mini|Paweł Althamer (2012) Paweł Althamer (* 12. Mai 1967 in Warschau) ist ein polnischer Künstler, dessen Werke den Gattungen der Bildhauerei, Performance, Videokunst und der Installation zugerechnet werden. Gegenstand seiner Arbeiten ist der menschliche Körper, dessen Zerfall durch die Materialauswahl spürbar wird. Er lebt heute in Warschau, wo er seit 1993 in einem Zentrum für Menschen mit Multipler Sklerose Keramikkurse leitetSandra Brutscher: Pawel Althamer., in: Georg-Kolbe-Museum (Hrsg.): Vanitas - Ewig ist eh nichts. Katalog zur Ausstellung, Berlin, 2014, S. 42. Seine Werke erreichten seit Anfang der 1990er Jahre kanonischen Status in der dreidimensionalen Kunst. Sie sind bis heute Teil wichtiger Ausstellungen und Publikationen. Im Jahr 1997 war er Teilnehmer der documenta und in den Jahren 2003 und 2013 war er auf der Biennale di Venezia vertreten.

Skulptur als Selbstporträt Althamers Studium 1988–1993 an der Warschauer Akademie der Schönen Künste brachte ihm einen Abschluss in dem Fach Bildhauerei. In seiner Abschlussarbeit erschuf er sich in dem mimetisch genauen Selbstporträt Paweł Althamer selbst, als bis auf eine Brille nackte Menschenfigur, die auf einer dünnen Plinthe aus Parkettholzboden steht, der dem vieler Galerie- und Ausstellungsböden ähnelt. Wahrscheinlich sollte sie seine Anwesenheit ersetzen, da er nicht, wie üblich, bei der Präsentation zugegen war. In dem Raum befand sich ein Video, das Althamer zeigt, wie er die Akademie in Richtung Wald verlässt, wo er sich nackt auf die Natur einlässt. auf www.culture.pl, abgerufen am 12. Oktober 2009

Aus dem Jahr 2002 stammt das Werk Selbstporträt und Porträt der Frau des Künstlers (178 × 60 × 60 cm), das ebenfalls nackte Standfiguren auf einer Holzplinthe zeigt. Auf einem Metallgestell wurden verschiedene organische Materialien angebracht: Gras, Pflanzenfasern, Tiereingeweide, Perlmutt und Haar. Die Oberfläche setzt sich aus den unterschiedlichen Materialien mit verschiedenen Texturen zusammen, sodass die „Haut“ der Figuren verschiedene Strukturen, die Farbe jedoch aus ähnlichen rot- und gelbbraunen Erdtönen besteht. Die männliche Figur hält einen Camcorder, wie wenn sie etwas auf dem Boden filmen würde, auch die weibliche Figur senkt den Kopf und blickt zur Erde. Alltagsgegenstände wie ein Teeglas, der Kamer, einer Brille und ein Handy sind den nackten Figuren beigegeben.Cream 3. Contemporary Art in Culture - 10 Curators, 100 Contemporary Artists, 10 Source Artists; New York 2003, S. 36–39

Natur und öffentlicher Raum Sciezka (deutsch Pfad) entstand 2007 im Rahmen der Skulptur Projekte Münster. Am Aasee ließ Althamer einen Trampelpfad querfeldein vom Stadtrand in die Natur entstehen. Am Ende des Pfades findet sich der Pfadgänger nach einigen Kilometern vor einem Gerstenfeld wieder. Die Idee stammt von dem Verhalten polnischer Bürger auf öffentlichen Verkehrswegen, das Althamer in seiner Heimat beobachtete. Er will mit der Arbeit dazu auffordern, den Sinn und die Logik solcher vorgeschriebenen Wege zu reflektieren.

Echtzeitfilme Zuerst 2000 auf der Manifesta in Ljubljana instruierte Althamer bezahlte Komparsen, alltägliche Handlungen im öffentlichen Raum zu simulieren (Real Time Movies lautet der Name des Prinzips). Bei einer Lesung in Warschau 2001 lud er das Publikum zu einem Spaziergang, welcher sie nichtsahnend an solchen „Echtzeitfilmszenen“ vorbeiführte. Die Spaziergänger erhielten anschließend Straßenkarten, in welche die gestellten Szenen eingezeichnet waren. In Pittsburgh ließ er mit Peter Fonda 2004 den ersten prominente US-amerikanische Schauspieler an einem solchen Echtzeitfilm teilnehmen. Es folgte Jude Law, der 2007 in London einen Mann spielte, der Fisch kauft.

Ausstellungen Einzelausstellungen 1997: Kunsthalle Basel 2010: Himmelsrutsche, Ludwig Forum für Internationale Kunst, AachenMitteilung des Museums zur Ausstellung, abgerufen am 16. August 2017. 2012: Retrospektive., Sammlung Goetz, MünchenMitteilung des Museums zur Ausstellung, abgerufen am 4. Juli 2014. 2011/2012: Almech, Deutsche Guggenheim, BerlinMitteilung des Museums zur Ausstellung, abgerufen am 4. Juli 2014., danach Museion in Bozen. Verknüpfung der Stränge Performance und Skulptur 2022: Paweł Althamer. Lovis Corinth Preis 2022, Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg 2024: Emissaries of Light, Magasin III Museum for Contemporary Art, Stockholm

Kunstprojekte 2014: Kinderkönigreich. Paweł Althamer und Freunde laden ein., Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen, abgerufen am 4. Juli 2014. 2021: Franciszek, Sils-Fex, Schweiz Gruppenausstellungen 2012/2013: goldrausch. gegenwartskunst aus, mit oder über gold, Kunsthalle Nürnberg, abgerufen am 4. Juli 2014. 2014: Vanitas – Ewig ist eh nichts., Georg-Kolbe-Museum, Berlin, abgerufen am 28. September 2014. 2016: Ich, Schirn Kunsthalle FrankfurtMitteilung des Museums zur Ausstellung, abgerufen am 23. Mai 2016

Trivia Das Projekt Frühling, bei dem Althamer die Kasseler Kunsthalle Kinder mit den Ausstellungsräumen machen lässt, worauf sie Lust haben, gibt es auf Youtube als Video.

Auszeichnungen 2004: The Vincent van Gogh Biennial Award for Contemporary Art in Europe 2010: Kunstpreis Aachen 2013: KAIROS-Preis 2022: Lovis-Corinth-Preis

Literaturauswahl Sandra Brutscher: Pawel Althamer., in: Georg-Kolbe-Museum (Hrsg.): Vanitas – Ewig ist eh nichts. Katalog zur Ausstellung, Berlin, 2014, S. 42. Michael Krajewski: Museum unserer Wünsche – Museum Ludwig Köln, Bonn 2001 Peter Pakesch: Kunsthalle Basel, Basel 1997 Andrzej Przywara: Ein Regisseur der Wirklichkeit, 1997 Andrzej Przywara: In Freiheit – endlich. Polnische Kunst nach 1989, 1997 Adam Szymczyk: The annotated Althamer, 2002

Weblinks

Althamer in Berlin, Bozen und München Verleihung des Aachener Kunstpreises an Althamer Video: Pawel Althamer im Deutsche Guggenheim Berlin Paweł Althamer in Google Arts & Culture

Einzelnachweise

Kategorie:Bildhauer (Polen) Kategorie:Künstler (documenta) Kategorie:Träger des Kunstpreises Aachen Kategorie:Pole Kategorie:Geboren 1967 Kategorie:Mann