mini|250px|Luftbild der Anlage – Süd (Unten), Nord (Oben) – im Osten das eigentliche KZ-Lager (nördlich davon das Kloster) und im Westen die Kasernenanlage der SS (heute Sitz der bayerischen Bereitschaftspolizei) mini|250px|Die heutige Gedenkstätte (ehemaliges Wirtschaftsgebäude) mini|250px|Drahtverhau. Zaun mit Stacheldraht auf Porzellanisolatoren und Lampen. Kontrollstraße. Vor dem Wachturm eine Ausfahrt nach Osten, durch die Betonelementemauer auf die Alte Römerstraße. – Links im Bild ein Graben.

Die KZ-Gedenkstätte Dachau liegt nordnordwestlich von München am Ostrand von Dachau. Sie wurde am 5. Mai 1965 als Mahnstätte und Erinnerungsort auf dem ehemaligen Häftlingsgelände des Konzentrationslagers Dachau errichtet. Seit 2003 befindet sie sich in Trägerschaft der Stiftung Bayerische Gedenkstätten. Das Archiv der Gedenkstätte und ein Teil der Ausstellung befinden sich im erhalten gebliebenen ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Lagers. Die Gedenkstätte wird jährlich von etwa 1.000.000 Menschen aus aller Welt besucht.

Der Abstand vom Zentrum Münchens beträgt 18 km Luftlinie. Das Areal der Gedenkstätte liegt fast am Ostrand der Mittelstadt Dachau, es orientiert sich wie der Mühlbach Würm und die Alte Römerstraße, zwischen denen es liegt, ziemlich genau nach Norden. Außerhalb schließt noch das Gewerbegebiet Dachau-Ost an. Die Gedenkstätte trägt Hausnummer 75 der östlich anliegenden Alten Römerstraße, die Zufahrt zu Kfz-Parkplätzen bietet. Der Haupteingang befindet sich jedoch im Südwesten an der Adresse des Besucherzentrums, Pater-Roth-Str. 2a.

KZ-Gedenkstätte Dachau (Stammlager) Geschichte 1945–1955 Am 1. Mai 1945 versammelten sich die ehemaligen Häftlinge auf dem Appellplatz, um den „Tag der Befreiung, der Freundschaft und Verbrüderung“ zu feiern. Nach Ländern geordnet machten sie mit Transparenten auf die Losungen der Internationalen Lagergemeinschaft aufmerksam, die sie bis heute verfolgen: „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“

Im einstigen Krematorium des KZ Dachau richteten überlebende Häftlinge noch 1945 einen kleinen Gedenkort ein. Dieser war vielen ein Dorn im Auge: So beantragte etwa der Dachauer CSU-Landrat im Juni 1955 den Abriss des Krematoriums. Das KZ-Gelände wurde zu dieser Zeit als Flüchtlingslager genutzt. In den einstigen Häftlingsbaracken waren sogenannte Vertriebene untergebracht.Michael Backmund, Thies Marsen: »Das deutsche Volk vergisst zu schnell«. Neues Deutschland, 18. April 2020.

1955–1965 Im Mai 1955 fand anlässlich des 10. Jahrestages der Lagerbefreiung ein internationales Treffen ehemaliger Gefangener in Dachau statt. Der Dachauer Landrat Heinrich Junker hatte den Abbruch des Krematoriums gefordert. Das Comité International de Dachau forderte dagegen die Errichtung einer würdigen Mahn- und Gedenkstätte auf dem ehemaligen KZ-Gelände.

1960 wurde im Gebäude des ehemaligen Krematoriums ein provisorisches Museum errichtet. Ursprünglich war auch überlegt worden, nur das Krematorium und die Massengräber auf dem Waldfriedhof und dem KZ-Friedhof Dachau-Leitenberg als Gedenkstätte auszuweisen. Im selben Jahr erbaute die Erzdiözese München und Freising die „Todesangst-Christi-Kapelle“.„Todesangst-Christi-Kapelle“ Sie wurde beim 37. Eucharistischen Weltkongress in München von Weihbischof Neuhäusler am 5. August geweiht und ist „seither eine Wallfahrtsstätte für Zehntausende aus aller Welt“.

Im Jahr 1964 wurde der Karmel Heilig Blut der Unbeschuhten Karmelitinnen errichtet, dessen Innenhof man durch einen früheren Wachturm des KZ betritt.Kloster Karmel Heilig Blut

1965–1975 Zum 20. Jahrestag 1965 kamen über 600 ehemalige Häftlinge aus 14 europäischen Ländern an diesen Ort.

1965 erreichte die Initiative die Errichtung der Gedenkstätte in der heutigen Form. Der Bayerische Jugendring, der DGB und auch der damalige Münchener Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel engagierten sich für den Gedenkort. Weitere Befürworter waren Otto Kohlhofer, Alois Hundhammer, Johannes Neuhäusler und Leonhard Roth.Comite Internationale de Dachau; Barbara Distel, KZ-Gedenkstätte Dachau (Hrsg.): Konzentrationslager Dachau 1933 bis 1945 – Text- und Bilddokumente zur Ausstellung. München 2005, ISBN 3-87490-750-3, S. 218.Das ehemalige Konzentrationslager Dachau, 1945–1968. In: Dachauer Hefte, 1992. Die Original-Baracken wurden aufgrund ihres baufälligen Zustandes abgerissen. Die Umrisse von 32 Baracken wurden in Beton nachgegossen. Die Evangelische Versöhnungskirche und die jüdische Gedenkstätte wurden 1967 errichtet. Als „Weg des Erinnerns“ wurde die ehemalige Schienenstrecke zwischen dem Dachauer Bahnhof und der Gedenkstätte ausgewiesen.

Am 8. September 1968 wurde das Internationale Mahnmal des jugoslawischen Künstlers Nandor Glid enthüllt, das sich auf dem ehemaligen Appellplatz befindet.

1975–1995 Im Frühjahr 1980 traten elf Sinti und eine Sozialarbeiterin auf der Gedenkstätte in den Dachauer Hungerstreik, um auf den Antiziganismus deutscher Behörden aufmerksam zu machen. Nach acht Tagen im Aufenthaltsraum der Versöhnungskirche wurde der Streik abgebrochen; er wurde aber zu einem zentralen Gründungsmoment der Bürgerrechtsbewegung von Sinti und Roma in Deutschland.

Am letzten Tag des Besuchs Erich Honeckers in der Bundesrepublik Deutschland am 11. September 1987 flog Honecker mit seiner Delegation per Hubschrauber zur Gedenkstätte, wo er einen Kranz niederlegte und mit Überlebenden sprach.

1994 wurde von Soldaten der aus Deutschland abziehenden russischen Armee in altrussischem Stil die russisch-orthodoxe Kapelle Auferstehung unseres Herrn zu Ehren der Auferstehung Christi als Gedenkstätte für die orthodoxen Opfer (Russen, Griechen, Serben u. a.) des Nationalsozialismus errichtet. Dabei wirkte auch der ehemalige Gefangene Gleb Rahr mit.In der Kapelle wird ein kleines Holzkreuz aufbewahrt, das Rahr seinerzeit während seiner Lagerhaft selbst gebastelt hatte. Auf der zentralen Auferstehungsikone in der Dachauer Kapelle wurde Gleb Rahr von der Ikonenmalerin indirekt verewigt, indem sie einen der dort abgebildeten Häftlinge Rahrs damalige Häftlingsnummer R64923 tragen ließ. Die Errichtung der Auferstehungskapelle führte später zur Gründung einer Gemeinde des Moskauer Patriarchats in München. Am 29. April 1995 wurde sie eingeweiht.

1995–2005 1995 übernahm erstmals die Bayerische Staatsregierung in Kooperation mit dem Internationalen Dachau-Komitee die Einladung der ehemaligen Häftlinge zur jährlichen Befreiungsfeier. Bedingt durch den politischen Wandel in der Sowjetunion kamen auch viele Überlebende aus Russland.

Im selben Jahr wurde in Landsberg am Lech, dem Ort des größten KZ-Außenlagerkomplexes Kaufering bei Landsberg des KZ Dachaus, die Europäische Holocaustgedenkstätte in Landsberg errichtet. Ebenfalls 1995 hielt Edmund Stoiber als erster bayerischer Ministerpräsident bei einer offiziellen Gedenkfeier in der KZ-Gedenkstätte eine Ansprache. Nach der zentralen Veranstaltung fand in der Münchner Residenz ein Staatsempfang zu Ehren der ehemaligen Häftlinge statt.

In den Jahren 1996 bis 2003 wurde eine neue Ausstellung zur Geschichte des Konzentrationslagers Dachau geschaffen, die unter dem Leitmotiv „Der Weg der Häftlinge“ steht.

1998 entstand eine Internationale Jugendbegegnungsstätte in Dachau.

2000 wurden die ehemaligen Gefängniszellen von Georg Elser mit einer Informationstafel gekennzeichnet.Helga Pfoertner: Mit der Geschichte leben. Bd. 1. Literareron, München 2001, ISBN 3-89675-859-4, S. 85–86 ().

Im Herbst 2000 fand in der Nordostfläche des ehemaligen „Schutzhaftlagers“ eine Suchgrabung durch die Ludwig-Maximilians-Universität München statt. Im April und September 2001 folgten zwei Grabungskampagnen auf dem ehemaligen Schießplatz des Konzentrationslagers Dachau am westlichen Ortstrand von Hebertshausen.Wolfgang David, Archäologische Spurensuche im nationalsozialistischen Konzentrationslager Dachau und auf dem ehemaligen SS-Schießplatz Hebertshausen. In: Ondřej Chvojka, Miloslav Chytráček, Heinz Gruber, Ludwig Husty, Jan John, Wolfgang Klimesch, Ruth Sandner, Karl Schmotz (Hrsg.), Archäologische Arbeitsgemeinschaft Ostbayern/West- und Südböhmen/Oberösterreich – Archeologická pracovní skupina východní Bavorsko/západní a jižní Čechy/Horní Rakousko 30. Treffen/setkání, 22. bis 24. Juni 2022, in Flossenbürg. Fines Transire 30, 2022 (Rahden/Westf. 2023) 269–291. — Wolfgang David, Archäologie im KZ Dachau. Die Anfänge archäologischer Forschungen im nationalsozialistischen Konzentrationslager Dachau um die Jahrtausendwende. Bayerische Archäologie 2024 (Heft 2), 12–21.

2003 kam es zu einer Neugestaltung der Ausstellung.Bericht der Bayerischen Landeszentrale für Politische Bildungsarbeit: Stand 9. Januar 2007. Zusätzlich ist nun der Nachbau einer Baracke zu sehen, deren Innenausbau die Zeit des Lagers reflektiert. Die Trägerschaft der Gedenkstätte wurde in die vom Freistaat Bayern errichtete Stiftung Bayerische Gedenkstätten überführt.

mini|250px|Jourhaus, seit 2005 Eingang zur Gedenkstätte (Originalgebäude) mini|250px|Einer der drei Wachtürme auf der Ostseite des Lagers

Ende April 2005 wurde der Besuchereingang von der Ostseite zum Lagertor am Jourhaus verlegt – dies war früher der einzige Zugang zum Lager. Zum 60. Jahrestag der Befreiung eröffnete Ministerpräsident Edmund Stoiber gemeinsam mit Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und dem Vorsitzenden des CID, General André Delpech, den neuen Zugang, der durch das eiserne Tor mit der berüchtigten Inschrift Arbeit macht frei führt.

Auch kam es zu einer Umgestaltung des Museumskonzepts: Als Mahnmal gegen das NS-Regime wie auch Erinnerungsort der ehemaligen Häftlinge findet der Gedenkort nun verstärkt Verwendung als internationaler Lern- und Gedächtnisort für insbesondere jugendliche Gäste. Durch den Generationswechsel wie auch das absehbare Sterben der verbleibenden Zeitzeugen ist die Gedenkstättenarbeit in Dachau einem tiefgreifenden Umbruch unterworfen.

Es gibt eine Vielzahl von Vereinen und Initiativen sowie Periodika und Veröffentlichungen. Im Frühsommer 1980 entstand der Verein Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung der Dachauer Zeitgeschichte e. V. Es gibt die Würmtaler Bürgerinitiative – Gedenkzug Todesmarsch von Dachau. Der Verein Geschichtswerkstatt Mühldorf e. V. hat sich gebildet, 2001 erschien sein erstes Buch über das dortige Außenlager.Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung der Dachauer Zeitgeschichte e. V., , Verein „Geschichtswerkstatt Mühldorf e. V.“ Günther Egger, Elke Egger: Der Landkreis Mühldorf a. Inn im Nationalsozialismus. Rhombos Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-930894-39-4 (164 Seiten, Illustrationen).

Ab 2005 mini|250px|Max-Mannheimer-Haus Studienzentrum und internationales Jugendgästehaus mini|250px|Besucherzentrum der KZ-Gedenkstätte Dachau (2009 eröffnet) Die Tagung „KZ-Außenlager in Bayern. Bestandsaufnahme und Perspektiven (Dachau, Flossenbürg, 200 Außenlager)“ fand am 17. und 18. November 2006 in Nürnberg statt. Veranstalter war die Stiftung Bayerische Gedenkstätten. In der Landeshauptstadt München finden immer wieder Vorträge und Podiumsdiskussionen statt. Vom 19. bis 26. November 2006 wurde auf den „20. jüdischen Kulturtagen“ auf die „Geschichte der Juden in Bayern“ eingegangen, die sich auch im Konzentrationslager Dachau oder seinen Außenlagern abgespielt hat. Die Kulturtage wurden von der Gesellschaft zur Förderung jüdischer Kultur und Tradition e. V., dem Lehrstuhl für jüdische Geschichte und Kultur der LMU München und der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit unterstützt.Programm der 20. Jüdische Kulturtage 2006

Die Gedenkstätte kooperiert mit der Stadt Dachau bei der Verleihung des Dachau-Preises für Zivilcourage, der seit 2005 vergeben wird.

Nach einer Ausschreibung im Jahr 2005 wurden im Mai 2007 die Bauarbeiten für das neue Besucherzentrum der KZ-Gedenkstätte aufgenommen. Am 30. April 2009 wurde es eröffnet.