Als Österreich-Haus, in jüngeren Jahren meist offiziell Austria House, wird das österreichische Kommunikationszentrum bei den Olympischen Spielen, Paralympischen Spielen und Alpinen Skiweltmeisterschaften bezeichnet.
Funktion Die Idee eines Hauses der Völkerverständigung geht auf die in der Besatzungszeit in Wien begonnenen Programme Amerika-Haus der Amerikaner und das Palais Palffy – Österreich Haus zurück: Im Rahmen des letzteren bildeten sich die österreichischen bilateralen Freundschaftsgesellschaften und der Dachverband PaN. Später wurde daraus das Österreichische Kulturzentrum. dachverband-pan.org. Das Amerika-Haus Wien gibt es als Kulturinstitut bis heute.
Das erste Österreich-Haus im Ausland gab es 1960 auf Initiative der Wirtschaftskammer bei den Olympischen Winterspielen in Squaw Valley. Nach der einfachen Blockhütte von 1960 wurde für die Olympischen Winterspiele 1968 (Grenoble) das erste Mal ein eigenes repräsentatives Gebäude errichtet. Es wurde als Institution auch schon 1970 bei Weltmeisterschaften (Alpin-WM Gröden) eingeführt, wo das Bauwerk von 1968 wiederverwendet wurde. Das erste offizielle olympische Österreich-Haus entstand für die Winterspiele 1984 (Sarajevo).
mini|Museum Lignorama in Riedau; ehemaliges Österreich-Haus der Olympischen Winterspiele 1998 Ursprünglich wurde das Österreichhaus als Präsentationsmöglichkeit für österreichische Wirtschaftsprodukte genutzt. Im Laufe der Jahre entwickelte sich das Konzept aber zum Zitat: Neben der Repräsentanz des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC) bzw. des Österreichischen Paralympischen Committees (OEPC) dient es auch als Olympiastudio bzw. WM-Studio des ORF, und im Besonderen für allfällige Siegesfeiern der österreichischen Teilnehmer und Pressekonferenzen, und erreicht so besondere Medienpräsenz.
Neben architektonischem Renommée – ein eigens errichtetes Österreichhaus zeigt entweder österreichische Architektur, oder europäische Rezeption der Architektur des Gastlandes – und als Vorzeigeobjekt österreichischer Bautechnik dienen die Häuser als Treffpunkt für internationale Wirtschaftsgespräche, und repräsentieren auch Österreich als Tourismusland.Hannes Maschkan: Österreich-Haus. 2008, S. 2–3. Wegen der enormen wirtschaftlichen Bedeutung, die der Wintersport für Österreich hat (und auch den sportlichen Erfolgen – Sommersport spielt eine vergleichsweise geringe Rolle) wurden Österreichhäuser nur für Winterspiele eingerichtet, seit Athen 2004 aber auch für die Olympischen Sommerspiele. Seit Turin 2006 sind die Behindertensportler auch in Bezug auf die Nutzung des Österreichhauses den anderen Sportlern ohne Einschränkung gleichgestellt.
Bis heute wurden insgesamt etwa ein Dutzend Bauwerke als Österreichhaus errichtet, teils als eigenständige Gebäude, teils als An- und Zubauten. Die meisten sind erhalten und wurden einer Sekundärnutzung zugeführt. Bei den anderen Veranstaltungen wurden Räumlichkeiten angemietet oder Zelte errichtet.
Die Österreich-Häuser Olympische Winterspiele Grenoble 1968/Skiweltmeisterschaften Gröden 1970 Zu den Olympischen Winterspielen 1968 in Grenoble wurde das erste Mal ein eigenes Gebäude als Österreichhaus errichtet. Es wurde zur Skiweltmeisterschaften 1970 in Gröden wiedererrichtet und diente später als Bundessportheim am Faaker See.Weblink Chronologie der Österreichhäuser
Olympische Winterspiele Sapporo 1972 Das Gebäude der Olympischen Winterspiele 1972 in Sapporo ist heute Teil des Sapporo Winter Sports Museum (jap. , Sapporo Uintā Supōtsu Myūjiamu) an der Ōkurayama-Schanze.
Weltmeisterschaften Saalbach-Hinterglemm 1991 Zum Anlass der Alpinen Skiweltmeisterschaften 1991 in Saalbach-Hinterglemm wurde gemeinsam mit der Gemeinde Saalbach ein historischer Pinzgauerhof wiedererrichtet. Das Gebäude aus dem 18. oder frühen 19. Jahrhundert, der Bergerbauer, war schon 1987 von der Gemeinde angekauft und abgetragen worden. Heute bildet es zusammen mit dem Steinachhäusl von 1698 (1994/95 wiedererrichtet) das Heimatmuseum und Schimuseum, und dient auch als Veranstaltungsgebäude der Gemeinde.
Olympische Winterspiele Nagano 1998 Dieses Österreich-Haus wurde 1996 vom Architekten-Team Kaufmann aus Dornbirn (Neue Vorarlberger Bauschule) geplant und mit dem Vorarlberger Holzbaupreis prämiert. Nach den Olympischen Winterspielen 1998 in Nagano wurde es im Zentrum von Riedau neu aufgebaut und beherbergt seither das Holz- und Werkzeugmuseum Lignorama.
Olympische Winterspiele Turin (Sestriere) 2006 mini|hochkant=0.8|Logo des Österreich-Haus 2006 Das Gebäude der Olympischen Winterspiele Februar 2006 und Winter-Paralympics März 2006 in Turin stand wieder in Sestriere, wo die Alpinbewerbe der Olympischen Winterspiele ausgetragen wurden. Es wurde von dem Radstädter Architekten Tom Lechner geplant, als ein Bau im Stile der Neuen Alpenarchitektur, einer Kombination der Formensprache und Materialien der traditionellen Bauernhausstile des Alpenraums und zeitgenössischer Holzarchitektur. Das Casa Austria hatte eine Nutzfläche von 300 m², für Gäste- und VIP-Bereich, das ORF-Studio und Präsentationsflächen für die drei Sponsoren des Hauses. Nach den Paralympics – das erste Mal stand das Österreicherhaus auch dem Behindertensport zur Verfügung – wurde es im Schanzengelände der Paul-Außerleitner-Schanze in Bischofshofen wiedererrichtet.
Olympische Sommerspiele Peking 2008 mini|hochkant=0.8|Logo des Österreich-Haus 2008 Das Österreich-Haus, für die Sommerspiele und Paralympics 2008 in Peking wurde im The Great Wall Sheraton Hotel Beijing (Starwood-Sheraton) errichtet. Das Österreich-Haus sollte eine Mischung aus Tradition und Moderne in China darstellen und Elemente von Feng Shui aufgreifen: Der Hauptbau ist im Stil klassischer Tempelarchitektur ausgeführt, farbenfroh gefasst mit großflächiger Verglasung. Daneben steht ein zehneckiger Pavillon, mit modernistischem Maßwerk und einem bunten, an übereinandergestapelte Sonnenschirme erinnernden Dach. Das Areal wurde mittels Sponsorgeldern mit einem Budget von 400.000 € erstellt. Das Areal des Österreich-Hauses bildet bis heute einen beliebten Anlaufpunkt im Park des Beijing Great Wall.
Olympische Winterspiele Vancouver (Whistler) 2010 mini|hochkant=0.5|Austria House 2010: Logo des ÖOC Auch bei den Olympischen/Paralympischen Winterspielen in Vancouver, Kanada 2010 gab es wieder ein Österreich-Haus. Das Besondere an diesem Österreich-Haus ist, dass es als Passivhaus und in Holzmassivbauweise gebaut war. Es wurde von der APG (Austrian Passive House Group), einem Zusammenschluss von fünf österreichische Firmen, nach einem Entwurf von Architekt Martin Treberspurg ausgeführt.
Das Passivhaus wurde nach den Olympischen Spielen nicht abgebaut, sondern der Stadt Whistler als für eine Weiternutzung übergeben. Das Projekt in Passivhausbauweise soll das weltweite Interesse am nachhaltigen Bauen wecken – in Nordamerika ist diese Technik weitgehend unbekannt, es wurden erst ein paar Dutzend Häuser errichtet, das Gebäude erweckt besondere Medienpräsenz. Genutzt wird es als eine Art SOS-Kinderdorf und Kulturzentrum.
Olympische Sommerspiele London 2012 mini|Austria House Tirol 2012: Trinity House, London
Bei den Olympischen/Paralympischen Sommerspielen in London 2012 wurde erstmals ein vollständig privatwirtschaftlich finanziertes Österreich-Haus betrieben. Hauptsponsor war die Tirol-Werbung, so dass das Haus als Austria House Tirol auftrat – die befremdliche Konstellation, dass das Haus nur ein Bundesland vertritt, wurde durchaus kritisiert. Der nationale Werbewert für die ÖOC-Sponsoren wurde auf über 10 Millionen Euro geschätzt.
Das Haus wurde erstmals nicht nur einem ausgewählten Gästekreis, sondern der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Haus wurde in den drei Wochen von 45.000 zahlenden Gästen besucht (2000/Tag), es war naturgemäß ein neuer Besucherrekord für die Institution.
Eingerichtet wurde es im Trinity House, Tower Hill, nahe der Tower Bridge,, oepc.at. dem ehemaligen Sitz der Corporation of Trinity House of Deptford Strond, der britischen Leuchtfeuerverwaltung, das heute als Veranstaltungsgebäude genutzt wird.
Olympische Winterspiele Sotschi 2014 Das Austria House der Olympischen/Paralympischen Winterspiele Sotschi 2012 wurde in Krasnaja Poljana errichtet. Träger war wie in den Vorjahren die Tirol Werbung.Austria Tirol House Sotschi 2014. austria-house.at. Dabei wurde auch das angrenzende Hotel Melody of Mountain mitgemietet.„Austria Tirol House“ in Sotschi doppelt so teuer wie in London. AGT-APA, in: Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe, tt.com, 17. Oktober 2013. Mit der Positionierung beim Schiaustragungsort Rosa Chutor entsprach sich Österreich (und auch Deutschland mit seinem Haus unweit) nicht dem Wunsch des Veranstalters, die nationalen Hospitality-Häuser in Sotschi an der Schwarzmeerküste einzurichten. Der Bau wurde eigens errichtet. In Sotschi besuchten 25.000 Menschen (davon 6.300 Ehrengäste) das Haus während der Spiele.
(ungefähre Lage)
Olympische Sommerspiele Rio 2016 mini|Clubhaus Botafogo, Rio (ohne Österreich-Dekoration) In Rio de Janeiro in Brasilien wurde für die Olympischen/Paralympischen Sommerspiele 2016 das Klubhaus Mansão Botafogo des Fußball- und Segelklubs Botafogo de Futebol e Regatas (Botafogo FR) angemietet.Olympische Spiele Rio 2016. Austria House. Präsentation, Peter Mennel, Österreichisches Olympisches Comité, o. D. (2016); mit Lageplan zu den Spielstätten, S. 5 (pdf, auf oeoc.at). Dazu wurde das Austria House in Rot-Weiß-Rot gefäbelt. newsroom.austriatourism.com, 3. Juni 2016.
Träger war diesmal wieder die gesamtösterreichische Österreich Werbung, newsroom.austriatourism.com, 8. August 2016. was sogar Gegenstand einer parlamentarischen Anfrage zur Amortisation war.Schriftliche Anfrage der Abgeordneten Hermann Brückl, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft betreffend den Beitrag der ÖW (Österreich Werbung) zum "Austria House Rio 2016". 9516/J (parlamentarische Materialien online, parlament.gv.at). Mit 75.000 Besuchern, davon 7.000 Ehrengäste und 68.000 im öffentlichen Bereich, newsroom.austriatourism.com, 22. August 2016. konnten die Zahlen aus London 2012 übertroffen werden. Auch die im benachbarten Shopping-Center Rio Sul Kletterwand, von der Tirol Werbung initiiert, fand großen Andrang.
Olympische Winterspiele Pyeongchang 2018 Für die Olympischen/Paralympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang, Südkorea, konnte ein zentraler Platz an einer Straßenkreuzung zwischen dem PyeongChang Mountain Cluster (Alpensia, Yongpyong und Jeongseon) und dem olympischen Dorf.
Das Haus ist eine Holz-Zeltdach-Konstruktion mit gut 1000 Quadratmetern.Austria House bei den Olympischen Spielen: Matter Hüttenzauber. Maik Novotny in: der Standard online, 4. Februar 2018.Das "Austria House" von Pyeongchang. In: Die Presse online, 7. Februar 2018.Österreich-Haus eröffnet... In: Wiener Zeitung online, o. D. Es wurde ab Herbst 2017 um 2,5 Mio. Euro errichtet.
Siehe auch House of Switzerland (seit 1998)
Weblinks Offizielle Website (austriahouse.at)
Nachweise Sapporo 1972: (englisch); (japanisch/englisch, mit virtuellem Museumsrundgang) Saalbach-Hinterglemm 1991: Nagano 1998: Turin/Sestriere 2006: Peking 2008:
Lageplan in: Whistler 2010: London 2012: www.austriahouse.at, Webseite des Austria House Tirol
Das Erfolgsbeispiel London 2012. austriahouse.at, abgerufen am 19. März 2015. Foto des Gastgarten-Betriebes, auf austriahouse.at.
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