mini|500px|Husaren der Honvéd-Armee und des kaiserlich-österreichischen Heeres in der Schlacht bei Tápióbicske (4. April 1849) im Ungarischen Unabhängigkeitskrieg Husaren sind eine Truppengattung der leichten Kavallerie. Ihre Ursprünge liegen vor allem in Ungarn, Kroatien, Rumänien und Serbien. Eine Besonderheit bildeten im 18. Jahrhundert die Kammerhusaren, die mancherorts als persönliche Diener eines Fürsten (beispielsweise Friedrichs des Großen) zu dessen sogenannter Kammer gehörten.
Charakteristisch für das Erscheinungsbild der Husaren sind eine mit Verschnürungen auf der Brust besetzte Uniformjacke (Dolman bzw. Attila) und eine ähnliche, mit Pelz besetzte Überjacke (Pelisse, Mente oder einfach Pelz).
Etymologie Die Etymologie des Wortes Husar ist nicht eindeutig geklärt. Man nimmt an, dass der Begriff auf das lateinische Wort cursor zurückgeht, das „Eilbote“, „Wettläufer“ im Stadion oder „Vorläufer“ vor einem Wagen bedeutet. In Südosteuropa im 14. Jahrhundert zu gusar, husar transformiert, bezeichnete das Wort damals einen berittenen Räuber oder Piraten. Ebenso könnte der Begriff „Husar“ auf das italienische Corsaro (Korsar, Seeräuber, Streifzügler) zurückgehen.
Eine andere mögliche Erklärung wäre das ungarische Zahlwort húsz (20); der Name bezöge sich dann auf Rekrutierungsmodalitäten der alten ungarischen Reiterei: 20 Häuser hatten je einen bewaffneten Reiter zu stellen. Später wurde so die gesamte ungarische Reiterei (huszár) bezeichnet.
Ursprünge mini|hochkant|Ungarischer Husar im 16. Jahrhundert; Holzschnitt von Jost Amman Nach der Niederlage in der Schlacht von Nikopolis traten vermutlich Teile der vom osmanischen Heer besiegten bosnischen Streitkräfte in ungarische Dienste. Ausgerüstet mit Lanze, Schild und Säbel kämpften sie als leichte Kavallerie.
Um 1454 bediente sich der serbische Heerführer Nikola Skobaljić bei Leskovac einer Guerilla-Taktik zu Pferde (schnelle Überfälle und Rückzug), ohne Rüstungen oder nur leicht gepanzert und mit der Lanze als Hauptwaffe, um letztendlich erfolglosen Widerstand gegen die anrückenden Osmanen zu leisten. Unklar ist, ob diese Taktik „eigenständig“ entwickelt oder von den Osmanen oder Tataren, etwa den damals in Ungarn angesiedelten Kumanen (z. B. befand sich das sogenannte Kumanien gleich nördlich der ungarischen Lehen des serbischen Despoten Đurađ Branković), übernommen wurde. Die Osmanen wiederum pflegten mit leichter und damit schneller Reiterei regelmäßige Überfälle in benachbarte Grenzgebiete. Um auf diese schnellen Überfälle rechtzeitig reagieren zu können, mussten Länder wie Serbien oder die Walachei ihrerseits leichte Reitertruppen aufstellen. Die Kavallerie von Vlad III. Drăculea bestand überwiegend aus solchen Reitertruppen, bewaffnet mit Lanzen, Schwertern, Dolchen und wenn möglich Kettenhemden.
Ungarische Streifscharen Erstmals schriftlich erwähnt sind die „hussarones“ 1481 in einem auf Latein abgefassten Brief des Ungarnkönigs Matthias Corvinus. Unter seiner Regierung hatten sich die Husaren bereits zu schwer gepanzerten Reitern entwickelt. Sie trugen Helme im türkischen Stil (Zischäggen), Brust- und Armpanzer, mit Eisenblech beschlagene Schilde (bezeichnet als „Tartschen“), schwere Säbel (Sarrass genannt), Streitkolben und Lanzen. Am Sattel mitgeführt wurde außerdem ein Panzerbrecher (hegyestőr, „Pikenschwert“). Für den wahrscheinlichen Fall, dass die Lanze beim ersten Ansturm brach, wurde dieses etwa 150 Zentimeter lange (Klingenlänge), drei- oder vierkantige Schwert auf den Oberschenkel gesetzt und als Stoßwaffe benutzt.
Am Dreißigjährigen Krieg nahmen Kroatische Reiter im Rahmen des kaiserlichen Heeres der Habsburger teil, hauptsächlich wie Husaren ausgerüstet. Ihre große Anzahl (zwischen 12.000 und 30.000 Reiter) zog derart viel Aufmerksamkeit an, dass auch polnische und ungarische Husaren fälschlicherweise als kroatische Husaren bezeichnet wurden.
Über das Sozialprestige des Husaren schreibt der ungarische Schriftsteller Mór Jókai (1825–1904) in seinem Monarchie-Buch: „Der quartiermachende Korporal gerät in Streit mit dem Richter, der sich für den ersten im Dorfe hält. «Laßt Euch eines sagen! Der erste auf der Welt, das ist der Herrgott. Dann kommt der König. Dann der Husar, dann das Pferd des Husaren, dann das Hufeisen vom Pferd des Husaren. Dann kommt lange nichts. Und dann kommt ein Paar zerrissener, kotiger Stiefel. Und dann erst kommt Ihr, Richter, in Euren Stiefeln.»“
Polnische Flügelhusaren (Husaria)
mini|hochkant|Polnischer Flügelhusar (Atak husarii von Aleksander Orłowski) Unter ungarischem Einfluss fanden die Husaren zunächst als leichte Kavallerie Eingang in das Heer Polen-Litauens. Der Wandel zur schweren Reiterei, die das mittelalterliche Ritteraufgebot ersetzte, fand Ende des 16. Jahrhunderts unter König Stefan Batory seinen vorläufigen Abschluss. Die gepanzerten polnischen Flügelhusaren (Hussaria) trugen Brustpanzer, Armschienen und kniehohe Lederstiefel. Der Name geht auf die zwei am Sattel befestigten großen Flügelstangen zurück, die bis zu einem Meter über dem Kopf aufragten. Sie sollten die galoppierenden Husaren durch ihr Rauschen und Aussehen besonders furchteinflößend erscheinen lassen. Außerdem schützten sie den Rücken vor Säbelhieben und wehrten die von den Tataren verwendeten Fanglassos ab. Mit der Lanze als Hauptwaffe ausgerüstet, trugen die Flügelhusaren ihre Attacken in geschlossener Formation vor. Neben dieser schweren Schlachtenkavallerie hielten sich, in Ungarn wie in Polen, leicht bewaffnete Husaren als Aufklärungstruppe. Deren Taktik und Ausrüstung wurden seit Beginn des 17. Jahrhunderts europaweit kopiert.
Die Husaren waren in Fähnlein (polnisch Chorągwie) von 210 Reitern eingeteilt. Die Aufstellung erfolgte überwiegend dreigliedrig, wobei das erste Glied von den Adligen (Towarzysz) und das zweite Glied von ihren Knappen (Pachołek), die ebenfalls aus dem niedrigen Adel stammten, besetzt war. Jede Einheit wurde von einem Rittmeister (Rotmistrz) im Range eines Obersts und seinem Stellvertreter (Porucznik) geführt. Weiter hatte jede Einheit eine Chorągiew-Fahne, zwei Pauker und zwei Trompeter. Nur der König führte einen Rossschweif, gekrönt von einem Falkenflügel. Hochadlige Anführer durften als Auszeichnung einen Rossschweif ohne Falkenflügel führen.
Die Husaren der Neuzeit mini|hochkant|Malte Friedrich Graf zu Putbus, in der Uniform eines Obersten des königlich-schwedischen Husarenregiments (etwa 1750), von Anna Rosina de Gasc mini|hochkant|Kurhessische Husaren um 1825 mini|Französischer Husar vom 8. Regiment, 1804 Den anfangs unter ungarisch-kroatischen Söldnern rekrutierten Husaren blieb die Anerkennung als vollwertige Soldaten lange verwehrt. Schlechter besoldet und von der Generalität misstrauisch beäugt, emanzipierte sich diese exotische Truppe zunächst nur zögerlich. Erst zur Mitte des 18. Jahrhunderts hin mussten in Gefangenschaft geratene Husaren nicht mehr fürchten, als irreguläre Kämpfer vom Kriegsgegner getötet zu werden. Hauptaufgabe dieser mit wendigen kleinen Pferden ausgerüsteten Reiter waren der Aufklärungs- und Vorpostendienst sowie die Störung der feindlichen Versorgungslinien im Rahmen des „Kleinen Krieges“. Vor dem Aufkommen einer Militärpolizei übernahmen sie z. B. in Preußen deren Aufgaben wie das Einfangen von Deserteuren. Dagegen wurden sie anfangs in geschlossener Formation in der Schlacht kaum eingesetzt. Auch administrativ wurden die Husaren in den meisten Staaten erst ab dem späten 18. Jahrhundert der Kavallerie zugerechnetFür Preußen siehe Bleckwenn 1984, Band III S. 139., im Verlauf des 19. Jahrhunderts verwischten sich die Grenzen der nominell unterschiedlichen Kavalleriegattungen.
Die ersten regulären Husarenregimenter wurden in Westeuropa im späten 17. und im 18. Jahrhundert nach ungarischem Vorbild aufgestellt. Bayern stellte ein erstes Regiment 1688 auf, das zweite folgte um ca. 1700. Frankreich begann ab 1692 mit der Aufstellung mehrerer Regimenter, rekrutierte die Husaren dabei zunächst aus Ungarn und Deutschland, später auch aus deutschsprachigen Grenzregionen Frankreichs. Preußen zog 1721 nach, auch Schweden und Dänemark verfügten ab 1756 bzw. 1764 über Husaren. Während der Koalitionskriege erhielten mehrere britische Regimenter leichter Dragoner sukzessive Uniformelemente der Husaren, nahmen die Bezeichnung als solche jedoch erst 1806/07 an (anfänglich nur als Zusatz, der Namensbestandteil (light) Dragoons fiel erst 1861 weg).
Typisch wurde die aus der ungarischen Nationaltracht entwickelte Uniform: Flügel- bzw. Pelzmütze (Kolpak) oder später auch Tschako, eng anliegende Hosen und verschnürte Jacken (anfänglich der kurze Dolman, ab Mitte des 19. Jahrhunderts der waffenrockartige Attila) sowie pelzbesetzte Überjacken (Mente), die im Sommer über die Schulter gehängt getragen wurden. Nicht nur die Abzeichenfarbe von Ärmelaufschlägen und Kragen, sondern auch die Grundfarbe der Uniform selbst (auch der Beinkleider) war in den meisten Ländern regimentsweise unterschiedlich, wobei sich letztlich auch hier der Trend zur Vereinheitlichung zeigte. So wählte man in Großbritannien von Anfang an das dunkle Blau der dortigen leichten Kavallerie, in Ungarn hell- bzw. dunkelblau und selbst in Frankreich, das traditionell neben Preußen die bunteste Husarentruppe besaß, erhielten die Husaren wie das Gros der Kavallerie hellblaue Oberkleider und rote Hosen. Die Bewaffnung bestand aus einem Säbel, ein bis zwei Pistolen und einem kurzläufigen Karabiner. In dieser Form kämpften Husareneinheiten bis zum Ersten Weltkrieg.
Husaren in Preußen mini|Preußische Husaren von 1759 bis 1846 Nach den Schlesischen Kriegen, in denen sich vor allem die ungarische leichte Reiterei (im Dienst der österreichischen Armee) mehrfach ausgezeichnet hatte, wurden die Husaren international „hoffähig“. Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden Husarenformationen in nahezu allen europäischen Armeen aufgestellt. In Preußen wurde zuerst 1721 ein schwaches Husarenregiment errichtet, zunächst mit polnischen Reitern. Später war man bestrebt, geborene Ungarn mit ihren landestypisch wendigen Pferden für den Kriegsdienst im preußischen Heer zu gewinnen.
Zur Zeit des Regierungsantritts Friedrichs des Großen gab es zwei kleine Regimenter Husaren, die aber nicht sehr geachtet waren. In einem Tagesbefehl des Königs nach der Schlacht bei Mollwitz heißt es: „Weiber, Husaren und Packknechte, die beim Plündern ertappt werden, sollen sofort gehenkt werden.“
In der Folgezeit versuchte die preußische Armee, die Husaren als eine mustergültige leichte Kavallerie auszubauen. Sie brachte tatsächlich eine Reihe hervorragender Kommandeure hervor wie Zieten, Belling, Puttkamer, Natzmer, Székely und Kleist. Am Ende der Regierungszeit Friedrichs II. waren es zehn Husarenregimenter zu zehn Eskadrons; jedes Regiment war in zwei Bataillone aufgeteilt.
Im Anschluss an die verheerende Niederlage gegen Napoleon von 1806 wurde die preußische Armee grundlegend umgestaltet. Die Husaren hörten auf, eine Spezialwaffe zu sein, da man von jeder Kavallerieeinheit die gleichen Leistungen verlangte. Auch in der Organisation unterschieden sich die Husaren nicht mehr von der anderen Kavallerie.
Deutsches Reich mini|hochkant|Wachtmeister (zu Pferd) und Husar vom preußischen Husaren-Regiment Nr. 10 (1891)