mini|hochkant|Maggie Smith (1995) Dame Margaret Natalie „Maggie“ Smith, CH, DBE (* 28. Dezember 1934 in Ilford; † 27. September 2024 in London) war eine britische Schauspielerin. Sie zählte zu den gefragtesten Bühnen- und Filmdarstellerinnen ihrer Generation und war in mehr als 60 Theaterstücken sowie in über 80 Kino- und Fernsehproduktionen zu sehen.
Einen Namen machte sich Smith vor allem durch ihre Darstellung exzentrischer Figuren wie der Titelheldin in Die besten Jahre der Miss Jean Brodie (1969), der verhärmten Jungfer in Zimmer mit Aussicht (1985), der unselbständigen Gräfin in Robert Altmans Gosford Park (2001) oder der Mutter Oberin in den Sister-Act-Filmkomödien (1992/93). Anfang des 21. Jahrhunderts wuchs ihre Bekanntheit durch die Mitwirkung als Minerva McGonagall in den Verfilmungen der populären Kinder- und Jugendbuchreihe Harry Potter (2001–2011). Einem weltweiten Publikum rief sie sich auch als Violet Crawley in der britischen Fernsehserie Downton Abbey (2010–2015) in Erinnerung.
Neben zwei Oscars erhielt Smith für ihre Schauspielleistungen einen Tony Award, vier Emmys, fünf BAFTA- und drei Golden Globe Awards. Darüber hinaus wurde sie 1990 von Königin Elisabeth II. in den Ritterstand erhoben und 2014 zum Companion of Honour ernannt.
Leben Kindheit und Jugend Maggie Smith wurde 1934 in der englischen Grafschaft Essex nordöstlich von London geboren. Ihre Mutter Margaret Hutton Little (1896–1976) war eine Schottin aus Glasgow und arbeitete als Sekretärin, ihr Vater Nathaniel Smith (1902–1991) kam aus dem englischen Newcastle upon Tyne und war Pathologe.vgl. Mackenzie, Susan: You have to laugh. In: Guardian, 20. November 2004, S. 36 Sie wuchs mit zwei sechs Jahre älteren Brüdern auf; von den Zwillingen lebt einer in den Vereinigten Staaten, der andere ist verstorben. Als Jugendliche las sie viel; später sagte sie, ihre Brüder hätten sie am stärksten beeinflusst, da sie kreativ waren und zur Verblüffung der Eltern eine Architektenschule besuchten.vgl. Teeman, Tim: A bad case of stage fright. In: The Times, 5. Oktober 2009, T2, S. 2–3
Im Hochsommer 1939, Maggie Smith war vier Jahre alt, zog die Familie nach Oxford. Man befürchtete Bombardierungen durch die deutsche Luftwaffe und hielt Oxford für sicherer. Smiths Vater arbeitete als Pathologe an der dortigen Universität. Sie wurde wenig später an der Oxford High School für Mädchen aufgenommen. Smith konnte sich jedoch für eine akademische Ausbildung nicht erwärmen und verließ die Schule mit 16 Jahren, um der Oxford Playhouse School beizutreten. Ihre Mutter dachte, dass Maggie mit ihrem Aussehen nie Schauspielerin werden würde. Doch sie begann, am Theater zu arbeiten, und bald wurde sie Assistant Stage Manager.
Bühnendebüt Nach Auftritten in Children In Uniform bei den Chegwell Players und in The Pick-Up Girl am Playhouse folgte 1952 ihr professionelles Bühnendebüt als Viola für die Oxford University Dramatic Society in William Shakespeares Komödie Was ihr wollt. Bald schon avancierte sie zur umjubelten Schauspielerin in Oxford. „Wollte man Erfolg mit einer Universitätsshow, versuchte man, Margaret Smith für die Besetzung zu gewinnen“, so der Theaterregisseur Ned Sherrin.vgl. Wardle, Irving: All the angles. In: The Independent, 18. Februar 1993, S. 20.
In den folgenden vier Jahren erweiterte Smith ihren Horizont in verschiedenen Theaterproduktionen, darunter He Who Gets Slapped, Rookery Nook und Cinderella. In dieser Zeit feierte sie ihre größten Erfolge aber in Varieté-Revuen, auch beim Edinburgh Theatre Festival, und gab am New Watergate Theatre in Oxford Accents ihr Debüt auf der Londoner Bühne. Der US-amerikanische Produzent Leonard Sillman wurde während einer Show auf Smith aufmerksam und holte sie mit der Revue New Faces of 1956 an das New Yorker Ethel Barrymore Theatre, womit sie ihr Broadway-Debüt gab. Sie bewies auch dort ihr Talent und war bald als singende Komödiantin bekannt.
In den folgenden Jahren erhöhte sich Smiths Bekanntheitsgrad. Sie arbeitete regelmäßig in London, war in der Revue Share My Lettuce (1957) im Hammersmith Theatre und in The Stepmother (1958) im St. Martin’s Theatre zu sehen und bekam Engagements im angesehenen Old Vic Theatre, wo sie in den Shakespeare-Stücken Richard II., Wie es euch gefällt und in Die lustigen Weiber von Windsor (1959/60) auftrat. 1963 gab Smith in dem Theaterstück Mary, Mary ihr Debüt im Londoner West End, für das sie als vielfältigste Varietébühnenschauspielerin des Jahres geehrt wurde. Bereits im Jahr zuvor hatte sie für The Private Ear and The Public Eye (1962) den Evening Standard Award erhalten.
Daraufhin war sie festes Ensemblemitglied von Laurence Oliviers neuer Royal National Theatre Company geworden, mit der sie in aufwendigen Produktionen wie Othello oder Henrik Ibsens Baumeister Solness (beide 1964) zu sehen war. Das Repertoire-System am National Theatre empfand sie als hilfreich, da es ihrer Ansicht nach den Schauspieler „frisch“ hielt.vgl. Wansell, Geoffrey: The vital spark that makes Maggie Smith the greatest comedienne of her generation. In: The Times, 21. Mai 1973, Nr. 58787, S. 7
Schauspielkarriere Durchbruch im Jahr 1956 Smiths Filmkarriere begann 1956, als sie in einer kleinen Rolle als Partygast in Eric Portmans Film Child in the House zu sehen war. Zwei Jahre später hatte sie einen kleinen Part in dem Krimidrama Gejagt, für das sie eine Nominierung für den British Film Academy Award als vielversprechendste Nachwuchsdarstellerin erhielt. Parallel dazu kehrte sie immer wieder auf die Bühne zurück, wo sie über Jahrzehnte große Erfolge feierte.
1960er-Jahre 1962 gewann Smith die Gunst des männlichen Publikums, als sie in Michael Trumans Krimikomödie Diebe haben Vorfahrt neben Daniel Massey als verführerische Chantal zu sehen war. Ein Jahr später, als sie Mitglied der National Theatre Company wurde, bekam sie auch größere Filmrollen. Sie spielte in Anthony Asquiths Melodram Hotel International (1963) die schüchterne, liebeshungrige Miss Mead, die ihren Chef vor dem finanziellen Ruin bewahren möchte. Zum Ensemble gehörten hochkarätige Schauspielkollegen wie Elizabeth Taylor, Richard Burton und Margaret Rutherford. Für ihre Leistung wurde Smith 1964 als beste Nachwuchsdarstellerin für einen Golden Globe Award nominiert. Im folgenden Jahr spielte sie als quirlige Philpott in Jack Claytons preisgekröntem Drama Schlafzimmerstreit (1964), in dem sie mit Anne Bancroft um die Gunst Peter Finchs buhlte.
Smiths nächster Film war Cassidy, der Rebell (1965), der auf dem autobiografischen Werk des irischen Schriftstellers Seán O’Casey basierte. Cassidy wurde von Rod Taylor verkörpert, der mit der jungen Julie Christie vor der Kamera stand. Doch gerade die Beziehung zu Smiths Figur Nora, einer förmlichen Buchverkäuferin, war es, die herausstach. Für ihre Leistung wurde sie als beste britische Schauspielerin erneut für den British Film Academy Award nominiert.
1965 erntete Smith als Schauspielerin erstmals auch internationalen Ruhm. Als Desdemona in Laurence Oliviers Othello lieferte sie eine außergewöhnliche Schauspielleistung ab. Es wurde berichtet, dass der notorisch unsichere und manipulierende Olivier geschworen habe, nie mehr mit Smith zu arbeiten.Dominic Wills: Maggie Smith – Biography. In: talktalk.co.uk Ähnliches berichtete ihr Schauspielkollege Derek Jacobi über sie: „Mit jemandem wie Maggie Smith auf der Bühne zu stehen, ist nur vergleichbar mit der Geschwindigkeit eines Blitzes. Das ist eine Lektion für sich selbst. Es sei denn, Sie können mithalten. Wenn nicht, sind Sie verloren.“vgl. LaSalle, Mick: Derek Jacobi Takes a Dark Turn as a Painter. In: The San Francisco Chronicle, 8. Oktober 1998, Daily Datebook, S. E1 Für die Rolle wurde für sie als beste Nebendarstellerin das erste Mal für einen Oscar nominiert.
Die Komödie Venedig sehen – und erben … (1967) und Das Millionending (1968) folgten. Während dieser Zeit blieb Smith dem Theater treu und war im Old Vic Theatre und später am National Theatre unter der Regie von Ingmar Bergman in Henrik Ibsens Drama Hedda Gabler (1970) sowie in dem Stück Trelawney of the Wells zu sehen. Ab 1968 spielte sie auch dreimal in Filmen mit Peter Ustinov. Auf Das Millionending folgten zwei Kriminalverfilmungen nach Agatha Christie, Tod auf dem Nil (1978) und Das Böse unter der Sonne (1982).
1970er-Jahre mini|1970 mini|Dame Maggie Smith 1973 Mit mittlerweile zwei Kindern begann Smith ihr Arbeitspensum zu vermindern, was ihre starke Leinwandpräsenz jedoch nicht beeinträchtigte. 1969 spielte sie eine ihrer beeindruckendsten Rollen als Lehrerin an einer Edinburgher Mädchenschule in Die besten Jahre der Miss Jean Brodie, der auf Muriel Sparks gleichnamigem Roman basierte. Mit dem Part der liberalen, engagierten und naiven Titelheldin, die ihren Schülerinnen Liebe, Politik und Kunst näher bringt, feierte sie ihren größten Erfolg; sie wurde 1970 mit dem Oscar als beste Hauptdarstellerin sowie mit ihrem ersten British Film Academy Award ausgezeichnet. Ihre nächste Rolle war die der sexgierigen Sängerin in Richard Attenboroughs Oh! What a Lovely War (1969). Ein weiteres Mal erhielt sie eine Oscar-Nominierung als beste Hauptdarstellerin für ihr Porträt der extravaganten Tante Augusta, die einen einfältigen jungen Banker auf eine verrückte Reise durch ganz Europa führt (Reisen mit meiner Tante, 1972).
Die Schauspielerei beschrieb Maggie Smith rückblickend als „süchtigmachend“ und „aufregend“. Ihre Reserve an Energie und Lust sei aber bald aufgebraucht gewesen. Sie selbst empfand den Druck am stärksten, als sie sich der Rolle der Kritiker bewusst wurde und der Wichtigkeit, eine gute Rezension zu bekommen. Der Oscar-Gewinn für den Part der Jean Brodie habe daher für sie keinen Unterschied bedeutet. „Ich habe nicht über Filme nachgedacht […] Ich war immer im Theater“, so Smith.
Nach einer Reihe beruflicher Enttäuschungen verließ sie 1971 das Royal National Theatre. Smiths Karriere wurde auch durch die Ehe mit Robert Stephens belastet. Ihr erster Ehemann sei labil und dem Alkohol zugetan gewesen, weshalb sie diese Ehe später auch als „sehr, sehr turbulent“ beschrieb. „Er war eine geisteskranke Person, aber er war ein hervorragender Schauspieler.“ Die Ehe endete 1974. Zu dieser Zeit tourten Smith und ihr Mann zusammen mit John Gielguds Theaterproduktion Private Lives durch die USA. Als sie in Los Angeles gastierten, sah man den seelischen Stress, den Smith litt, ihrem Spiel an. Sie quälte sich und zeigte „alle Ticks und nervöse Affektiertheiten“. Stephens verließ noch in Los Angeles die Schauspieltruppe und damit war auch die Ehe mit Smith beendet.
Danach glätteten sich die Wogen in ihrem Privatleben wieder. 1975 heiratete sie ihre Jugendliebe Beverley Cross. Cross war ein bekannter Bühnenschriftsteller, der auch Drehbücher für Abenteuer- und Historienfilme verfasste. Smith sagte über die Beziehung: „Beverley (Cross) hat einen wundervoll beruhigenden Einfluss auf mich und meine Arbeit gehabt; er machte mein Leben möglich und einfach in einer Art und Weise, wie ich es nie gewohnt war.“vgl. Morley, Sheridan: Maggie Smith: moving closer to Bloomsbury. In: The Times, 27. Januar 1981, Nr. 60836, S. 9 In dem Gefühl, dass sich die britischen Kritiker gegen sie gerichtet hatten, zog Smith mit ihrem zweiten Mann und den beiden Söhnen aus erster Ehe nach Ontario in Kanada und später nach New York City, wo Katharine Hepburn und Stephen Sondheim ihre Nachbarn waren. „Ich war verdammt schlecht, die Kritiker waren im Recht. Mein Leben war in Unordnung. Alles war unmöglich“, so Smith.