mini|Luftaufnahme von San Francisco (2023) mini|Charakteristisch für San Francisco: die Hügel und das Meer Die Geschichte der Stadt San Francisco in Kalifornien wurde maßgeblich von ihrer Lage an der Pazifikküste beeinflusst. Sie wurde dadurch zu einem wichtigen Zentrum für Seehandel und zum Standort für Fort Mason, dem wichtigsten Einschiffungshafen für Militäroperationen auf dem Pazifik. San Francisco charakterisiert sich durch schnelle wirtschaftliche Veränderungen und kulturelle Vielfalt.
Vorkoloniale Geschichte
Das Gebiet des heutigen US-Bundesstaates Kalifornien ist seit über 10.000 Jahren besiedelt. Bei Ankunft der ersten Europäer bewohnten unter anderem die Yelamu, ein Stamm aus der Sprachfamilie der Ohlone das Gebiet von San Francisco.
Der häufige Nebel über der Bucht von San Francisco führte dazu, dass die frühen Entdecker, darunter Sir Francis Drake, am Golden Gate vorbeisegelten und die Bucht von San Francisco lange unentdeckt blieb.
Die ersten Europäer an der Bucht von San Francisco
mini|Blick auf das Presidio von San Francisco, um 1817 von Louis Choris Im Zuge der spanischen Eroberungszüge in Mittel- und Nordamerika zog der Entdecker Gaspar de Portolà im Jahr 1769 als erster auf dem Landweg in das Gebiet des heutigen Bundesstaates Kalifornien, das damals zur spanischen Kolonie Neuspanien gehörte. Am 2. November erreichte er die Bucht von San Francisco.
Sieben Jahre später wurde im Zuge der Errichtung der spanischen Missionen in Kalifornien die Mission San Francisco de Asís (auch Mission Dolores genannt) von Junípero Serra gegründet und dazu das Presidio errichtet.Für die Bevölkerungszählung von Revillagigedo siehe , California Spanish Genealogy, abgerufen am 4. August 2008 in The Census of 1790: A Demographic History of California, Menlo Park: Ballena Press, 1998, S. 75–105, ISBN 978-0-87919-137-5. Der Franziskaner Serra gilt als Gründer von San Francisco.
In den darauffolgenden Jahren besuchten mehrere weitere europäische Eroberer die Bucht, darunter der Franzose Jean-François de La PérouseDe La Perouse, Life in a California Mission. und der Engländer George VancouverVancouver's Report Presidio of San Francisco, National Park Service.. In der Gegend siedelten auch einige Russen, vorwiegend Jäger (ihrem Vorrücken Einhalt zu gebieten war einer der Hauptgründe für das spanische Vordringen nach Norden). Von 1770 an kolonisierte Russland das Gebiet von Alaska bis Fort Ross in Sonoma, unmittelbar nördlich der Bucht. Der Name Russian Hill, eines zentralen Wohnquartiers in San Francisco, erinnert an die russischen Fellhändler und Seeleute.
Nach dem Mexikanischen Unabhängigkeitskrieg wurde Kalifornien Teil von Mexiko. Im Jahr 1835 errichtete der Engländer William Anthony Richardson den ersten Hof außerhalb der unmittelbaren Umgebung der Mission dolores, in der Nähe einer Bootsanlegestelle beim heutigen Portsmouth Square. Er ist unter anderem für den Straßenplan des nun immer mehr Siedler anziehenden Dorfes, das zunächst Yerba Buena (nach einer in der Gegend vorkommenden Minzenart) hieß, verantwortlich. 1838 erhielt Richardson ein großes Grundstück im Marin County, wohin er 1841 übersiedelte. Die Richardson Bay ist nach ihm benannt. mini|San Francisco (1849) Im selben Jahr dachte England über einen Kauf von Kalifornien von Mexiko nach, denn die strategische Bedeutung für den Pazifik war erkannt worden. Daraus wurde allerdings nichts, und so wurde San Francisco zu einem der strategisch bedeutendsten Häfen der USA.
Am 31. Juli 1846 verdoppelte sich die Bevölkerung von Yerba Buena schlagartig, da 240 Mormonen unter der Führung von Samuel Brannan mit dem Schiff Brooklyn anlegten. Brannan, selbst Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, sollte später vor allem durch seine Berichte über den kalifornischen Goldrausch bekannt werden. Er gilt als erster Gold-Millionär Kaliforniens. mini|San Francisco (1853) Im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg beanspruchte John Drake Sloat Kalifornien für die Vereinigten Staaten. Am 9. Juli 1846 trafen John Berrien Montgomery und Henry Bulls Watson mit der USS Portsmouth in Yerba Buena ein und hissten ihre Flagge über der Ortsmitte. Im August desselben Jahres wurde Lt. Washington A. Bartlett zum Alcalde von Yerba Buena ernannt. Am 30. Januar 1847 wurde der Ort auf Antrag von Bartlett offiziell in San Francisco umbenannt. Der Name ist eine Reverenz an Franz von Assisi, den Namenspatron der Franziskanischen Ordensfamilie. Kalifornien und damit auch San Francisco wurden 1848 in der Folge des Vertrags von Guadalupe Hidalgo, der den Mexikanisch-Amerikanischen Krieg beendete, offiziell Teil der Vereinigten Staaten. San Francisco wurde vom kalifornischen Staat bald sowohl als Stadt als auch als County klassiert.
Mit seiner Lage am äußersten Ende einer Halbinsel fehlten San Francisco zwei wichtige Rohstoffe für eine Siedlung des 19. Jahrhunderts: Wasser und Feuerholz. Die Einwohner der Stadt waren deshalb gezwungen, diese Waren in die Stadt zu bringen. Bereits früh begann man auch, Küstengebiete aufzuschütten, um dort Häuser zu bauen.
Der kalifornische Goldrausch mini|links|Stadtplan San Francisco von William Mathewson Eddy (Dezember 1849) mini|hochkant=1.5|Portsmouth Square, 1851 mini|Der Hafen von San Francisco 1850 oder 1851. In dieser Zeit war der Hafen oft so überfüllt, dass die Schiffe oft Tage warten mussten, bis Fracht und Passagiere ausgeladen werden konnten. Der kalifornische Goldrausch, der 1848 einsetzte, beeinflusste die Stadt nachhaltig. Zunächst führte er vor allem zu einem explosiven Bevölkerungswachstum. Zwischen Januar 1848 und Dezember 1849 stieg die Bevölkerung San Franciscos von 1.000 auf über 25.000, obwohl die Stadt selbst weitab der Goldminen lag. Um zusätzliche Parzellen für die Siedler zu schaffen, beschäftigte die Stadt mit William Mathewson Eddy einen Landvermesser, der bis Dezember 1849 rund 600 zusätzliche Parzellen schuf. In jenem Monat veröffentlichte er den einzigen heute erhaltenen offiziellen Stadtplan. Das extreme Wachstum setzte sich auch in den 1850er-Jahren fort, besonders als auch noch Silber gefunden wurde. Mit dem Wachstum war die Stadtplanung teilweise überfordert, was zu (für amerikanische Verhältnisse) teilweise sehr engen Straßen führte, die noch heute den Verkehr in der Altstadt behindern. San Francisco wurde zur größten Stadt westlich des Mississippi, ein Titel, der allerdings 1920 an Los Angeles verloren wurde.
Besonders viele Einwanderer stammten aus China, da sich die chinesischen Arbeiter, die am Bau der ersten Transkontinentalen Eisenbahn beteiligt hatten, nach der Fertigstellung in San Francisco niederließen. Strenge Rassengesetze, wie der Chinese Exclusion Act, erlaubten ihnen jedoch nur die Niederlassung in eng umschriebenen Grenzen innerhalb der Stadt. Dieses heute Chinatown genannte Stadtviertel ist das größte seiner Art in Kalifornien. Etwa ein Fünftel der Einwohner der Stadt sind Sino-Amerikaner, das ist eine der größten asiatischen Populationen außerhalb Chinas.
Viele heute weltbekannte Marken und Produkte entstanden zu jener Zeit, so etwa Levi Strauss & Co., Ghirardelli Chocolate Company und die Wells Fargo Bank. Auch mehrere Tycoons machten von sich reden, teilweise allerdings eher als „Raubritter“ (engl.: Robber barons), darunter die Big Four (Charles Crocker, Mark Hopkins, Collis P. Huntington und Leland Stanford), die sowohl das Eisenbahnwesen des Westens als auch die Politik nach Belieben dominierten und auch vor Gewalt gegen ihre Bauarbeiter nicht zurückschreckten. Wo diese Barone ihre Villen in San Francisco errichtet hatten, stehen heute berühmte und teure Hotels wie das Huntington Hotel, das nach Collis P. Huntington benannt wurde.
links|hochkant=1.3|mini|Charles Cora und James Casey werden vom Committee of Vigilance öffentlich gehängt, 1856 Die unkontrollierte Einwanderung vorwiegend männlicher Schatzsucher führte in San Francisco zu Zuständen, die dem Wilden Westen in nichts nachstanden. In der Stadt herrschte im Wesentlichen Anarchie, obwohl ordentlich gewählte Organe sowohl auf lokaler als auch auf staatlicher Ebene (Bundesstaat) vorhanden waren. Ihre Vertreter waren allerdings korrupt und Gauner – diese waren in recht großer Zahl aus dem Osten in den Westen geflohen, wo sie, da unerkannt, unbehelligt waren – kamen mit milden oder gar keinen Strafen davon. San Francisco, das in jener Zeit fast ausschließlich aus Holz gebaut war, brannte in den Jahren 1849 bis 1851 mindestens dreimal zu wesentlichen Teilen nieder. Die Brände waren, so wird vermutet, häufig gelegt, etwa um Warenlager der Konkurrenz zu vernichten. Verfolgt oder gar bestraft wurden die Brandstifter jedoch in den seltensten Fällen.
Als schließlich auch noch oppositionelle Politiker teilweise auf offener Straße erschossen wurden, formierte sich Widerstand. Unter der Führung von Samuel Brannan formierte sich das erste sogenannte Committee of Vigilance (Wachsamkeitsvereinigung), die sich zum Ziel setzte, das Recht in die eigene Hand zu nehmen. Zweimal, 1851 und 1856, trat diese aus angesehenen Männern bestehende Organisation, zusammen, um für jeweils etwa ein halbes Jahr dem Gesetz Nachdruck zu verschaffen. Beide Male wurden mehrere ertappte Verbrecher in schauprozessähnlichen Verfahren verurteilt und umgehend gehängt, was vorübergehend für Ruhe sorgte.
mini|Market Street, frühes 20. Jahrhundert Die Stadt San Francisco war County Seat des San Francisco County von 1849 bis 1856. Danach wurde, aufgrund der beschriebenen Probleme mit Gesetzlosigkeit, vom kalifornischen Staat das County aufgeteilt. Nördlich vom San Bruno Mountain wurde eine Linie gerade über die Halbinsel gezogen. Alles was südlich davon liegt, wurde zum neuen San Mateo County, der Teil nördlich davon wurde das Stadt-County von San Francisco, das einzige Kaliforniens.
Im Herbst 1855 brachte ein Schiff Flüchtlinge vor einer Choleraepidemie aus dem Fernen Osten nach San Francisco (die Geschichtsschreibung ist sich hier uneinig, ob es sich um die S.S. Sam oder die S.S. Carolina gehandelt hat – beide brachten Flüchtlinge einer Epidemie in die Stadt, eines der Schiffe 1850, das andere 1855). Weil die Stadt in der Folge des Goldrausches deutlich schneller gewachsen war, als die eigentlich notwendige Infrastruktur und insbesondere auch die sanitären Anlagen hinter den Erfordernissen zurückblieb, brach nun in San Francisco selbst eine schwere Choleraepidemie aus. Zu jener Zeit wäre eigentlich der Staat für das Gesundheitswesen zuständig gewesen, er sah sich jedoch darin überfordert und delegierte die Zuständigkeit an die Countys. Das führte zum noch heute in Kalifornien existierenden System der County-Krankenhäuser. In San Francisco selber wurden Barmherzige Schwestern mit der Führung eines Spitals betraut, da sie sich während der Epidemie als sehr effizient gezeigt hatten. 1857 eröffnete der Orden das St. Mary's Hospital an der Stockton Street, das erste katholische Spital westlich der Rocky Mountains. 1905 erwarben sie ein Grundstück an der Ecke Fulton/Stanyan Streets. Das dortige St. Mary's Medical Center ist das älteste dauerhaft aktive Spital San Franciscos.
Zu den Arbeitsbedingungen und den Arbeitskämpfen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts siehe in den Artikeln Geschichte Kaliforniens und Arbeiterbewegung in den Vereinigten Staaten.
Paris of the West mini|Ross Alley in Chinatown 1898, (Foto von Arnold Genthe) Um 1890 litt San Francisco erneut unter Klientelismus und Korruption. Neue politische Reformen waren dringend notwendig. Der Populist Adolph Sutro wurde daraufhin 1894 zum Bürgermeister gewählt, ohne dass er einen richtigen Wahlkampf geführt hatte. Leider erreichte er, abgesehen von der Eröffnung der Sutro-Bäder, kaum substantielle Fortschritte für die Stadt.