell wurde die Region von den Kulturen Gujarats, Rajasthans und Marathas beeinflusst. Die am häufigsten verwendete Sprache, vor allem in ländlichen Regionen, ist Malwi, während Hindi vor allem in den Städten gebräuchlich ist. Ujjain, Mandu, Maheshwar, Omkareshwar und Indore dienen als touristische Anziehungspunkte.

Geschichte Das erste bedeutende Königreich der Region war Avanti, eine bedeutende Macht Westindiens am Übergang vom 6. zum 5. vorchristlichen Jahrhundert. Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde die Region vom Maurya-Reich annektiert. Das späte Gupta-Reich im 5. Jahrhundert n. Chr. war eine goldene Zeit der Geschichte Malwas. Die Dynastien der Paramaras (Sultane von Malwa) und der Marathas beherrschten Malwa immer wieder. In dieser Region sind führende Künstler und Wissenschaftler zur Welt gekommen, darunter der Dichter und Schriftsteller Kalidasa, der Autor Bhartrihari, die Mathematiker und Astronomen Varahamihira und Brahmagupta sowie der Universalgelehrte König Bhoja.

mini|hochkant|Keramikbecher aus Navdatoli, Malwa, um 1300 v. Chr. mini|hochkant|Darstellung des Kartikeya und der Lakshmi auf einer Münze; Ujjain; ca. 150–75 v. Chr. mini|hochkant|Lage Malwas im Vergleich zu anderen Staaten um 1200 n. Chr. vor der Eroberung durch das Sultanat von Delhi mini|hochkant|Skulptur eines höfischen Bediensteten der Holkar aus Fort Ahilya

Im östlichen Malwa wurden mehrere Wohnstätten der Frühsteinzeit und des Altpaläolithikums ausgegraben.J. Jacobson: Early Stone Age Habitation Sites in Eastern Malwa. In: Proceedings of the American Philosophical Society, Vol. 119, No. 4, August 1975 Der Name „Malwa“ selbst ist vom Namen des alten arischen Stammes der Malava abgeleitet, über den nur wenig bekannt ist, außer der Tatsache, dass der Bikram Sambat auf ihn zurückgeht. Dabei handelt es sich um einen Kalender aus dem Jahr 57 v. Chr., der in weiten Teilen Indiens benutzt wird und allgemein mit König Chandragupta Vikramaditya in Verbindung gebracht wird. Der Name der Malava stammt wiederum vom sanskritischen Wort malav ab und bedeutet „Teil der Wohnung der Lakshmi“.Malwa plateau on Britannica Der Siedlungsraum der Malwa oder Moholo wird, entsprechend der Erwähnung des chinesischen Reisenden Xuanzang aus dem 7. Jahrhundert, mit dem heutigen Gujarat identifiziert. Die Region wird als Malibah in arabischen Aufzeichnungen, wie dem Kamilu-t Tawarikh Ibn Asirs, erwähnt.M.H. Panhwar: (PDF; 66 kB)

Ujjain, historisch als Ujjaiyini oder Avanti bekannt, entstand als erstes großes Zentrum der Malwaregion während der zweiten Welle der Urbanisierung Indiens im 7. vorchristlichen Jahrhundert (die erste Urbanisierungswelle ist vor allem unter der Bezeichnung Indus-Kultur bekannt). Um 600 v. Chr. wurde Ujjain, das damals eine beachtliche Größe hatte, von einem Erdwall umgeben. Avanti war eines der bekannten Mahajadpadas (Königtümer) der Indoarier. In der Nach-Mahabharata-Periode, um 500 v. Chr., zählte Avanti noch immer zu den wichtigen Königreichen Westindiens; es wurde von den Haihayas beherrscht, einem Volk, das vermutlich aus einer Vermischung der Indo-Arier und Nachfahren der Ureinwohner entstand und das für den Niedergang der Naga-Macht in Westindien verantwortlich war.Ahmad: Anthropometric measurements and ethnic affinities of the Bhil and their allied groups of Malwa area. 1991.

Die Region wurde in der Mitte des 4. vorchristlichen Jahrhunderts vom Maurya-Reich erobert. Nach dem Tod Ashokas, dem bedeutendsten Kaiser der Maurya, der in seiner Jugend Statthalter von Ujjain war (ca. 232 v. Chr.) begann das Maurya-Reich zu kollabieren. Auch wenn es nur wenige Beweise gibt, wird davon ausgegangen, dass Malwa im 2. und 1. Jahrhundert vor Christus wahrscheinlich von den Kuschanern und Saken regiert wurde. Die Vorherrschaft über diese Region war Gegenstand eines Konflikts zwischen den westlichen Kshatrapas und den Satavahanas in den ersten drei Jahrhunderten unserer Zeitrechnung. Bereits im ersten Jahrhundert entwickelte sich Ujjain zu einem großen Handelszentrum.

Während der Regierungszeit Chandraguptas II. (375–413 n. Chr.), auch als Vikramaditya bekannt, der die Region eroberte und die weltlichen Kshatrapas vertrieb, wurde Malwa Teil des Gupta-Reiches. Diese Gupta-Zeit wird allgemein als die goldene Zeit in der Geschichte Malwas angesehen, in der Ujjain als westliche Hauptstadt des Reiches diente. Kalidasa, Aryabhata und Varahamihira stammten aus Ujjain, das sich zu einem großen Zentrum der Wissenschaft, speziell der Astronomie und Mathematik, entwickelte. Um 500 erstand Malwa aus dem zerfallenden Gupta-Reich als eigenes Königtum wieder auf; im Jahr 528 besiegte Yasodharman von Malwa die Alchon, die aus dem Nordwesten in Indien einfielen. Im 7. Jahrhundert wurde die Region zu einem Teil von Harsas Reich, der mit König Pulakesi II. aus der Chalukya-Dynastie von Badami auf dem Dekkan-Hochland um die Region stritt.

Die Region wurde im Jahr 786 von den Königen der Rashtrakuta-Dynastie aus dem Dekkan erobert, die bis zum Beginn des 10. Jahrhunderts mit den Königen der Pratihara-Dynastie aus Kannauj darum stritten. Ab der Mitte des 10. Jahrhunderts geriet Malwa unter die Herrschaft der Paramara-Dynastie der Rajputen, die Dhara zu ihrer Hauptstadt machten. König Bhoja (ca. 1010–1060) gilt als der große universalbegabte Philosophenkönig des indischen Mittelalters; seine umfangreichen Schriften behandeln Philosophie, Poesie, Medizin, Veterinärmedizin, Phonetik, Yoga und Bogenschießen. Unter seiner Herrschaft wurde Malwa zum intellektuellen Zentrum Indiens. Auf Bhoja geht außerdem die Gründung der Stadt Bhopal zurück, die den östlichen Teil seines Königreiches sichern sollte. Seine Nachfolger regierten bis etwa 1200 n. Chr., als Malwa durch das Sultanat von Delhi erobert wurde.