Der SSV Ulm 1846 Fußball e. V., kurz SSV Ulm 1846, ist ein Fußballverein aus der schwäbischen Stadt Ulm. Er entstand 2009 durch Abspaltung der Fußballabteilung vom SSV Ulm 1846 e. V. Die Vereinsfarben des im Volksmund „die Spatzen“ (nach dem Ulmer Spatz) genannten Klubs sind wie die Ulmer Stadtfarben Schwarz und Weiß. Als Fußballabteilung des Muttervereins spielte Ulm in der Saison 1999/2000 in der Bundesliga. Nach dem Bundesligaabstieg und drei Insolvenzen spielte der Verein lange Jahre in der Oberliga Baden-Württemberg und in der Regionalliga Südwest. 2023 und 2024 gelangen zwei Aufstiege in Folge, die den Verein wieder in die 2. Bundesliga brachten, nach zwei aufeinanderfolgenden Abstiegen spielt der Verein seit der Saison 2026/27 wieder in der Regionalliga Südwest.
Geschichte Vorgängervereine Der SSV Ulm 1846, dem der heutige Verein bis 2009 als Fußballabteilung angehörte, entstand 1970 durch Fusion der beiden Vereine TSG Ulm 1846 und 1. SSV Ulm 1928. Näheres zur Historie und den weiteren Vorgängervereinen findet sich im Artikel zum SSV Ulm 1846.
TSG Ulm 1846 mini|links|120px|Vereinsemblem der TSG Ulm 1846 Anfang des Jahres 1893 führte ein Ulmer Gymnasiallehrer den Ulmern das Fußballspiel vor. Im November 1894 entstand daraufhin im Privatturnverein Ulm eine Fußballabteilung. Zunächst trug man bis zum Beitritt in den Verband süddeutscher Fußballvereine im Jahr 1904 nur Privatspiele aus. Am 15. Mai 1909 spalteten sich die Fußballer vom Privatturnverein ab und gründeten den Ulmer FV 1894. Ab 1912 spielte der bereits in dieser Zeit in schwarz-weißer Spielkleidung auflaufende Verein in der A-Klasse. Gegner waren meist bayerische Vereine. Später wurde der Ulmer FV durch einige Jahre in der Gauliga und der Teilnahme am Tschammer-Pokal überregional bekannt. In seinen Reihen spielten unter anderem der Halbstürmer Erwin Schädler, der 1937 und 1938 insgesamt vier Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft bestritt, sowie die vom Süddeutschen Fußball-Verband zu Auswahlspielen im Rahmen des Bundespokals eingesetzten Walter Vollweiler oder Georg Wurzer. Der Ulmer FV 1894, der 1939 mit dem TB 1846 Ulm und der SpVgg Ulm 1889 zur TSG Ulm 1846 fusioniert worden war, und dann der Nachfolgeverein spielten 1934 bis 1936 und nach dem direkten Wiederaufstieg 1938 bis zum Abbruch der Meisterschaft im März 1945 in der Gauliga.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war ein Großteil der Sportstätten zerstört oder von der Besatzungsmacht beschlagnahmt worden. 1946 wurde die TSG Ulm Meister der Landesliga und stieg in die im Jahr zuvor neu geschaffene Oberliga Süd auf. Der Verein spielte von 1946 bis 1949, in der Saison 1952/53, von 1958 bis 1961 sowie 1962/63 in der Oberliga und stiegen mehrmals in die II. Division ab. In der letzten Oberligasaison vor Einführung der Fußball-Bundesliga belegten die Ulmer Platz 8. Sie qualifizierten sich damit für die als Unterbau zur Bundesliga eingerichtete Regionalliga. Der erneuten Zweitklassigkeit in der Regionalliga ab dem Jahr 1963 folgte zwei Jahre später der Abstieg in die 1. Amateurliga. 1967 musste die TSG Ulm, die sich nun anstatt dem Fußball verstärkt dem Breitensport zuwandte, sogar in die 2. Amateurliga absteigen, ehe 1969 der Wiederaufstieg gelang.
1. SSV Ulm 1928 mini|links|120px|Vereinsemblem des 1. SSV Ulm 1928 mini|Württembergischer Meister 1955 Der 1924 gegründete SV Schwaben Ulm war zuvor von der B-Klasse bis in die höchste deutsche Fußballklasse aufgestiegen und spielte dort gegen Mannschaften wie den 1. FC Nürnberg oder den FC Bayern München bereits vor mehreren tausend Zuschauern. Nach dem Zusammenschluss zum 1. SSV Ulm wurde im Jahr 1930 die Kreisligameisterschaft errungen, 1931 gelang der Aufstieg in die oberste Spielklasse, die Bezirksliga Bayern. 1933 qualifizierte man sich für die neu geschaffene Gauliga Württemberg, der man bis 1942 angehörte und in dieser Zeit zweimal Vizemeister wurde. In der letzten Saison vor Kriegsende spielte der SSV Ulm erneut in der Gauliga, trug jedoch aufgrund des Krieges nur vier Spiele aus, ehe der Spielbetrieb im März 1945 eingestellt wurde.
Nach Kriegsende startete der 1. SSV Ulm recht erfolgreich und wurde 1946 Vizemeister der Landesliga. Bedingt durch zahlreiche Spielerabgänge stieg man 1949 in die Bezirksklasse, die später in 2. Amateurliga umbenannt wurde, ab. Nach dem Wiederaufstieg in die 1. Amateurliga 1954 wurde man Württembergischer Meister, was zur Teilnahme an den Aufstiegsspielen zur II. Division berechtigte. Nach dem verpassten Aufstieg errang man 1956 die Vizemeisterschaft. 1957 wurde der 1. SSV Ulm Württembergischer Pokalsieger.
Gründung und erste Jahre des SSV Ulm 1846 mini|links|120px|Vereinsemblem des SSV Ulm 1846 Platzierungen 1970er Jahre
Spielzeit Liga Platz 1970/71 1. Amateurliga Nordwürttemberg 3. 1971/72 1. Amateurliga Nordwürttemberg 1. 1972/73 1. Amateurliga Nordwürttemberg 1. 1973/74 1. Amateurliga Nordwürttemberg 2. 1974/75 1. Amateurliga Nordwürttemberg 4. 1975/76 1. Amateurliga Nordwürttemberg 5. 1976/77 1. Amateurliga Nordwürttemberg 1. 1977/78 1. Amateurliga Nordwürttemberg 1. 1978/79 Oberliga Baden-Württemberg 1. 1979/80 2. Bundesliga Süd 16.
Legende Aufstieg am Saisonende Abstieg am Saisonende
Der SSV Ulm 1846 resultierte aus dem Zusammenschluss der beiden größten Sportvereine Ulms, der Turn- und Sportgemeinde Ulm 1846 und dem 1. Schwimm- und Sportverein Ulm, am 5. Mai 1970. Mit über 8300 Mitgliedern entstand der damals größte Sportverein Deutschlands.
Mit der Fusion der Großvereine erwartete das Umfeld einen raschen Aufstieg. In der ersten Saison 1970/71 belegte die Mannschaft in der 1. Amateurliga nur Platz 3. In den beiden folgenden Spielzeiten wurde zwar die Meisterschaft gewonnen, aber der Aufstieg verpasst. Die nächsten Jahre bescherten den zweiten, vierten und fünften Rang. 1976/77 sowie 1977/78 war man wieder Meister, schaffte aber den Aufstieg erneut nicht.
Zur Saison 1978/79 wurden die Amateuroberligen als Unterbau zur 2. Liga Süd deutschlandweit eingeführt. Als Zusammenschluss der vorher existierenden vier Amateurligen Nordwürttemberg, Schwarzwald-Bodensee, Südbaden und Nordbaden wurde die Oberliga Baden-Württemberg gegründet. Dadurch entfiel die zur Ermittlung des Aufsteigers in die 2. Liga Süd bis dahin notwendige Aufstiegsrunde. Für die neu gegründete Liga qualifizierten sich die jeweils fünf bestplatzierten Mannschaften aus den vier baden-württembergischen Amateurligen, darunter der SSV Ulm 1846 als Vorjahresmeister der 1. Amateurliga Nordwürttemberg. Mit vier Punkten Vorsprung vor dem Zweitplatzierten 1. Göppinger SV wurde Ulm gleich in der Premierensaison Meister der Oberliga und stieg erstmals in die 2. Bundesliga auf.
Zwischen Zweit- und Drittklassigkeit Der SSV Ulm 1846 startete am 28. Juli 1979 mit einer 0:3-Niederlage bei den Stuttgarter Kickers in seine erste Zweitligasaison. Die Mannschaft fand sich jedoch recht schnell in der neuen Liga zurecht, sie stand im weiteren Saisonverlauf kein einziges Mal mehr auf einem Abstiegsplatz; am Ende der Saison belegte man Platz 16. 1981 wurde die eingleisige 2. Bundesliga mit 20 Vereinen eingeführt. Hierfür waren neben den Absteigern aus der Bundesliga die jeweils vier erstplatzierten Mannschaften der Nord- und Südstaffel direkt qualifiziert. Die restlichen Teilnehmer wurden über eine sogenannte „Platzziffer“ ermittelt. Diese errechnete sich aus den erreichten Tabellenplätzen der letzten drei Jahre. Da Ulm in der Saison 1978/79 noch in der Oberliga gespielt und 1979/80 lediglich auf Platz 16 abgeschlossen hatte, war die Qualifikation für die eingleisige 2. Bundesliga praktisch nur über das Erreichen des vierten Tabellenplatzes in der Saison 1980/81 möglich. Unter Trainer Jörg Berger setzte sich die Mannschaft in der Rückrunde im vorderen Tabellendrittel fest. Am Saisonende war Platz 4 sogar in greifbarer Nähe, da Ulm durch einen Sieg am letzten Spieltag gegen den ESV Ingolstadt-Ringsee, bei gleichzeitiger Niederlage der viertplatzierten, jedoch bereits über die Platzziffer für die eingleisige 2. Liga qualifizierten Stuttgarter Kickers an diesen hätte vorbeiziehen können. Die Ulmer gewannen ihr letztes Spiel mit 1:0. Durch das 4:1 der Kickers bei der SpVgg Bayreuth blieb der SSV Ulm 1846 jedoch auf Platz 5, verpasste dadurch die Qualifikation zur eingleisigen 2. Bundesliga und musste zurück in die Oberliga. Platzierungen 1980er Jahre
Spielzeit Liga Platz 1980/81 2. Bundesliga Süd 5. 1981/82 Oberliga Baden-Württemberg 1. 1982/83 Oberliga Baden-Württemberg 1. 1983/84 2. Bundesliga 13. 1984/85 2. Bundesliga 20. 1985/86 Oberliga Baden-Württemberg 1. 1986/87 2. Bundesliga 13. 1987/88 2. Bundesliga 19. 1988/89 Oberliga Baden-Württemberg 7. 1989/90 Oberliga Baden-Württemberg 13. In der Spielzeit darauf wurden die Spatzen mit fünf Punkten Vorsprung vor der zweitplatzierten SpVgg 07 Ludwigsburg Meister der Oberliga Baden-Württemberg. Da aufgrund der neu eingeführten eingleisigen 2. Bundesliga für die Meister der acht Oberligen nur noch vier Aufstiegsplätze zur Verfügung standen, mussten die Zweitligaaufsteiger wieder über eine Aufstiegsrunde ermittelt werden. Als Dritter der Südgruppe scheiterten die Ulmer nur knapp am FSV Frankfurt und dem punktgleichen FC Augsburg. Nach einer erfolgreichen Titelverteidigung qualifizierte sich der SSV Ulm 1846 erneut für die Aufstiegsrunde. Ulm traf auf den 1. FC Saarbrücken, den VfR Oli Bürstadt und die SpVgg Unterhaching. Das entscheidende Spiel im Ulmer Donaustadion gegen Unterhaching wurde durch ein Tor von Dieter Kohnle mit 1:0 gewonnen, so dass Ulm in der Saison 1983/84 erneut zweitklassig war.
Im ersten Jahr nach dem Wiederaufstieg belegte man Platz 13. 1984/85 startete der SSV recht gut in die Saison und lag im Tabellenmittelfeld. Dem 3:2-Sieg gegen den späteren Bundesligaaufsteiger 1. FC Nürnberg im November folgten jedoch 23 Spiele ohne Sieg, so dass die Ulmer am Ende der Saison mit lediglich 22:54 Punkten als Tabellenletzter wieder abstiegen.
Bereits ein Jahr darauf gelang den Spatzen der direkte Wiederaufstieg. Nach zwei Jahren in der 2. Liga stieg man 1988 abermals in die Oberliga Baden-Württemberg ab. Dort belegte man in der Spielzeit 1988/89 lediglich Rang 7. 1990 drohte der Verein sogar in die viertklassige Verbandsliga Württemberg abzurutschen, erreichte am Saisonende jedoch mit vier Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsrang Platz 13. Nach einem siebten Platz im nächsten sowie der Vizemeisterschaft im übernächsten Jahr gelang dem SSV Ulm 1846 in der Saison 1992/93 wieder die Oberliga-Meisterschaft. In der Aufstiegsrunde reichte es dann wieder einmal nicht zum Sprung in die 2. Bundesliga. Gleich zu Beginn sahen 20.000 Zuschauer ein 0:2 gegen den TSV 1860 München, was schon so etwas wie eine Vorentscheidung war. Es folgten Siege in Norderstedt (2:0) und Offenbach (2:1), zuhause dann aber nur Unentschieden (0:0 gegen Offenbach und 2:2 gegen Norderstedt). Zum Schluss fehlte ein Siegtreffer beim 1:1 in München gegen die 60er, um tatsächlich aufzusteigen.
Die Saison 1993/94 ähnelte der vorangegangenen. Nach der Oberliga-Meisterschaft – der Ulmer Marc Arnold wurde mit 24 Treffern Torschützenkönig – belegte man in der Aufstiegsrunde nach Niederlagen gegen Eintracht Trier, Kickers Emden und beim FSV Frankfurt nur Platz 2.
Durchmarsch in die Bundesliga und tiefer Fall Platzierungen 1990er Jahre
Spielzeit Liga Platz 1990/91 Oberliga Baden-Württemberg 7. 1991/92 Oberliga Baden-Württemberg 2. 1992/93 Oberliga Baden-Württemberg 1. 1993/94 Oberliga Baden-Württemberg 1. 1994/95 Regionalliga Süd 4. 1995/96 Regionalliga Süd 3. 1996/97 Regionalliga Süd 6. 1997/98 Regionalliga Süd 1. 1998/99 2. Bundesliga 3. 1999/2000 1. Bundesliga 16.